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In München liegt Don Jaime, der einzige Sohn des spanischen Thronprätendenten Don Carlos, schon seit Wochen am Typhus schwer nieder, dessen Keime sich der Kranke während eines mehrtägigen Aufenthalts in Venedig Helte. Die ersten Münchener ärztlichen Autoritäten sind an das Krankenlager Don Jatme's gezogen worden, aber trotzdem hat sich sein Zustand nur wenig gebessert und ist bei der zarten Constitution des Kranken eine plötzliche Kata­strophe nicht ausgeschlossen. Auf dem 16jährigen Jüngling beruhen die Hoff­nungen des Carlismus für die Zukunft und es ist begreiflich, daß die Blicke der carlistischen Partei mit Besorgniß nach München gerichtet sind, von wo jeder Tag die Kunde vom Ableben Don Jaime's bringen kann. Im Hotel zumRheinischen Hof", wo der Kranke liegt, sind der Herzog von Parma, der Jnfant Alfons und andere Verwandte des Prätendenten abgestiegen-

Nach viel monatlicher Pause ist endlich der directe diplomatische Verkehr zwischen Paris und Petersburg wieder angeknüpft worden. Nicht Billot, der französische Gesandte in Lissabon, wird künftig Frankreich am russischen Kaiserhofe vertreten, wie ursprünglich gemelvet wurde, sondern de Laboulaye, der seitherige Gesandte Frankreichs in Madrid. Herr de Laboulaye ist der Sohn des berühmten französischen Rechtslehrers, der vor zwei Jahren als lebenslängliches Mitglied des Senats starb. Laboulaye be­kleidete von 1875 bis 1882 den Posten des ersten Botschastssecretärs in Peters­burg und kommt also durch seine Ernennung in bekannte Verhältnisse. Die Neubesetzung des französischen Botschasterpostens in Petersburg wurde nament­lich durch die Ausweisung der Prinzen des Hauses Orleans aus Frankreich verzögert, denn der Czar fühlte sich wegen der verwandtschaftlichen Beziehungen der Orleans zu der russischen Kaiserfamilie durch die Ausweisungsmaßregel schwer beleidigt und wollte lange Zeit von der Frage der Wiederbesetzung des französischen Botschasterpostens absolut nichts sprechen hören. Jetzt hat er, wie die Ernennung des Herrn de Laboulaye beweist, seinen Widerstand in dieser Angelegenheit aufgegeben und vertreten Berliner Blätter die Anschauung, daß die versöhnlichere Stimmung des Kaisers Alexander gegenüber den Machthabern in Paris mit der deutschen Fürsprache zuzuschreiben sei, da der Reichskanzler, seit Herr de Freycinet durch die Entsendung Herbette's nach Berlin seine Ab­kehr vom Revanche-AllianZ'Programm bekunoet habe, es für gute Politik er­achtete, bei der Wiederanknüpfung direkter diplomatischer Beziehungen zwischen Paris und Petersburg zu vermitteln. Inwieweit diele einigermaßen gewagt klmgende Combinatron den wirklichen Verhältnissen entspricht, muß allerdings dahingestellt bleiben.

In Spanien scheinen durchgreifende Reformen hinsichtlich des Heeres in Aussicht zu stehen. Ein Decret der Köni sin-Regentin h.bt nicht weniger als 1200 Sergeantmajorstellen auf und steht wicht zu erwarten, daß die vielen über­flüssigen Ossiciersstellen, namentlich in Oe.i Graden der Obersten und Generäle, nun ebenfalls bald ausgehoben werden. Die Sache hat freilich auch ihre böje Kehrseite, denn durch die Reduktion der Officiers- und Unteroificiersstillm wird die Zahl der unzufriedenen Elemente in Spanien, die zum Theile sich gerade aus der Armee rekrutiren, nur vermehrt und dies ist in dem klassischen Lache der Militärputsche nicht ohne Bedeutung.

Mit dem Zusammentritt ber großen bulgarischen National­versammlung in Tirnowa rückt die Entscheidung in der viclverschlungemn bulgarischen Frage allmälich näher heran. Wie d eselbe ausfallen wird, läßt sich indessen auch jetzt noch nicht genau beurteilen, wenngleich nach Lage der ganzen Sache anzunehmen ist, daß die bulgarische Regierung' in ihrem oiplo- malischen Kampfe mit Rußland schließlich unterliegen muß. Die Vertreter der letzteren in Bulgarien nehme i gegen das Cabinet in (Sofia nach wie vor eine äußerst feindliche Haltung ein; General Kaulbars hat gegen die Verhängung des Belagerungszustandes über Sofia sofort in einer scharfen Note protcstirr und vom russischen Consul in Varna sind sogar ernste Maßnahmen angedroht worden, wenn die dortigen Behörden den angeblichen antirufsischen Umtrieben in einem Theile der Bevölkerung Varnas nicht steuerten. Wie bei diesem fort­gesetzten Haffe, welchen Rußland den gegenwärtigen leitenden Persönlichkeiten in Bulgarien entgegenträgt, eine Versöhnung oder Verständigung zwischen beiden Parteien erzielt werden soll, um deren Zustandekommen sich der türkische Com- miffar in Sofia, Gadban Effendi, dem Vernehmen nach sehr bemüht, ist un­erfindlich. Uebrinens soll Gadban Effendi, gleich General Kaulbars, ebenfalls gegen die Verhängung des Belagerungszustandes über Sofia protestirt haben und hiernach zu urtheilen, wird man den türkischen Verrnittelungsversuch-n zwischen Rußland und Bulgarien gerade keinen außerordentlichen Werth bei­zulegen haben. Jedenfalls ist die bulgarische Regierung gesonnen, sich nicht ein- schüchtern zu lassen, wie aus ihrer Antwort auf die jüngste Protestnote des Generals Kaulbars hervorgeht, wobei sie betont, daß sie sich erst nach der Er- renntniß von der absoluten Nothwendtgkeit zu der erwähnten Maßregel ent* schloffen habe und nur ihrer Pflicht folge.

Deutschland.

. ^^Estadt, 1. November. Wir entnehmen derDarmst. Ztg." das Nach- Iteyende: Bezüglich der choleraverdächtigen Erkrankungen in Gonsenheim und Finthen rann mitgetherlt werden, daß nach den in Wiesbaden sowohl als dahier angestellten werteren Untersuchungen der eigentliche Cholerabacillus in den Leichenüberresten der in Frnthen zuletzt verstorbenen Person constatirt worden ist. Diese Thatsache hat das Reichsamt des Innern veranlaßt, das Mitglied des Neichsgesundheitsamts Regierungs- ra. a?r'£-' ft'9 a" 9,rt fen£en, um sich den Großherzoglichen Behörden

za1 8,u stellen. Derselbe hat gestern mit dem Vorsitzenden der Abthellung

Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz für öffentliche Gesundheitspflege. G-heimcrath Jaup, zwei Beamten des Grohh. Krcisamts Mainz und dem Kreis- asststenzarzt die obengenannten beiden Orte besucht. In Gonsenheim ist kein weiterer Erkrankungsfall v°rgckomm-n, m Finthen ist am 28. v. M. eine Person an Diarrhoe erkrankt und noch in ärztlicher Behandlung; behufs besserer Absonderung wurde dieselbe 'N ein bei dem Kloster der Krankenschmestern befindliches Jsolirhaus verbracht, rin werteren Anordnungen tm sanitaispottzeilichen Interesse sand sich kein Grund, da auf Veranlassung des Großh. Kreisamis Mainz allenihalben entsprechende Desinsection uorgenommm worden war und in Häusern und auf Straßen musterhafte Reinlichkeit herrschte. Die an Ort und Stelle eingeleiteten Untersuchungen über eine etwaige Ver­schleppung der Krankheit aus von der asiatischen Cholera heimgesuchten Landern haben vls letzt ein Resultat mcht gehabt.

, .BEn, 31 October. Heute Abend 7 Uhr erfolgte im Ausstellungsgebäude in feierlicher Akademiesitzung der ofstcrelle Schluß der Jubiläums-Kunstausstellung, welchem unter Anderen die Minister Goßler, Maybach, Bötticher, Ministerialdirector Greiff der Polizeipräsident, der Oberbürgermeister, der Adjutant des Kronprinzen v. Kessel mehrere Stadträthe und Stadtverordnete beiwohnten. Der Präsident der Akademie' Becker, theilte in seiner Ansprache mit, daß der Kronprinz aus die Einladung sein ^eoauern ausgesprochen habe, der Schlußfeier nicht beiwohnen zu können. Der ständiae Secretar der Akademie, Zöllner, erstattete den Geschäftsbericht über die Ausstellung, wonach ein bedeutender Ueberschuß zu erwarten ist und dankte allen Angestellten der

. Ausstellung für ihre treue Pflichterfüllung. Der Cultusminister betonte das vor- « zugliche Gelingen der Ausstellung, von der man wie von einem treuen Freunde weh- j müthig scheide, sprach dem Kaiser, der Kaiserin und dem Kronprinzen seinen Dank aus und theilte die vom Kaiser verliehenen Ordensauszeichnungen (darunter der rothe Adlerorden zweiter Classe mit Eichenlaub an Professor Becker) mit und schloß die Ausstellung nut einem enthusiastisch aufgenommenen Hoch auf den Kaiser.

Nelgien.

Charleroi, 31. October. Zwanzig Teilnehmer der Arbeiterkundgebung wurden von dem Bürgermeister und den Schöffen empfangen und verlasen eine Adresse, in welcher das allgemeine Stimmrecht und die Amnestie verlangt werden. Der Bürger­meister erwiderte, er werde diese Wünsche den Kammern übermitteln; die Regierung sei damit beschäftigt, den Uebelständen, die sich bei der vorgenommenen Enquete heraus­gestellt haben, abzuhelfen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Corrcsporrdenz - Bureau.

Berlin, 1. November. Der Kaiser nahm Vormittags die Vorträge des Chefs des Civilkabinets, Wilmowski, sowie des Grafen Otto Stollberg entgegen, ertheilte dem für Paris ernannten neuen Militärbevollmächtigten von Hoiningen Audienz empfing darauf den Besuch des Fürsten und der Fürstin von Schwarzburg-Sondcrs- hausen, besuchte die Kunst-Ausstellung und machte auf der Rückfahrt dem Fürsten von Schwarzburg - Sondershausen einen Gegenbesuch. Um 3 Uhr empfing der Kaiser den König von Sachsen, welcher sich verabschiedete, da er um 5 Uhr nach Dresden zurückreist.

Berlin. 1. November. Der Spezialetat der Post- und Telegraphenverwaltung beziffert seine Gesammteinuahme auf JL 187,480,350, also Jt. 7,189,130 höher als im Vorjahr, die fortdauernden Ausgaben aus JL 158,027,567, also Ueberschuß 29,452,783 aus welchem einmalige.Ausgaben mit 4,512/270 vorweg zu bestreiten sind. Unter letzteren befinden sich für neue Postgebäude ober Erweiterung vorhandener Postgebäude in Brieg, Eisleben, Görlitz, Gumbinnen, Könitz, Myslowitz, Naumburg, Neustadt Quedlinburg, Schwedt, Soest, Weimar, Berlin, Danzig, Konstanz, Landsberg, Liegnitz und Luneburg geforderte Beträge.

Berlin, 1. November. Die Konferenz der internationalen Erdmessung beendete heute ihre Arbeiten. Die nächste Sitzung der permanenten Kommission soll 1887 in Nizza staltffnden.

Berlin, 1. November. Die Generalversammlung des Nationalliberalen Vereins beschloß auf Vorschlag des Parteiraths, für die Ersatzwahl im ersten Berliner Reichs­tagswahlkreis einen eigenen Kandidaten aufzustellen, welcher in der nächsten Versamm­lung vorgeschlagen werden soll.

München, 1. November. Anläßlich seines Namenstags ernannte der Prinz- Regent den Minister v. Lutz zum lebenslänglichen Mitglied des Reichsraths, die Ministerialräthe Ziegler und Mayer zu Staatsräthen; ferner verlieh er das Groß­kreuz der bayerischen Krone dem Reichsrath Grafen Quaadt-Jsny, das Großkreuz des Michaelordens dem General Orff (Würzburg), das Comthurkreuz des Michael- ordens dem Erzbischof von Bamberg und dem bayerischen Gesandten - beim Vatikan Cetto.

Kopenhagen, 1. November. Es verlautet, daß die von der dänischen und der schwedischen Regleruug gewählten Delegirten zur Prüfung des Projects eines Tunnel­baues zwischen Kopenhagen und Malmö diesem Projecte nicht haben zustimmen können

Mailand, 1. November. Der deutsche Kronprinz mit Familie traf heute früh aus Monza hier etn. Die Familie setzte die Reise nach Genua fort. Der Kronprinz verblieb noch hier. 0

Brindisi, 1. November. Der preußische Prinz Friedrich Leopold, Sohn des rin vorigen Jayre verstorbenen Prinzen Friedrich Karl, hat sich heute hier nach Indien emgeschifft.

London, 1. November. Der Secretär der socialdemokratischen Vereiniguna sichtete ein Schreiben an den Polizeichef Fraser, worin das Verbot betreffend den öffentlichen Auszug vom 9. November für ungesetzlich erklärt und vor morgen Abend 7 Uhr eine Mittbeilung verlangt wird, ob der Polizeichef das Verbot aufrecht halte bejahenden Falls wird die Verantwortung für die Folgen dem Polizeichef allein zugeschoben.

London, 1. November. Heute Nachmittag fand der erste Kabinetsrath seit Vertagung des Parlaments statt. Der deutsche Botschafter, Graf Hatzseldt halte heute eine längere Besprechung mit Lord Salisbury.

London, 1. November. Während der Sitzung des heutigen Kabinetsraths, die drei Stunden dauerte, verließ der Staatssekretär des Auswärtigen, Lord Jddesleigh dieselbe, um mit dem türkischen und dem italienischen Botschafter zu fonferiren

London, 1. November. (Meldung des Reuter'schen Bureau.) Bezüglich der egyptischen Frage verlautet, daß die englische Regierung entschlossen sei, von der gegen­wärtigen Politik nicht abzuweichen und das Land nicht der Unordnung und der Eventualität einer neuen Revolution zu überlassen, da sie von der Erwägung geleitet werde, daß sie die von allen Mächten anerfannte moralische Verpflichtung habe die öffentliche Sicherheit in Egypten aufrecht zu halten.

Petersburg, 1. November. Heute war großes Diner beim deutschen Bot- ©djmeimt}, moran Herr v. Giers nebst Gemahlin, Vlangali, Generalniajor Fürst Dolgorouki und falt sämmtliche hier anwesenden ausländischen Vertreter nebst ihren Damen theilnahmen.

Vermischte-.

O . 27 e u- u l r ich st e i n 1 November. fMonats - Bericht der Arbeiter-Colonie pro October 188b J Ultimo October waren in der Colonie arbeits-, resp. stellenlos ins- gesammt 82.

Hiervon waren: Anstreicher 3, Landwirtschaftliche Arbeiter rc. 19 Bäcker 4 Barbiere 1, Bergleute 1, Buchdrucker 1, Büchsenmacher 1, Brauer 1, Buchbinder 1' Elsendreher 1, Färber 1, Fleischer 1, Former 2, Gärtner 1, Glasarbeiter 1 Hut- macher 2, Kaufleute 1, Kellner 3, Klempner 2, Korbmacher 2, Litboaravben 1 Lackirer 1, Müller 1, Metallschleifer 1, Pflasterer 1, Schlosser 5 Schmiede»' Schneider 3, Schuhmacher 4, Schreiber 3, Steindrucker 1, Scheerenschleifer 1 Tave' zierer 1, Techniker 1, Tischler 4, Weber 3 ' p

Den Staaten nach kommen auf: Großherzogthum Hessen 24, Bayern 4. Württemberg 2, Thüringen 3, Oldenburg 1, Schweiz 1. Von Preußen auf die ^A"^nburg 2 Hannover 3, Hessen (Nassau) 26, Ostpreußen 1, Schlesien 2, Sachsen 4, Rheinland 9. '

Abgegangen sind im Laufe des Monats October 10.

,y Davon gingen auf eigenen Wunsch 5, durch die Colonie in Stellung 3 durch Entlassung 2. 0 '

Abgewiesen wurden 10.

3m Ganzen wurden seit Eröffnung der Anstalt aufgenommen 399 Coloniften.

Um zu verhüten, daß die Colonie ein angenehmes Winterasyl für eine gewisse Kategorie von Colomsten Werden, die beim ersten Frühlingsstrahl die Landstraße wieder Q^^nScknee aber schleunigst hierher zurückkehren möchten, wird den Leuten oster bei Zweck der Colonie klar gemacht unb es werben zum zwettemnale in der Regel nur solche aufgenommen,, die glaubwürdig nachweisen können, daß sie in ihrer von der Colonie wirklich und anhaltend gearbeitet haben. Leute dagegen, welche^ dlesseits in Stellung gebracht wurden, dieselbe wegen Trunksucht oder aus au^fgenommen^^^*^0^06« (^runbe verlassen , werden zum zweiten male nicht c , , König!. Hoheit des Großherzogs wurde am 12. September

durch Besuch des Gottesdienstes gefeiert. Am Nachmittage wurde gemeinschaftlich bei ©pe°Mat prä^ig becorkt58 fletrunfen- ®ie ®el>äube wmn ^»mückt, ber

3>m Monat October wurden 1669 Verpflegungstage gewährt.

, . ^Ewyork, 28 October. Ein furchtbares Eisenbahnunglück ereignete sich heute auf der Chicago- Milwaukee- und St. Paul-Bahn. Ein Güterzug lief dem Stand­ard zufolge bei Portage,) Wisconsin, auf ein Seitengeleife, um einem Expreßzug die

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