Daß aber durch jeden Streik der Arbeiter nicht nur bittet, sondern auch indirect am meisten zu leiden hat, beweist folgende Erscheinung.
Das „Berliner Volksblatt" bemerkte am Anfang September 1885: „Die bei Ausbruch des Maurerstreiks mehrfach ausgesprochene Befürchtung, daß viele Haus- eigenthümer aus Anlaß der höheren Lohnforderungen der Gesellen die Miethen bedeutend erhöhen würden, ist leider nur zu rasch in Erfüllung gegangen. Ganz besonders macht sich dieser Preisaufschlag bei den kleineren Mittelbcwobnern fühlbar." Diese Thatsachc wurde übrigens von der Baugewerkszeitung und von der Gründeigen- thümerzeitung ebenfalls constatirt.
„Bei allen Gegenständen des Arbeiterverbrauches", sagt vr. Walder in seiner Schrift: Die Streiks und die Interessengegensätze der Handarbeiterklasse (Leipzig 1886), „d. h. den meisten und wichtigsten Maaren, fällt eine übermäßige Lohnerhöhung der betreffenden Arbeiter in erster Linie den übrigen Arbeitern und sonstigen kleinen Leuten zur Last, weil die ärmeren Klassen die ungeheuere Mehrheit der Consumenten bilden. Der Ausdruck „Arbeiterverbrauch" ist natürlich im weitesten Sinne zu nehmen. Eiserne Schienen oder Stahlschienen, Locomotiven u. s. w. werden z. B. von den Arbeitern nicht direct gebraucht, aber eine Preissteigerung dieser Artikel infolge zu hoher Arbeitslöhne würde zu höheren Eisenbahntarifen führen und Korn, Steinkohlen und alle sonstigen indirecten und directen Bedarfsartikel der Arbeiter vertheucrn. Im Falle extravaganter, ungerechtfertigter, so zu sagen partikularistischer Lohnerhöhungsforderungen einer Arbeiterklasse haben alle übrigen Arbeiterklassen, überhaupt das ganze Publikum, ein dringendes Interesse daran, solche Uebergriffe zu bekämpfen, den schönen Grundsatz „jedem das Seine" hochzuhalten."
Wie häufig endlich aber durch einen Streik und die dadurch bedingten Lieferungsunterlassungen ober wegen der durch denselben erzwungenen unnatürlichen Lohnerhöhungen eine Industrie vollständig lahmgelcgt oder veranlaßt worden ist, in andere Gegenden oder andere Staaten auszuwandern, dafür haben die Zeitungen zur Genüge berichtet. Andererseits haben aufmerksame Beobachter des Gewerkslebens die Ueber- zeugung gewonnen, daß, wenn die Absatzverhältnisse sich nachhaltig günstiger gestalteten, stets eine Aufbesserung der gesammten Lohnverhältnisse ohne offenen Kampf sich all- mälig vollzog und andauerte.
Allen Arbeitern aber kann nicht dringend genug zu ihrem eigenen Wohle und zum Besten der Gesammtheit an das Herz gelegt werden, nicht zu rasch eine Arbeitsniederlegung vorzunehmen, oder sich von anderen dazu drängen zu lassen, ohne der Wahrscheinlichkeit des Erfolges sicher zu sein. Das alte Sprichwort: „Besser einen Sperling in der Hand, als zwei Tauben auf dem Dache" bewahrheitet sich hier so recht und echt.
Vielleicht bringen diese Worte viele der gegenwärtig streikenden Arbeiter zur Besinnung und Umkehr, viel, ungeheuer viel Elend ersparen sie sich und den ihrigen. Wer aber nicht hören will, nun, der muß eben fühlen! Egon W.
Geschichts-Kalender.
2. Mai.
1418. Das Konstanzer Coneordat wird dem Papste Martin V. von der Kirchenversammlung zu Kostnitz unter Kaiser Siegmund abgenöthigt; der Papst verspricht darin eine Reformation an Haupt und Gliedern, Herabsetzung der Taxen, wo dieselben zu hoch re. re.
1668. Frieden zu Aachen. Ludwig XIV. von Frankreich behielt die Eroberungen, trotzdem zwischen seinen Gegnern, Holland, England, Schweden re., die sog. Trippel-Allianz zu Stande gekommen war, um sich den Vergrößerungen Frankreichs zu widersetzen.
1772. Der Dichter Novalis, Friedrich von Hardenberg, in der Grafschaft Mansfeld, geboren.
1794. Mädler, berühmter Astronom, zu Berlin geboren.
1798. Treffen bei der Schinderlegi. Die Schwyzer schlagen die Franzosen.
1813. Schlacht bei Großgörschen (Lützen). 80,000 Preußen und Russen unter dem Oberbefehl des Grafen von Wittgenstein stehen einem 120,000 Mann starken Feinde unter Napoleons Eommando gegenüber. Die Preußen fochten auf ihr Verlangen in erster Linie, unter ihnen ihr jugendlicher Kronprinz. Von Mittag bis an den späten Abend tobte die Schlacht hin und her und der Sieg blieb unentschieden. Auf Seite der Verbündeten lagen 10,000, von feindlicher 15,000 auf dem Schlachtfelde tobt oder verwundet. Wir hatten keine Kanone, keine Fahne verloren, aber unter den schwer Verwundeten war der wackere Scharnhorst, der 8 Wochen später seiner Wunde erlag.
1815. Beginn der zweitägigen Schlacht bei Tolentino. Die Oesterreicher unter ihrem Feldherrn Bianchi schlagen den verrätherischen König Joachim (Murat) von Italien so vollständig, daß er Alles verloren geben und nach Frankreich entfliehen mußte.
3. Mai.
752. Pipin der Kleine, Sohn des tapferen Karl Martell, und Vater Karl des Großen, wird zum König der Franken ausgerufen, und der letzte Mero- vinger, der Scheinkönig Childerich UI. als „Gefangener" in ein Kloster geschickt. — Pipin der Kleine war der erste König „ex Dei gratia“, von Gottes Gnaden, ein Titel, mit welchem ihn die Bischöfe in der Medardus- kirche zu Soissons bei der feierlichen Salbung begrüßten.
1241. Seeschlacht bei Meloria, in welcher die Schiffe Kaiser Friedrich II. über diejenigen der Genuesen, welche einer ansehnlichen Anzahl Prälaten aus Frankreich, England und der Lombardei, von Genua aus als Schutzwache bei der Ucberfahrt zur allgemeinen Kirchenversammlung zu Rom begleiteten, siegten. Dieser Sieg war ganz entscheidend, denn von den Fahrzeugen der Genuesen wurden 3 versenkt und 22 genommen. Einige Prälaten und Abgeordneten der lombardischen Städte starben im Meere; alle übrigen geriethen dagegen in die Gefangenschaft des Kaisers und wurden nach Apulien abgeführt.
1374. Die Bischöfe von Münster und Paderborn, der Graf von der Mark und die Hansastädte Münster, Soest, Osnabrück und Dortmund vereinbaren die Artikel zur Verwirklichung des von Kaiser Karl IV. für Westfalen gegebenen Landfriedens.
1469. Macchiavelli, italienischer Staatsmann und Schriftsteller, zu Florenz geboren.
1798. Frankreich richtet auf dem Rastatter Friedens-Congresse eine Note an das ohnmächtige deutsche Reich, worin es verlangt, daß ihm über die Brücke von Hüningen ein Stück Land eingeräumt, Kehl und das Fort Kastel bei Mainz ihm überlassen, alle Rheininseln abgetreten und daß Ehrenbreitenstein (!), sowie alle befestigten Brückenköpfe am rechten Rheinufer sollten geschleift werden. Nie war. eine Forderung maßloser und übermüthiger, nie war deutlicher gezeigt worden, daß die fiegtrunkenen Franzosen die Uebertretung des linken Rheinufers nur als die Vorbereitung zu Eroberungen im Innern Deutschlands ansahen! Sie ängstigte selbst den russischen Kaiser Paul I., der sich in dieser übertriebenen Forderung der französischen Gesandten in Rastatt geradezu für „verletzt" glaubte und nunmehr ein Bündniß Rußlands mit England und Oesterreich anstrebte, welches auch am 6. Juli 1798 zu Selz zu Stande kam.
1849. Beginn des Dresdener (Mai-)Aufstandes. Die demokratische Partei erobert den größten Theil der königlichen Residenzstadt. Der König selbst flüchtet und ruft den König von Preußen um Hilfe an.
An demselben Tage stirbt Max Schneckenburger, der Dichter der '„Wacht am Rhein", zu Burgdorf.
1866. König Wilhelm I. von Preußen ordnet durch Cabinetsordre die Kriegsbereitschaft an.
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