Ausgabe 
5.9.1886 Erstes Blatt
 
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206 Erstes Blatt. ^vmuuy w»» _.T..

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Dureaur Schulftraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Betreffend: Die Ausführung des Krankenversicherungsgesetzes.

Gießen, am 4. September 1886.

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Sofia, 3. September. (Privat-Depesche.) Fürst Alexander ist Vor­mittags 11 Uhr hier eingetrosfen. Die Stadt ist reich bestaggt. Eine große Anzahl Einwohner von Stadt und umliegenden Ortschaften auf beiden Seiten

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Deutschland.

Jagdschloß Wolfsgarten, 3. September. Se. König!. Hoheit der Großherzog begrüßten gestern auf dem Bahnhof in Langen Se. Königl. Hoheit den Prinzen von Wales und fuhren mit Höchstdemselben nach Darmstadt, um dort das Mousoleum zu besuchen, wo der Prinz am Grabe der Höchstseligen Großherzogin Alice einen prachtvollen Kranz niederlegte. Gegen Abend erfolgte die Rückfahrt hierher über Kranichstein. Nach der Tafel hier, an welcher das Gefolge des Prinzen theilnahm, fuhr Se. Königl. Hoheit, von dem Großherzog bis Langen begleitet, wieder nach Homburg zurück.

Heute Nachmittag werden Se. Kgl. Hoheit der Großherzog, Se. Kgl. Hoheit der Erbgroßherzog, sowie Ihre Großh. Hoheiten die Prinzessinnen Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, und Irene in Frankfurt a. M. mit dem Prinzen und der Prinzessin von Wales Zusammentreffen, da deren Rück­reise nach England in den nächsten Tagen erfolgen dürfte.

Berlin, 3. September. Ein Telegramm desBert. Tagebl." aus Sofia, 3 Uhr Nachmittags, meldet: Fürst Alexander ist soeben feierlich in Sofia eingezogen, von den Truppen und von der Bevölkerung aus's Wärmste begrübt. Der Fürst wechselte mit den Spitzen des Militärs und den Sivil- Autoritäten kurze Begrüßungen. Von dem diplomatischen Corps fehlten bei dem Empfange im Palais der deutsche und der russische Vertreter. Die Stimmung ist herzlich, doch nicht lärmend, der Gesammt»Eindruck groß, aber doch gedämpft. (Fr. Ztg.)

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Hesterreich.

Wien, 3. September. DieNeue Fr. Presse" meldet aus Sofia: Fürst Alexander hat unter unbeschreiblichem Jubel der Bevölkerung seinen Einzug gehalten. (Fr. Ztg.)

England.

London, 3. September. Der Marineminister Hamilton hielt gestern auf einem Banket zu Sheffield eine Rede, in der er bezüglich der afghanischen Grenzabsteckung sagte, dieselbe sei vollständig mit Ausnahme eines einzigen Punktes. Er hoffe, diese glückliche Lösung werde viele Jahre Bestand haben. Die bulgarische Angelegenheit betreffend, hofft Hamilton, die Begeisterung und Ergebenheit für den Fürsten, die anläßlich des abscheulichen Complots sich kund­gegeben habe, sichere den Fürsten für immer gegen ähnliche Anschläge. Wenn gewiffe Blätter von KrtegSvorbereitungen Europas sprächen, so glaube er, es habe niemals eine Zeit gegeben, wo die Völker Europas mehr zum Frieden geneigt waren, als gegenwärtig. Er hoffe, diese Gesinnungen der Völker wür­den künftig einen vorherrschenden Einfluß aus die Politik ihrer Regierungen ausüben.

Rußland.

^ MD-kau, 3. September. DieMosk. Ztg/ sagt: Indem der Kaiser dre Rückkehr des Fürsten von Bulgarien nicht gutheiße, vielmehr wünsche, daß der Fürst nicht in Bulgarien bleibe, verpflichte er den Fürsten zu dem gegebenen Worte, die von Rußland verliehene Krone an den Kaiser zurückzugeben. Der Fürst möge mit diesem Schritte nicht zögern, den seine Ehre und sein Gewissen forderten. Jede Stunde längeren Verweilens in Bulgarien verstärke unnöthiger Wem das liebet und bedrohe Bulgarien mit neuen Leiden ohne Nutzen für den Fürsten selber.

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Gefunden: 2 Paar Handschuhe, 1 einzelner Handschuh, 1 leinenes Hemd, 1 Sonnenschirm, 1 Paar Frauenschuhe.

Zugeflogen: 1 Hahn.

Gießen, den 4. September 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius. _____

Herrn bMthr. «bei ibach 6233 nhsrn.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grobherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises, drei Tagm°bei°Meidung^von"l ^Strafe Bürgermeistereien erinnern wir an Erledigung unserer Verfügung vom 23. v. M. (Anzeiger Nr. 196) innerhalb ___________________________ I. V.: Nover.

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Telegraphische Depesche«.

SBolffS Wut» Loriefporrdem Bmtuitt.

~ a September. Die derHalle'schen Zeitung" entstammende Meldung:

Das Hessische Großherzogllche Haus war entschieden gegen die Rückkehr des Bul- garenfursten.^ Ein Telegramm an den Reichskanzler wurde dahin beantwortet, man müsse dem Fürsten vollkommene Freiheit seiner Entschlüsse lassen, der Reichskanzler rathe weder ab noch zu", wird von derRordd. Allg. Ztg." für unrichtig erklärt. Der Echskanzlcr habe kein solches Telegramm erhalten, auch nicht die ihm zugeschriebene Antwort ertheilt. Von dem ganzen Depeschenwechsel sei kein Wort wahr.

_ Wien, 3. September. Die hiesigen Blätter halten die Abdankung des Fürsten ^".dulgarien für wahrscheinlich. DiePresse" meint jedoch, daß die kommenden ^reigmsse nicht über den Rahmen einer localen Bewegung htnausgreifen würden.

P1?!-3, ??^mber. Das Fremdenblatt" deutet die Depesche des Fürsten Alexander dahm daß dreier nach Herstellung der Ordnung in Bulgarien abdanken WC?C< ^^ine Hrkkunst nahezuausfichtslos geworden sei. DiePresse" sieht vor- aus, daß das Ansehen des Fürsten durch seine Depesche Schaden leiden werde, lieber das endgrltrge Schicksal des Fürsten Alexander sei kein Zweifel zulässig. Auch die kommenden Ereignisse wurden über den Rahmen einer lokalen Bewegung nicht hinaus- Pfcrn; ~ DieReue freie Presse" hegt die Besorgniß, daß der Widerstand gegen dre Autorität des Fürsten sich nun wieder aufrichten werde. 0 0

_ ^th, 3 September. Die deutsche Militärdeputation wohnte heute in der Sui e des Kaisers dem Manöver bei Bicske bei und besuchte Nachmittags den Banus Grasen Kynen.

' , Bei dem gestrigen, die ofsiciellen Festlichkeiten schließenden Bankette des

Pesther Munrciprums brachte der Oberbürgermeister zuerst einen deutschen Toast aus den osterrerchischen Kaiser und auf den glorreichen Alliirten, den Kaiser Wilhelm, an welchem dre Vorsehung bereits Wunder gewirkt, indem sie ihn bis zu so außerordent­lich hohem Alter in voller Rüstigkeit und Thatkraft erhielt, und als Fürsten, von dem Europa wisse, daß all fern Srnnen und Trachten darauf gerichtet sei, den Weltfrieden zu erhalten. Möge es ihm vergönnt sein, durch die gütige Vorsehung »um Stolre Deutschlands, zur Freude seines hohen Verbündeten und der Völker Oestm-eich-Unaars zur Sicherung des europäischen Friedens noch lange, sehr lange glücklich zu wirken" Das wünsche ich von ganzem Herzen in der Tiefe meiner Seele. Kaiser Wilhelm lebe W- Nach dem Toaste auf dm deutschen Kaiser trank der Arbeitsminister Kemenv auf das Wohl der anwesenden ^Vertreter der glorreichen preußischen Armee. Hierauf sprach Gem ul - Lieutenant v. ^chlrchting Folgendes: Die militärischen Gefühle die mich bei diesem Feste bewegen, die, wie ich meine, international sind, veranlassen mich bas Wort zu ergreifen. Mit derselben Gesinnung, womit der Kurfürst von Branden­burg vor zwei Jahrhunderten in den österreichischen Armeeverband und die Genossen­schaft der ungarischen Truppen seine Schaaren entsandte, komme ich zu Ihnen um herzlich Gluck zu wünschen. Der König hat dafür gesorgt, daß wir echte Nachkommen DerMigen seien, die vor 200 Jahren hier gewesen. Zwei Vertreter bringen Ihnen den Gruß derselben Fahne, die vor 200 Jahren durch die Ofener Bresche gegangen Zwei andere Vertreter legen gleichzeitig ein Lorbeerblatt auf das Grab ihrer Vorfahren" die in den Kämpfen um Ofen gefallen. Es gibt auch unter Nationen ein Stück Blutsverwandtschaft. Die hier erschienenen Bundesgenossen haben sich seit zweihundert Jahren zu großen selbstständigen Staatsgebilden herausgestaltet. Unser aller Wunsch ist, daß diese Waffenfreundschaft auch in Zukunft so fortblühe, wie es in der Ver­gangenheit gewesen. Ich erhebe mein Glas in Hochachtung und Ergebenheit vor dem Kaiser und Könige und leere es auf das Wohlergehen des Königreichs Ungarn und- semer Jubilarin!"

nbgeretfT6' 3* (5cptetnber* knister Gautsch ist gestern Nachmittag nach Berliw

Paris, 3. September. Das JournalParis" schreibt, die letzten Nachrichten aus Sofia ließen die Lage der Dinge in Bulgarien getrübt erscheinen. Die Ant­wort des russischen Kaisers auf das Telegramm des Bulgarenfürsten habe den Enthusiasmus abgekühlt.

i c>.'/H°vas"-Meldung aus Philippopel: Ueber die Schienen, welche der Aua m" dem Fürsten Alexander passiren mußte, waren an einer Stelle Holzscheite gelegt worden. Dem Locomotivführer gelang es, kurz vor der betreffenden Stelle den Aua -um Stehen zu bringen, so daß eine Entgleisung vermieden wurde.

London, 3. September. Der englische Generalconsul für Sofia, Lascellas ist vertreten^ Kosten zurückgekehrt, um England beim Einzuge des Fürsten in Sofia zu

London, 3. September. Sämmtliche Morgenblätter besprechen den Devescken- wechsel zwischen dem Kaiser Alexander und dem Fürsten von Bulgarien und äußern sich übereinstimmend dahin, daß die Abdankung des Fürsten fast unvermeidlich sei und alsdann eine Intervention Rußlands in Bulgarien unausbleiblich werde. Die Times" urchtet, die Antwort des Kaisers werde die russische Partei in Bulgarien verstärken und ermuntern, die Stellung des Fürsten dagegen entsprechend schwächen. Die beste Hoffnung des Fürsten auf die Sicherheit und Stabilität seiner Stellung liege in einer vernünftigen Beherrschung der bulgarischen Bevölkerung und in seiner Befähigung, die Bande der Eintracht zwischen den emanzipirten Nationalitäten im Südosteu Europas fester zu knüpfen.

Petersburg, 3. September. DasJournal de St. Petersbourg" schreibt: Die kaiserliche Antwortsdepesche auf das Telegramm des Fürsten Alexander bedarf keinerlei Kommentars. Sie stellt die Frage, welche durch die von dem Fürsten ange­nommene Haltung aufgeworfen wurde, auf vollkommen klaren Boden.

Philippopel, 3. September. Fürst Alexander ist heute früh 8 Uhr einge- roffen. /Leine Ankunft wurde durch die vielfachen Beweise der Ergebenheit seitens >er Bevölkerung auf dem Wege hierher verzögert. Auf der Strecke von Jenisagra hierher, welche der Fürst Nachts passirte, war die Bevölkerung aus allen Stationen, zusammengeströmt, um ihm zu huldigen.