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Mx. 1S2 Zweites Blatt Sonntag den 4. Juli L88G
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Meßen.
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Amtlicher Hheit. Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach S 12 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Provinzialausschuß während der .Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien hält. . p c
Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen, dagegen wird der Lauf der gesetzlichen Fristen dadurch nicht unterbrochen.
Gießen, am 1. Juli 1886. Der Provinzialausschuß der Provinz Oberhessen.
Dr. Bo ekmann.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach § 10 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Kreisausschuß wahrend der Zeit -VOM 21. Juli bis 1. September Ferien hält.
Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen, dagegen wird der Lauf der gesetzlichen "Fristen dadurch nicht unterbrochen.
Gießen, den 1. Juli 1886. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen.
Dr. Bo ekmann.
Wochen - Ueberficht.
Gießen, 3. Juli.
Die Trink- und Brunnen-Kur unser» alloerehrten Kaisers in Ems nimmt den erwünschtesten Verlauf und erfreut sich der greise Monarch fortgesetzt des besten Wohlbefindens. Der erlauchte Kurgast wird daher auch diesmal neu gekräftigt Bad Ems verlassen können, um dann noch die übliche Nachkur in Gastein folgen zu lassen. Der Kaiser von Oesterreich wird fich auch in diesem Jahre zur Begrüßung seines erhabenen Alliirten und Freundes nach dem genannten Kurort in den Salzburger Bergen begeben und ist es wahrscheinlich, daß der deutsche Reichskanzler der Begegnung beider Herrscher beb wohnen wird, da Fürst Bismarck auf seine bevorstehende Kissinger Kur ebenfalls eine Nachkur an den Gasteiner Quellen folgen lassen will. Ueber Begegnungen des Fürsten Bismarck mit den Leitern der auswärtigen Angelegenheiten Rußlands und Oesterreichs, Herrn v. Giers und Grafen Kalnoky, im Lause dieses Sommers verlautet noch nichts Bestimmtes, jedenfalls wären aber solche Besprechungen zwischen den drei leitenden Staatsmännern der befreundeten Kaisermächte aufrichtig zu wünschen, sie würden ein beruhigendes Symptom bezüglich der allgemeinen Lage sein.
Mit dieser Woche ist der Abschluß der parlamentarischen Geschäfte ein vollständiger geworden, denn nachdem am Mittwoch die beiden Häuser des preußischen Landtages ihre Thätigkeit beendigt, ist am Donnerstag auch dex Schluß des bayerischen Landtages erfolgt. Die beiden Häuser des preußischen Landtages wurden, wie herkömmlich, in gemeinschaftlicher Sitzung mittelst königlicher, vom Staatsminister v. Pultkamer verlesenen, Botschaft geschloffen. Vorher nahm das Herrenhaus in definitiver Abstimmung das Lehrer- Anstellungsgesetz für die ehemals polnischen Landestheile an und genehmigte den Antrag Kleist-Retzow aus Gewährung größerer Freiheiten an die evang. Kirche. Letzterer Antrag ist das Seitenstück zu dem Anträge Hammerstein, der im Abgeordnetenhauie schon mehrmals auf der Tagesordnung stand, aber nie zur Erledigung gelangte. Da der Kleist'jche Antrag einstweilen nur vom Herren-- Hause angenommen worden ist, so muß seine Annahme für jetzt als der praktischen Bedeutung entbehrend bezeichnet werden. Was den bayerischen Landtag anbelangt, so wurde derselbe bekanntlich in Folge der tragischen Ereignisse, die zur Einsetzung der Regentschaft führten, einberufen. Beide Kammern haben denn auch die Notwendigkeit dieses Schrittes unter den obwaltenden Verhält- rüffen anerkannt und der Uebernahme der Regentschaft durch den Prinzen Luitpold einhellig zugestimmt. Hiermit war der wesentlichste Zweck der außergewöhnlichen Session erfüllt, aber gerade nach Erledigung dieser wichtigsten Frage drohte noch ein folgenschwerer Conftict zwischen dem Ministerium Lutz und der klerikalpatriotischen Landtags-Mehrheit auszubrechen, da der Ausschuß der Abgeordnetenkammer die Vorlage über die Anstellung der Beamten während der Regentschaft ablehnte. Inzwischen ist aber die Vorlage vom Ministerium wieder zurückgezogen und damit auch der Entfcheidungskampf zwischen dem Cabinet Lutz und der klerikalen Partei noch hinausgeschoben worden; erst die nächsten Wahlen zum bayerischen Landtage werden denselben bringen. — Ueber das seltsame Gerücht, der König Ludwig habe einen seiner Vertrauten beauftragt gehabt, irgendwo ein Land zu kaufen, das für Bayern „eingetauscht" werden solle, ist jetzt die nöthige Aufklärung erfolgt. Franz v. Loeher, der Vorstand Les bayerischen Archivs, hat die öffentliche Erklärung abgegeben, daß von ihm im Auftrage des verstorbenen Monarchen im Jahre 1870 die canarischen und griechischen Inseln, im Jahre 1875 Kreta, Cypern und die Krim bereist worden seien, um einen passenden Aufenthaltsort für den König von längerer oder kürzerer Dauer und die Bedingungen für eine etwaige Souveränetät des Königs ju erforschen. Loeher erklärt weiter, daß in seinen Berichten an den König über diese Reisen kein Wort von einem absolutistischen Königreiche 'oder dessen Gintausche gegen Bayern stehe, er habe vielmehr dringend von Auswanderungs- Plänen des Königs abgerathen. Jedenfalls bekundet diese Mittheilung, mit welch' seltsamen Plänen sich der umdüsterte Geist des unglücklichen Herrscher» schon damals beschäftigte.
Ein besonderes Ereigniß ist aus dieser Woche zu verzeichnen: Die Betriebs. Eröffnung der vom Reiche unterstützten Dampserlinien. Am Mitt- woch Vormittag 11 Uhr verließ der reich geschmückte Lloyddampser „Oder" Bremerhafen, um über Antwerpen, Port Said, Suez, Aden, Colombo auf Ceylon, Singapore und Hongkong nach Schanghai zu gehen. An der an Bord der „Oder" stattgesundenen Äbschiedsseierlichkeit beteiligten sich die erschienenen Mitglieder des Bundesrathes und des Reichstages, sowie sämmtliche übrigen, schon vorher in Bremen eingetroffenen Ehrengäste. Unter den verschiedenen Reden, die gehalten wurden, fei nur diejenige des Staatssecretärs v. Bötticher erwähnt, welcher in kernvoller Weise auf die Bedeutung der neuen Dampferlinien hinwies und Namens des deutschen Reiches der „Oder" eine glückliche Fahrt wünschte. Alle aus der Rhede liegende Schiffe, unter ihnen sechs trans- allantische Dampfer, sowie die Stadt Bremerhafen hatten reichen Flaggenschmuck angelegt. — Mit dem Beginne der Reichs-Postdampfer-Fahrten nach Ostasien und Australien tritt wiederum ein Stück praktischer überseeischer Handelspolitik in's Leben, von der Deutschland berechtigt ist, sich die besten Erfolge zu versprechen. In unserer Zeit der allgemeinen Ueberprobuction, des erdrückenden Concurrenzkampfes der europäischen Industrie-Staaten bedeutet die Erschließung neuer Absatzmärkte eine sociale und wirkhschaftliche Lebensfrage und solche bieten sich jetzt außer in Afrika in der noch ungebührlich verschlossenen ostasiatischm Welt, wie in der reichen Inselwelt der Südsee dar. Die letztgenannten überseeischen Gebiete werden offenbar für das gesammte Wirtschaftsleben unseres Erdteils noch eine ungeahnte Bedeutung gewinnen und nur mit Genugtuung kann man daher in diesem Augenblicke einer großen Umwandlung des Weltverkehrs die Eröffnung neuer birecter Verbindungen und Handelswege zwischen Deutschland und jenen überseeischen Gebieten begrüßen. Mögen sich die Hoffnungen und Glückwünsche der Nation, welche der „Oder" auf ihrer weiten Bahn folgen, in vollem Maße erfüllen!
Der französische Radicalismus kann einen neuen Erfolg verzeichnen, den Rücktritt des Gouverneurs von Paris, General Saussier. Letzterer gab wegen verschiedener Zwistigkeiten mit dem Kriegsminister Boulanger, der bekanntlich ein Nadiealer reinsten Wassers ist, seine Entlassung; der Umstand, daß die ultraradieale Presse sich über Den Rücktritt Saussier's höchst befriedigt zeigt, deutet genugsam auf die politische Seite dieses Vorganges hin. Für die Tüchtigkeit und Schlagfertigkeit der französischen Armee kann das immer bemerkbarer werdende Eindringen der Politik in ihre Reihen nur von den bedenklichsten Folgen sein.
Die kürzlich neugewählte italienische Deputirtenkammer hat dem Ministerpräsidenten Depretis dieser Tage ein glänzendes Vertrauensvotum ertheilt und somit kann man die Stellung des gegenwärtigen italienischen Cabinets bis auf Weiteres als aus's Neue befestigt betrachten. — Die Cholerabulletins aus Unteritalien lauten immer besorgnißerregender, namentlich in Latiano, Francavilla und San Vito mehren sich die täglichen Cholerafälle. In erstgenannter Stadt z. B. erkrankten vom Dienstag bis Mittwoch 67 Personen an der Cholera und erlagen ihr 24 Personen.
In der englischen Wahlbewegung ist, nachdem die erste Hoch- fluth der Wahlreden und Wahlmanifeste vorübergerauscht, eine unverkennbare Pause eingetreten, die aber nur dazu dient, die schlimmen, aus Birma für England eingelaufenen Nachrichten noch mehr hervorzuheben. Die englischen Truppen haben nämlich seitens der aufständischen Birmanen eine tüchtige Schlappe erlitten; die Birmanen standen in einer stark verschanzten Stellung bei Tumor in Ober-Birma, wo sie von den Engländern angegriffen wurde». Aber obwohl die Angreifer durch zwei Batterien unterstützt wurden, mußten sie sich nach fünfstündigem Kampfe doch unverrichteter Sache wieder zurnck- ziehen und behaupteten demnach die Birmanen ihre Stellung. Ueber bie beiderseitigen Verluste ist noch nichts bekannt.
Die französische Regierung hat der englischen ofsiciell die Uebernahme des Protectorats über die Comoren-Inseln — nordwestlich von Madagaskar gelegen, deren Besetzung durch die Franzosen schon vor einigen


