Ohrseigen, weil angeblich Türk die Schwester des Herchenröder kurze Zeit vorher geschlagen habe. Der Junge lief alsbald heulend nach Hause und klagte seinem Vater die ihm zugefügte Unbill, worauf dieser sich sofort mit einer Stange bewaffnete und dem Herchenröder nachsprang. An der Wohnung des Herchenröder angekommen, schlug der alte Türk mit der Stange ein Fenster ein, drohte und skandalisirte vor und in der Wohnung und leistete auch schließlich der Aufforderung des dazu Berechtigten, das Haus zu verlassen, keine Folge. Wegen dieser Handlungsweise in Untersuchung gestellt, sollte sich Türk am 24. Mai d. I. vor Großh. Schöffengericht Büdingen verantworten. Zu dieser Verhandlung war als Zeuge der genannte Herchenröder geladen, Türk ließ jedoch noch den Dienstknecht Johannes Wolf durch den Gerichtsvollzieher beiladen, nut welchem Zeugen er beweisen wollte, daß Herchenröder seinen Solin geschlagen habe. In der schöffengerichtlichen Verhandlung leisteten Herchenröder und Wolf den Zeugeneid. Ersterer gab auf die Frage des Vorsitzenden, ob er den Sohn des Türk geschlagen, an, daß er ihm zwar gedroht, ihn jedoch nicht geschlagen habe; Letzterer aber bezeugte, daß Herchenröder den jungen Türk geschlagen, zu Boden geworfen und auf rhm gekniet habe. In Folge der sich widersprechenden Zeugenaussagen wurde gegen Karl Herchenröder und später auch gegen Wolf llntersuchung wegen Meineids eingeleitet und gaben die Angeklagten zu, sich des Verbrechens des Meineids schuldig gemacht zu haben; Wolf behauptete jedoch, von Jacob Türk hierzu durch Versprechungen verleitet morden $ Die angestellten Ermittlungen haben nun auch ergeben, daß Türk den Wolf mehrfach aufgesucht und mit ihm über den fraglichen Vorfall gesprochen hat; ein directer Beweis seiner Schuld konnte jedoch nicht erbracht werden.
Die Geschworenen sprachen den Herchenröder und Wolf schuldig; bezüglich des Türk wurde die Schuldfrage vernein:, weshalb Freisprechung desselben erfolgte, während Herchenröder in eine Gefängnißstrafe von 9 Monaten, abzüglich 3 Monate erlittener Untersuchungshaft und Wolf in eine Zuchtsausstrafe von 1 Jahr 9 Monaten, abzüglich 2 Monate erlittener Untersuchungshaft, verurtheilt wurde. Dem letzteren wurden auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt, sowie die dauernde Unfähigkeit, als Zeuge oder Sachverständiger eidlich vernommen zu werden, ausgesprochen.
Gießen, 1. October. ^Schwurgericht.] In der heutigen Sitzung dieses Gerichts wurde der Dienstknecht Johann Eurt Steinbach von Alsfeld wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit in eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten verurtheilt. — Die Verhandlungen wurden unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt.
Gießen, 1. October. Die heute zur Ausgabe gelangte Nr. 10 der Verwaltungsblätter hat folgenden Inhalt:
1. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofes in Betreff der Fegung und Unterhaltung des Landgrabens, hier der Beitragspflicht der Gemeinde Arheilgen.
2. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofs in Betreff der Erbauung einer Nebenbahn von Sprendlingen nach Wöllstein.
3. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofs in Betreff der Ausführung der Wasserleitung der Stadt Gießen.
4. Oeffentliche Sitzung des Prooinzialausschusses der Provinz Oberhessen vom 18. September 1886.
Abonnements auf die Verwaltungsblätter nimmt die Expedition des Gießener Anzeiger entgegen und zwar für die Abonnenten letzteren Blattes zum ermäßigten Preise von 50 pro Quartal.
Universität- - Chronik.
— Privatdocent Dr. Gabriel, Assistent am ersten chemischen Universitäts- institut zu Berlin, ist zum außerordentlichen Professor an der philosophischen Fakultät ernannt worden.
Bingen, 27. September. Ein Unfall, dessen Ursache und Folgen vorerst noch nicht zu übersehen sind, hat sich heute Mittag gegen 12 Uhr zwischen hier und Aßmannshausen ereignet. Hinter dem Binger Loch stieß ein großes mit acht Traglappen ausgerüstetes Floß mit dem Kettenschrauben-Schlepper Tauerei Nr. 4 zusammen und zwar derart, daß das ganze Floß in Trümmer ging. Ein nachfolgendes kleineres Floß wurde ebenfalls vollständig aufgelöst. Der ganze Rheinstrom war mit Baumstämmen förmlich übersäet. Die Floßtheile trieben zum Theil an die Ufer bei Aßmannshausen. Schloß Rheinstein, Trechtlingshausen, Rieder-Heimbach und Lorch. Gegen zwei Uhr trieb ein Stück des Hinteren Floßes bei Rheindiebach vorüber, bei Nieder-Heimbach wurde ein Badehäuschen fortgerissen. Ob weitere Unfälle vorgekommen, insbesondere ob sich die Bemannung beider Floße retten konnte und welche Beschädigungen das Schleppboot davongetragen, war bis jetzt — Nachmittags 4 Uhr — mit Sicherheit nicht zu ermitteln.
— Heute Mittag um 1 Uhr etwa ist das dem Schiffer Straßburger von Caub gehörige hölzerne Segelschiff „Maria" oberhalb des Binger Loches durch einen plötzlich eintretenden heftigen Westwind aus seinem Cours gedrängt worden, hierbei auj Füsen gerathen und in Folge der dabei erhaltenen Leckage auf dem Postbacher Grunde unterhalb des Binger Loches am linken Ufer gesunken. Das Schiff ist mit Gerste beladen. ______________________________________________________(Fr. Ztg.)
Kirchliche Anzeigen der Stadt Giesteu.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
Samstag den 2. Oktober.
Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Schlosser.
15. Sonntag nach Trinitatis. 3. Oktober. Vormittags 9y2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Feier des heiligen Abendmahls. Nachmittags 3 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Kinderkirche, Vormittags IIV4 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Montag, den 4. Oktober, Abends 8 Uhr, Bibel st unde in der Kleinkinderschule, Markus, Kap. 1, von Vers 8 an- Auch ein Wort über die seither im Cafs Leib dahier gehaltenen Vorträge und den Jrvingianismus; Pfarrer Ur. Naumann.
In der nächsten Woche beginnt der Confirmandenunterricht für die im Jahre 1887 zu confirmirenden Kinder, und zwar: für die Gymnasiasten Montag, 4. Oktober, Nachmittags 3 Uhr, und für die Schüler der Stadtknabenschule Montag, 4 Oktober, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Dr. Naumann; für die R eal- aymnasiasten und Realschüler Dienstag, 5. Oktober, Nachmittags 3 Uhr, Pfarrer Schlosser; für die Schülerinnen der höheren Mädchenschule Montag den 4. Oktober, Vormittags 11 Uhr, und für die Schülerinnen der Stadt Mädchenschule Dienstag, den 5. Oktober, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Dingeldey.
Die am vorigen Sonntag für die Gemeinde Heppenheim erhobene Kirch en- ko Hefte ertrug 22 JL 20
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 3. bis 9. Oktober besorgt Pfarrer Dingeldey.
Katholische Gemeinde.
16. Sonntag nach Pfingsten.
Von 6 Uhr an Beichte.
Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion.
„ V2IO Uhr: Hochamt und Predigt-
„ 2 Uhr: Andacht.
Kartoffel-Lleferimg.
Die Lieferung von ca. 275 Ctr. guter Speisekartoffeln für die unterzeichnete Anstalt soll im Submissionswege vergeben werden. Proben sind in der Anstalt abzugeben und die Offerten bis längstens zum 10. October l. I. einzureichen.
Gießen, am 27. September 1886. Gr. Direction der Entbindungsanstalt.
Kaltenbach. 6931
Montag den 4. L Mts,
Vormittags 11 Uhr, soll aus dem städtischen Baubureau eine Wegauffüllung, veranschlagt zu 120 .X, versteigert werden. Gießen, den 1. Oktober 1886. Großh Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm. 6930
Samstag den 2. Moder,
Nachmittags 2 Uhr, werben in der Flett' scheu Hofraithe dahier Sopha's, Kommode, Tische, Stühle, Spiegel, Bilder, Küchen- u. Kleiderschranke, 1 Waschtisch, Nähmaschinen, 1 Schreibsecretär, 1 Regulator, Wand- und Taschenuhren, 1 Kassaschrank, 1 Silberschrank, 1 Kochherd, 1 Ofen, 2 Ladenschränke und 1 Handwagen öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert.
Bühner, 6910 Gerichtsvollzieher.
Aeilgeöotenes.
Ein großer Transport Ponnis und Doppel- ponnis steht auf dem Frankfurter Pferdemarkt —vom 3. bis 5. Oktober zum Verkauf bei 6928
S. Neuberg.
6782] Guter Kuhmist abzugeben.
Hammstratze 7.
Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung.
In dem Orte Holzheim wird am 1. October 1886 eine Posthülf- sielle errichtet, deren Verwaltung dem Herrn Kaufmann Handwerk übertragen worden ist.
Darmstadt, den 28. September 1886.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
In Vertretung
____________________ Plaz.____________________________
Ermeiterte Handwerkerschule des ^emerßeoereins.
Beginn des Wintersemesters 1886/87: Donnerstag den 7. Oktober, Morgens 8 Uhr.
I. Tag-Schule. Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie, Fachzeichnen, Kostenberechnungen.
An 4 Wochentagen, Vormittags von 8—12 Uhr. Monatliches Schulgeld 3 «X
II. Abeud-Schule.
s. Allgemeine Klasse. Deutsch, Rechnen, Naturlehre und Buchführung, Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie und Fachzeichnen.
b. Modellir-Klasse. Freihandzeichnen und Modelliren.
An 5 Wochenabenden von 728 bis 9 Uhr. Monatliches Schulgeld 2 <X; außerdem haben die Schüler der Modellir-Klaffe eine einmalige Vergütung von 2 <X sür Arbeitsmaterialien zu entrichten.
III. Offener Zeichnensaal ist Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag je Vormittags von 8 bis 12 Uhr für Gewerbetreibende unentgeldlich geöffnet. Es ist denselben Gelegenheit geboten, auf gewerblichem Gebiete sich Rath zu holen, sowie Entwürfe und deren Ausarbeitung unter Leitung unseres Hauptlehrers anzufertigen.
Anmeldungen für die verschiedenen Klaffen wollen Montag den 4. Oktober, Abends V28 Uhr, im Schullokale am Asterweg (Erdgeschoß) bei unserem Hauptlehrer, Herrn Hug, geschehen.
Spätere Anmeldungen können nur ausnahmsweise Berücksichtigung finden.
Die reichhaltige Fachbibliothek ist an 4 Vormittagen sür die Vereinsmitglieder unentgeldlich geöffnet und werden Bücher und Vorlagewerke I ausgeliehen.
6921 Der Vorstand des Gewerbevereins.
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