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Jetzt wurde die Criminalpolizei, die Staatsanwaltschaft und die Medicinal-

Herr Polizeicommissär Schüler

welcher sich zur Aufklärung über diese An-

bel)orpe von dem -Vorfall tn Kenntniß gesetzt, worauf das Zimmer erbrochen wurde.- Gelegenheit persönlich nach Frankfurt begeben hatte, veranlaßte daselbst die Verhaftung

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der Müller und des Bletz, welcher sich bei der Müller befand. Beide wurden hierher gebracht, doch stellte sich bei dem Verhör vor dem Untersuchungsrichter alsbald heraus,, daß die Verhafteten vollständig schuldlos uud die Angaben der Zeugen irrige waren, so daß diese Personen noch gestern Abend in Freiheit gesetzt wurden.

Berzeichniß

der Mittel-reife der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat August 1885.

Dasselbe befand sich in einem schaudererregenden Zustand." Fußboden und Wände starrten von Blut, mehrere blutige Instrumente, z. B. eine große Scheere und eine Schusterkueipe, lagen umher und am Bett stand ein mit Blut gefülltes Gefäß. Im - Bette aber lag, schauderhaft zugerichtet, die Ermordete, in welcher die Ehefrau des Schuhmachers Wothe erkannt wurde. Dieselbe, unter dem SpitznamenDas rothe Grethel" bekannt, zeigte eine Menge klaffender Wunden, denen sie offenbar erlegen war. Wer hatte diese Mordthat begangen? Der Verdacht lenkte sich sofort auf 2 Personen, welche in engster Beziehung zu der Ermordeten gestanden, noch am Tage zuvor bei ihr gewesen waren und jetzt vermißt wurden. Dies ist ihr Ehemann, der Schuhmacher Wothe und sein Gehilfe Namens Herbst, welche beide im übelsten Rufe stehen. Wothe ist ein alter Zuchthauskunde, und Herbst ist erst vor 2 Monaten aus dem Zucht­haus in Marienschloß zurückgekehrt, wo er 9 Jahre zu verbüßen hatte. Auch die ermordete Frau führte einen liederlichen Lebenswandel.

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Reihe anderer Anzeichen darauf hindcuten, daß er entweder den Mord verübt oder wenigstens an demselben betheiligt war.

Auf den Vorhalt, daß Blut an seinen Kleidern gefunden worden sei, erklärte er:Pah, Blut, das scheint nicht richtig zu sein." Heule Morgen wurde der Abort des Hauses untersucht, in welchem der Mord verübt worden war, in der Erwartung, dort vielleicht menschliche Ueberreste zu fiuden, es wurde indessen nichts wesentliches zu Tage gefördert.

Sehr auffallend aber ist der Umstand, daß Herbst bisher einen Bart getragen, den er abrasirt hat.

Heute Nacht war wieder die gante Schutzmannschast thatig, um die Spuren des Verbrechens weiter zu verfolgen und wurden dieserhalb sammtliche Wohnungen luderlicher Dirnen uud deren Zuhälter einer Haussuchung unterworfen, doch ohne Resultat. Im Laufe des gestrigen "Nachmittags wurde nun auch constatirt, daß die Ermordete in der Nacht, in welcher das Verbrechen geschah, in Gesellschaft von zwei Herren zum Fischthor hereinkam und sich dabei sehr aufgeregt betrug. Am Fischthor trennte sich die Gesellschaft, um sich wahrscheinlich später wieder zu treffen.

Ein hiesiger Bürger, welcher um die oben angegebene Zeit einen Arzt zu einem erkrankten Kinde holte, hat die Wothe in Gesellschaft der Herren selbst geieben und dies der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht. Von Interesse dürfte es and) sein, oafe die gemordete Wothe, verwittwcte Müller, erst vor vier Wochen den Schuhmacher Wothe heirathete. Der muthmaßliche Mörder' Herbst ist in Osthofen geboren, seit seiner Jugend aber in Mainz wohnhaft. Immer mehr tritt die Gewißheit auf, daß i>cr im Rhein aufgefundene Rumpf die Reste des Wothe seien, der immer noch ver­mißt wird. Die hier heute Morgen verbreitete Nachricht, daß derselbe in Oppenheim verhaftet worden sei, ist unrichtig, man hat bis jetzt keine Spur von demselben.

Es soll fein Zweifel mehr darüber obwalten, daß der Frauenmantel, in ivelchcm man am Rheiiiufer die verstümmelte Leiche fanb, ein Kleidungsstück der Frau Wothe sei, was, wenn cs sich bestätigt, den fraglichen Zusammenhang beider Verbrechen außer Zweifel stellen würde.

Ein weiteres Moment, das darauf schließen läßt, daß der Ermordete, beffen Rumpf am Rhein gefunden wurde, der Schuhmacher Wothe ist, dürfte darin zu suchen sein, daß bei der Section sowohl in dem Magen dieses als and) in dem der Frau grüne Bohnen gesunden wurden.

Im Volke erzählt man sich ferner, die eigentliche Verstümmelung der im Rhein gefundenen Leiche lasse um so mehr annehrneu, daß der Rumpf deni Wothe angehöre, da derselbe an den Vorderarmen tätowirt gewesen und fogenannte X-Beine gehabt Habe, was der Mörder durch das Abschneideii dieser Glieder vielleicht der Entdeckung entziehen wollte. Ob sich das bestätigt, bleibt abzuwarten.

Im Laufe des gestrigen Tages wurde der ganze Rheinstrom an der Stadtseite untersucht, um möglicherweise noch weitere Spuren des Verbrechens, die Ueberreste des gefundenen Körpers rc. aufzufinden, doch blieb dies völlig resultatlos. Am Hafen sahen gestern Morgen mehrere Arbeiter ein großes Packet, welches mit einer rothen Schnur zusammengebunden war, schwimmeir. Die Leute warfen mit Steinen nad) demselben, um es womöglich an's Ufer treiben zu lassen, doch dabei wurde das Packet getroffen und sank unter. Da man in demselben die fehlenden Körpertheile vermuthete, so wurde dorten ebenfalls das Rheinbett untersucht, dod) gleichfalls ohne Erfolg.

Die gestern vorgenommene Secirung des aufgefundenen Rumpfes ergab, daß in der Lunge Spuren von Kohlenstaub vorhanden waren, was darauf schließen ließ, daß der Mann ein Gewerbe betrieben habe, das ihn häufig mit Kohlen in Berührung bringe. Da sich nun am Mittag zwei Schiffer auf der Polizei mit der Angabe meldeten, daß ihr Bruder seit dem Vorabend spurlos verschwunden sei, so glaubte man in dem Ermordeten den Bruder der Schiffer aufgefunden zu haben, um so mehr, aI6 der Vermißte längere Zeit Führer eines Kohlenschiffes war, welches gegenwärtig auf der Gustavsburg vor Anker liegt. Aber diese Nachricht hat sich nicht bestätigt^ indem noch gestern Abend der vermißte Schiffsmann wieder zu den Seinigen zurück- gekehrt ist.

Ebenso hat sich die Spur, welche auf die beiden gestern genannten Meßleute, den Kitthändler Bletz und seine Begleiterin Amalie Müller htnzudeuten schienen, al6 unbegründet erwiesen.

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Von der Nachbarschaft konnte bis jetzt nur constatirt werden, daß um 8 Uhr­des vorhergehenden Abends ein furchtbarer Schrei aus der Wohnung des Wothe ge­drungen ist, da aber derartige Ereignisse keine Seltenheit in der fraglichen Wohnung waren, so legten auch die Leute dem Schrei keine besondere Wichtigkeit bei.

In einem Parterrezimmer des Nebenhauses, in welchem Herbst fein Nacht­quartier hatte, wurde von der Polizei nun ebenfalls Visitation gehalten und fanden fid) daselbst verschiedene Kleidungsstücke, welche dem Herbst gehörten, die mit Blut besudelt waren, so eine Hose, eine Weste und ein Hemdkragen; auch wurde derSchlaf- kamerad des Genannten, der über den Verbleib desselben gar keine Auskunft geben zu können behauptete und sich auch sonst verdächtig benahm, in Haft genommen

Herbst aber wurde glücklicher Weise nod) gestern Abend von dem Polizei­diener und dem Nachtwächter in Laubenheim betroffen; trotz seines energischen Wider­standes und obwohl er sich für einen Anderen, Namens Müller, ausgab, wurde er dingfest gemacht.

Gestern Abend kam nämlich ein Mann nach Laubenheim, welcher in verschiede­ne» Wirthschafteu zu übernachten wünschte, er gab an, nach Alsheim zu müssen um oort Jemand zu einer Beerdigung nach Mainz einzuladen, er habe aber den Aua' ver­säumt und müsse über Nacht bleiben. Da aber bereits die Kunde von der Auffindung des Rumpfes dorthin gelangt war, betrachtete man den aufgeregten Menschen mit U"? der Polizeidiener und der "Nachtwächter von Laubenheim versicherten sich schließlich des Mannes, da er ihnen verdächtig vorkam und verlangten Legitima­tion, die er mdeß nicht aiifweisen konnte. Auf Anfrage bei Herrn' Bürgermeister Möhn wurde Herbst, der angab Muller au heißen und Gärtnergasse Wr. 85 in Mainz zu wohnen, einstweilen in das Arrestlokal gebracht.

In demselben ina^tcjnin der Arrestant einen furchtbaren Skandal, öffnete das Mister und schne auf die Sttaße: Helft ihr Laubenheimer Bürger einem Mainzer Burger, der unschuldig eingesteckt ist." Auf diesen Skandal hin, der lange währte, mürbe die halbe Gemeinde in Ausregung versetzt und der Bürgermeister ließ den Ge­fangen abermals vor sich führen. Nun erzählte ein anderer Laubenheimer Bürger, daß tn Mainz abermals ein Verbrechen verübt worden sei, man möge den Verdächtigen nur öebalten, ma^ dann auch geschah. Jetzt versuchte Herbst keinen Widerstand mehr, blieb die Nacht über tn Gewahrsam und wurde heute früh dem Gensdarmen von Bodenheim übergeben, der tn dem Delinquenten sofort den gesuchten Herbst erkannte und ihn gefesselt nach Mainz brachte.

- _ H^bst zeigte übrigens bei seiner Festnahme in Laubenheim ein Portemonnaie, s>a§ mit Geld wohlgesüllt war und mehrere Ringe an den Fingern.

Heute Morgen wurde Herbst unter Gensdarmerie-Bedeckung auf den Zriedlwf flcbratbt und in Gegenwart der Herren Staatsanwälte Dr. Gaßner und Ewald sowie ^edtcinalrath Dr. Hellwig der Leiche der ermordeten Wothe gegenüberstellt PclDt$rte dabei seine volle Gleichgiltigkeit und sagte, daß er viele Wohlthatcn von der Verstorbenen genossen habe, von ihrer Ermordung wisse er nichts, ^etm Ureigen in ben Wagin, der ihn zurück in das Gefängnis bringen sollte «iußerte er. "Das rührt mich nicht, das kann ich vier Wochen lang ansehen." Herbst leugnet ine Tchat begangen zu haben, obwohl bereits unbedachte Aeußerungen und' eine

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Zwei Mordthaten an einem Nage.

lieber die in Mainz stattgehabten Mordthaten entnehmen wir demMainzer Anzeiger" das Nachstehende:

Die ganze Bewohnerschaft unserer Stadt, über den grausigen Fund am Rhein noch in vollster Erregung, ist nun durch eine zweite in unseren Mauern verübte Mord- that in neuen Schrecken versetzt worden. Während die Polizeiorgane gestern Nach- mittag noch in angestrengtester Thätigkeit waren, um womöglich Licht in das Dunkel zu bringen, welches über dem am Morgen entdeckten Verbrechen liegt, machte eine in dem Hause Fürstenbergerhofgasse Nr. 1 wohnende Frau die Anzeige, daß an der Thür des Schuhmachers Wothe, welcher im ersten Stock desselben Hauses wohnt, auffallende Blutspuren zu sehen wären. Ein Schutzmann wurde sogleich abgeschickt, um sich von der Wahrheit dieser Angabe zu überzeugen und fand dieselbe vollauf bestätigt. Die Thür au dem betreffenden Zimmer war verschlossen und Niemand wußte zu sagen, wann die Bewohner dasselbe verlassen hatten. Man holte nun eine Leiter, um durd) das Fenster einen Einblick in die Stube zu gewinnen und siehe da, dem hinaus- geftiegenen Polizeibeamten bot sich darin ein schreckliches Bild dar. In dem Bette, welches in dem Zimmer stand, lag die Leiche einer Frauensperson, über und über mit Blut bedeckt.

Tin. Der Soldat schrieb kurz vor der That zwei Briefe und legte solche mit einem Zettel, worauf die Bitte ausgesprochen war, daß man solche an die resp. Adressen, den Oberst des Regiments und an seine Eltern, gelangen lassen möge, auf den Tisch in feinem Zimmer. So viel man erfahren konnte, soll Furcht vor Strafe den Mann 3um Selbstmord getrieben haben. Untersuchung ist eingeleitet.

Hockenheim, 24. August. Bekanntlich wurden auf die Ergreifung des Mörders des Polizeiraths Rumpff zu Frankfurt a. M. 10,000 X ausgesetzt. Die Gelder sind jetzt vertheilt. Der Gensdarm, der den Lieske einfing, erhielt davon 6000, der eine der hiesigen Einwohner, der dabei behilflich war, 1700, der andere 1300 X 1000 kamen zur sonstigen Vertheilung.

Hamburg, im August. Endlich sind die Bankdiebe, in deren Besitz noch 100 000 JL gesunden wurden, in Paris verhaftet und auf dem Transport nach hier begriffen. Zu ihrer Ermittelung trug hauptsächlich der Umstand bei, daß es dieselben Diebe sind, welche in Stockholm vor IVa Jahren einen Bankdiebstahl verübt und deshalb eine Reihe von Monaten Gefängniß dort verbüßt haben. In Stockholm kam die Polizei gleich auf den Verdacht, daß die Hamburger Bankdiebe mit den Stock­holmern identisch seien und sandte deshalb die Photographien der letzteren an die Behörden der größeren europäischen Städte, welche dann weiter recherchirten. Die Verhaftung des einen Diebes erfolgte, als oerselbc in Paris auf einen Ehek einer Bank Gelo erheben wollte.

Newyork, 25. August. Wie aus Charlestown, Süd-Earolina, gemeldet wird, hat dort ein schrecklicher Wirbelsturm den vierten Theil der Häuser in oer Stadt ab- gcdeckt. Der Schaden wird auf 1 Mill. Doll, veranschlagt; Menschenleben sind nicht zu beklagen.

Ein Sheriff in Virginien fragte neulich einen Mörder, welchen er zum Galgen führte, ob er vor dem Gehängtwerden eine Ansprache halten wolle.Ich denke nicht", erwiderte Jener,es sieht nach Regen aus und ich werde nicht gerne naß. Nur vorwärts mit der Hängerei."

sWie viel 20-Pfennig-Stücke gehen in ein Liter?j In Wertheim wollte ein Bierbrauer mal sehen, wie viel 20-Pfennig-Stücke in ein Liter gehen; das Maß wurde gefüllt und enthielt bei der Zählung 4800 Stücke 960 x.

sAmerikanische Reclame.j In einer Zeitung des fernen Westens stellt ein großer Holzschnitt eine wehmüthige Familienscene zwischen Mutter und Tochter dar. Armes Kind", sagt die Mutter,Du hast jetzt keine Mutter mehr! Ich habe leider Samson's Eau des fees bei meiner Toilette angewandt und bin jetzt wenigstens 10 Jahre jünger als Du!"

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Literarisches.

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