deren Aversen meistens mythologische Gottheiten darstellen, während die Reversen die Aufschrift: 1 Daler S. M. (Sölfwer Mynt) tragen; zwischen 1715—1719 gelangten sie zur Ausgabe. Damit sie nicht nachgemacht werden könnten, sollten die früheren Ge- Präge gegen die folgenden ausgelöst werden, bis man endlich gutes Geld dafür geben könne. Es ist auf dem Wege des Sammelns kaum möglich, die Stücke alle aufzubringen, da dieselben aller Orten zerstreut sind.
Pfungstadt, 28. Mai. Gestern Vormittag Vr8 Uhr wurde hier ein schändliches Verbrechen verübt. Ein Stromer wollte in einem Hause der Waldstraße betteln, als die 16jährige Tochter mit Futter aus der Scheune kam, um ihre Ziege zu füttern und dem Stromer zurief, daß sie ihm nichts geben könne. Der Strolch schlich nun dem Mädchen nach in den Stall, überfiel dasselbe und zwängte ihm ein Tuch in den Mund mit der Drohung, es bei dem geringsten Laut zu tödten. Darauf fesselte er das Mädchen noch mit einem Strick und vergewaltigte dasselbe. Hoffentlich gelingt es der Behörde, den Thäter zu ermitteln.
— Aus Weimar berichtet die Ztg. „Deutsch!." Im Dachkasten eines Hauses im Brühl nistet ein Sperlingspaar. Da naht eines Tages der Feind in Gestalt einer Katze, sie schleicht zu dem Nest und schon streckt sie die Krallen nach ihrem Opfer aus. In der höchsten Noth erscheint auf das klägliche Geschrei des Sperlingspaares der Retter. Eine Krähe stürzt sich herab, umkreist die Katze mit lautem Geschrei, schlägt mit den Flügeln nach ihr und zwingt so den Räuber, Reißaus zu nehmen. Die Krähe aber verließ den Kriegsschauplatz nicht eher, als bis die Katze unsichtbar geworden war. Worin soll man das Motiv zu dieser Rettungsthat suchen? War es wirklich Edelmuth gegen den Schwachen?
— sKein Anspruchs Man schreibt der Wiener „Allg. Ztg." aus Paris: „Eine ehemalige Tänzerin, Mlle. D., die einstmals in ihrer Blüthezeit zu dein gegenwärtig hier weilenden Großfürsten Wladimir Begehungen unterhalten, schrieb demselben ein 'duftendes Billet, in welchem sie ihm murhcilt, daß sie sich „momentan" in einer etwas bedrängten finanziellen Situation befinde, und um die freundliche Zuweisung einer größeren-Geldsumme bittet. Nach einigen Tagen erhielt sie folgenden Brief vom Seeretär des Großfürsten: „Se. Kaiserliche Hoheit Großfürst Wladimir von Rußland theilt Ihnen mit, daß er seit einigen Jahren sämmtliche Wohlthätigkeitsakte, die von seinem Hause ausgehen, seiner Gemahlin überlassen hat. Die hohe Frau prüfte auch Ihr Gesuch und hat nicht befunden, demselben stattzugeben, da Ihrerseits kein Anspruch auf eine Unterstützung vorliegt."
— Die Ankunft eines jungen Weltbürgers wird in dem Jnseratentheil einer Berliner Zeitung auf folgende originelle Art bekannt gemacht: „peute morgen früh um neun, Traf ich in der Hauptstadt ein; Vater, Mutter freuten sich, Und ich brüllte fürchterlich.
Berlin, den 24. Mai 1886. Richard Kont jun."
Allem Anschein nach hat hier ein künftiger Tenorist das Licht der Welt erblickt.
— Der Universitätsfechtlehrer Fr. Schulze in Heidelberg, welcher seit einigen Jahren der Kaiserin von Oesterreich Fechtunterricht ertheilte, erhielt die österreichische goldene Verdienstmedaille vom Kaiser von Oesterreich. Die Kaiserin wird, wie verlautet, jedoch nicht mehr fechten, da die Aerzte davon abgerathen haben.
— In Zehlendorf bei Laage in Mecklenburg hat man in einer Sandgrube mehrere Gerippe mit Ringen an den Schädeln aufgefunden. Da solcher Schmuck den alten Wenden eigen war, so nimmt man an, daß die Leichen im 11. Jahrhundert dort bestattet wurden.
Literarisches.
— Die dreizehnte Auflage von Brockhaus' Conversations-Lexikon ist bereits bis zum Abschluß des dreizehnten Bandes vorgeschritten und hat damit den Text bis gegen das Ende des Buchstabens R fortgeführt. Was zunächst auch bei diesem Banoe vortheilhaft in's Gewicht fällt, ist die bedeutend vermehrte Zahl der Stichwörter, die auf 6782 stieg gegen 2114 im entsprechenden Bande der zwölften Auflage; wie sehr diese Einrichtung dem raschen Aujfinden des Gesuchten und der handlichen Brauchbarkeit des ganzen Werkes zu statten kommt, weiß Jeder zu schätzen, der häufig im Conversations-Lexikon nachzuschlagen Veranlassung hat. Daneben sind
indeß alle diejenigen Stoffe, die ihrer Natur nach eine zusammenhängende Darstellung erheischen, in ausführlicher!! Artikeln behandelt. Beide Kategorien finden im vorliegenden Bande die tüchtigste Vertretung. Von speeiellem Interesse für die Gegenwart sind die Artikel: Pius IX., eine eingehende Biographie des vorigen Papstes; Polarforschung, mit Angabe der neu errichteten internationalen Beobachtungsstationen; das Königreich Preußen, die preußischen Provinzen Pommern und Posen, unter Zugrundelegung der neuesten statistischen Daten geschildert; Postwesen; Rechtschreibung; Reichsgericht. Unter den Illustrationen des Bandes, bestehend in 16 Bildertafeln, 10 Karten und 22 in den Text gedruckten Holzschnitten, ziehen vornehmlich 3 Chromotafeln die Blicke auf sich; sie stellen Eßbare Pilze, Giftige Pilze und ein in geschmackvollem Renaissancestil decorirtes Wohnzimmer dar und sind mit meisterlicher Technik hergestellt. Besonderes Interesse gewähren auch die vortrefflich ausgeführten, instructiven Tafeln „Ausgrabungen von Pompeji" und „Das Alte Rom".
Geschichts -Kalender.
„ 3. Juni.
1563. Streit über die Wüstung Altenstruth; Gießen wird der Mitbesitz derselben mit Wiefeck, Alten-Buseck und Staufenberg zuerkannt; später erfolgt Theilung. Gießen erhält Vs, daher rührt der Besitz des Hangelsteins.
1740. Friedrich der Große schafft die Tortur ab.
1804. Richard Cobden, der Vorkämpfer des Freihandels, geboren.
1839. Paul Lindau, Schriftsteller, geboren.
1867. Die zweite Kammer verlangt den Eintritt des ganzen Großherzogthums in den norddeutschen Bund.
4. Juni.
1799. Alexander v. Humboldt schifft sich nach Amerika ein.
1803. Die Franzosen besetzen Hannover.
1814. Ludwig XVIII. gibt den Franzosen eine neue liberale Verfassungsurkunde.
1831. Prinz Leopold von Sachsen-Coburg wird zum König der Belgier erwählt.
Zur radikalen Beseitigung von Hühneraugen.
Ein Mittel zu finden, welches direct auf die Hühneraugen wirkt, sie vollständig zerstört, ohne der Haut zu schaden und ohne Schmerz zu erregen, war bis heute eines der gesuchtesten Bedürfnisse und der größte Wunsch aller an Hühneraugen ober an verdickter Haut Leidenden.
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Allgemeiner Anzeiger.
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