'der Canalisalion sind zu 5,500,000 JL veranschlagt und werden vom preußischen Staate allein getragen. Abgaben werden von den die canalisirte Strecke passirenden Schiffen nicht erhoben werden.
— Ein ergiebiges Geschäft in Berlin ist das Sammeln von Eigarren- stummeln, dein sich eine ganze Zahl von Personen widmen. Ein Junge durchsucht z. B. für seinen Vater, der daraus Jnsectenpuloer macht, nur die Lrnoen und bringt täglich 8—10 Pfund nach Hause. . , . ,
- „Wo steht Lessing?" fragte ein zur Lessingfeier m Braunschweig em- getroffener Fremder ein paar Husaren des dortigen Regiments, dessen Kaserne ganz in der Nähe des Lessingplatzes, auf welchem das Denkmal steht, gelegen ist. Nach längerem Besinnen, wobei sich die beiden vom Lande gebürtigen, eben aus^ercirten Vaterlandsvertheidiger unverwandt ansahen, meinten sie: „Dat könne wie mch seggen, die unse Schwadron steiht he nich!" o.
— [eine Giftmischerin.) Man schreibt uns aus London, 24. Juli. Mary Ann Britland, eine Fabrikarbeiterin, wurde gestern von dem Geschworenen-Gericht in Manchester der Ermordung von 3 Personen in Ashton-under-Lyne durch Vergiftung für schuldig befunden und zum Hängetode verurtheilt. Die Opfer waren ihr Ehemann, ihre Tochter und eine Nachbarin, und es wurde erwiesen, daß sie vor dem Hmscheiden der drei Personen Mäusegift gekauft und sich über dessen Wirkung erkundigt hatte. In allen Fällen hatte sie eine Lebensversicherungssumme bezogen und lebte zur Zeit ihrer Verhaftung mit dem Ehemanne der von ihr vergifteten Nachbarin zusammen. ^^rene Sournüre.) Die „Märk. Ztg." in Neu-Ruppin enthält das solgende Inserat: „E. Tournüre ist in Molchow gefunden worden. Inhalt ^Taschentuch Shlips, Quantum Watte, Schleier und andere Damenbekleidungsstucke; ab- zuhölen Ludwigsstraße 28." Die Erklärung dieses Inserats bringt die „Ren-Ruppiner Zeitung" in folgender Weise nach der Erzählung eines Abonnenten: „Am Sonntag unternahm ich einen Spaziergang nach Molchow; in der Nähe des Gasthofs daselbst fand ich eine Tournüre von respectabler Ausdehnung, über welche die auf der Dorfstraße sich befindliche Gesellschaft in ungeheure Heiterkeit ausbrach. Ich trug den Fund, der aus einem aus weißer Leinwand genähten Beutel bestand, in die Gaststube, um ihn auf seinen Inhalt zu prüfen, und es fand sich darin vor: 1) Ein Quantum Watte, 2) ein halbverbranntes Küchenhandtuch, 3) ein seidener Damen- fhawl, 4) ein schwarzer Schleier, 5) ein Paar wollene Damenbeinkleider und 6) ein Taschentuch, gezeichnet I. I. Die Dame, die diesen Verschönerungsgegenstand verloren hatte, war auch Augenzeuge dieser wichtigen Entdeckung, denn die Verlegenheit, die sich bei derselben bemerkbar machte, ließ zu der Annahme berechtigen, daß sie die Eigen- thümerin fei." '
Aus der deutschen Crimmalstatistik für 1882, 1883 und 1884.
Das Deutsche Reich besitzt seit dem Jahre 1882 eine sehr werthoolle Criminal- statistik mit Hilfe von Zählkarten, welche für jedes Urtheil oder jeden Strafbefehl nach Eintritt der Rechtskraft und zwar für jeden einzelnen Angeklagten auszufüllen sind. Diese Statistik unterscheidet strafbare Handlungen, Angeklagte und Vcrurtheilte. Die Neigung der Bevölkerung eines Landes oder Bezirks zu strafbaren Handlungen prägt Pch nicht nur in der größeren Zahl der verbrecherischen Personen, sondern auch darin aus, daß dieselben Personen mehrfache Verbrechen begehen. Eine größere Zahl von Verurtheilten, deren jeder nur eine strafbare Handlung begangen hat, beweist eine größere Ausbreitung verbrecherischer Neigungen, während umgekehrt die Begehung einer größeren Zahl von Handlungen durch eine geringere Zahl von Personen eine größere innere Stärke und Wirksamkeit verbrecherischer Neigungen erkennen läßt. Die Gefährdung der Rechtssicherheit eines bestimmten Bezirks ist vorzugsweise durch die Zahl der begangenen strafbaren Handlungen bedingt, mögen dieselben von einer größeren oder von einer kleineren Personenzahl verübt sein. Ferner kommt es zur Beurtheilung criminalistischer Ergebnisse nicht auf die Zahl, sondern auf die Schwere der Verbrechen an. Der soeben erschienene „Band 18 der Statistik des Deutschen Reiches, Neue Folge" gie6t über alle diese Fragen und die Entwickelung der Criminalität im Deutschen Reiche seit 1882 bis 1884 nähere Auskunft.
Die Gefammtzahl der abgeurtheilten Verbrechen und Vergehen gegen Neichs- gesetze betrug 1882: 456,647, 1883: 470,216 und 1884: 503,565. Dagegen ist die Zunahme der verurtheilten Personen geringer, die Zahl derselben betrug 1882: 329,968, 1883: 330,128 und 1884: 345,977.
Die Zahl der aus jeden Verurtheilten durchschnittlich entfallenden Handlungen war eine jährlich zunehmende, 1882: 1,18, 1883: 1,21 und 1884: 1,23.
Der am häufigsten vorkommende einfache Diebstahl zeigt wieder eine geringe Verschiebung, der schwere dagegen einen erheblichen Rückgang. Die Zahl der Handlungen, wegen deren Verurtheilung erfolgte, betrug beim einfachen Diebstahl 1882: 110,237, 1883: 112,443 und 1884: 111,991, beim schweren Diebstahl 1882: 14,456, 1883: 13,141, 1884: 12,840.
Kein Abschnitt hat eine so starke Zunahme aufzuweisen, wie die Verbrechen und Vergehen wider die persönliche Freiheit. Es erfolgten Verurteilungen bei der gefährlichen Körperverletzung 1882: 29,051, 1883: 31,019 und 1884: 36,886, bei der einfachen
Körperverletzung 1882: 15,568, 1883: 15,865 und 1884: 17,970 und bei der schweren Körperverletzung 1882: 517, 1883: 506, 1884: 543.
Mehrere Strafthaten von erheblicher Bedeutung zeigen folgende Zahlen von Handlungen, wegen deren Verurtheilung erfolgte: Mord 1882: 149, 1883: 138, 1884: 133, Todtschlag in denselben Jahren 170, 162, 145, Kindesmord: 174, 179, 160, Abtreibung: 152, 122, 210 (die Zahl der wegen dieses Verbrechens verurtheilten Personen betrug: 191, 167, 258), Raub: 363, 417, 386, Erpressung: 655, 589, 577, Wucher: 153, 141, 104, Bezüglicher Bankerott: 134, 118, 123, Einfacher Bankerott: 483, 440, 461. Die Zahl der Verbrechen und Vergehen wider die Sittlichkeit ist 1882 und 1883 beinahe gleich gewesen, 1884 aber um 11,2 pEt. gestiegen. Bei dem schlimmsten Verbrechen dieser Art: „Unzucht mit Gewalt, an Bewußtlosen rc., an Kindern, Noth- zucht" bewegt sich die Zahl Der Verurtheilten in ganz anderer Richtung als die der Handlungen, wegen deren Verurtheilung erfolgte. Es betrug bei diesen Strafthaten die Zahl der Handlungen, wegen deren Verurtheilung erfolgte, 1882: 4730, 1883: 4729, 1884: 5463, dagegen Die Zahl der verurtheilten Personen 1882 : 2851, 1883 : 2737, 1884: 2755.
Anlangend das Geschlecht, so befanden sich unter den Verurtheilten männliche Personen 1882: 267,353, 1883: 266,963 und 1884: 281,637, dagegen weibliche: 62,615, 63,165, 64,340. Auf 100 männliche kommen mithin 1882 : 23,4, 1883 : 23,7 und 1884: 21,8 weibliche Personen.
Wir schließen unsere wenig erfreulichen Uebersichten mit der Erwähnung der ernsten Thatsache, daß die Zahl der jugendlichen Verurtheilten im Alter von 12 bis (unter) 21 Jahren betrug 1882: 79,071, 1883: 81,174, 1884: 86,298. Was follen uns alle die vielgepriesenen Fortschritte im Wissen helfen, wenn die Sittlichkeit unserer Jugend zurückgeht!
Literarische-.
— vr. Otto Krümmel. Der Oeea«. Eine Einführung in die allgemeine Meereskunde. (Das Wissen der Gegenwart. 52. Band.) Leipzig, G. Freytag. — Prag, F. Tempsky. 1886. 242 Seiten 8°. Mit 77 in den Text gedruckten Abbildungen. Preis 1 JL — 60 Kreuzer. — Das Meer! Welche Fluth von Empfindungen erweckt schon die bloße Nennung dieses Wortes in uns. Bereits in frühester Jugend gewannen wir das Meer lieb; wir folgten kühnen Seeleuten auf ihren Fahrten über die unendliche Wasserfläche, wir begleiten sie durch Sturm und Windstille, durch Unwetter und Gefahren aller Art. Ein neues Dasein that sich vor uns auf; das Weltmeer mit der unermeßlichen Fülle seiner Erscheinungen, mit dem eigenartigen Treiben auf seiner Oberfläche, mit den Geheimnissen seiner Tiefe zog uns mächtig an; wir bewunderten es mit einem leisen Gefühle scheuer Furcht, fei es, daß. wir den armen Robinson stranden sahen, sei es, daß wir muthige Männer begleiteten, die mit Gefahr ihres Lebens neue Länder entdeckten, sei es, daß wir mit gespanntester Aufmerksamkeit die Schilderung gewaltiger Seekämpfe und Seeschlachten vernahmen. Als wir dann größer wurden, steigerte sich das Gefühl der Bewunderung; unsere Kenntnisse hatten sich erweitert, wir, die Erwachsenen, sahen das Meer im engsten Zusammenhang mit einer Menge bedeutsamer geographischer und physikalischer Erscheinungen. Ebbe und Fluth, die Eisberge, der Golfstrom, die Windtheorien, die submarinen Vulkanausbrüche, das und noch vieles andere erregte unser Interesse auf's Höchste, und wir waren bemüht, uns hierüber Belehrung zu verschaffen. Bislang war dies stets sehr unbequem und mit Schwierigkeiten verbunden. Das Material mußte aus zahlreichen Büchern, in denen es verstreut behandelt ist, zusammengesucht werden;, aber auch dann noch boten sich gewöhnlich dem Verständnisse wegen der Fachausdrücke mannigfache Schwierigkeiten. Dem ist nunmehr endgiltig abgeholfen. Wer sich für das Meer und seine Phänomene interessirt — und das dürfte wohl auf Tausende Bezug haben — der braucht nur datz obengenannte Werk des Kieler Universitäts- Professors vr. Otto Krümmel zur Hand zu nehmen. Hier findet er Antwort auf jede feiner Fragen; knapp und klar, mit stetem Rückblicke auf frühere Kenntnisse und Leistungen, streng wissenschaftlich und doch durchaus volksthümlich geschrieben, bietet diefes Büchlein dem Leser durchwegs Befriedigung seines Wissenseifers und bleibt eine unerschöpfliche Quelle lebendiger Anregung. Eine Menge von Abbildungen (Meereskarten, Instrumente, Schiffsansichten rc, re.) erläutert den Text in vorzüglicher Weise; zum Schlüsse ist ein ausführliches Namens- und Sachoerzeichniß beigegeben, welches die Benützung des Buches ungemein erleichtert und bequem macht. Das Werk ist eines der interessantesten und gediegensten der werthvollen Bibliothek „Das Wissen der Gegenwart" und kann in jeder Beziehung bestens empfohlen werden.
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Rabenau, Post Londorf, den 9. Juli 1886. Die Rentei der Freiherrn von Nordeck zur Rabenau.
5073 Schmidt.
5473 Ein zuverlässiger Arbeiter gesucht von Aug. Schlesfirrger.


