Eingesandt.
Ein recht lehrreiches, ebenso populär wie interessant geschriebenes Merkchen ist dieser Tage bei Earl Rühle in Leipzig erschienen. Es ist betitelt „Die Kunst der öffentlichen Rede" und bat zum Verfasser den in unserer Stadt wohnenden, in weiten Kreisen bekannten und geschätzten Herrn Adolf Mitzenius. Unseres Wissens hat die Literatur auf diesem Gebiete bisher nichts aufzuweiscn gehabt, denn das ähnlich betitelte Werk von E. Palleske „Die Kunst des öffentlichen Vortrags" behandelt nur das deklamatorische Gebiet der Rede, welches darin besteht, die von dein Dichter in seinen Dichtungen niedergelegten Gedanken und Empfindungen mittelst der Sprache und Mimik zur Darstellung zu bringen. Dagegen bezieht sich das vorliegende Merkchen des Herrn Mitzenius ausschließlich auf die freie Rede. Es will zur Belehrung über die äußeren und inneren Redeeigenthümlichkeiten dienen und Anleitung geben, in welcher Weise die beim „Sprechen vor dem Publikum" häufig vorkommenden Fehler, die mitunter eine an und für sich nicht schlechte Rede beeinträchtigen, vermieden werden können. Infolgedessen fehlt es in dem Büchlein nicht an Belehrungen und Andeutungen darüber, wie Jeder, sowohl derjenige, welcher dazu berufen ist, als auch derjenige, welcher sich „für berufen hält", bei Der einen oder anderen Gelegenheit als Redner zu fungiren, zu Fertigkeit der Rede und zu schönem, gefälligen und correcten Vortrage derselben gelangen kann.
Mit prächtigem Humor, öfters mit beißender Satyre schildert der Verfasser die heutigen Tages grassirende „Redesucht", infolge welcher Jeder das Vedürfnitz fühlt und die Befähigung in sich verspürt, als öffentlicher Redner zu glänzen und wo dann beim ersten Debüt bereits die Unmöglichkeit der Uebersetzung aus der Theorie in die Praxis in einer für den Redner peinlichen Weise zu Tage tritt.
Wir können das Merkchen den Lesern, einerlei, ob sie sich als Redner ausbilden: wollen oder nicht, zur Vectüre auf’s beste empfehlen; den ersteren werden die darin gegebenen Winke sehr nützlich sein, den letzteren wird das Merkchen zweifelsohne eine angenehme Unterhaltung gewähren. K.
Handel und Verkehr.
Gießen, 2. Februar- Auf dem heutigen Markt kosten Butter per PkunD A O.8O- 0 95, Hühnereier pr- Stck. 7—8 Enteneier St- 0—0 Käse pr. St. 5—8 a, Käsematte 3—0 Erbsen pr. Liter 20 Linsen 28 Tauben per Paar 0,70 bis 1,00 Hühner per Stück A 1-20—1.40, Hahnen pr. Stück A 1.40—2.00, Enten per Stück A 2.00—2.50, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 H, Kuh- und Rindfleisch 54—56 Schweinefleisch 50—60 Hammelfleffch 50—62 Kalbfleisch 48—50
Kartoffeln per 100 Kilo A 3.50—0.00, Milch per Liter 12—18 Zwiebeln per (Zentner
A 6.50-7.00.
Frankfurt, 1. Februar. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Metterauer A 17,00—17,25, fremder A 17,25—19,50, Roggen eff. hi es. A 14,25—14,75, fremder A 14,50 -15,00, Gerste effectiv hiesige und Wetterauer A 16,00—17,00, fremde A 18,00—19,00, Hafer eff. hies. A 13,50—13,75 fremder A 13,50—14,50.
Frankfurt, 1. Februar. Der heutige Viebmarlt war stark befahren. Angetrieben waren 356 Ochsen, ca. 15 Bullen, ca. 401 Kühe und Rinder, ca. 230 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Cual. A 60—62, 2. Quast A 50—55, Kühe und Rinder 1. Qual. A 50—55, 2. Qual. A 38—44 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kälber 1. Qual. 62—65 H, 2. Qual. 55—60 $ per 1 Pfund Schlachtgewicht.
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AmheMe EiseMhue«.
Am 1. Februar er. gelangt der Nachtrag I zum Local-Personentarif zur Einführung.
lieber dessen Inhalt ertheilen sämmt- liche Billetexpeditionen Auskunft.
Gießen, den 30. Januar 1886.
Großherzogliche Direction. 749
Holzverfteigerung
im Gießener Stadtwald.
Montag den 9. Februar 1886, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwald in den Districten Stolzenmorgen und Zollstockswäldchen nachverzeichnetes Holz versteigert werden:
A. Brennholz.
Tcheith. Prügelh. Stockh. Reish.
Rmtr. Rmtr. Rmtr. Wellen Eichen 1997/io 915/io 1249/io 3400 Nadel - — - 3200*
*) Durchforstungsholz.
B. Bau-, Werk- und Nutzholz.
10 Nadelstämme mit 1,28 Festm., 2 Erlenstämme „ 1,50 „
239 Fichten - Derbstangen mit 7,03 Festm.,
2550 Fichten-Reisstangen mit 29,17 Festm.
Die Zusammenkunft ist auf der Chaussee nach Rödgen an den Ochsenwiesen.
Gießen, am 2. Februar 1886. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen.
A. Heß, Beigeordneter. 767
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1. daß die als Geschenk gezeichneten Beträge, soweit sie nicht alsbald baar entrichtet worden sind, im Laufe der nächsten Woche erhoben werden, wobei ein eigenhändiger Vermerk in der Liste als Quittung dient;
2. daß die gezeichneten Darlehen auch vor dem i. März bei Herrn Fabrikant E. Kauffmann, Alicenstr. 25, eingezahlt werden können, und von dem Tag der Einzahlung an verzinst werden.
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