Kranken-Versicherung zu 1 Geldbuße verurtheilt worben, wogegen er Einspruch erhob. Ter Lehrling war am Ende des zweiten Lehrjahres erkrankt, die Pflegemutier wollte von der Gemeindekasse einen Krankenschein für den Jungen holen, hierdurch stellte sich heraus, daß dieselbe nicht angemeldet war, weßhalb der Meister in Strafe genommen wurde und die Kur kosten mit 45—50 JL an die Stadt zahlen sollte. Der Meister behauptet, er habe dem Lehrling keinen Lohn, sondern nur Trinkgeld, wöchentlich 50 H, bis zuletzt 2 JZ gegeben, er sei also nicht verpflichtet, den Burschen zu versichern. Das Urtheil lautet auf schuldig, weil das angebliche Trinkgeld als Lohn zu betrachten sei. Der Meister wird in Folge dessen auch die Kurkosten zu zahlen haben.
1 — ^Deutsch - französischer Sierfrieg.] Gegen die deutsche Biereinfuhr scheinen in Paris allerhand Vexationen versucht zu werden. So wird der „Gironde" in Bordeaux mitgetheilt, daß in diesen Tagen in Paris ca. 50 Züge mit Bier polizeilich angehalten worden sind zur Analysirung 'des Bieres auf Salicylsqure. — Die „Gironde" sucht dabei namentlich das deutsche Bier zu verdächtigen. — Mehrfach ist in den parlamentarischen Verhandlungen in der letzten Zeit heroorgehoben worden, daß ein gewisser Procentsatz von Salicylsäure nothwendig ist, um das Bier für große Entfernungen versendbar zu machen.
Zur selben Frage berichten die „Münchener Neuesten Nachrichten", daß die französischen Zollbehörden jetzt mit Ueberwachungsvorschristen versehen sind, deren Handhabung geeignet ist. die deutsche Bierausfuhr vollständig lahm zu legen. „Was soll man z. B. dazu sagen, daß vorige Woche seitens der Duane zu Jgney eine ganze Ladung Bier aus Karlsruhe, bestehend aus 174 Fässern, derart auf Güte geprüft wurde, daß man von särnmtlichen Fässern je eine Probe zur Analyse entnahm. Jedenfalls wird dadurch das aus dem Eiswagen entnommene, in die Sommertemperatur verbrachte und dort geöffnete Bier mehr ober weniger verdorben und der Adressat erhält minderwerthige Waare, deren Ausschank nicht nur das weltberühmte deutsche Erzeugniß in Mißcredit bringt, sondern auch den Verkauf erschwert, bezw. ganz hindert. Eine andere Bierladung aus Planegg bei München wurde ganz kürzlich in Paris als salicylsäurehallig befunden und, obwohl dieser Zusatz verschwindend gering war, so daß gesundheitsschädliche Wirkungen ganz ausgeschlossen blieben, indem bekanntlich auch starke gleichartige Zusätze in anderen Nahrungsmitteln unbeanstandet vorkommen, mußte das Bier wieder über die Grenze zurückgebracht werden." Die „Münchener Neuesten Nachr." fügen noch hinzu, daß die französischen Brauer sich selbst in der von ihnen den Deutschen gestellten Falle haben fangen lassen, denn am letzten Donnerstag würbe in Paris sämmlliches vom Auslande angekommenes Bier und am Freitag 25 Bierladungen — worunter sich auch Bier aus französischen Brauereien befand — zur Untersuchung u. s. w. bis auf Weiteres beschlagnahmt.
Köln, 25. August. Im hiesigen Arresthause spielte sich gestern Abend eine blutige Affcure ab. Ein Zuchthausgefangener Namens Lucas überfiel in seiner Zelle einen Aufseher, weil derselbe ihn Tags vorher wegen einer Widersetzlichkeit angrzeigt hatte. Der Verbrecher entriß dem Aufseher das Seitengewehr und versetzte ihm damit mehrere wuchtige Hiebe über den Kopf. Auf das Hilfegeschrei des schwer Verwundeten eilte ein zweiter Aufseher herbei, der, nachdem ihn Lucas an der Brust verwundet, den Wüthenden mit seinem Säbel niederschlug. Sowohl Lucas, wie der überfallene Aufseher liegen schwer verletzt im Hospital.
Hagen, 24. August. Ein hiesiger Industrieller, der da glaubte, alles billiger, besser und rascher liefern zu können, als^irgend ein Nebenbuhler, rühmte sich am Biertisch mit der Leistungsfähigkeit seiner Fabrik und machte sich anheischig, Gabeln zum Preise von 35 Pfg. das Stück zu liefern und zwar massenhaft in kürzester Frist, etwa täglich 3000 Stück. Am nächsten Tage erscheint bei dem Herrn ein von einer andern Firma beauftragter Commissionär und erklärte sich zum Ankauf von 50 000 Gabeln zu 35 Pfg. bereit. In Gegenwart von Zeugen wurde das Geschäft abgeschlossen. Nun ist aber der Marktpreis für Gabeln 55 Pfg. Tags darauf erklärte sich der Fabrikant außer Stande, zum Preise von 35 Pfg. liefern zu können, er habe nur einen Scherz gemacht. Mit diesem Scherz ist der Auftraggeber aber nicht einverstanden und besteht auf Lieferung. (Düffeld. Ztg.)
... ~ ®er ßtud. phil. Albert Lortzmg, ein Enkel des berühmten Eomponisten gleichen Namens, wurde am Sonntag Morgen im Walde bei Pankow von dem dortigen Forster erfchossen aufgefunden. Der bedauernswerthe junge Mann hatte seinem Leben
das „B. Fr.-Bl." mittheilt, in einem Anfall von Geistesstörung selbst ein Siel gefefet. Er befand sich bereits seit einigen Wochen in einer Privat-Jrrenanstalt zu Pankow und feine Besserung war schon so weit vorgeschritten, daß ihm der Anstaltsarzt nut gutem Gewissen selbstständige Spaziergänge erlauben konnte. Da er kürzlich ?och leinen Vater, welcher in Berlin eine Alfenidewaarenfabrik besitzt, besucht hat so ist anzunehmen, daß er den Selbstmord längst geplant und sich auch bei diesem Besuch in den Besitz der Schußwaffe gesetzt hat.
~ i'Aus einem österreichischen Gerichtssaale.j Vertheidiger: Meine Herren Geschworenen! Von Euch ist zwar Einer dümmer als der Andere, aber . . . . — Präsident: Herr Justizrath, ich werde höheren Orts Bericht erstatten. — Vertheidiger: Meine Herren Geschworenen! Von Euch ist zwar Einer dümmer als der Andere, aber trotzdem will ich einen Schnaps mit Euch trinken. Mit diesen Worten trat, wie S'e °.us den Acten eines früheren Processes ersehen werden, der Angeklagte im Jahre 1881 in die Wirthsstube der Frau Kniehuber.
Universität- - Chronik.
Privatdocent an der Universität Göttingen, Lic. Bornemann, ist rum geistlichen Jnspector und Professor am Kloster 11. L. Fr. in Magdeburg ernannt worden. ö
r c d^^bssor Eduard Zeller zu Berlin hat sich allen Kundgebungen gelegentlich seines 50iahngen Doctor-Jubiläums entzogen und verlebte den Tag mit '"Ubr Familie in der Schweiz in stiller Zurückgezogenheit. Den berühmten Gelehrten zahlen übrigens drei Fakultäten zu dem Ihrigen, denn er ist nicht nur Doctor der Philosophie und Theologie, sondern auch der Jurisprudenz. Letztgenannter Titel wurde ihm für feine rechtsphilofophischen Leistungen verliehen.
„ ~ „"Die Tage der Universität zu Dorpat sind gezählt", so schreibt ein
^Mes Malt unb regiftrnt drei diesbezügliche in St. Petersburg kursirende Ge- ruchte. Nach der einen Leseart steht eine Überführung der Universität aus Dorpat nach Riga bevor; nach einer anderen sollen die neuen Univeisitätsstatuten auch auf sie ausgedehnt werden; nach einer dritten endlich soll sie nach dem Muster der Warschauer Universität reorganifirt werden, und wer von den Professoren nicht im Stande sein wird, in russischer Sprache zu dociren, soll außer Etat gestellt werden. — So unsere sarmatischen Bundesgenossen und Eulturfreunde.
Schiffs- Bewegung
der Postdampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft.
3L August. Das Deutsche Dampfschiff „Sorrento, Capt. Müller, ist am 30. August wohlbehalten in New-Aork angekommen.
Schiffs nachrichten.
Bremen, 31. August. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Elbe, Capt. H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 21. August von Bremen und am 22. August von Southampton abgegangen war, ist heute 3 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
z-*< 1 prakt. a. Spedalarzt für Haat-, Frauen* u. Ge-
UP. uensen. schleohtskrankheiten (Syphilis)etc. Frankfurt a.M. Z
' 9tift.tr. 22, fr. Ae.iat. Prof. Ricor4*e. Xoiv hri.fl r\>
Temperatur der Lahn.
Am 1. September, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17°, Lust 240 R. im Schatten.
L. Chr. Nübsamen.
Oberhesfische Eistkdahkktl.
Vergebung von Bauarbeiten.
Die zur Herstellung einer Entwässerungs-Anlage erforderlichen Maurer- und Pflästererarbeiten sollen zusammen im Submissionswege vergeben werden. Die bezüglichen Bedingungen, Voranschlag und Zeichnung sind im hiesigen Verwaltungsgebäude, Zimmer Nr. 4, von heute ab bis zum Eröffnungstermin am 4. Tep° tember l. I., Vormittags 10 Uhr offengelegt, woselbst auch die Offerten abgegeben werden müssen.
Der Eisenbahnbaumeister.
6207________________Roth._________
Mobiliar-Versteigerung.
Wegzugshalber sollen in der Behausung des Kreisarztes Dr. Köhler zu Laubach
Mittwoch den 8. September,
Vormittags 9 Uhr,
1 Pferd, 1 leichte Chaise, 2 Stuhl- wagen, 1 Schlitten, 2 Betten mit Zubehör, 1 Parthie Fässer und Flaschen und sonstiges Haus-, Stall- und Gartengeräthe, auch einige Möbel
öffentlich meistbietend versteigert werden.
Laubach, den 30. August 1886. 6143 Dr. Köhler.
Das Grummetgras von der Neustädter Schäfereiwiese, 1900 Klftr. haltend, soll
Freitag den 3. September, Abends 6 Uhr,
an Ort und Stelle versteigert werden. Zusammenkunft an der Pulvermühle.
Der Salzmeister. 6200 Chr. Haubach.
6155 Einen tüchtigen soliden Arbeiter sucht für sofort
Alexander Mayer. I
Allgemeiner Anzeiger.
Oeffentliche Kunstausstellung in Giessen.
Unter Bezugnahme aus die unterm 19. Juli d. I. geschehene Aufforderung zur Gründung eines Kunstvereins für das ganze Großherzogthum Hessen bringen wir hiermit zur Anzeige, daß es uns durch günstige Umstände gelungen ist, mit dem heutigen Tage den Anfang einer Reihe von Kunstausstellungen zu machen und zunächst mit den Werken eines leider früh verstorbenen ausgezeichneten Architecten und Malers, des Professors G. Adolf Gnauth zu Nürnberg.
Bei Gelegenheit der am 18. September dieses Jahres hier in Gießen stattfindenden Versammlung des Mittelrheinischen Architecten- und Ingenieur- Vereins ist, wie üblich, auch eine Ausstellung von Zeichnungen, Plänen und Entwürfen vorbereitet worden. — Durch die Güte unseres Kreisingenieurs, des Herrn Gnauth, ist es uns vergönnt worden, die Ausstellung der Zeichnungen und Gemälde aus dem Nachlasse seines verstorbenen Bruders schon vom 1. September an auch dem größeren Publikum zugänglich zu machen, und zwar in den Räumen des Instituts für Kunstwissenschaft im hiesigen Schlosse,
geöffnet Morgens von 11 bis 12 Uhr, und
Nachmittags von 3 bis 5 Uhr täglich.
Für die Mitglieder des Hessischen Kunstvereins ist der Eintritt unentgeltlich, für Nichtmitglieder gegen 50 Pfennig. Der Gegenstand der einzelnen Blätter ist auf denselben bemerkt. Eine kurze Lebensbeschreibung des Künstlers ist in den Ausstellungsräumen vorhanden
Das kunstliebende Publikum Gießens wird hierdurch zu recht zahlreichem Besuche eingeladen
Gießen, den 1. September 1886.
Im Namen des Vorstandes:
Dr. H. v. Ritgen, Geheimerath.
Für Ausstattungen
empfehle ich
1 Parthie Damen-Heuiden mit Spitze per Stck. JL 140,
1 Parthie Dawen-Jacken mit Stickerei „ „ „ 1.20,
"/» Betttuch Leinen per Meter JL 1.30,
Halb-Leinen und feine Cretonne- für Kiffen per Meter von 40 und 50 Hauswacher Tischtücher und Handtücher unter Preis, Taschentücher, eine Parthie Herren-Ober- Hemden per Stck. 2.50.
| Fh. Ellinger, Seltersweg 71.
6197 Ein mit guten Zeugnissen ver- । 6194 Ein kräftiges, fleißiges Mädchen,
sehenes Dienstmädchen per sofort zu | mit guten Zeugnissen versehen, wird so- miethen gesucht. Näheres bei i fort ober Michaeli gesucht.
I. Rothenberger. I Marktplatz 11.
Ieikgeöolenes.
Schinken
täglich frisch abgelebten und zum Rohesten, prima Cervelatwurst empfiehlt 6199 <7. JHJeinhenn.
Neue Sendung
i la. holl. Vollhäringe
1886er Fang
empfiehlt billigst
Eduard Fuckert, 6195 Neuen Baue 11.
Lotterie zu Weimar.
Kaufloose zur 2. Elaste (Ziehung am
7. September) sind noch vorräthig bei
6185__Julius Wallach.
Obstkeltern
; neuester Construction, für jeden Be- ! trieb geeignet, empfiehlt 6189
________A Kröll.
Prima Kartoffelmehl
in extrafein gebeutelter Waare, empfiehlt 6205
______H. F. Nassauer.
Frische Preisselbeeren
empfiehlt 6203
II. Klotz, _______Gemüsehandlung.
la. f)ö|ergrütjE
in stets frischer selbstgemahlener Waare wieder zu haben. 6206
H* F. Nassauer.


