Bern, 1. Juni. Der Bundesrath beantragte bei der Bundesversammlung eine Revision der Bundes-Verfassung dahin, daß die Gesetzgebung über den Schutz der industriellen und landmirthschaftlichen Erfindungen, sowie der Muster und Modelle dem Bunde übertragen werde. , . , .. , ,
Paris, 1. Juni. Der Mimsterrath einigte sich heute Vormittag über die heute vor der Commission für die Prinzenvorlage abzugebenden Erklärungen.
London, 1. Juni. Das Unterhaus hat nach gi/rstündiger Debatte die weitere Berathung der irischen Verwaltungsbill auf heute vertagt
— ,Daily News" schreibt: Falls nicht ein plötzlicher und unerwarteter Wechsel eintritt, wird die Home-Rule-Bill nicht zum zweiten Male gelesen. Gegen 45 Anhänger Chamberlain's beschlossen, gegen die Bill zu stimmen und da keine Aussicht auf einen Gesinnungswechsel der Anhänger Lord Hartinaton's vorhanden ist, dürste die Bill schwerlich gerettet werden. Das Unterhaus wird wahrscheinlich gegen Gladstone entscheiden und Gladstone wird an das Land appelliren.
London, 1. Juni. Unterhaus. Chamberlain setzt die Debatte über die irische Verwaltungsbill fort und erklärt, er hätte für die abstrakte Resolution zu Gunsten des Home-Rule gestimmt, müsse aber gegen die zweite Lesung der Bill stimmen, weil nach der Erklärung Gladstone's das Haus sich sonst verpflichte, für eine zukünftige ähnliche Bill zu stimmen. Vor Allem müßte die Suprematie, die Autorität der Reichseinheit gewährt bleiben. Die Auflösung des Parlaments habe keine Schrecken für ihn, er glaube, die unionistische Majorität werde aus den Neuwahlen gestärkt hervorgehen.
— In dem heutigen Meeting der Anhänger Lord Hartington's beschlossen 58 Don 60 anwesenden Deputaten, gegen die zweite Lesung der Home-Rule-Bill zu stimmen, etwa 20 dieser Deputaten hat auch an der gestrigen Versammlung der Anhänger Chamberlain's theilgenommen.
- Das Oberhaus nahm zunächst die zweite, dann die dritte Lesung und dann endgiltig die irische Wasfengesetz-Bill an und die dritte Lesung der schottischen Kleinbauern-Bill. „ __
London, 1. Juni. Dem „Reuter'schen Bureau" wird aus Melbourne vom 31. v. M. gemeldet: „Rach den letzten Nachrichten aus Samoa vom 22. Mai hat ein deutsches Kriegsschiff Apia verlassen und sich nach dem von dem Könige Tamesese occupirten Gebiete begeben. Tamesese wird von Deutschland gegen den König Malietoa unterstützt. Der englische und der amerikanische Consul in Apia haben gegen die Mißachtung der Autorität Malietoa's in Folge des Einflusses Deutschlands formell Protest erhoben. Als Antwort auf das Ersuchen Malietoa's um Schutz hat der amerikanische Consul die Flagge von Samoa unter der der Vereinigten Staaten gehisst und an den Präsidenten Cleveland wegen des Protektorats telegraphirt."
Die Nachricht ist bisher anderweitig nicht bestätigt und dürfte noch in manchen Punkten einer Richtigstellung bedürfen, zumal dergleichen internationale Fragen nicht durch eigenmächtiges Vorgehen eines consularischen Beamten, sondern durch das Ein- verständniß der Regierungen entschieden werden. ,
Madrid, 1. Juni. Der hiesige Präfekt Liquena hat sich gestern durch Selbstentladung eines Pistols, welches ihm beim Ausziehen des Ueberziehers entfiel, schwer im Unterleibe verwundet.
Sofia, L Juni. Nach den nunmehr vollständig vorliegenden Resultaten ergaben die Wahlen in Ostrumelien von 89 Deputirten 10 Gegner der Regierung, 20 von unbestimmter Parteistellung und die übrigen als Anhänger der Regierung. Die Kammer tritt demnächst zusammen.
Rom, 1. Juni. Cholera-Bericht. Vom 31. Mai bis 1. Ium, Mittags, kamen in Venedig 32 Erkrankungen und 12 Todesfälle vor, in Bari 1 Erkrankung und in Brindisi 3 Erkrankungen und 1 Todesfall.
Lokale-.
Gießen, 2. Juni. Wenn wir in gestriger Nummer die Mahnung brachten: „Versichert euch gegen Hagelschaden", so hatten wir doch wahrlich keine Ahnung, daß unsere Mahnung in so kurzer Zeit eine so fürchterliche Illustration erhielt, wie eine solche das gestrige Hagelwetter unserer Stadt und Umgebung brachte. Gegen 4 Uhr Nachmittags zog ein Unwetter über Flur und Stadt, welches in seinen Verheerungen fast nicht grauenhafter zu denken ist. Ein Hagel prasselte, nicht minuten- sondern fast 2 Stunden lang hernieder, alles zermalmend, was grünte und blühte, nicht zu gedenken der unzähligen Fenster- und Erkerscheiben und des Schadens, welchen die Dächer der Häuser erlitten. Von der Größe der Hagelkörner, welche bei dem zweiten und dritten Gewitter wie ein Peletonfeuer heruntersausten, mag man sich einen Begriff machen, wenn wir berichten, daß dieselben Löcher in den Boden schlugen, in welchen ein großes Hühnerei bequem Platz finden konnte. Trostlos und aller Hoffnung auf eine gesegnete Ernte bar, steht der Landmann bei seinen Aeckern, welche aussehen, als habe man die blühende Frucht und Kartoffeln in die Erde gehackt und eingewalzt. An den Bäumen sind Frucht und Laub, sowie die Spitzen der Zweige wie abrasirt. Wie viele arme Vögelchen dem Unwetter zum Opfer fielen, wer kann sie zählen? Die Gärtnereien und photographischen Ateliers, wie sehen sie aus! Keine Scheibe mehr ganz und meterhoch unter Wasser stehend, standen die Besitzer ohnmächtig der furchtbaren Elementargewalt gegenüber. Wir lassen in folgender Nummer eine Zusammenstellung von Verheerungen folgen und bitten unsere Leser auf dem Lande, namentlich die Herren Geistlichen und Lehrer, uns eine kurze Nachricht über die Verheerungen des gestrigen Hagelwetters zukommen zu lassen.
— Bei dem gestrigen Hagelwetter sind beispielsweise im botanischen Garten allein ca. 2000 Fensterscheiben zertrümmert worden. — Die vier jungen Störche auf dem Heidenthurm wurden von dem Hagel erschlagen.
— Heute Nacht gegen 1 Uhr zog wiederum über unsere Stadt ein heftiges Gewitter, begleitet von einer furchtbaren Regenmenge. In Heuchelheim traf ein Blitzstrahl einen Posthilfsarbeiter und lähmte denselben.
vermischtes.
Wies eck, 2. Juni. Während des gestern Nachmittag tobenden Wetters entstand dahier auf bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer in einer Hofraithe. Da Hilfe rasch zur Hand war, wurde dasselbe bald gelöscht und sind nur die Betten angebrannt.
Garbenteich, 2. Juni. Heute Nacht entlud sich über unserDorf ein schweres Gewitter. Um 1 Uhr schlug der Blitz in unsere Kirche, wo er ziemlich erheblichen Schaden anrichtete, jedoch glücklicherweise ohne zu entzünden.'
Neu-Ulrichstein, 1. Juni. sMonats-Bericht der Arbeiter - Colonie pro Mai 1886.] Ultimo Mai waren in der Colonie arbeits-, resp. stellenlos ins- gesammt 31.
Hiervon waren: Landw. Arbeiter 7, Bäcker 2, Beamte (Schreiber) 3, Bergleute 1, Former (Eisengießer) 1, Gärtner 1, Kaufleute (Commis) 1, Maler (Anstreicher) 1, Maurer 1, Messerschmiede 1, Schneider 2, Schuhmacher 3, Weber 1, Zimmerleute 1, Buchdrucker 1, Strumpfwirker 1, Scherenschleifer 1, Schüler 1, Oeconom 1.
Den Staaten nach kommen auf: Großherzogthum Hessen 9, Nassau 4,
Bayern 1, Württemberg 1, Sachsen 2, Thüringen 2. Von Preußen auf die Provinzen Hannover 2, Hessen (Cassel) 6, Posen 1, Schlesien 4, Rheinprovinz 1, Russisch- Polen 1.
Entlassen wurden im Laufe des Monats Mai 33.
Davon gingen auf eigenen Wunsch 19, durch die Colonie in Stellung 6, durch eigenes Bemühen re. 1, durch Entlassung 5, weil nicht der Arbeit entsprochen 1.
Im Ganzen wurden seit Eröffnung der Anstalt ausgenommen 304 Colonisten.
Ober-Mörlen, 29. Mai. Um sich eine Vorstellung von der Massenhaftigkeit des am Sonntag über Ober-Mörlen niedergegangenen Hagels machen zu können, sei nachgetragen, daß noch Dienstag Abend an der sog. Rutsche der Ziegenberger Chaussee ein circa 2 Meter breiter, 6 Meter langer und iy2 Meter hoher Haufen von 1 bis 5 Cmtr. Durchmesser haltender Schloßen zu sehen war.
Lahr, 29. Mai. Der Verwaltungsrath des Reichswaisenhauses hat durch Vermittlung des Großh. Bezirksamtes einen Erlaß des Großh. Ministeriums des Innern erhalten, demzufolge der Großherzog mit allerhöchster Staatsministerial-Entschließung dem Verein zur Gründung und Erhaltung eines Neichswaisenhauses in Lahr auf Grund der vorgelegten Statuten Körperschaftsrechte unter Nachlaß der Taxe und Sporteln verliehen hat.
« Freiburg i. 93., 30. Mai. In Anwesenheit einer ungeheuren Menge Leidtragender fand heute das Leichenbegängniß des so plötzlich verstorbenen Professors Dr. Michelis statt. Auch von auswärts und zwar aus allen Theilen Badens, sowie aus der benachbarten Schweiz, waren Viele hierhergekommen, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Außer den beiden Bischöfen Reinkens und Herzog waren eine größere Anzahl altkatholischer Priester hier anwesend. Die Einsegnung vollzog Pfarrer Dr. Watterich aus Baden-Baden. Am Grabe sang der Kstchenchor der hiesigen altkatholischen Gemeinde.
— (Reichsgericht.] Der Versuch, einen Wohnungsinhaber durch Entfernung von Thüren oder Fenstern aus dessen Wohnung zum Verlassen derselben widerrechtlich zu zwingen, ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, 3. Strafsenats, vorn 18. März d. I., als Nöthigungsversuch aus §§ 240, 44 des Strafgesetzbuchs zu bestrafen, auch wenn der Inhaber keinen Widerstand geleistet hat.
— Das kürzlich in Braunschweig verstorbene Fräulein Henneberg (Schwester des bekannten Malers, dessen „Jagd nach dem Glück" im Besitze der Berliner National- gaÖerie ist) hat der Stadt Braunschweig 100,000 JL und ein werthvolles Grundstück zur Errichtung eines Waisenhauses für arme Mädchen vermacht. Die Berliner Nationalgallerie erhält aus dem Nachlasse der Verstorbenen ein Gemälde von Passini.
— Eine köstliche Anekdote aus dem Jenenser Studentenleben wird dem „B.T.", als buchstäblich wahr, mitgetheilt: Zu Anfang des ersten Semesters 1864 kamen auf einer ziemlich ausgedehnten „Spritzfahrt" vier Marburger Cartellbrüder der „Thuringia" nach Jena und hielten sich nur kurze Zeit auf „F. P.“ (Fremden-Punip) auf. Es kam dabei gleich am ersten Tage zur Sprache, daß sie Geld gebrauchten und daß sie einen Philister „anpumpen" wollten und — wie S., jetzt Arzt in Hamburg, sagte — wenn es der Großherzog selbst wäre." lieber diese tolle Idee flogen die Worte hin und her; S. schlug eine Wette vor, daß er selbst den Pump beim Großherzog, als dem Rector der Universität Jena, „riskiren" wolle, und — die Wette wurde angenommen. Am andern Tage fuhr man nach Weimar, S. erhielt mit seinen drei Corpsbrüdern die nachgesuchte Audiem sofort und trug sein Anliegen dem Großherzog, den er mit „Ew. Magnifizenz" anredete, vor. Sie wüßten nicht, wohin sie sich wenden sollten, rechneten auf die bekannte Güte „des Herrn Rectors" und versprächen auf Ehrenwort, die Schuld mit 25 Thaler binnen acht Tagen zurückzuzahlen. Dieses unverfrorene Verlangen mußte den Großherzog weidlich amüfiren, er lachte viel, ließ sich in ein längeres Gespräch mit den Studenten ein und wies den anwesenden Kammer- Herrn an, ihnen in seinem Namen gegen Ehrenschein 25 Thaler auszuzahlen. S. stellte den Schein aus, erhielt das Geld und hatte seine Wette gewonnen. Die 25 Thaler mitsammt Ehrenschein erhielt S. aber, nachdem er sein Wort glücklich eingelöst, zurück und zugleich ein Schreiben, in dem „der Herr Rector" S. nur bitten ließ, auf sein Wohl zu trinken und — „die Quelle nicht zu verrathen, da er sonst wohl häufiger, als ihm lieb sein würde, „angepumpt" werden könnte."
— (Eine gute Mutter.] Mutter: „Wenn Du erst größer bist, wirst Du auch einsehen, was für eine gute Mutter Du hast!" — Karlchen: „O, wenn Du eine gute Mutter wärst, hättest Tu schon längst einen Zuckerbäcker geheirathet.
— (Beruhigung.] Lieutenant zu seinem Burschen: „Kerl, was fällt Dir denn ein, mit dem Taschentuch meinen Trinkbecher zu putzen?" — Bursche: „Entschuldigen Sie, Herr Leutenant, 's ist ja das meinige."
— Beim bayerischen 1. schweren Reiter-Regiment werden zur Probe Korbsäbel, ähnlich den preußischen Dragoner-Säbeln, von 42 Mann per Eskadron (Unterofficieren und Mannschaften) getragen. Das Lederzeug ist unter dem Rock. Die Säbel sollen, wenn sie sich bewähren, an Stelle der Pallasche zur Einführung kommen.
GchiffSnachrichten.
Bremen, 1. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.] Der Postdampfer Aller, Capt. F. Hamelmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 22. Mai von Bremen und am 24. Mai von Southampton abgegangen war, ist gestern 11 Uhr Abends wohlbehalten ist Newyork angekommen.
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Frankfurter Stadttheater.
Der berühmte Komiker Herr Felix Schweighofer aus Wien trifft in diesen Tagen in Frankfurt zu einem kurzen Gastspiele im Schauspielhause ein. Der Künstler tritt schon diesen Donnerstag, den 3. Juni, in einer seiner glänzendsten Partien, dem Null-Annerl, in dem Volksstück ,,s' Nullerl" auf, wiederholt diese Partie am Freitag den 4. und spielt bereits Samstag den 5. in einer neuen Posse „Ein edler Lump".
Temperatur der Lahn.
Am 2. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 16°, Luft 20° R. im Schatten.
L. Chr. Rübs am en.
Allgemeiner Anzeiger.
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