Ausgabe 
4.4.1886 Zweites Blatt
 
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Hinzu. Sociale Reformen zur Besserung des Looses der Arbeiter sind hierher von dem Minister nicht m Aussicht gestellt worden, sondern nur größere Eisenbahnbauten, wodurch jedoch kaum mehr als eine vorübergehende Befferung im Verdienste der Arbeiter erzielt werden dürste.

In Frankreich verfolgt man die Vorgänge in dem benach- bartcn Belgien mit größtem Interesse. Seitens der Regierung sind alle Vor- kehrungen getroffen, um ein etwaiges Herüberzüngeln der belgischen Bewegung auf französisches Gebiet zu verhindern. Die Sache ist in der That nicht unbe­denklich für die Pariser Regierung, denn nicht nur ist die Arbeitseinstellung in Decazeville eine vollständige geworden, sondern es ist auch die Ausdehnung des Strikes auf CranzaS und das Kohlenbecken im Departement Gard sehr wahr­scheinlich. Bereits nähern sich Banden belgischer Sinkenden der französischen Grenze und sind deshalb von den französischen Grenzdehörden Truppen zur Sicherung der Zoll-Linien requirirt worden.

Die Budget-Commission der Devutirtenkammer faßte hinsichtlich des Ameiheprojecies der Regierung den Beschluß, daß von der auf 900 Mill, herabzuminderridm Summe 425 Mill, durch öffentliche Subscription ausgegeben, die übrigen 475 Mill, zur Coufolidirung eines Theues der schwebenden Schuld verwendet werden sollen.

Heber die angeblich in der englisch-russischen Grenz- Commission in Afghanistan aufgetauchten Schwierigkeiten kann man gar nichts Zuverlässiges erfahren. Ja, dieDaily News" wissen jetzt sogar zu melden, daß alle Nachrichten über Zerwürfnisse zwischen den Comnnssaren Eng­lands und Rußlands di^chaus unbegründet feien und daß die Arbeiten der Grenz-Commission ihren erfolgreichen Fcktgang nähmen.

Von den verschiedenen noch schwebenden Detailfragen des orientalischen Problems hat nunmehr die serbische Ministerkrisis zuerst ihre Lösung gefunden. Von König Milan ist die Demission des CabinetS Gara- schanin angenommen worden. Die Bildung eines liberalen Ministeriums steht in Aussicht, da der frühere radikale Ministerpräsident Ristics vom König mit der Neubildung des CabinetS beauftragt worden ist.

In der südamerikanischen Republik Uruguay ist ein Aufstand ausgebrochen. Zwischen den Regierungs-Truppen und den Insurgenten fand ein blutiges Treffen statt, in welchem die ersteren geschlagen wuroen. Die In­surgenten verfügen über bedeutende HülfSmittel, sie erhalten besonders von Ar­gentinien her Verstärkungen und sind daher die Beziehungen zwischen Argen­tinien und Uruguay sehr gespannt.

BerMtschtk's.

Ludwigshafen a. Nh. DerFranks. Ztg." wird von hier geschrieben:Die Bückeburger scheinen dem Satz:Wer rasch giebt, giebt doppelt", nicht zu huldigen, wie aus folgendem Vorkommniß zu entnehmen ist. Als die verheerenden Nheinüber­schwemmungen vor länger als zwei Jahren die Mildthäligkeit ganz Deutschlands wach­riesen, wurden auch in Bückeburg 2000 JL. gesammelt, welche Summe bereits in der vergangenen Woche unter der Adresse des Hilfscornitäs hier eintras. Da sich dieses Comile längst aufgelöst hat, wurde die L-endung als unbestellbar zurückgesandt und es wird das Bückeburger ComitL, welches das Geld, wie es angibt, aus Berschen liegen gelassen Hal, darüber zu befinden haben, was nunmehr mit den milden Gaben zu ge- schehen hat. Man könnte vielleicht dem prompten Expedienten eine Pränye aus oiesem Betrag zuwenden." st

sVerwegene Räubers Alls Palermo empfangen Londoner Blatter Berichte über einen verwegenen Streich sicilianischcr Räuber, dessen Scene die Villa Castello de Maniaee in Bronte, Eigenthum des Viscount Bridport oder Herzogs von Bronte, eines britischen Neichspairs und Nachkommen des berühmten Admirals Nelson, war. Die Billa ist von großem historischem Interesse, da sie Nelson von dem König von Neapel geschenkt worben war. Eine Räuberbande griff die Villa an mit der augen­scheinlichen Absicht, Victor Hood, den Sohn Lord Bridport's, zu entführen, um als­dann ein Hobes Lösegeld zu erpressen. Die Briganten wurden indeß von den Wächtern und Domestiken der Besitzung mit einer heftigen Füsilade empfangen, die ebenso lebhaft erwidert wurde. Alle Versuche der Räuber, in das Haus zu gelangen, wurden ver­eitelt, Viele der ihrigen wurden verwimdet und schließlich wurden sie zurückgeschlagen, während vier Räuber, die außer Stande waren, zu entkommen, von den Vertheidigern des Schlosses zu Gefangenen gemacht wurden. Die Ausschreitung erregte großes Aufsehen. Lor fünf Jahren war Lord Bridport's Besitzung einem ähnlichell Attentat ausgesetzt, aber auch damals wurde die Räuberbande zurückgeschlagen und einer der Räuber erschossen.

fGas-Explosion in Hamburgs Durch eine weithin vernehmbare heftige Detonation wurden am 29. März, Morgens kurz vor 6 Uhr die Bewohner der Kieler­straße und Umgegend erschreckt. Es zeigte sich, daß in dem einstöckigen Hause Kieler­straße 108, welches von dem Hausmakler Herrn I. H. F. Stäbe nebst seiner Schwester und 2 Dienstmädchen bewohnt wird, eine Gas-Explosion stattgesunden hat, welche in dem betreffenden Hause arge Verwüstungen angerichtet hat und wobei, demHamb. Corr." nach, auch die Köchin Therese Strahlendorsf ihren Tod fand und das Klein- mädchcn Alwine so schwere Verletzungen erlitten hat, daß an ihrem Aufkommen ge-> zweifelt wird. Wodurch die Explosion herbeigeführt worden ist, konnte bisher nicht ermittelt werden. Ein Feuer konnte, nicht auskommen, da durch die Explosion das Gewölbe einstürzte und den Keller mit Schutt anfüllte. Das noch lebend fortgebrochte Mädchen war auf die Straße geschleudert worden, während die Köchin ^anscheinend an Erstickung gestorben ist. Man fand sie mit einem Bein aus dem Schutte hervor­ragend und den Mund voll Sand und Schutt, unter der Haustreppe liegend. Die Treppe zu dem oberen Stockwerk war fortgerissen und konnte Herr ^übe nebst seiner Schwester erst durch die sofort anrückende Feuerwehr vermittelst enter Leiter nach dem Garten hinaus aus dem oberen Stockwerk gerettet werden. Beide haben glück­licherweise keinerlei Verletzungen erlitten. Die Mauern werden abgestützt, da ein Ein­sturz zu befürchten.

Literarisches.

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Bremen, 31. März. (Per transatlantischen Telegraph^ Der Postdampfer America, Capt. G. Meyer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 10. Mär; von Bremen abgegangen war, ist am 28. März wohlbehalten in Baltimore angekommen.

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