Ausgabe 
4.7.1886 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Wochen bekannt wurde officiell angezeigt. __ Nach diesem offenbaren Acte der Courtoisie zu urtheilen, scheinen die französisch-englrfchen Beziehungen trotz der Hebridenfrage durchaus freundschaftlicher Natur zu sein.

Auf dem Gebiete der Orientangelegenheiten Md lediglich die bekannten gereizten Aeußerungen der Petersburger Officichen gegen Bul- aarien itnd die Pforte zu verzeichnen. Sie entspringen dem Unmuthe der russischen Politiker über die bulgarisch - türkische Intimität, daß sie aber der Vorläufer einer beunruhigenden Action Rußlands auf der Balkanhalbinsel sein sollten, ist um so weniger anzunehmen, als ja das russische Kaiserpaar eme Vergnügungsreise nach den finnischen Scheeren angetreten hat, während Herr von Giers im Begriffe steht, sich zum Curgebrauch nach Franzensbad zu begeben. __________________________

Bsswt-HSteh.

Frankfurt, 25. Juni. Die Frau eines Bürgers des Westendes unterhielt seit einiger Zeit mit einem jungen Cavalier hinter dem Rücken ihres kranken Gatten ein sehr intunes unerlaubtes Verhältniß. Lange Zett blieb dies dem Gatten unbekannt, bis er vor einigen Tagen in der Tasche des Schlafrocks seiner Frau ein bittet ent­deckte, das eine Einladung zu einem Ausfluge nach einer benachbarten Badefladt enthielt. Unterzeichnet war das Billet mit den Worten:Dem Dich treu llebender Adolf" Der Finder des Billets machte seiner Frau gar keinen Vorwurf und thettte ihr überhaupt seine Entdeckung nicht mit. Als seine Gattin unter der Vorgabe, nut mehreren Damen einen Waldspaziergang machen zu wollen, sich zur Bahn begab, um ihren Geliebten zu treffen, lag der kranke Mann noch ruhig auf fernem Sopha. Kaum batte sie iedoch das Haus verlassen, so eilte auch er davon, schwang sich m eme Droschke uni) ließ sich nach dem betreffenden Bahnhof fahren. Er löste sich ganz ruhig em Billet nach derselben Stadt, die seine Frau heimlich besuchen wollte und hatte das Glück, unbemerkt in den Zug einsteigen zu können. An der Endstation stieg er erst aus als seine treulose Gattin und ihr Geliebter bereits den Bahnhof verlassen hatte, alsdann gab er einem Droschkenkutscher den Auftrag, ihn schleunigst der vorauseilenden Droschke nachfahren zu wollen. Vor einem feineren Restaurant wurde gehalten. Herr S. trat gerade ein, als sich seine Gattin an der Seite ihres Geliebten bequem gemacht hatte und man den bestellten Kaffee erwartete. Mit den Worten:Ich trinke mit" sah plötzlich der Herr Gemahl neben seiner treulosen Gattin, die vor Schreck das Bewußtsein verlor. Ihr Begleiter verlor bei Ansichtigwerden des Ehemannes allen Muth stammelte einige Worte und wollte davoneilen. Doch das ging nicht so leicht, denn der ergrimmte Gatte rief den Kellnern des Restaurants zu:Haltet den Spitz­buben!" Die Kellner kamen dem Wunsche nach. Sie erfaßten den Fliehenden, der sich sträubte und führten ihn gewaltsam in's Lokal zurück. In Gegenwart mehrerer Zeugen, darunter auch einige Herren und Damen aus Frankfurt, wurde der Name des Frauenverführers festgestellt, worauf man ihn laufen ließ. Der Vorfall hat großes Aufsehen erregt. In der unangenehmsten Situation befand sich jedoch die nach und nach zum Bewußtsein zurückgekehrte Ehebrecherin, die von ihrem Manne gezwungen wurde, noch einige Zeit bei ihm im Restaurant auszuhalten. Der Hintergangene Ehe­mann reichte sofort Scheidungsklage ein und verlangte Bestrafung des Verführers seiner Frau. Die Entlarvte kehrte sofort zu ihren Eltern zurück. Sie soll ein Vermögen von nahe an 130,000 JL mit in die Ehe gebracht haben, das zum größten Theil den vorhandenen Kindern zufallen wird. (O. Z.)

lieber die Verlobungsaffaire des verstorbenen Bayernkönigs und andere Personalien bringt dieEisenacher Tagespost" interessante Mittheilungen aus der Feder einesmit den bayerischen und speciell Münchener Verhältnissen sehr vertrauten her­vorragenden Schriffftellers". Das Bild, das der Autor (ersichtlich der bekannte Romanschriftsteller August Becker) vom König entwirft, weicht in wesentlichen Punkten von den landläufigen Darstellungen ab und zerstört manche Illusionen. Wir geben daraus folgende Züge wieder:Die ganze Erzählung der Brautgeschichte des Königs ist falsch. Damit verhielt es sich in nuce folgendermaßen: Herzogin Sophie, die Schwester der Kaiserin von Oesterreich, war die erste fürstliche junge Dame, die der König sah, und sofort bot er ihr seine Hand an. Als aber der König nach vielen Monaten keine Anstalten zur Hochzeit traf und man auf seine bereits bekannte Eharacteranlage hin wettete, daß aus der Heirath nichts werde, mahnte Herzog Max, der Vater der Braut, seinenlieben Vetter", entweder Ernst zu machen oder das Wort zurückzugeben. Darauf erfolgte die Auflösung des Verlöbnisses, wobei jedoch der König nachträglich noch an die gewesene Braut schrieb:Theure Else, ich werde Dir ewig treu bleiben. Dein unglücklicher Heinrich." Nämlich Heinrich Lohengrin. Um nun dieses Vorgehen des königlichen Herrn zu beschönigen, gingen von dem niederen Hofschranzenthum jene Gerüchte aus von einer vorgeblichen Liebelei mit einem Photo­graphen E. H., den ich sehr gut kannte, mährend sich doch der ganze Verkehr darauf

Man hing.

Und das

beschränkte, daß sich Herzogin Sophie einige Mal tn Begle ung ihrer Hofdamen und cin?s Eavaliers von dem bezeichneten E. H. für ihren Brauttgam photographrren ließ Daß die Auflösung der Brautschaft zu reden gab erscheint sehr natürlich, da Prin­zessin Sophie Jedermann bekannt war. Langst ist sie Herzogin von Alenpon. Nun mögen wir Deutsche von den Orleans polittsch denken, wie wir wollen, allem w r dürfen wahrlich nicht voraussetzen, daß einem dieser Pnnzen die Ehre seiner Braut und nicht ebenso hoch stehe als irgend wem von uns. Der eigentliche Grund des Rück­tritts liegt in der krankhaften Sentimentalität des Königs und ist in seinem Anlaß ei7so belanglos kleinlicher, daß es sich nicht der Mühe lohnt ihn nuranzudeuten. Der Roman von einem gewissenStift", der die Llebesgeschichtvdes^Königs> aus der Ferne behandelt, erschien erst in den siebziger Zähren als em aus Sensation berechnetes Machwerk ohne jegliche Kenntniß der Verhältnisse und Personen. Ein anderes, früher (1868) erschienenes Sittenbild jener Zeit istVervehmt , von einem Venasser, der^ mit den Verhältnissen vertraut, damals mitten im Münchener Leben stand, der Liebes- episode des Königs aber so wenig gedenkt, als. anderen Familienscandals, da die ernste, auf die Katastrophe hinweisende Tendenz dies von selbst verbot. Als der König zum Thron gelangte, hieß es allgemein:Ein reines, weißes Blatt Papier wer wird zuerst darauf schreiben?" Das Verhängmß wollte, daß diese Aufgabe gerade dem Manne zusiel, der als Künstler noch so groß sein mag, doch unter allen Menschen am wenigsten zum bestimmenden Freunde eines so veranlagten jungen Fürsten taugte, welchem das Wohl und Wehe eines braven Volkes anvertraut war.. Von da an erst wandte sich der junge König seinem Volke ab; das ist unumstößliche Thalsache! Um nicht hierbei verweilen zu müssen, soll nur betont werden, daß dem phantastischen Sinn des Königs durchaus nicht das entsprechende Vorstellnngsvermogen zur Seite stand. In ihm hatte sich eine Schwäche der Zeit zur Krankheil entwickelte Die übertriebene Anschauungstheorie führt zum Mangel an Einbildungskraft; der stumpfe Sinn unserer Generation verlangt überall nach Illustration, za,, der Kmderwelr genügt bereits diese nicht mehr, sondern nur das Buntbilderbuch. ^Zf der 'pubne- wirkt die Composition nur wenig mehr ohne kostspielige Decorations- und Maschlnerie- leistungen. Und so konnte sich König Ludwig, dessen Schloßbauten meistens sklavrsche- Nachahmungen sind, keinen Elfenkönig vorstellen, wenn er nicht selbst einmal durch die Nachtluft dahinschweifte, keinen Lohengrin denken, ohne im eigenen Schwanenschiff dahinzufahren, und zwar nicht etwa im Starenberger See, sondern von dem aus- gestopften Vogel durch gebläutes Wasser gezogen über das Dach seines Komgspalastes- in der Hauptstadt. In französischen Lustspielen, die er sich allein auf seiner Hofbuhne­aufführen ließ, mußten wirkliche Hirsche gejagt werden, wirkliche Bäume auf wirklichem Rasen stehen und ein wirklicher Platzregen eintretcn, zu welchem Behufe er alle Schleusen seiner hohen Wasserbassins öffnen ließ, so daß die armen Schauspieler und- Schauspielerinnen, durch den königlichen Wolkenbruch bis auf die Haut durchnäßt,, mit besonderem Schmerz den völligen Verderb ihrer herrlichen und kostbaren Zeit- costüme beklagten. Zu Shakespeare's Tagen machte man es anders.

eine Tasel auf mit der Aufschrift:Hier ist ein Wald zu denken!".

Publikum dachte sich im Theater den Wald. Dafür gebar jene Zeit auch den

Shakespeare."

lieber das Wetter schreibt man demRh. E.":Die kühle Witterung des Juni, welche erst in den letzten Tagen zu Ende ging, wurde vielfach als abnorm be­trachtet, ja, als noch gar nicht dazewesen. Das ist sie aber durchaus nicht, sie ist im Gegentheil ziemlich normal und durch den jährlichen Gang der Sonnenbahn bedingt.. Daher erscheinen diese Kälterückfälle im Juni jedes Jahr und zwar stets in derselben Weise: vorher hohe Wärme, bann Gewitter mit Hagel, Regengüsse,und rauhe Winde aus Nordwesten. Die gleichmäßige jährliche Erscheinung läßt auf eine gleichmäßige Ursache schließen und das kann nur die Sonne sein. Sie erreicht im Juni ihren höchsten Stand für die Nordhälfte der Erde, sie geht im hohen Norden fast kaum unter. Ungeheure Eis- und Schneemassen schmelzen dadurch daselbst und erzeugen eine weit ausgedehnte Zone von Verdunstungskälte, welche zugleich hoch mit Wasserdampf beladen ist, besonders in der Nähe des Erdbodens. Zugleich ist in Süd- und.Mittel­europa die Luft über dem Boden stark erhitzt worden, sie dehnt sich nach oben hin aus, sie lockert sich auf, wie man sagt. Allmählich wird das Gleichgewicht der Luftmassen, dadurch gestört, es entsteht eine gewaltige Bewegung der Luftschichten, die kalte treibt unten nach Süden, die warme fließt oben gegen Norden ab. Wie alle Gase geben aber diese Luftschichten bald ineinander über, sie diffundiren. Je nach der Starke ocr Schichten und der Geschwindigkeit der Bewegung entstehen dann an der Berührungs­schichte durch die Reibung der Luft- und Wasserdampfmoleküle mehr oder minder starke Gewitter mit Hagel oder sogenannte Wolkenbrüche mit lebhafter Abkühlung. Die Ursache dieser Gewitterabkühlungsperioden ist also der Einbruch eines mächtigen polaren Luftstroms in unsere erwärmten Luftschichten und zwar fast ausnahmslos aus Nordwesten, also wahrscheinlich von Grönland her. Diese Erscheinung kehrt alle Jahre mit ziemlicher Regelmäßigkeit wieder." Der Verfasser dieser Mittheilung knüpft hieran einen Rückblick auf die einschlägigen Zustände der Jahre 1881, 1883, 1884 und 1885, welche ganz Aehnliches aufweisen wie in diesem Jahre.

flrfieitsorrneöunfl

Die zur Herstellung einer Ortsstraße in der Gemeinde Treis a/Lumda erforderlichen Arbeiten sollen

Donnerstag den 8. Juli,

Mittags 1 Uhr, auf der dortigen Großh. Bürger­meisterei öffentlich an den Wenigst­nehmenden vergeben werden: veranschl. zu

Steinsahren 216,

Steinsetzen 30,

Chaussirarbeiten 418,50

Uebergründung 31,

Pflastererarbeiten 620,

Maurerarbeiten 91,

Gießen, am 29. Juni 1886.

Senßselder, 4775 Bezirks-Bauaufseher.

Dienstag den 6. Juli,

Nachmittags 2 Uhr, läßt Herr Pfarrer Engels in seiner Wohnung, Schillerstraße 24, wegzugs­halber eine Parthie Möbel, Haus- und Kücheugerüthe, als: 1 Causeuse, Schlafsopha, 3 polirte Bettstellen mit Einlage, sowie sonstiges Bettzeug, 2 Kinderbetten, Kleiderschränke, worunter ein 3thüriger (schön einge­richtet, fast neu, 3 m lang, 2 m hoch), Brandkiste, Kommode, 2 Küchen- schränke, Waschtische, 1 eiferner Wein- schrank, Weißzeug, 1 Teschingewehr 3c- versteigert.

Jrn Auftrag:

4808 Hoffmann, Ortsgerichtsmann

Allgemeiner Anzeiger.

Heinrich Riibsamen, Mäusburg 16 empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Hemden, Kragen, Manschetten, Hemden-Einsätzen, Taschentüchern, Unterhosen, Unterjacken in Filet, Wolle, Seide und Baumwolle, Socken, Handschuhen, Hosen­trägern, Sonnenschirmen, Sommerröcken, sowie stets das Neueste in Shlipsen, alles in anerkannt guter Qualität zu billigen Preisen.

Hemden nach Maaß liefere in guten Stoffen und solider Arbeit unter Garantie des guten Sitzens. 3956

v-

J. Gr. D. Bapat empfiehlt 2062 Gartenmöbel und

G<artengeräthe3 KI e e s a m e n, rothen, ewigen, schwedischen und weissen, Grausamen. Kohlenhandlung en gras und en detail.

UMW

ĮSi

3805 Ein wenig gebrauchter eleganter

Landauer

ist billig zu verkaufen. Näheres bei

M. Rosenthal.

Siegel's 3033

Hühneraugen-Tod

hei C. Fr. Conrad, Friseur.

Betr.: Verpachtung der Güter der I. und II. evangel. Pfarrei Gießen.

Die Verpachtung rubricirter Güter für die Zeit von Herbst 1886 bis da­hin 1895 findet statt:

a. Montag den 8. Juli I. I » Mittags 12 Uhr, im Schützen Hofe dahier bezüg­lich der Grundstücke in der Ge­markung Gießen,

d. Dienstag d. 6. Juli l. I., Mittags 12Vr Uhr, in der Kaus'schen Wirthschaft in Wieseck bezüglich der in dortiger Gemarkung gelegenen Grundstücke,

wozu Pachtliebhaber eingeladen wer­den.

Gießen, am 28. Juni 1886.

Der Kirchenrechner: ^07 Doering.

Aeilgeöotenes.

Monopol-

Streichriemen für Rasiermesser. . Unentbehrlich für Herren, welche sich leibst rasieren, denn er giebt dem Rasier- meffer in wenigen Augenblicken die zarteste Scharfe. Zu haben bei

4451

C. Fr. Conrad, Friseur, Mausburg 15.

*oh. /

Zu noch nie reffenden:-

Naturelliapti

Glanztaptim . ^oldtapeten Lcn Marti, Astern, nur Mnn 5tu«.

Gebiüd

<4Sä

unb y* in tri

A

Terra-V

w

* R«

MiS pro Stil

S$:ä5"

w * S. Wn-Wkauf

405

lt Rirnia

$79 8p|

r ,.nd vieres oval"" ^teilen, zu billigt i fr

ir» 1

EU!

lMhell, für die billig frei an das \

Eissch

mchr mdchr (wenig Eis-Deck greifen,

Pasch

Srantjuittr und /ein, nur von Brauereien, empfiel;

H.

2913

Mm Wmh pianinos billig, bi Fabrik Weiden