Berlin, 29. Januar. [Reichstags Dis weitere Derathung drS Antrag- der llsäfsifchen Aogeorvnetm auf Aufh.bung deS sog. Diktaturparagraphen hat heute noch ganze Dauer der Sitzung tn Anspruch genommen. Gegen den Antrag sprachen Abg. v- Hammerftein, Dr. Bötticher und in gew'sier Weise auch Frhr. v. Stauffen- derg, für dm Antrag tue elsäß. Abg. Guerber, Zorn v. Bulach, W ndthorst und in seinem Schlußwort Wintercr, der sich insoweit durch die Debatte befriedigt erklärte, alS dadurch Gelegenheit geboten sei, die Beschwerden vor dem Lande kundzuthun. Unter Berücksichtigung des Hinweises des Abg. v. Stauffenberg, daß die ganze deSfallsize Ges'tzzebung revisionsbedürftig sei, wurde dieser Antrag von dem Antragsteller zurückgezogen.
Aus dey Reden des TageS heben wir Folgendes hervor: Abg. v. Stauffenberg erkannte an, daß die Elsäffer ein frtedl'cheS, den Gesetze folgendes Volk feien; es fei also eine solche Ausnabmebefugniß nicht angemessen; aber die Entwickelung der Dinge habe gezeigt, daß die Protestpartei an Boden gewonnen habe. Gerade die Candidutur des Herrn Ulrfci habe bet den letzten Wablen zuerst Erfolg gehabt. Der Reichstag Labe in dieser Frage keine Klarheit. Wollte der Landetzausschuß dem Anträge Kable zustimmen, so würde der R-tchZtag fein Nein nicht aufrechterhalten können.
Abg. Windthorft meinte, daß alle Berliner Blätter verboten werden müßten, wenn man an sie den Maßstab legen wollte, wie es im Elsaß geschähe. Wenn ein Blatt geschrieben habe, waS hier als eine so große Schandtat angesührl worden fei, daß der Katechismus als die festeste Grundlage der Politik betrachtet werden müffe, so könne er bte Betrachtung dieses Blattes für seine Person nur acceptiren und der Regierung tu Elsaß Lothringen anempschlen, die zehn G.bote recht fleißig zu studtreu und danach die Bevölkerung zu regieren.
Abg. v. Hammerstetn (conf.) findet, daß die Antraasteller für die Nothwendig- fett der Aushebung der Bestimmungen keinen Beweis erbracht hatten; je mehr die Agitation für die Revanchepolitik Boden gewinne, desto mehr berühre es den Diktatur- paragrophen.
Am Schluß der Sitzung machte der Präsident bekannt, daß dis Abgeordneten Woermann und Mcyer (Bremen) aus der DampfersubventionS - Commission ausge- schieden sind.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Correfpondeuz - Bureau.
Berlin, 29. Januar. Drm heutigen Hosball im königlichen Schlöffe wohnte die Kaiserin, der Kronprinz und die Kronprinzessin bei.
Wien, 29. Januar. Im Unterhause beantragte Kraus, die Regierungs- Vorlage über die Dotation der katholischen Seelsorge der Geistlichkeit aus dem Religionssonds vor der Gebühren-Novelle zu berathen, als ersten Berathungs- Gegenstand aus der nächsten Tagesordnung. Gras Clam-Martinitz beantragte, für die beiden Vorlagen die Reihenfolge beizubehalten, wie sie ist. Der Antrag Kraus wurde mit 130 gegen 126 Stimmen angenommen.
Londsn, 29. Januar. Die Königin ernannte den Oberst Stewart zum General- Major unv ließ dessen Truppen durch den General Wolseley ihre Befriedigung und ihren Dank aussprechen.
— „Daily Telegraph" bringt in einer 2. Ausgabe ein Trlegramm aus Ham- bad vom 28. d. M-, wonach Araber am 27. Januar die Colonne unter General Earle angegriffen habe, aber durch Cavallerie und das Kameelreitercorps zurückgeschlagen wurden. L tztere besctzten darauf das bisher im Besitze der Truppen des Mahdi befindliche Dors Warag; der Feind zog sich tn der Richtung auf Birti zurück.
— Ein Telegramm des Generals Wolsetty aus Korti von heute meldet: Die Genesung des Generals Stewart macht günstige Fortschritte, es ist Hoffnung auf eine baldige Genesung desselben.
Rom, 29. Januar. In der heutigen Kammersitzung erwiderte Mancini aus eine Anfrage Crispi'S wegen der Meldung der „Agence Haoas" von einem englisch- italienischen Vertrage betreffs der cgypttscheu Angelegenheiten, ein derartiger Vertrag bestehe nicht. Der Minister erklärte wiederholt, die Beweise von Loyalität und aufrichtiger Freundschaft, die Italien England gegeben, hätten zu der Ueberzeugung geführt, daß Italien innerhalb der möglichen Grenzen mit einer wohlwollenden Parallelaction vorgehen könne, um Englands Ausgabe zu erleichtern. Es sei dies eine neue Garantie zur Vervollständigung des Programms des Friedens und des ConservatiS- mus, welches den Hauptzweck her Allianz Italiens mit den Centralmächten bilde, von welcher Politik diejenige Italiens ihre Richtung erhalte. Crispt entgegnete, er wolle die Thatsachen abwarten, würde aber einen Vertrag mit England gegenwärtig nicht für opportun halten. Die Kammer setzte hierauf die Berathung des Vertrags mit der Etsenbabngefellschaft für das Mittelemrermtz bis Art. 31 fort.
Paris, 29. Januar. Dem Journal „Paris" zufolge hätte die Regierung beschlossen, den Mächten, insbesondere England, anzuzeigen, daß die französischen Befehlshaber angewiesen seien, neutrale Schiffe, welche versuchen würden, die Blokade von Formosa zu durchbrechen, auf das Genaueste zu durchsuchen.
Madrid, 29. Januar. Der vormalige spanische Botschafter bei der Gurte, Cardenas, ist zum Botschafter in Paris ernannt worden.
Riga, 29 Januar. Gestern Abend brannte in der Jakobstadt die griechisch- orthodoxe Kirche total nieder, dem Feuer ging eine starke Detonation voran.
Lokales.
- Gießen, 30. Januar. Gestern Mittag schlich sich ein Stromer in eine Wohnung tm 2. Stocke eines Hauses der Weidengasse durch die Küche, Vorplatz und 2 Zimmer. In einem der letzteren stahl er eine goldene Damenuhr mit Kette im Werthe von 50 JC und entfernte sich schleunigst damit. Der Dieb wurde alsbald noch tm Besitze der Uhr in der Stadt betroffen und verhaftet; ferner war derselbe im Besitze einer Arm fpange, welche er gefunden haben will. Obige Notiz möge zur Beachtung derer dienen, welche die Stromer in letzter Zeit häufig der Polizei gegenüber verbergen und das Betteln derselben in Abrede stellen, wodurch das Gesetz machtlos wird.
Vermischtes.
O. K. Frankfurt a. M-, 29. Januar- Julius LieSke, der muihmaßliche Mörder deS PoltzelraihS Dr. Rumpff, hüllt sich, nach Art des f. Z. in Parts Hingerichteten Mörders Campi, fortgesetzt in tiefes Schweigen. Einer Correspondenz des „B. B. C " zufolge ist er stets an Händen und Füßen gefesselt. Mehrere Male wurde er Nachts aus dem SÄlafe gerüttelt, um ihn zu einer Aeußerung zu veranlassen, jedoch hatte dies bisher keinen Erfolg.
Mehrere Berichterstatter auswärtiger Blätter, des „Börsen-Courier", „Berliner Tageblatt" und anderer Journale wurden vor hiesig« s Polizeipräsidium geladen und ihnen eröffnet, daß sie sich einet Brihülfe des Mörders insofern schuldig gemacht hätten, als sie durch Publikation theilweise höchst unsachlicher Berichte die Untersuchung verzögert hätten.
Mainz, 24. Januar. Dem „M. A" wird geschrieben: Aus Bubenheim bei Bingen kommt heute die Nachricht hierher, daß daselbst gestern Nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr ein Reisender von zwei Strolchen überfallen, feiner Baarschaft im Be trage von ca. 1200 JL beraubt und ermordet worden sei. Von den Verbrechern verfolgt und angegriffen, habe sich der Reifende energisch zur Wehr gesetzt und einem derselben auf den Kopf geschlagen, worauf dieser einen Revolver auf ihn abgefeuert habe, der ihn in den Kopf traf und feinen Tod zur Folge hatte. Der eine von der Strolchen, welcher btn Schuß abgegeben, entfloh, während der andere feftgenommen und der Polizei überliefert wurde. Wie wir nachträglich erfahren, soll sich der Vorfall zwischen Bubenheim und Engelstadt zugetragen haben.
Worms, 24. Januar. [Fürsorge für Arbetterwittwen.j Nach der „W. Z." ist in dem Etablissement der Firma Cornelius Heyl heute folgende Bekanntmachung erlassen worden, die für den Arbeiterstand von Interesse ist:
„Nachdem in den Fabriken der unterzetchneten Firma die Fürsorge für invalid gewordene Arbeiter, für Kranke rc- seit Jahren in ausreichender Weise geordnet ist und Die hierauf bezüglichen Einrichtungen den Betheiltgtett dir wünschenswerthe Hülfe ein- tretenden Falles gebracht haben, erscheint ls nützlich und erwünscht, die für die Wittwen der Arbeiter bestehende Kasse nicht nur reicher zu dotiren, sondern auch der Art zu erweitern, daß die zahlreichen Arbeiter, welche eine entsprechende Anzahl von Jahren in >en Diensten der Firma stehen, besondere Berücksichtigung erfahren. Zu dem Zwecke
erhöht die Firma bis auf Weiteres das der Wittwenkaffe zufließende Jahreseinkommen auf 10,000 JL, vorbehaltlich der Bekanntgabe der oben angedeuteten Einzelheiten.
Worms, 24. Januar 1885. Cornelius Heyl."
— [Selbe saßen auf einer Bank.j AuS feinem Gesichtsausdrucke war deutlich zu lesen: „Es war um ihn geschehen." — „Willst Du mein fein?" fprach er und versuchte sie etwas näher an sich zu ziehen. Sic blieb frtf sitzen und rückte nicht. — „Ich will ein guter Mensch werden und olle meine schlechten Gewohnheiten aufgeben," sagte er bringend. — Keine Erwiderung. — „Will nie mehr hinten." fuhr er fort. — Der Gegenstand feiner Verehrung blieb gefühllos. — „Und m'r das Rauchen abgewöhnen." — Keine Antwort. — „Und daS Spielen lassen." — Kalt wie zuvor. — „Will nie ohne Dich ausgehen!" — Sie schüttelte nur mit dem Kovfe. — „Und Dir morgen einen Diamantring schenken!" Da hob die Maid die gesenkte» Augen zu den seinen empor und ihr Köpfchen an seine Schulter lehnend, flüsterte sie bebend: „O, Alfred, w-e bist Du so l’eb?* Uno so saßen sie da und saßen — träumend — sinnend — denkend an den Diamantrtng und er — wo in der HergottS- welt er einen hernehmen sollte.
— [Ein gut erzogener Ehemanns Frau: „Sag', Mann, was bedeutet das: „Der durchschnittliche Personenstand einer acmtfrintfcben Familie ist 5,04?" Erkläre mtt's an unserer Familie." — Mann: „Hm . . . Die 5 bist Du natürlich und da wir vier Kinder haben, ist auch die 4 erklärt." — Frau: „Nun, und Du?" — Mann: „Ich bin die 0!" _________________
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Eingesandt.
Darmstadt, 28. Januar.
Dem Beschlüsse deS Delegirtentags deS Rhein-Main-Gastwirtheverbandts gemäß hatte der erwählte Ausschuß, bestehend aus den Herren Reinem er—Darmstadt für Starkenburg Ganß—Mainz für Rheinhessen und Weigand—Gießen fücOberheffen am 28. d. Mts. Audienz bii Sr. König!. Hoheit dem Großherzog und überreichten btefelbcn eine Adresse, in welcher die Wünsche der Wirthe Hessens niedergelegt waren. Se. König!. Hoheit unterhielt sich mit den Vertrete n des Verbandes auf das leutseligste und wurden bewfdben in ca »/^stündiger Unterredung die Ungerechtigkeit und Einseitigkeit der hessischen Weinsteuer dargelegt.
Es ersahen die Verbandsvrrtreter mit F enden, baß der Landesherr sich durch Erkundigungen über die nachtheilige« Folgen dieses Gesetzes für den Gastwirthsstand, Weinprodvcenten und minderbemittelten Weinconsumenten vertraut zu machen suchte und will derselbe dieser gerechten Sache seine ganze Aufmerksamkeit widmen und sein Wohlwollen schenken; e8 glauben die Bethetligten aus dieser Audienz die Hoffnung schöpfen zu dürfen, daß die hessische StaatSregierung sich mit der Abschaffung dieses für die interesstrten Kreise so drückenden Gesetzes eingehend beschäftigen wird. Es ist ja begreiflich, daß sich ein Finanzgesetz, auch wenn dasselbe Netto nur ca. 200,000 JL. einbringt, nicht über Nacht abschaffen läßt, doch sind wir der Ansicht, daß die hessische Regierung und Stände cs den Betheiligten schuldig sind, tn dieser dieselben schon seit Jahren beunruhigenden Sache noch in dieser Landtagsfission Gerechtigkeit zu Theil werden zu laffen.
Theater.
Die „Neuesten Nachrichten" berichten: Die neueste Posse aus der Feder Leon Treptow's, „S chü tzenlis ’I", die seit dem ersten We.yuachtsfetertag allabendlich die Räume des Central-Theaters bis auf den letzten Platz füllt, zeigt eine glückliche Hand und ein sicheres Auge für das Actuelle und Bühnenwirksame. Daß der Dialog etwas grobkörnig und die Witze handfest sind, ist durchaus kein Vorwurf für den Autor, der für eine volksthümlrche Possenbühne arbeitet; Treptow weiß sehr wobl, was packt und amüftrl und hat mit glücklichem Griff die durch F. y. Kaulbach'S keckeS Bild rasch populär gewordenen Gestalt der „SchützenliS'i" zur Hauptfigur eines MÜnchenerisch-Berlinischen Possevquodlibets verwendet, das dem Ämüsementsbedürfnitz vollauf genügt.
Nochmals sei das Märchen „Aschenbrödel" dm Kleinen bestens empfohlen. Die Ausstattung zu diesem Stück ist sehr hübsch und die dazugehörigen reichen Costüme vom Leipziger Stadttheater erworben.
Schiffsnachrichten.
Bremen, 29. Januar. [Per transatlantischen Telegraph! Der Postdampfer Habsburg, Capt. Fr. Pfeiffm, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. Januar von Bremen und am 14. Januar von Southampton abgegangen war, ist am 27. Januar 2 Ubr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.
Handel und BerSehr.
— [Postalisches.^ Um dem Publikum die Möglichkeit zu gewähren, ix dringenden Fällen Packele stets mit der nächsten sich darbietenden Be- sördernngs-Gelegenheit zur Absendung zu bringen, wird vom 1. F-bruar ab, zunächst versuchsweise, Die Einrichtung getroffen, daß Die Postanstalten, soweit als thunlich, gewöhnliche Packetsendungen zu solchen Postbesörderungs-Gelegen- heiten, welche außerhalb oder kurz nach Beginn der für den Verkehr am Schalter bestimmten Dienststunden, sich darbieten, auch außerhalb der Schalterdienststunden annehmen. Bedingung dabei tfi daß bis Packete von den Absendern nach Maßgabe der Bestimmung im $ 11& Abs. II der Postordnung als „dringende Sendungen" bezeichnet sind; auch soll die ausnahmsweise Annahme solcher Senoungen nur in dem Falle beansprucht werden können, wenn zur Zeit der E nl^eferung ohnehin ein oder mehrere Beamte bei der Postanstatt tn Wahrnehmung von Dienstgeschästen anwesend sind. Für derartig außerhalb der Postschalterzeit eingditferte Packete ist vom Aufgeber außer btm Porto und den Gebühren für dringende Vackdsendungen (P. 0.811a Abs. HI), mithin neben der besonderen Gebühr von 1 eine Einlieferuugsgebühr von 20 Pfennig für jede Sendung zu entrichten.
Die Schlutzzett für die Annahme von »dringenden^ Packetsendungen vor Eröffnung des Schalters und nach Beendigung des Schalterdienstes ist bei dem hiesigen Hauptpostamt in der BahnhofSstraße auf 30 Minuten vor Abgang jeder Poft dezw. jedes Transports nach dem Bahnhofe festgesetzt.
Während deS Schalterdienstes werden dringende Packetsendungen sowohl beim Hauptpostamts wie bet der Stadtpostavstalt bis 5 Minuten vor Abgang der Posten zur Beförderung angenommen.
Für die Auflieferer dringender Packetsendungen bet Schatterschluß ober wahrend der Nachtzeit ist am Eingang zur Schalterhalle des Hauptpostamts in der Bahnhofstraße eine Nachtglocke angebracht.
Kirchliche Anzeigen der Stadt Metzen.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
Sonntag Septuagesimä, 1. Februar.
Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Beichte und heiliges Abendmahl im Vormittagsgottesdienst.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Kinderkirche: fällt aus.
Montag, den 2. Februar, Abends 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinderschule, Apostclaesch. Kap. 28. Pfarrer Dr. Naumann.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 1. bis 7. Februar besorgt Pfarrer Dingeldey.
Katholische Gemeinde.
Sonntag Septuagesimae.
Von 7 Uhr an Beichte. 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. Communion.
V2IO Uhr: Hochamt und Predigt. 2 Uhr: Andacht.
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 4^ Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr. Samstag Abend 540 Uhr-


