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Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher HHeit.
Bekanntmachung.
Im Interesse des Publikums macht man noch ausdrücklich darauf aufmerksam, daß Reclamationen gegen Einkommen- und Kapitalrentensteueransätze 1. Abtheilung immer, aber auch Remonstrationen gegen Ansätze dieser Abtheilung, sowie Reclamationen gegen Einkommen- und Kavitalrentensteueransätze 2. Abtheilung möglichst schriftlich und zwar unter genauer Angabe der für eine etwaige Ermäßigung sprechenden Gründe (wenn aber mündlich, nur an den Amtstagen: Dienstag- und Samstags) bei dem Unterzeichneten vorzubringen sind, damit der Commission das zur Beschlußfassung erforderliche Material demnächst unterbreitet werden kann.
Gießen, 27. März 1886. Der Vorsitzende.
Süffert.
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Amtstage: Dienstag und SamStag Vormittags von 8—12 Uhr und Nachmittags von 2—4 Uhr.
Vermischtes.
Neu-Ulrichstein, 1. April. (Monats-Bericht der Arbeiter - Colonie pr» März 1886.] Ultimo Februar waren in der Colonie arbeite, resp. stellenlos ins- gefammt 77.
Hiervon waren: Landw. Arbeiter 15, Bäcker 6, Beamte (Schreiber) 4, Buchbinder 1, Cigarrenmacher 1, Dachdecker 1, Fleischer 1, Former (Cisengießer) 2, Gärtner 1, Kaufleut» (Commis) 5, Lehrer 1, "Maler (Anstreicher) 6, Maurer 3, Schlosser 8, Schmiede 1, Schneider 2, Schuhmacher 3, Steinhauer 1, Tischler 1, Weber 4, Zimmerleute 1, Töpfer 1, Buchdrucker 1, Oeconom 1, Papier wacher 1, Scherenschleifer 1, Sleindrucker 1, Strumpfwirker 1, Schüler 1.
Den Staaten nach kommen auf: Großherzogthum Hessen 17, Nassau 5, Baden 3, Bayern 4, Württemberg 2, Sachsen 2. Von Preußen auf die Provinzen: Brandenburg (incl. Berlin) 3, Hannover 4, Hessen (Cassel) 12, Posen 1, West- vreußen 2, Schlesien 6, Rheinprovinz 8, Westfalen ], Meiningen 1, Anhalt- Dessau 1, Mecklenburg - Schwerin 1, Coburg - Gotha 2, Elsaß - Lothringen 1, Oesterreich 1.
Entlassen wurden im Laufe des Monats März 52.
Davon gingen auf eigenen Wunsch 25, durch die Colonie in Stellung 8, durch Entlassung 7, durch Entlaufen 2, in ihre Familien 6, durch Krankheit bei der Aufnahme 2, auf Requisition der Behörde 1, zur Heilung in die Klinik 1.
Im Ganzen wurden seit Eröffnung der Anstalt ausgenommen 281 Colonisten.
Seiner Majestät des Kaisers Geburtstag wurde hier ebenfalls festlich begangen. Mächtige Flaggen wehten von den Gebäuden. Das Wohnhaus des verehrten Herrn Inspectors schmückte ein großes Transparent. Kleinere, sowie Fähnchen in den deutschen und Landesfarben zierten den geräumigen Speisesaal. Der Vorabend wurde ■ mit Gesang und Ansprachen bei einem Glase Bier gefeiert.
Mainz, 31. März. Einem hiesigen Schweinehändler sind auf dem Transport von Berlin hierher von 112 Schweinen, die er gekauft, 11 dieser Thiere umgekommen. Der Besitzer will deßhalb gegen die Bahn klagbar werden, da die Thiere unterwegs wegen eines Schadens am Waggon umgeladen und in einen Wagen ohne Ventilation gesteckt worden seien, worauf jene 11 erstickten. Der Verlust beträgt über ; 1000 JL
Offenbach, 30. März. Das hiesige „Tageblatt" schreibt: Gestern Morgen verstarb im hiesigen Hospital eine ältere Wäscherin an den Folgen einer Blutvergiftung, | die sie sich beim Bläuen der Wäsche zugezogen. Die Unglückliche riß sich vor 8 Tagen ; bei einem Auszug den Arm mit einem Nagel, achtete den kleinen Riß nicht und ging 1 ihrer Beschäftigung nach, bis sie ohnmächtig zusammenbrach. Der Arm schwoll so riesig an, daß alle Hoffnung aufgegeben werden mußte und die Aermste ihren I Tod fand.
Kastel, 27. März. Der Thätigkeit unserer Polizei ist es vorgestern Abend gelungen, einen Verbrecher -dahier zu verhaften, der schon längere Zeit von der Staatsanwaltschaft in Altona steckbrieflich verfolgt wird. Der Verhaftete hielt sich längere Zeit in Mainz auf und ließ die Briefe an sich unter der Chiffre T. v. D. postlagernd gelangen. Er hatte russische Legitimationspapiere bei sich, ist aber in Bukarest geboren. Er wurde gestern Morgen durch den hiesigen Schutzmann Hebach und den Gensdarmen Schuhmacher geschlossen per Bahn nach Altona transportirt. Der Ver- bastete ist mehrerer Verbrechen angeklagt, hat sich aber jedesmal durch die Flucht der I strafe zu entziehen gewußt.
Andernach, 28. März. Gestern fand hier im Rathhause die bürgerliche und ‘ darauf die kirchliche Trauung eines Japaners, des Dr. Wilhelm Rajo josi Ragai, Pro- ■ icssors der Chemie an der Universität Tokio, mit einer jungen Dame von hier statt. 1 Der Bräutigam ist, wie die „Cobl. Ztg." meldet, 12 Jahre in Berlin gewesen, hat dort seine Gymnasial- und Unioersitätsstudien gemacht und ist auch dem christlichen 1 Neligionsbekenntniß beigetreten. An dem Hochzeitsfeste nahmen 30 Japaner theil, die üch zur Zeit in Deutschland aufhalten, darunter der japanische Unterrichtsminister, der Mach« dec japanischen Gesandtschaft in Berlin und der Fürst Aneno.
(Pasteur und die Hundswuth.] Herr Pasteur hat dieser Tage Unglück gehabt; einer der 19 Russen, die von einem wüthenden Wolfe gebissen und ihm zur Heilung zugeschickt morden sind, ist an der Wuthkrankbeit gestorben. Wie der „Jndep. Beige" aus Paris geschrieben wird, erklärt sich Herr Pasteur über den Fall folgendermaßen: Der Stoff, der dem Verstorbenen wie seinen Gefährten eingeimpft wurde, ist ein Specifikum gegen die Hundswuth, nicht gegen die Wolfswuth; letztere ist furchtbarer, denn unter 20 Fällen verlaufen immer 15 tödtlich, und außerdem bricht sie schon in 15, die Hundswuth erst in 40 Tagen aus. Die Russen waren schon 10 Tage gebissen, als Pasteur sie in Behandlung nahm. Er hoffte nicht, sie zu retten, aber er konnte deren Annahme nicht verweigern. Die übrigen 18 befinden sich entsprechend wohl. Der Correspondent theilt auch mit, daß in der Klinik Pasteur's noch ein anderer interessanter Fall vorliegt: ein von einem wüthenden Esel Gebissenen. Auch für diesen hat man keine Sicherheit, ihn zu retten, da das Mittel nur gegen die Hundswuth, nicht gegen die Eselswuth sich richtet. Pasteur will indeß die Gelegenheit benützen, um auch über diese Wuthart, wie vorhin bei den Russen, Studien und Experimente zu machen. Zuerst sollen Hunde mit den entsprechenden Giften behandelt werden. Tie Angaben Pasteur's erscheinen ganz plausibel; es ist indeß nicht zu verwundern, daß ihm der Tod des einen Russen geschadet hat, weßhalb seine Gegner im Fach von Aeuem Muth schöpfen.
— Zum Untergange des Cunard - Dampfers „Oregon" liegen uns jetzt die mten ausführlichen brieflichen Mittheilungen vor, aus deren vollständige Wiedergabe
wir jedoch wegen Raummangel verzichten müssen, zumal dieselben auch zum größten Theil durch Telegramme überholt sind. Dieselben stellen jedoch übereinstimmend fest, daß der Dampfer in Folge des Zusammenstoßes mit einem unbekannten Dreimaster und nicht in Folge einer Explosion gesunken sei. (Vor einigen Tagen ist der „Times" bekanntlich aus Philadelphia telegraphirt worden, daß der Schooner „Charles Morse" vermißt werde und liegt die Veruiuthung nahe, daß derselbe bei dem Zusammenstoß, dessen Ursache er gewesen, mit zu Grunde gegangen ist.) Wir entnehmen denselben noch die nachfolgenden bisher noch nicht bekannt gewordenen Details:
„Als die „Fulda" mit den geretteten Passagieren an Bord am Dock des „Norddeutschen Lloyd" in Hoboken eintraf, wurde sie von einer großen Menschenmenge, meist Verwandten und Freunden der Geretteten, erwartet. Als das Schiff an der Werfte anlegte und die geretteten Passagiere dasselbe verließen, ertönte einstimmiges Hochrufen seitens der sehnsuchtsvoll auf ihre Angehörigen Wartenden. Es folgte ein Umarmen und Küssen und in gar manchem Auge sah man Thränen der Freude. Eine hübsche junge Dame eilte am einen ältlichen Herrn zu und fiel mit den Worten: „Vater! Vater! Wie frohdaß Du gerettet bist! Die Maina ist tiefbekümmerturn Dich!" in des Vaters Arme. Einige Minuten später suhren Vater und Tochter in einer Kutsche davon. Keiner der Passagiere rettete sein Gepäck und viele mußten in ihren Nachtkleidern fliehen; sie waren gezwungen, alte Kleider von den Passagieren und der Mannschaft der „Fulda" zu leihen. Sie schienen indessen doch gut gelaunt und erzählten ihren Angehörigen und Freunden ihre Erlebnisse. Eine Frau trug ein Paar Filzschuhe und hatte einen Shawl um ihren Kopf gebunden, als sie die „Fulda" verließ; sie bestieg eine Kutsche und rief dem Kutscher eine Adresse in Newyork mit dem Bemerken zu, die Fahrgebühr auszulegen. Sie soll die Gattin eines Chicagoer- Millionärs sein. Ein anderer Passagier hatte ein paar weite Beinkleider an und trug einen Strohhut; er erzählte, er habe im Bette gelegen, als er plötzlich einen furchtbaren Stoß verspürte. Rasch aufspringend, sei er in seinen Nachtkleidern auf's Verdeck geeilt, wo bereits viele seiner Mitpassagiere versammelt waren. Kurz darauf kam die Ordre: „Alles auf Deck", und er wurde in seinem etwas luftigen Costüm in das Rettungsboot beordert. Auf der „Fulda" hatte er, da all sein Eigenthum verloren war, einen Rock und Hut von einem Matrosen borgen müssen. — Da das särnml- liche Passagier-Gepäck verloren gegangen, so hatten die Zollbeamten einen guten Tag und die Passagiere konnten sofort ungehindert das Schiff verlassen. Unter den Passagieren befand sich nur eine geringe Zahl Deutscher, für deren Bekleidung und Verköstigung sofort die „deutsche Gesellschaft" Vorsorge traf, lieber die Haltung der Bemannung des untergegangenen Dampfers existiren verschiedene Lesarten. Während die Officiere über die Disciplin ihrer Mannschaft nur Lobenswerthes aussagten, behaupten einzelne Passagiere das Gegentheil. Capitän Huddleston aus St. Paul, Mr. Padley aus Lincoln, England und andere Passagiere erklären übereinstimmend, daß sofort nach dem Zusammenstoß und noch ehe der Befehl zum Herablassen der Boote gegeben worden sei, etwa 100 Heizer und sonstige im Maschinenraum beschäftigte Arbeiter während der furchtbaren, unter den Passagieren herrschenden Verwirrung mit Stöcken, Speichen und Aexten bewaffnet an Deck gestürzt seien, sich zweier Boote bemächtigten und aus Frauen, Kinder und Männer, die ihnen im Wege standen, ohne die geringste Rücksicht zu nehmen, losschlugen, so daß die Schiffsofficiere und viele Passagiere mit den Burschen kämpfen mußten, um zunächst die Frauen und Kinder in den Rettungsbooten unterzubringen. Ja, Capitän Huddleston behauptet sogar, daß man noch weiter gegangen sei und seine Cajüte ausgeplündert habe.
Die verloren gegangene Fracht, zu deren Bergung übrigens sofort Anstalten getroffen wurden, setzt sich nach dem Schiffsmanifest wie folgt zusammen: 770 Tonnen Modewaaren rc., 25 Porzellan und irdene Maaren, 195 französische Nippsachen rc., 130 Holz, 135 Baumwolle, 80 Soda, Leim, Glycerin, 15 Senf und Carbolsäure, 15 Ginger - Ale, 180 Orangen, 15 Datteln, 20 Rinde, Häute und Zwiebeln, 20 Gummi rc., 105 Zinn- und Stahlplatten und 5 Tonnen Verschiedenes, zusammen 1864 Tonnen. Ob Dampfer und Fracht versichert waren, konnte bei Abgang der Post nicht ermittelt werden."
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— Wohl selten hat sich eine neue Specialität in allen Schichten der Bevölkerung in so durchschlagender und schneller Weise Bahn gebrochen als die seit einigen Jahren in den Handel kommende »Macks Doppelstärke'*. Veranlaßt durch diesen Erfolg, welcher lediglich den wirklich vorzüglichen Eigenschaften dieses Fabrikats zu- zuschreiben ist, kam die Ulmer Reisstärke-Fabrik von H. Mack in Ulm a. d. D. neuerdings auf den glücklichen Gedanken, unter dem Namen »Mack's Plätt-Regeln" eine kleine Broschüre (gegen 20 H Briefmarken im ganzen Weltpostverein direct von der Fabrik zu beziehen) herauszugeben, in welcher jede Hausfrau gewisse, auf langjährigen Erfahrungen beruhende Winke findet, durch deren Befolgung neben einer wesentlichen Arbeitserleichterung ein solch schönes Resultat mit der Wäsche erzielt wird, wie dies sonst nur den geübtesten Plätterinnen möglich ist.


