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Nr. 202 Mittwoch den 1. September 1886.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 60 Pf.
Amtlicher Hh ei l.
Bekanntmachung.
Für die Dauer der Krankheit eines Feldschützen soll ein Hülfsschütze gegen Remuneration bestellt werden.
Qualificirte Personen wollen fich al-bald bei der unterzeichneten Behörde melden.
Gießen, am 31. August 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
__I. V.: Kraemer.______________________________________________
Bekanntmachung.
Das Bureau der diesseitigen 1. Bezirks-Kompagnie Gießen befindet fich jetzt Licherstraße S.
Gießen, den 27. August 1886.Frhr. v. Röder, Oberst und Bezirks-Kommandeur.
Deutschland.
Darmstadt, 30. August. Se. Königl. Hoheit der Grobherzog haben Nllergnädigst geruht:
Am 7. August den Königlich Württembergischen außerordentlichen Prozessor Dr. Theodor Rördltnger zu Tübingen zum außerordentlichen Professor bei der philosophischen Fakultät der Landes-Universität, insbesondere für das Lehrfach der Forstwisienfchaft, mit Wirkung vom 1. October d. Js. an, zu ernennen.
Bre-lau, 30. August. Die Theilnehmer an der 33. General-Versammlung deutscher Katholiken wurden gestern Abend vom Grafen Ballestrem begrüßt, der ein Hoch auf den Kaiser und den Papst ausbrachte. Ein päpstliches Breve mit dem apostolischen Segen ist der Versammlung zugegangen. Die heutige erste Hauptversammlung war von etwa 3000 Theilnehmern, darunter Windthorst, besucht. Herr v. Heereman, Vicepräsident des Abgeordnetenhauses, wurde zum Präsidenten gewählt.
Hesterreich.
Pesth, 30. August. Heute sand die feierliche Eröffnung der neuen Kavallerie-Kaserne in Gegenwart des Kaisers, des Erzherzogs Josef, des Prinzen von Coburg, der Mitglieder des Ministeriums (außer Tisza), des Kriegsmini- sters Bylandt-Rheydt, der Generalität und der Spitzen der Civilbehörden statt. Der Oberbürgermeister betonte in der Begrüßungsrede die Rothwendigkeit des patriotischen Einvernehmens zwischen Civil und Militär. Der Kaiser sprach den Wunsch aus, daß die braven Soldaten in den Räumen der neuen Kaserne sich wohl fühlen und neue Kräfte für die Erfüllung ihrer Pflichten gegen Thron und Vaterland schöpfen möchten. Der Opserwilligkeit der Hauptstadt sprach der Kaiser seine Anerkennung aus.
ImnkreiH.
Paris, 30. August. Der berühmte Gelehrte Chevreul, welcher morgen in sein hundertstes Jahr tritt, nahm heute an der Sitzung der Akademie Theil, woselbst ihm eine sehr warme Ovation bereitet wurde. Dem Feste, welches morgen zu Ehren Chevreul's stattfindet, werden zahlreiche Deputationen beiwohnen.
— Ein Telegramm der „Defince" aus Rom meldet: „Der Papst nahm ben Vorschlag Frankreich» an und beschloß, nach China einen zeitweiligen Legaten zu senden, der die Aufgabe hat, im Einoerständniß mit der chinesischen Regierung und der französischen Gesandtschaft die Bedingungen zu studiren, unter denen eine spätere dauernde Vertretung des heil. Stuhles eingerichtet werden könnte. Zum Legaten soll Agliardi designirt sein.
Telegraphische Depesche«.
üBoM'S ttlwr. «orr-sporrdem - Vorrats
Dresden, 30. August. Der König von Portugal ist heute Abend 6 Uhr hier «ingetroffen und am Bahnhofe, auf welchem eine Ehrencompagnie aufgestellt war, von dem Könige, den Prinzen Georg, Johann Georg und Max von Sachsen, sowie dem Prinzen Leopold von Bayern empfangen worden und begab sich mit demselben mittelst Equipage nach Pillnitz, woselbst er bis zum Donnerstag zu verbleiben gedenkt.
Wien, 30. August. Der „N. Fr. Pr." zufolge sandle gestern der König von Serbien ein in warmen Ausdrücken abgefaßtes Begrüßungstelegramm an den Bul- garerrfürsten nach Rustschuk, worin er seine Freude und Befriedigung über die Rückkehr des Fürsten ausdrückt.
Wien, 30. August. Die „P. E." erklärt die Meldung einiger Abendblätter, daß Kalnoky morgen in Franzensbad eintreffe, für unrichtig. Kalnoky, welcher sich heute zum Jubiläum nach Budapest begeben wollte, mußte seine Absicht wegen einer Fußocrletzung aufgeben.
— Aus Rustschuk meldet dasselbe Blatt: Die provisorische Negierung mit Stambulow an der Spitze legte die Regierungsgewalt in die Hände des Fürsten zurück. Karaweloff, welcher der in Sofia gebildeten Regierung angehörte, trat gleichfalls zurück.
London, 30. August. Einer Reuter-Meldung zufolge wurden bei der gestrigen totalen Sonnenfinsterniß durch Professor Thorpe gute photometrische Beobachtungen gemacht. Capitän Darwin und Dr. Schuster machten eine gute Aufnahme der Corona.
— Die meisten Morgenblätter sprechen ihre Befriedigung über die Rückkehr Alexander's nach Bulgarien aus, verhehlen jedoch nicht die Besorgniß, die Rückkehr I könnte Verwickelungen herbetführen. — „Morning-Post" glaubt, die Verwickelungen 1
würden sich wesentlich vermindern, wenn Rußland bei seinem weiteren Vorgehen in der Orientfrage dem gemeinsamen Einvernehmen der übrigen Mächte sich gegenüber befände. Ein entschlossenes Verhalten der Großmächte werde dies ohne Nothwendiakeit des Appells an die Mafien herbeiführen. Mittel - Europa sei der Situation müde welche den Handel lähme, große Rüstungen nothwendig mache und die ganze Welt in Ungewißheit und Besorgniß wegen der Zukunft erhalte. — „Times" vermuthet Alexander sei auf den ihm durch den Gesandten White übermittelten Rath der englischen Regierung nach Bulgarien zurückgekehrt, und meint, alles deute darauf hin daß der russische Kaiser und seine Rathgeber geneigt feien, vorläufig wenigstens die vollendeten Thatsachen anzuerkennen.
Siwosto, 30. August. Fürst Alexander ist um 4 Uhr heute früh auf der Nacht von Rustschuk weitergefahren und um 8 Uhr Vormittags hier eingetroffen. Der Empfang war auch hier ein überaus enthusiastischer. Die Menge spannte die Pferde aus und zog den Wagen nach der Kirche, wo ein Tedeum ftattfand. Der Fürst wird in einer Stunde nach Tirnowo abreisen, woselbst er erst Abends eintreffin dürfte.
Bukarest, 30. August. Das ministerielle Journal „Vointza nationale" findet die Ursachen der allgemeinen Sympathien für den Fürsten Alexander vor Allem in der richtigen Würdigung der Rolle, wozu der Fürst von Bulgarien berufen sei, sowie in der lebhaften Sehnsucht nach Erhaltung des Friedens. Europa sei wahrhaft der in regelmäßigen Zwischenräumen wiederkehrenden Wirren auf der Balkanhalbinsel müde Aus diesem Grunde gewähre es dem Fürsten jene Sympathien und unterstütze alle Elemente, welche einen Faktor der Ordnung und des Fortschritts auf der Balkanhalbinsel zu schaffen vermöchten. Wenn nicht alles täusche, sei der Fürst von Bulgarien in den Augen Europas ein solcher Faktor. Auch „Etoile roumaine" bezeichnet es als im Interesse des Friedens für dringend geboten, die Rechte des Fürsten, der auf seinem Throne jetzt fester als bisher sei, nicht in Frage zu stellen.
Bukarest, 29. August. Fürst Alexander wurde bei seiner Ankunft hier am Bahnhof von dem Ministerpräsidenten Bratiano sowie den anderen Ministern und dem englischen Gesandten White begrüßt. Auch die hier weilenden Bulgaren waren zum Empfange des Fürsten auf dem Bahnhof erschienen. — Seitens der provisorischen bulgarischen Regierung ist der Minister des Auswärtigen Natchewitch zur Begrüßung entsandt worden. Der Fürst und sein Bruder unterhielten sich mit mehreren Persönlichkeiten einige Zeit. Sowohl bei der Ankunft wie bei der Abfahrt wurden dem Fürsten von der zahlreich versammelten Menge Ovationen dargebracht.
Petersburg, 30. August. Der Kaiser empfing den seine Accreditive überreichenden Gesandten von China, Liuchiufun, welcher sich darauf der Kaiserin vorstellte. — Die Herzogin von Edinburg reifte gestern auf das Landgut des Großfürsten Sergius im Moskauischen ab.
Giurgewo, 30. August. Der Bulgarenfürst wurde bei seiner Ankunft von einer rumänischen und einer bulgarischen Deputation empfangen. An dem Halteplatz war eine Ehrencompagnie aufgestellt, welche dem Fürsten die militärischen Ehren erwies. Der Fürst schritt auf die von Stambulow geführte bulgarische Deputation zu, begrüßte dieselbe und umarmte Stambulow, während die aus der Umgegend, namentlich aus Rustschuk in großen Massen nach Giurgewo gekommene Volksmenge unausgesetzte Hurrahs und Hochs auf den Fürsten ausbrachte. Schiffe, Boote und Barken auf der Donau waren festlich beflaggt, viele Schiffe und die Geschütze von Rustschuk feuerten Freudenschüsse ab. Rach kurzem Aufenthalt bestieg der Fürst die Nacht, welche ihn am 23. ds. nach Reni gebracht hat und fuhr nach Rustschuk hinüber. Bet seiner Ankunft in Rustschuk wurde Fürst Alexander auf der Landungsbrücke von der bulgarischen Deputation, an deren Spitze Stambulow sich befand, nochmals bewillkommnet und unter unausgesetzten Freudenkundgebungen der Bevölkerung in den fürstlichen Konak geleitet.
Sofia, 30. August. Zwei aufständische Bataillone mit 8 Batterien begaben sich von Sofia nach Radomir. (Dieser Ort liegt südlich von Sofia in der Richtung nach Küstendil).
Rustschuk, 30. August. Die Landung des Fürsten Alexander erfolgte unter Salutschüssen und stürmischen Freudenkundgebungen. Die Stadt ist festlich geschmückt und beflaggt. Der Fürst wurde zunächst vom Metropolitan und dem Consularcorps begrüßt, sodann von Stambulow Namens des Bulgarenvolkes bewillkommnet, welches die Verräther verabscheue und die Negierungsgewalt wieder in die Hände des Fürsten lege. Der Fürst erwiderte, er sei überzeugt, das Bulgarenvolk wende ihm fortgesetzt sein Vertrauen zu und er werde sein Leben dessen Wohlfahrt widmen. Es verlautet, der Fürst begebe sich morgen früh um 4 Uhr nach Sistowo, dann nach Tirnowo, Philippopel und schließlich nach Sofia.
Chicago, 30. August. Gestern Abend schlug der Blitz in das in einer Vorstadt belegene Dynamit- und Pulver-Magazin der Firma Laflin und Rand und sprengte dasselbe in die Luft. In Folge der durch das Dynamit verursachten Explosion (das Pulver hatte sich nicht entzündet) wurden fast alle Fenster in der Stadt zertrümmert, acht andere benachbarte Magazine zerstört, zwei Menschen getödtet und mehrere verletzt.
Tirnowo, 31. August. (Privat-Depesche.) Fürst Alexander ist gestern Abend 6 Uhr hier eingetroffen, auf dem ganzen Wege und hier von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt. Die Weiterreise nach Philippopel erfolgt voraussichtlich heute.


