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Beilage ;u Ur. 29 desGießener Anzeiger".

Politische Ueberficht.

Giestev, 3. Februar.

Im Reichstage ist am Samstag nach Verweisung der von cvnserva- tiver und freicvnservativer Seite gestellten Abänderung--Anträge zur Gewerbe­ordnung eine kurze Unterbrechung der Plenararbeiten eingetreten, indem dieselben erst an diesem Mittwoch mit der ersten Lesung des Entwurfes, welcher die Aus­dehnung des Unfallverstcherungs.Gesetzes auf die land- und focstwirthschaftlichsn Arbeiter bezweckt, wieder ausgenommen werden. Das Haus wies in der Samstagssitzung eine erschreckliche Leere auf, kaum 50 Reichsboten waren ver­sammelt, was allerdings speciell an diesem Tage durch die gleichzeitige Polen- vebatte im Abgeordnekenhause entschuldigt werden mag. Die Bänke des Reichstages Haden aber schon mehrfach in letzter Zeit ganz bedenkliche Lücken auszuweistn gehabt und die Befürchtung ist Angesichts dec Concucrenz des Abgeordnetenhauses nicht ausgeschlossen, dass die.Beschlußunfähigkeit des Reichs­tages mehr und mehr chronisch wird.

Dem Bundesrathe ist nunmehr der Antrag Preußens auf Verlän­gerung des Socialistengesetzes zugegangen. Dasselbe soll auf 5 Jahre verlängert werden, also bis zum 1. October 1891, da an dem genannten Datum das Socialisiengesetz in diesem Jahre ablaust.

Die Cvlonial-Politik bildet in der italienischen Deputirtenkammer einen Gegenstand, der immer wieder aus der Tagesordnung erscheint. Am Samstag verbreitete sich dec Minister des Auswärtigen, Graf Robilant, an» laßl ch einer Interpellation ausführlich über die Politik Italiens am Rothen Meere und erklärte hierbei, daß die jetzige Action daselbst nicht weiter ausge- dehnt werden solle, doch müßten die Verhältnisse in Massowah u. s. w., beson­ders in Bezug auf die Justizpflege, allmälig geregelt werden. Auch über die lebhaft ventilirte Mission des Generals Pezzolini an den Negus von Abyssinien gab Gras Robilant Aufklärungen, aus denen erhellt, daß General Pezzolini den Auftrag hat, die freundnachballichen Beziehungen Italiens zu Abyssinien enger zu knüpfen.

Die angekündigte neuerliche Colonial-Rote der Mächte, welche die kleinen Balkanstaaten zur Raison bringen soll, ist am Samstag in Belgrad übergeben worden. In derselben versichern die Mächte in bestimmter Weise, daß sie etwaige kriegerische Schritte, gleichviel, von wem ausgehend, nicht -gutheißen, sondern den Angegriffenen schützen, und wie auch der Ausgang sein möge territoriale Modificationen nicht gestatten würden. In Belgrad wie in Sofia wird diese deutliche Sprache Die dort wie hier vorhandene Neigung zum Frieden wohl nur stärken, aber dem kriegerischen Gebühren der Athener Regierung gegenüber bedarf es drastischerer Mittel. Es wird denn auch mit der gemeinsamen maritimen Action der Großmächte allmälig Ernst. Am Sonntag find die englischen Panzer schiffeTemeraire",Superb" undNeptune", sowie der AvisoIrisch", von Malta nach der Suda-Bai auf Kreta abgegangen. An Bord desTemcraire" befindet sich Admiral Hah, welcher das Ober- Commando über die gesammte combinirte Flotte der Mächte erhält. In ber Suda-Bai befinden sich bereits die zur Theilnahme an der Flotten-Demonstca- tion beorderten österreichischen und italienischen Kriegsschiffe; Ende dieser Woche dürfte die Flotte vollzählig versammelt sein. Darüber, welches ihr nächstes Operationsziel sein wird, gehen die Meinungen noch auseinander; aber man irrt wohl schwerlich, wenn man annimmt, daß es sich vorläufig nur um die Beobachtung der im Hafen von Euripos, an der Ostküste von Morea, zusammen­gezogenen griechischen Flotte handelt. Eine fölmliche Blokirung der griechischen Häfen kann doch erst in'6 Werk gesetzt werden, wenn Griechenland der Pforte die ossicielle Kriegserklärung übermittelt haben wird.

Das spanische Ministerium Sagasta hat den Beschluß gefaßt, im Jahre 1888 in Madrid eine Weltausstellung zu veranstalten.' Man darf in der That gespannt daraus sein, wie dieses Unternehmen gegenüber den glän­zenden internationalen Ausstellungen ausfallen wird, die im letzten Jahrzehnt in Ländern stattgefunden haben, welche Spanien in industrieller und commercieller Beziehung weit überflügeln. Auf alle Fälle bekundet aber dieser Entschluß das anerkennenswerthe Bestreben der spanischen Regierung, Spanien in der ange­deuteten Richtung mehr, als dies seither der Fall war, hervorireten zu lassen.

Jenseits des Kanals ist Herr Gladstone eifrig mit der Bildung seines neuen Ministeriums beschäftigt. Natürlich hat die Frage nach der Be­setzung der wichtigeren Posten im Cabinet Gladstone eine Fluch von Combina­tionen hervorgerufen, ohne daß indessen schon etwas Bestimmteres bekannt wäre. Namentlich was das Portefeuille des Auswärtigen anbelangt, so sind über die Uebernahme desselben schon die merkwürdigsten Gerüchte ausgetaucht. Eine ganze Reihe von Persönlichkeiten werden als künftige Inhaber dieses Porte­feuilles genannt, aber bi§ jetzt herrscht auch hierüber Ungewißheit. Rur ist gewiß, daß Marquis Hartington den Eintritt in das neue Cabimt bestimmt abgelehnt hat.

Landwirtschaftliches.

^Getrocknete Kartoffeln als neuer Handels-Artikels Das Trocknen der Kartoffeln längt in neuerer Zeit an, eine größere Bedeutung zu gewinnen. Durch diesen Prozeß werden die Kartsffeln in einen Zustand versetzt, in welchem sie nicht leicht verderben tonnen; getrocknet ist ihr Absatzgebiet kein beschränktes, weil sie an Gewicht bedeutend verlieren und die Transportkosten wesentlich erniedrigt werden; ebenso die Kosten für die Aufbewahrung, weil diese an einem beliebigen trockenen Orte geschehen kann und weil sie auch weniger Raum einnehmen. Als weitere mit diesem Zubereitungsversahren verbundene Vortbeile werden hervorgehoben:

Zum Trocknen können auch Kartoffeln von geringerer Qualität Verwendung finden. In Jahren, wo die Kartoffeln dem Verfaulen auSgesetzt sind, können sie durch Trocknen leicht davor bewahrt werden; sie sind ferner vor dem Altwerden, Welken und Austreiben von Keimen geschützt, Zustände, in welchen sie an Werth verloren haben, weil ihre Bestandtheile theilweise chemisch zersetzt werden. Ihres geringen Volumens wegen kann man sic auch weit verschiffen, nach Orten, wo Kartoffeln nicht gedeihen. Sie sind daher auch wert-hvoll zur Verproviantirung von Schiffen und Armeen. Beim Trocknen der Kartoffeln können auch gewöhnlichere Sorten Verwendung finden, denn auch diese liefern noch ein gutes Product. DaS Trocknen der Kartoffeln ist schließlich auch insofern wichtig, als eS in Verbindung mit dem Trocknen des Obstes geschehen kann. Wenn die Obstiaison vorüber ist, kann mit dem Trocknen der Kartoffeln be­gonnen werden. Die Obstdarren bleiben auf diese Weise längere Zeit in Gebrauch und das Aickagekapital rentirt sich besser.

Zum Trocknen eignen sich am besten Sorten mit glatter Schale und nicht tief liegenden Augen, weil es dann weniger Abfälle gibt und auch weniger Arbeit auf das Schälen verwendet zu werden braucht. Bei einem regelrechten Betriebe führt man das Schälen mit Maschinen auS und putzt die Kartoffeln dann mit der Hand nach. Hiernach werden sie in reinem Wasser abgewaschen, in Scheiben zerschnitten und dann sofort in eine coucentrirte Kochsalzlösung geworfen, in welcher sie 1520 Minuten verbleiben. Durch dieses Salzwasserbad wird ihnen etwas Wasser entzogen und ihre Haltbarkeit nach dem Trocknen erhöht. Das Bad verhindert außerdem das schnelle Verfärben der Kartoffelabschnitte, gegen welches beim Trocknen des Obstes dar Schwefeln angewendet wird. Nachdem sie aus der Salzlösung herausgenommen sind, läßt man sie etwas abtropfen und kann sie bann in den Dörrraum bringen. Zu diesem Zwecke werden sie wie Obst auf Hürden gelegt und dann bei einer Temperatur von 8090° C. getrocknet. Man trockne sie etwas länger als da- Obst. , Die ge­trockneten Kartoffeln können wie frische verwendet werden, nachdem man sie 12 bis 15 Stunden lang in Wasser emgeweicht und die Kartoffeln wieder Wasser anfgenommen haben. (Nach I. Heyer in der Landw. Post.)

Dr. Gensch,

prakt. n. Specialarzt für Haut-, Frauen- o. Ge­schlechtskrankheiten (Syphilis) etc. Frankfurt a. M. Stift»tr. 22, fr. Assist. Prof. Ricorde. Absw. briefL

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Allgemeiner Anzeiger.

Verein für freiw. firmen- u. Krankenpflege.

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Zur Ausführung des bereits an dieser Stelle angekündigten Unternehmens ist jetzt endgültig beschlossen, daß die Eröffnung des Bazars Mittwoch den 10. Februar, Nachmittags 4 Uhr, im großen Saale des Gesellschaftsvereines stattfinden soll. Die Dauer desselben wird auf 3 Tage incl. Verloosung festgesetzt, welch' letztere Freitag den 12. Februar Nachmittags 5 Uhr beginnt. Alle Bewohner Gießens und der Umgegend werden hierdurch nochmals freundlich zu reger Betheiligung eingeladen.

Eintrittspreise.' Mittwoch von 4 Uhr an 50 H j

Donnerstag von 24 Uhr 20 ä Person.

von 5 Uhr an 50 1

Zum Besuch der Gallerie berechtigen die Billets zum Saale nur mit Zuschlagbillets, die am Eingang zu ersterer gelöst werden können.

Wer gesonnen ist, irgend welche Gaben zu spenden, wird gebeten, dieselben spätestens bis zum L Februar an das Cornitö gelangen zu lassen, oder doch wenigstens bei den Damen desselben anzumelden, damit bei den nötigen Einkäufen darauf Rücksicht genommen werden kann.

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