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Freitag den 30. October

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureau: Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 P».

Amtlicher Hheit.

Betreffend: Den Gebrauch des Doppeljochs bei Zugthieren. Gießen, am 27. October 1885.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden deS Kreises.

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Zimmers S00S, Mrtt 12. lQ NN gut inöblirtks n.

»dwigstr. 26,3. El. Zimmer mit Cabiml Mftrofje 15111. wob!. Zimmer hu

Maittplatz 2. wer zu vermiethen. der Bahnhofstraße. mödlirte Zimmer ju »rterstraße 40III, mmer zu vermiet^. irt, Neuenweg 30. n mit LogiS ptt rmiethen. reund Wwe., nstadt 33.

Wir beauftragen Sie, nachstehende Polizei-Verordnung in Ihren Gemeinden mit dem Anfügen ortsüblich zu publiciren, daß dieselbe erst am 1. April 188*7 in Kraft treten soll, damit die Betheiligten in den Stand gesetzt werden, inzwischen ihre Vorbereitungen zu treffen.

Dr. Boekmann.

Polizeiverordnung,

den Gebrauch des Doppeljochs bei Zugthieren im Kreise Gießen betr.

Auf Grund des Art. 78 der Kreisordnung wird unter Bezugnahme auf § 360 pos. 13 des Reichsstrasgesetzbuchs mit Zustimmung des Kreisaus­schusses und mit Genehmigung des Gr. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 7. Oktober 1885 zu Nr. M. I. 15132 für den Umfang des Kreises Gießen nachstehende Polizeiverordnung erlassen:

S 1.

Der Gebrauch des Doppeljochs bei Zugthieren ist im Kreise Gießen verboten.

S 2.

Zuwiderhandlungen werden nach § 360 pos. 13 des Reichsstrafgesetzbuchs mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft bestraft.

§ 3.

Gegenwärtige Polizeiverordnung tritt am 1. April 1887 in Kraft.

Gießen, am 27. October 1885. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

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Politische Ueberficht.

Gießen, 29. October.

Ein bedeutsamer Gedenktag für das deutsche Volk ist in weiteren Kreisen desselben anscheinend ziemlich unbeachtet vorübergegangen der 85. Geburtstag Moltke's. Am verflossenen Montag, den 26. Octo­ber, waren 85 Jahre vergangen, seit der berühmte Schlachtendenker in dem

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mecklenburgischen Städtchen Parchim g boren wurde und in Anbetracht dessen, was der geniale Stratege seinem Herrscher und seinem Volke in drei Feldzügen geleistet und das ihm für immer die Anerkennung und Dankbarkeit der deutschen Nation sichert, muß dieser Tag mit zu den Gedenktagen Deutschlands gerechnet werden. Der Lebenslauf Moltke's ist zu bekannt, als daß wir demselben an dieser Stelle nochmals in seinen Einzelheiten folgen sollten; mit Genugthuung aber sei hervorgehoben, daß sich der große Feldmarschall trotz rastloser geistiger Arbeit während eines langen Lebens und trotz unglaublicher körperlicher An­strengungen seine geistige Spannkraft und körperliche Rüstigkeit gleich seinem kaiserlichen Herrn bis in da« höchste Alter zu bewahren gewußt hat. In größter Zurückgezogenheit hat Graf Moltke seinen Ehrentag gefeiert und dies entspricht nur der Bescheidenheit und seltenen Anspruchslosigkeit, welche dem großen Schweiger" eigen sind, Eigenschaften, die es ihm jedenfalls erwünscht sein ließen, daß ihm an seinem 85. Geburtstage keine glänzenden Ovationen dargebracht wurden. Möge uns der geniale Feldherr noch lange erhalten bleiben, dem gefammten deutschen Vaterlande zu Ruhm und Ehre!

Anläßlich der jüngsten Kaiser-Manöver in Württemberg itnb zahlreiche preußische Militärs durch Ordensverleihungen Seitens des Königs von Württemberg ausgezeichnet worden.

Eine Woche vor den Urwahlen zum preußischen Abgeord­netenhause haben in Vaden die Wahlen von 34 neuen Abgeordneten zum Landtage stattgefunden. Wenn schon die Urwahlen keinen Zweifel darüber auftommen ließen, daß die diesjährigen Landtagswahlen im Großherzogthum Baden einen entschiedenen Erfolg der dortigen nationalliberalen Partei bedeuten, so stellt sich jetzt, nach den Wahlen der Abgeordneten selbst, dieser Erfolg noch viel glänzender heraus. Wie schon erwähnt, waren im Ganzen 34 Abgeordnete zu wählen; 4 (Ersatz-) Wahlen finden erst in einigen Tagen statt. Von den hiernach verbleibenden 30 Mandaten fielen 22 den Nationalliberalen, 6 den Klerikalen und 1 den Demokraten zu; im Wahlkreise Durlach hat eine Stich­wahl zwischen dem klerikalen Candidaten und dem bisherigen conservativen Ab­geordneten dieses Wahlkreises, Kirchenbauer, welcher überhaupt der einzige Ver­treter der conservativen Richtung in der badischen Kammer war, stattzufinden. Die nationalliberale Partei verlor keines ihrer Mandate, gewann aber 10, und zwar nahm sie den Klerikalen 7, den Demokraten 2 und den Deutschfreistnnigen das einzige Mandat, welches sie in der badischen Abgeordnetenkammer besaßen Lörrach ab. Der neue Landtag soll am 12. November vom Groß' Herzog persönlich eröffnet werden.

Der bisherige deutsche Gesandte in Rio de Janeiro, Le Maistre, ist zum preußischen Gesandten am Darmstädter Hose er­nannt worden.

Die Hoffnung auf eine directe Verständigung zwischen Deutschland und Spanien in der Karolinenfrage muß nunmehr aufgegeben werden, nachdem der Inhalt der spanischen Antwort auf die Note des Fürsten BUmarck vom 1. October bekannt geworden ist. Die spanische Antwort besagt, kurz gefaßt, Folgendes: Spanien halte die deutschen Ansprüche aus die Karo­linen für nicht begründet; es wäre denn, daß eine neue Conferenz analog

der Congo-Acte Bestimmungen für oceanische Gebiete träfe; so lange das nicht geschehen, halte Spanien seine Ansprüche im Princip nach Maßgabe des bis­herigen internationalen Rechts aufrecht. Daß, wie Spanien wünscht, wegen der Karolinen-Inseln eine neue internationale Conferenz zusammentreten solle, ist nicht guk drmköar, es bleibt daher, da Spanien die deutschen Ansprüche nicht anerkennt, nur die päpstliche Vermittelung übrig. Einer römischen Correspondenz derKöln. Volks-Ztg." zufolge ist die vaticanische Note in der Karolinenfrage fertig gestellt und oars man unter den obwaltenden Umständen auf den Inhalt der päpstlichen Note mit Recht gespannt sein.

Der österreichische Reichsrath ist am Montag vertagt worden, um den in Wien versammelten Delegationen für ihre Arbeiten vollständig Raum zu machen. Vom Herrenhause wurden an dem genannten Tage ohne Debatte noch die vom Abgeordnetenhause in den letzten Sitzungen beschlossenen Gesetze in zweiter und dritter Lesung angenommen.

In der Schweiz hat am vergangenen Sonntag wieder eine Volks­abstimmung stattgesunden. Es handelte sich um die Entscheidung in der Alkoholfrage, welche schon seit Monaten das schweizerische Volk in Auf­regung hielt und die am Sonntag gefallene Entscheidung kann man nur als mit den wahren Volks-Interessen in Einklang stehend bezeichnen. Mit erheb­licher Majorität ist nämlich die Alkohol-Vorlage des Bundesrathes, welche den verderblichen Folgen des Alkoholismus energisch entgegentritt, genehmigt worden, womit zugleich die dadurch bedingte Revision der Bundesverfassung die Geneh­migung der schweizer Bürger gefunden hat. In wirthschastlicher Beziehung ist der gefaßte Beschluß insofern bemerkenswerth, als dadurch dem Bundesrath das Recht verliehen wird, auf die Einfuhr und die Fabrikation von Alkohol eine Steuer zu legen.

In Tongking haben die Franzosen wieder alle Hände voll zu thun, um sich der unermüdlichen Schwarz-Flaggen zu erwehren. Bei Thanmai^ welcher Ort von den Schwarz-Flaggen stark besetzt war, mußten die Franzosen dem Feinde ein ernstes Gefecht liefern, welches mit der Erstürmung des Ortes und der Flucht der Schwarz-Flaggen nach Lakssat endete. Im Gegensätze zu dem angeblich starken Verlust des Feindes wollen die Franzosen nur 8 Todte gehabt haben. (?) General Courcy beabsichtigt nunmehr, sich mit General Negrier zu verewigen, dessen Colonne zwischen dem Bambuskanal und dem Stromschnellenkanal operirt. Die französischen Radikalen werden bei ihrer be­kannten Abneigung gegen jede Colonialpolitik und vollends gegen die Tong- king-Expedition sicher nicht säumen, die Zustände in Tongking.und auch in Anam in der bevorstehenden Kammersession im Sinne der radikalen Politiker zu verwerthen.

Nachdem in England schon die verschiedensten Führer der Conserva­tiven wie der Liberalen ein gerütteltes Maß voll Wahlreden über das Lanb ausgeschüttet haben, wird nun angezeigt, daß Gladstone selbst in Edinburgh am 12. November eine große Wahlrede halten werde. Der Ches dec liberalen Partei Englands wird also Gelegenheit haben, die Grundsätze, die er in seinem bekannten Wahlmanifest von Hawarden niedergelegt hat, mündlich weiter zu entwickeln. Interessant ist, daß in einer am Montag Abend in London stattge- sundenen politischen Versammlung der Marineminister Hamilton mittheilte, die Regierung beabsichtige, die Kriegsmarine innerhalb zwei Jahren um 9 Panzer­schiffe zu verstärken. Die Auflösung des englischen Parlaments erfolgt am 18. November. Sir Drummond Wolff ist am Montag, nachdem die englisch- türkische Convention wegen Egyptens unterzeichnet worden ist, von Konstanti­nopel nach Egypten abgereist.