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ruission beauftragt, ein neires Reglement zu entwerfen, resp. das jetzt bestehende zu verbessern. Es mar dies im Jahre 1881 und da wir heute 1885 datiren, darf man sich wohl die Frage gestatten, wie weit die Vorarbeiten gediehen sind, event. ob und wie lange es noch dauern soll, bis eine Neuregelung des Octrois zu erwarten ist? R.
Vermischte-.
Dresden. In der „Dresdener Zeitung" lesen wir: Vor einigen Tagen gingen einige angesehene Mitbürger Abends die Moritzstraße entlang, als sich ihnen plötzlich zwei unb"*annte Männer entgegenstellten und das Trottoir versperrten. Als die Herren, um ihrerseits keinen Anlaß zu einem unangenehmen Zusammentreffen zu geben, zum Fahrdamm ausbogen, brachen die Fremden in eine Fluth unverständlicher Wörter aus, schließlich schrieen sie laut: „Deutsches Hund!" Als die Herren die Schreier besonnen zur Rede stellten, schlugen sie mit Schirmen und Stöcken wie rasend um sich und verwundeten einen der Passanten ziemlich ernst üm Kopfe. Nunmehr riefen die Ueber- fallencn polizeiliche Hilfe an und ließen die Krakehler sistiren. Auf dem Polizeibureau stellte sich heraus, daß cs erst jüngst hier in Arbeit getretene czechische Schuhmachergesellen waren, deren ganze Kenntniß deutscher Sprache sich auf die Worte „Deutsches Hund" beschränkte. Jetzt dürfte sich ihre Sprachkenntniß erweitern, bald werden sie auch lernen, was man auf Deutsch Gefängniß nennt. Auf solche Weise dankt der Ezeche den Deutschen, die ihm Brod imb Arbeit geben.
— sEin verunglückter Seiltänzers Wie dem „W. F." aus Prag telegraphirt wird, riß bei einer Seiltänzer-Production in Protivin das Seil. Der Seiltänzer sammt dein eigenen vierjährigen Kinde auf dem Rücken stürzte aus der Höhe angesichts der nrasscnhaft versammelten Zuschauer herab. Zum größten Unglück fielen auch die beiden Mastbäume um und verletzten den ohnehin durch den Sturz schwer verwundeten Seiltänzer lebensgefährlich. Die Aufregung mar eine um so größere, als man im ersten Momente glaubte, daß auch einige als Zuschauer anwesende Kinder von den stürzenden Hölzern getroffen worden seien, eine Vermuthung, die sich glücklicherweise als unrichtig erwies. Der Zustand von Vater und Kind soll ein derartiger sein, daß man an ihrem Aufkommen zweifelt.
-- (Dem Tode entgangen.) Von der Mannschaft des zu Grunde gegangenen Schiffes „Augusta" ist ein einziger Mann, ein 22jähriger Matrose von Swincmünde, durch folgenden Umstand dein sicheren Tode entgangen. Dieser Matrose, welcher bereits 6 Jahre auf Kauffahrteischiffen gefahren war und drei Strandungen mitmachte, wurde am 1. Februar 18.85 zur Marine ausgehoben und der „Augusta" zugetheilt, auf der er später Steward wurde. Als die „Augusta" auf der Fahrt nach Westafrika bei Gibraltar angelangt war, wurde er von einem Officier beauftragt, noch einige Gegenstände für ihn zu kaufen und es war das letzte Boot, mit welchem er an Land fuhr. Nachdem er den Auftrag ausgeführt hatte, ging er nach der Landungsstelle des Bootes, legte die gekauften Sachen zu den von dem Koch, welcher mit ihm zusammen gefahren war, bereits angekauften Gegenständen und kehrte wieder nach der Stadt zurück, um den Koch zu suchen. Als er nach einiger Zeit wieder bei der Anlegestelle ankam, wurde er zu seinem Schrecken gewahr, daß das Boot bereits nach der „Augusta" abgefahren war. Nun suchte er vergeblich ein Boot und irrte die ganze Nacht umher. Als er am anderen Morgen sich nach der „Augusta" umsah, war dieselbe bereits fortgesegelt. Es blieb ihm weiter nichts übrig, als zu dem deutschen Consul zu gehen und ihm mitzutheilen, wie es ihm ergangen sei. Dieser sorgte dafür, daß er mit der ersten Gelegenheit nach Wilhelmshaven befördert wurde. Daß die Eltern überglücklich sind, ihren einzigen Sohn von der Katastrophe verschont zu wissen, bedarf keiner Versicherung.
nunmehr 17 Jahre so beliebte, trotz aller Nachahmungen unüber- troffene Haarwasser von C. Retter, München (staatlich geprüft u. begutachtet), welch, statt Oel od. Pomade tägl. gebraucht bestens zu empfehlen ist ukst. zu 40 H u. AL 1,10 I. H. Fuhr, Sonnenstraße 25, Gießen. 526
Theater.
_ . . V Gießen, 28. October 1885.
n .. . vinc_yedjt interessante Vorstellung war die Aufführung von Scribe-Eosmar's LusNprel: „Das Glas Wasser" mit Herrn Hofschauspieler Julius F i a l a an der
- ani' er scch und siegte, denn sein Bolingbrokc war ein Hofmann vom
reinsten Waster. Da gab cs keine unedle Bewegung, keinen Stein des Anstoßes in der Sprache und keinen Mißgriff gegen die Anforderungen der Rolle. Der Gast spielte mit einer weltmännischen Feinheit, wie mnn sie sich nicht besser wünschen konnte und sein Jromstrcn war wirklich meisterhaft, man wurde warm bei seinem Spiel und diese Warme ubertrug sich nicht nur auf das Publikum, sondern er hatte auch einen gewissen Zug in das Ensemble unseres Theaters gebracht, der das erfreulichste Resultat zur Folge hatte.
Ww sehen von den Gedächtnlßschwächcn, die sich hier und da bemerkbar machten^ gern ab und constatiren aus voller Ueberzeugung Fleiß, Streben und redliches Be- mrlhen jedes Mitwirkendcn, da es uns selbst Freude macht, wenn wir jeden Tadel unterdrücken können.
Mathilde Schlüter gab die Herzogin mit vielem Geschick, der hochnäsige ^.on gelang ihr ausgezeichnet und das Jntriguante der Nolle kam zur besten Geltung, so daß sie in den Scencn mit Herrn Fiala an dem Beifall des Publikums einen unbestreitbaren Antheil hatte.
Auch Max Willrodt-Schrüder überstürzte seine Rede nicht und fand sich mit dem Mascham recht gut ab.
Die Abigail, deren Name sonderbarerweise mit allen möglichen Variationen ausgesprochen wurde, — man schien ihn einfach verdeutscht zu haben — wurde von Elsa von Walden lobenswert!) vergegenwärtigt.
Cornelia Rheinberger hatte diesmal mehr Glück als Königin, wie in Maria Stuart. Die Heldenköniginnen sagen ihr nicht zu, aber eine Anna von England dürfte eher ihrem ganzen Wesen angemessen sein. Sie war recht anmuthig als solche und fand den noblen Ton überall, auch ihre Erscheinung harmonirte gut mit den Ansprüchen, die der Dichter an die Darstellerin stellt.
Hoffentlich wird uns Herr Fiala öfter die Ehre eines Gastspiels geben und dein Publikum iväre der Bestich solcher Vorstellungen bestens zu empfehlen. ^a—
Handel und Verkehr.
Limburg, 28. October. Rother Weizen J4 14.10, weißer Weizen AL 0000, Korn AL 11 00, Gerste AL 10.40, Hafer AL 6.35, Kartoffeln ä 100 Pfund AL 0.00, Erbsen ä 100 Pfund AL 00.00.
Frankfurt, 28. October. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter AL 3 80—4.50, Eier das Hundert AL 6.00—8.00, Butler per Pfund AL 1.10 bis 1.20, Weißkraut per Stück 12—15 H, Rothkraut per Stück 15—25 Kohlrabi per Stück 3—00 H, Ochsenfleisch per Pfund 60—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 50—60 Kalbfleisch 50—60 Schweinefleisch 70—75 H, Hammelfleisch 50—65 H, 1 Hahn AL 0.70-1.50, 1 Huhn AL 1.00-2.00, 1 Ente AL 2.00—3.50, 1 Gans AL 4.00—8.00, 1 Taube 40-60 H, Welsche AL 5.00—10.00.
Hannover, 28. October. sEisenbahn-Eonferenz.j Die Seitens der Ost- preußischen Landwirthe beantragte Einführung von Staffeltarifen mit fallender Scala für Getreide behufs billiger Verfrachtung ihrer Ueberproduction nach dem Südwesten Deutschlands ist auch in hiesiger Eisenbahn-Bciraths-Sitzung einstimmig abgelehnt worden. Als Erleichterung im Personenverkehr ist zu begrüßen, daß vom 1. November ab im Localverkehr der Direction Hannover die Gültigkeit des Retourbillets wie folgt berechnet wird: Bei Entfernung von 201—300 Kilometer 3 Tage, 301—400 4 Tage u. s. f. für je 100 Kilometer steigende Entfernung 1 Tag mehr. Vom 1. Januar ab I findet diese Berechnung im ganzen Bereich der preußischen Staatsbahnen statt. Retour- billets nach Berlin erhalten 1 Tag Zusatz, sodaß künftig solche ab Gießen nach Berlin (Entfernung 495 Kilometer) mit 6 Tage Gültigkeit zur Ausgabe gelangen. K.
Vergebung von Htrahenbauarbeiten.
Die nachstehenden, zum Neubau einer Kreisstraße vonGroßen- Linden nach Lützellinden erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen
Samstag den 31. d. M., Nachmittags 3 Uhr, auf dem Gemeindehause zu Großen- Linden im Wege mündlichen Abstreichs vergeben werden:
veranschlagt zu
1) Erdarbeiten 520,— «Ai.
2) Pflasterarbeiten 421,40 „ 3) Maurerarbeiten 150,— „ 4) Chaussirarbeiten
a) Materiallieferung 2458,50 „
b) Handarbeiten 840,05 „ zujammen 4389,95 <X
Specieller Kostenvoranschlag ist auf Großh. Bürgermeisterei Großen- .'Linden, bei Bezirks-Bauaufseher Rohrer in Gießen und bei dem Unterzeichneten einzusehen.
Gießen, am 27. October 1885
Der Kreisingenieur.
7772 Gnauth.
Jeikgeöotenes.
Bei dem e». Kirchendiener H. Knoll, Kirchenplatz 18 dahier, sind mehrere alte, noch brauchbare
Oefen
zum Berkaus ausgestellt. Hierauf Re- flectirende wollen ihre Gebote bis zum 7. November l. I. dortselbst einreichen.
Gießen, den 29. Oktober 1885.
7800 Der ev. Kircheuvorstand.
Karmor-Wärmsteine
empfiehlt billigst
7802 jPht Schlatter.
Altgemeiner Anzeiger.
BefENtMKchNNg.
Vom 1. bis 20. k. M. findet für die Pflichtigen von Gießen die Erhebung der directen Steuern, der Tilgungsrenten und der Gebühren für Fortführung der Grundbücher statt. Die 5 weiteren Tage sind für die auswärtigen Erhebungen bestimmt.
Die Steuerreclamanten wollen die bewilligten Erlässe bei der Steuerzahlung in Empfang nehmen und quittiren.
Grobherzogliche Districts-Einnehmerei Gießen I.
Die
von
S» Eisoffer
hat einen großen Posten
Filzpantoffel re.
mit und ohne Lederbesatz, von den gewöhnlichsten bis zu den hochfeinsten Genre's, in allen Größen, zu außerordentlich billigen PrSisen käuflich übernommen und hat beschlossen, diesen Vortheil die verehrten Abnehmer genießen zu lassen; es wird deßhalb auf diese
sehr günstige Gelegenheit
hingewiesen. 7369
Regenmäntel
in allen Größen, neuester Facsns, von Mk. ®.— an, eW F. Helberg, 5785
Strickgarne
empfehlen in reiner guter Wolle und billigsten Preisen in allen melirten Farben, das gewogene Loth von 4 Pfg., in allen uni- nnd Ringelfarben von 5 Pfg. an. Es wird noch erwähnt, daß die Waare zu 4 und 5 Pfg. ä Lth. in jedem beliebigen Quantum verabreicht wird, wie die besseren Qualitäten.
Wiederverkäufer erhalten Rabatt. 7544 Eusburg Ae Holterboff Söhne.
Futtermehl
zu haben bei 7794
Curl Steinberger, Bäcker, Löwengaffc. 7793 Eine wahrscheinlich mit Erfolg belegte ältere
Stute, als leichtes Arbeitspferd noch sehr brauchbar, steht billig zum Verkauf. Wo? sagt die Exped. d. Bl.________
Größte Auswahl in 7712
Hrrren-u.Knabrn- GarNeraiir.
Anfertigung nach Maaß.
W, Katz, Markt 1.
! Strickwolle!
in allen Qualitäten, sowie Kock- wolle, von <Ai. 1.20 an pr. Pfund, empfiehlt 7635
L. Kattrein,
Ecke der Sonnen- u. Schulstraße.
Feinst gereinigten
ledicinal-LeberthraD
zu haben bei 7605
Fr. Seibel.
Obstbäume,
Akplel, Birnen, Iwrtschen rr.,
empfiehlt 7696
___ Karl Berger.
Schürzen in Atlas und Cachemir, alle Sorten Haushaltungsschürzen, Filzröcke, Corsetten, Tricot- kleidchen m.
empfiehlt billigst 771t
W. Hatz, Markt 1.


