— Wie die „Times" erfährt, enthält die bulgarisch-türkische Abmachung folgende Punkte: Beide Parteien anerkennen den Berliner Vertrag als zu Kraft bestehend, ausgenommen da, wo er vurch die neue Abmachung modisicirt wird. Das organische Statut wird revidirt, gewiffe türkische Dörfer Ost-Rume- ltens bleiben der Pforte unterthänig, Alexander wird zum Gouverneur von Ost-Rumelien für 5 Jahre ernannt und seine Ernennung wird nach dem Belieben des Sultans erneuert, ohne die Nothwendigkeit einer weiteren Berufung an die Mächte. Der Fürst verpflichtet sich, die Türkei zu vertheidigen.
x Darmstadt, 3. Februar. (Zweite Kammer der Landstände.) In der heutigen Sitzung der II. Kammer stand die Vorlage der Großh. Negierung wegen Errichtung eines chemischen Laboratoriums für die Landesuniversität in Gießen, sowie wegen des Baues einer Dienstwohnung für den Direktor dieses Laboratoriums zur Berathung. Die Negierung hatte für ersteres den Betrag von 2900()0 X, sowie für die Dienstwohnung des Direktors die Summe von 34200 X angefordert, wogegen der 2. Ausschuß der Kammer bezüglich dieser beiden Punkte nur 213600 X einschließlich der in demselben unterzubringenden Direktorwohnung und der Beschaffung des geeigneten Bauplatzes zu verwilligen beantragte. Die Kammer schloß sich dem Ausschußantrag ohne Debatte einstimmig an.
Bezüglich der Vorlage des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz und der Finanzen über Errichtung neuer Gebäude für die medizinische Klinik, für das pathologisch-anatomische Institut und für die gynäkologische Klinik nebst Entbindungsanstalt, sowie die Einrichtung des seither als Entbindungsanstalt benutzten Gebäudes für den Zweck des physiologischen Instituts an der Landesuniversität hatte die Regierung die Summe von 1441800 X, außerdem 54000 X. für Zinsen während der Bauzeit und 171400 X für Einführung der Dampfluftheizung und zugehörigen Ventilation in der medizinischen und gynäkolsgischen Klinik gefordert. Der Ausschuß beantragt jedoch, da die Nothwendigkeit dieser Neubauten anerkannt wird, die Summe von 1094600 X: als Pauschsumme mit der Beschränkung zur Disposition zu stellen, daß Ersparnisse, die durch Abgebote erzielt werden, nur zur Deckung von Aufgeboten über die Voranschläge oder zu Fundamentirungsarbeiten verwendet werden dürfen; ferner unter der gleichen Beschränkung für Einrichtung der Heizung mit Ventilation in der medizinischen und gynäkologischen Klinik 154260 Jt im Höchstbetrag zu bewilligen. Nachdem Herr Geh. Staatsrath Knorr mit warmen Worten für die Bewilligung der Regierungs-Vorlage eingetreten war und die an der Klinik herrschenden Mißstände ausführlich erläutert hatte, sprachen für den Ausschußantrag die Abgg. Pogt, Schröder, Schade, Tecklenburg. Abg. Ulrich wünscht bei Ausführung der Bauten nur einheimische Arbeiter verwendet zu haben und bittet Großh. Negierung in diesem Sinne eine Verfügung zu treffen. Abg. Metz, der sich ini Einverständniß mit der Regierungs-Vorlage befindcr, empfiehlt, da eine Beschleunigung des Baues geboten erscheine, das Engagement eines besonderen Baumeisters. Herr Ministerial-Rath Horst erklärt sich Namens der Negierung mit dem Wunsche des Abg. Metz einverstanden. Nach längerer Debatte, in der Abg. Franck vorschlägt, die augeforderte Summe von IJ/2 Million auf mehrere Bauperioden zu vertheilen, und Präs. Kugler Vorsicht bezüglich der Heizungs- und Ventilationsanlagen anempsichlt, wurde der Ausschußantrag mit allen gegen 2 Stimmen (Franck, Stephan) angenommen.
Der erste Antrag des Abg. Schade und Genossen: die Tagegebühren und Transportkosten der Kreisschulinspectoren künftig au§ der Staatskasse zu zahlen wird gemäß eines bezüglichen Ausschußantrags abgelehnt, dagegen der zweite Antrag, dahin gehend, die Reisekosten und Tagegebühren des Kreisschulinspectors und der übrigen Mitglieder der Kreisschulkommission auS der Staatskasse zu zahlen, mit der Modisikaton angenommen, daß nur die Kosten und Gebühren der Schulinspectoren und des Vorsitzenden der Kreisschulcommission der Staatskasse zur Last fallen.
Zur Berathung stehen noch die Anträge 1) der Abgg. Ohly und Wolfs kehl, die Vorschule für das Gymnasium zu Darmstadt mit dieser Anstalt zu vereinigen und die entstehenden Kosten auf den Staat zu übernehmen, 2) des Abgeordneten Metz (Gießen) und des Abg. Reinhart (Worms) bezüglich der gleichen Vereinigung der Anstalten in Gießen und Worms.
Der Ausschuß hatte sich in eine Majorität und eine Minorität gespalten, von denen erstere beantragte, ad 1 die Großh. Regierung zu ermächtigen, die zu Darmstadt, Gießen, Worms und Bensheim bestehenden Vorschulen als organisch mit den Gymnasien verbundene Staatsanstalten zu erklären, ad 2 diese Anträge für erledigt zu erklären, wogegen die Minorität sämmtliche Anträge abgelehnt wissen will.
Für de» Antrag der Majorität sprechen die Abgg. Metz (Gießen) und Wolfs- keh l (Darmstadt), letzterer weist besonders auf die schlechten Zustände des Darmstädter Gymnasiums bin und ersucht die Regierung, die in Bearbeitung befindliche Vorlage wegen Ausführung eines Neubaues möglichst zu beschleunigen.
Geh. Staatsrath Knorr erklärt, daß die Negierung nach vorgenommener Prüfung den Neubau eines Gymnasiums zu Darmstadt für unumgänglich nöthig halte und der Kammer demnächst entsprechende Vorlage machen werde. Auch könne fie sich der Nothwendigkeit der Uebcrnahme der Vorschule durch den Staat nicht verschließen.
Wegen vorgerückter Zeit wird die Verhandlung abgebrochen und in morgiger- Sitzung fortgesetzt.
Reichstag.
E. R. Berlin, 3. Februar 1886.
Der Reichstag berieth heute in erster Lesung den Gesetzentwurf, betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen.
Abg. v. Franckenstetn ((Str.) erkannte an, daß die gegenwärtige Vorlage in einigen Punkten den Wünschen des Hauses nachgebildet sei; gut sei es, daß die Bestimmung der Versicherungspflichtigkeit der Familienangehörigen fortgefallen sei. Bedenklich finde er es aber, daß der Entwurf die Fortbildung eines Gesetzes sei, das erst im October v. I. in Kraft getreten, für welches also Erfahrungen nicht vorliegen. Das Gesetz gehe zu sehr in'S Detail und werde sich, da eS allzu centralistisch angelegt sei, sich in Deutschland schwer einbürgern. Der Reichstag müsse die Grundsätze auf- stelleu, aber die Details könnten der Landesgesetzgebung überlassen werden.
Abg. Schrader (dfr.): Der Ausschluß der Familienangehörigen von der Ver- sicherungspflicht sei nicht zu billigen, da eine Scheidung der Betriebe mit und ohne Familienangehörige nicht möglich. Die Anwendbarkeit der theuren Berufsgenossenschaften auf den landwirthschaftlichen Betrieb sei 311 leugnen, die Möglichkeit der Ueber- tragung der Geschäfte der Berufsgenossenschaften an die Organe der Selbstverwaltung sei eine Bankerotterklärung der Berufsgenossenschaften. Der mit der Vorlage beschrittene Weg sei möglicherweise für die Industrie gangbar, für andere Kreise nicht; deshalb werde seine Partei, wenn einmal die Frage zu entscheiden sein werde, ob nicht ein anderer Weg einzuschlagen sei, ihrerseits mit positiven Vorschlägen hervortreten.
Staatssekretär v. Bötticher: Nach den bisher erzielten Resultaten der Unfallversicherungsgesetze erscheine der beschrittene Weg keinesfalls unrichtig. Für höhere Kosten, als sie bei der Privatversicherung beständen, sei heute noch kein Beweis zu führen. Für die ländlichen Arbeiter werden sich die Kosten pro Kopf auf etwa 40 & belaufen. Ein Verzicht auf berufsgenossenschaftliche Thätigkeit liege in der Gestaltung der getadelten Möglichkeit nicht. Die Regierung habe keineswegs zugegeben, daß die Socialreform in's Stocken gerathen sei, es solle nur mit der Alters- und Invalidenversicherung gewartet werden, bis möglichst weite Kreise von der Unfallversicherung umfaßt sein würden. Eine allzu große Belastung des NeichsoersicheruugsamteS sei nicht zuzugeben.
Abg. Buhl (nat.-lib.) verlangt die obligatorische Versicherung aller Arbeiter der Landwirthschaft, die VerwaltungSkosten müßten mit den Entschädigungssätzen in Ueber- Linstimmung gebracht werden.
Abg. Frohme (Scdm.) macht erhebliche Bedenken gegen die Vorlage geltend und spricht sich besonders nicht nur für die obligatorische Versicherung der Kranken sondern auch der von einem Unfall Betroffenen aus.
Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. v. M a l tz a h n - G ü l tz und v. Helldvrf wird die Vorlage an eine Eommission verwiesen.
Nächste Sitzung morgen.
Telegraphische Depesche«.
Wolss'r telegr. Correspondenz • Brrrrarr«
Berlin, 3. Februar. Das Abgeordnetenhaus genehmigte die Einnahmen und Ausgaben der directen Steuern unverändert. Im Laufe der Debatte erklärte der Finanzminister gegenüber mehrfachen Aeußerungen über die Nothwendigkeit der Wiederaufnahme die Steuerfinanzreform in Preußen, die frühere Vorlage wegen der Reform der directen Steuern habe Punkt für Punkt der vorher vom Hause beschlossenen Resolution entsprochen, die Regierung habe aber darauf eine volle Absage erhalten und werde die Vorlage in dieser Session nicht wiederbringen. Die Kapitalrentensteuer war ein Erfarderniß für die Steuerreform, so lange die Grundgebäudesteuer aufrecht erhalten wurde, verlor aber den Eharacter des Komplements, nachdem die ganze oder die theilweise Aufhebung der Grundgebäudesteuer in Aussicht genommen sei. Ferner sprach der Minister die Hoffnung aus, der Reichstag werde das Branntweinmonopol bewilligen, für dessen Erträgnisse die Negierung ihr Programm entwickele. Die Negierung habe mit dem Programm keine unerfüllbaren Versprechungen gemacht. Vom Volke werde der Regierung zugestimmt.
Dessau, 3. Februar. Der Erbprinz von Anhalt ist gestern Abend in Cannes gestorben.
Colmar, 3. Februar. In der Berufungssache der Fabrikanten Schaller und Bergmann gegen die kaiserliche Tabaksmanufaktur zu Straßburg hat das hiesige Ober- landesgericht ein bedingtes Endurtheil gesprochen, wonach die Marke der schwarzen Hand den FabrikantenSchaller und Bergmann zustehen soll, wenn dieselben den Eid leisten, daß sie sich diese Marke zum eigenen Gebrauch und nicht zur Verhinderung des Gebrauches durch die Manufaktur, angeeignet haben.
Pefth, 3. Februar. Die Bahnlinie Bruck-Wien hat ihren Verkehr wegen Schnec- sturm beute Nachmittag eingestellt.
Paris, 3. Februar. Es bestätigt sich, daß Artaud, der heute einen Mvrd- versuch gegen den Gutsbesitzer Montauzan unternahm, geisteskrank ist. Der Oheim des Thäters, Hausmann, hatte bereits vor der That mit einem Advocaten conferirt, uni die Stellung Artaud's unter Vormundschaft herbeizuführen.
Paris, 3. Februar. Der Kriegsminister ordnete heute weitere Verlegungen von Cavallerie - Regimentern an. — Patrimonio wurde zum Minister - Residenten Frankreichs in Eettinje ernannt.
— Der Plan einer allgemeinen Ausstellung im Jahre 1889 auf Grundlage der Mitwirkung einer Garantiegesellschast ist festgestellt. Von dem auf 40 Mill, bemessenen Garantiekapital werden 20 von dieser Gesellschaft, 12 vom Staate, 8 von der Stadt Paris beigesteucrt.
Bukarest, 3. Februar. Der König empfing heute die Telegirten der Friedensverhandlungen. Die erste Sitzung derselben findet morgen im Gebäude des Finanzministeriums statt.
Petersburg, 3. Februar. Ter Fürst von Montenegro, der heute Abend hier erwartet wird und dessen Aufenthalt hierselbst etwa 8 Tage währen dürfte, nimmt im Winterpalais Absteigequartier. General k la suite Fürst Orloff - Denissoff reist dem Fürsten bis Wirballen entgegen und bleibt demselben während seines hiesigen Aufenthalts beigegeben.
Odessa, 3. Februar. Die Rhede von Kertsch ist zugefroren.
Konstantinopel, 3. Februar. In dem Rundschreiben, mit welchem die Pforte den Mächten das türkisch-bulgarische Uebereinkommen mittheilt, wird gleichzeitig die Einberufung einer Conferenz behufs Ratification desselben angeregt.
— In Anbetracht, daß in Battaglia neuerdings 11 Eholerafälle vorgekommen, ist für Provenienzen ans Venedig vom 31. Januar ab wiederum eine 48stündige Observation angeordnet worden.
Athen, 3. Februar, lieber die Antwort Griechenlands auf die Eollectivnote der Mächte wird noch bekannt: Die Negierung hält es für überflüssig, ihren Standpunkt, welcher bereits früher den Großmächten zur Kenntniß gebracht fei, von Neuem darzulegen; sie lehnt die Verantwortung für die Folgen eines eventuellen Conflicts ab; sie weift ferner darauf hin, daß sie jedes Hinderniß, welches der freien Verwendung ihrer Seestreitkräfte in den Weg gelegt werden würde, als unvereinbar mit der Unabhängigkeit des Staates, mit den Rechten der Krone und den politischen Interessen des Landes werde ansehen müssen.
Washington, 3. Februar. Die Gemahlin des Staatssecretärs Bayard ist gestorben.
Lokale-.
6. Giessen, 4. Februar. (Sterblichkeit in Gießen.j Die Zahl der Todesfälle in unserer Stadt während der verflossenen Woche blieb auf demselben mäßigen Punkte, wie in der unmittelbar vorhergehenden, nämlich auf 7. Bei 5 erwachsenen Personen war Todesursache: Lungenschwindsucht zweimal, Eitervergiftung, Blasenentzündung, Zuckerruhr je einmal. Ein Kind im Alter von 4 Monaten erlag Krämpfen, ein Kind im zweiten Lebensjahre der Lungenschwindsucht.
Giessen, 4. Februar. Sicherem Vernehmen nach feiert der hiesige Turnverein fein diesjähriges Winterfest am Samstag, den 27. Februar d. I. in Stein's Etablissement. Das Programm werden wir später veröffentlichen und können wir nur heute die Mitglieder darauf aufmerksam machen, daß der Vorstand in Betreff des Arrangements etwas Außergewöhnliches bieten wird, um seinen Mitgliedern einen recht vergnügten Abend zu bereiten.
Aas Paradies und die Peri-
Dichtung aus Latta Rookh von Th. Moore, Musik von R. Schumann.
VI.
*** Der vom Eomponisten so geschmackvoll umgewandelte Nomanzenstyl konnnt gleich im ersten Gesänge der Peri: „Wie glücklich sie wandeln" zu vortrefflicher Verwendung, um die namenlose Sehnsucht nach dem verlorenen Paradiese mit einfachen, aber erschöpfenden Mitteln auStönen zu lassen.
Die Verheißung des Engels: daß Pcri's Schuld getilgt sei, wenn sie des Himmels schönste Gabe darbringe, erfüllt ihr aanzes Wesen mit glühender Hast, welche sich vornehmlich in der Begleitung zu dem darauf folgenden Recitativ kundgibt.
In der von indischem Feuer durchdrungenen Arie läßt sie alle Schätze an sich vorüberziehen und mit der wehmüthigen Gewißheit, daß nichts unter ihnen, welches ihr als die geforderte Opfergabe würdig erscheint, entschwebt sie unseren Augen.
Wir finden sic alsdann auf dem Schlachtfelde wieder, wo sie über dem Leichnam jenes edlen Jünglings, der den Tyrannen und Unterdrücker seines Vaterlandes mit dem Pfeil durchbohren wollte, und da er ihn fehlte, unter feiner Hand fiel. Das letzte Tröpflein Blut, das dem Heldenherzen entquoll, bevor sich der freie Geist auf schwang, nimmt sie und unter dem Jubelgesang: „Sei dies mein Geschenk" steigt sie empor zu den Pforten Edens, „denn heilig ist das Blut, das für die Freiheit verspritzt vom Heldenmuth. Sei dies dein Geschenk, willkommen dorten." Aus dieser Sentenz entwickelt sich ein fugirter Schlußchor. Aehnlich wie Händel trachtet Schumann auch nach einer mächtig schallenden Verarbeitung des Themas.
Der zweite Theil erhält einen ähnlichen Verlauf wie dcr erste. Wieder erscheint Peri vor Edens Thor, wird zttrückgewiesen und auf ihrem wiederholten Fluge durch die Welt ergreift fie die zweite vermeintliche Gabe für den Himmel.
Im Jubel hierüber schließt also auch der zweite Theil, wie der erste, so daß der dritte wiederum wie der erste und zweite beginnt.
. Der Peri verkündet der Chor der Engel: „Viel heiliger muß die Gabe sein, die dich zum Thor des Lichts läßt ein." Trauernd steigt sie zur Erde nieder, tun im Lande der Pest die zweite Gabe zu finden. Eine Braut, nicht das schreckliche Gift, nicht den Tod schauend, eilt zu ihrem Geliebten, der bereits von der Krankheit ergriffen ist und will mit ihm vereint leben oder sterben, ein schneller Tod führt beide zu ewiger Vereinigung. Peri singt ihnen das Grablied, weich, süß und wehmüthig und, indem der Chor einstimmt, schwingt sie sich wieder aus nach den Pforten des Paradieses mit dem letzten Seufzer reiner, wahrer Liebe. So schließt der zweite Theil des Oratoriums, —-


