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Vielleicht der Weg sein, auf dem die Frage auch mit Zustimmung der süddeutschen Staaten gelöst weiden könne. Im Interesse der öffe: tuchen Moral müff- man auf eine Verminderung des ConsumS von Branntwein, der in Norddeutschland 9 ß ter pro Kopf betrage, hinw rken.

©tatttßfecrciSr v Burchard glaubt, daß die verbündeten Regierungen wohl ge­neigt fein würden, Vorschläge aus dem Hause auf Basis der Buhl'schcn Resoluton in Erwägung zu ziehen.

Abg. Dtrtchlet (bfr.) hält diese Resolution entweder für werthlos oder für schäd­lich und müsse er sich dagegen erklären, weil der Reichstag nicht verpflichtet sei, der Regierung r.eue.Steuern vorzuschlagen. B züglich des Antrags Uhden f?t ferne Ansicht, daß die Branntwein-Industrie weder mit der Zuckermdustrie, noch mit der Landwtrth- schaft im Ganzen verglichen werden dürfe.

Darauf erledigte daS HauS noch eine Anzahl Wahlprüfungen.

Nächste Sitzung morgen; u. A. steht daS ExpatrtttungSgcsetz in 3. Lesung zur Verhandlung.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz - Bureau.

Kiew, 27. Januar. Die Universität ist gestern wieder eröffnet worden. Der Curator des hiesigen Lehrbezirks hielt eine Ansprache, in welcher er die Vorfälle bedauerte, welche die Schließung der Universität hervorriesen und die Hoffnung aussprach, die Männer der Wissenschaft würden sich in der Univer­sität künftig ausschließlich den Jntereffen der Wiffenschast hingeben und diese Jntereffen mit Ordnung und Ruhe in die Universität einvürgern.

London, 27. Januar. General Wolseley meldet aus Korli von heute er habe gestern vom General Earl einen Bericht erhalten, wonach der Marsch seiner Truppen den Nil stromaufwärts glücklich von Statten gehe.

Ein Telegramm derTimes" aus Hongkong vom heutigen Tage meldet, dem französischen PanzerschiffeTriomphante", welches zur Ausbesserung hier eingelaufen war, ist, um jede Verletzung der Neutralität zu verhindern, die tzrloubmß hierzu auf Befehl der englischen Negierung von den Behörden ver­sagt worden.

Nom, 27. Januar. Die Kammer verhandelte Interpellationen betreffs der Colonialpolitik. Mancini erklärte, Italien könne im Kampse der Civilisation gegen die Barbarei nicht unthütig bleiben. Die Negierung sei entschlossen, in­nerhalb bescheidener Grenzen coloniale Politik zu betreiben, vorausgesetzt, daß dieselbe für die öconomische und politische Entwickelung detz Landes nützlich sei. Die Regierung werde die bestehenden Rechte anderer Nationen respectiren und rechne auf die thätige Mitwirkung des Handelsstandes. Die Versuche würden durchaus im Verhältniß zu den Kräften Italiens stehen. Der Minister wies hin auf dis hohe Wichtigkeit des Rothen Meeres für Italien, namentlich mit Rücksicht auf die Behauptung der Stellung Italiens am Mittelmeere und auf die Erhaltung des Gleichgewichts daselbst; jede Störung desselben würde Italien entschieden ablehnen. Der Minister widerlegte die Annahme, daß Italien eine gefährliche Eifersucht Englands Hervorrufen könne. Das Cabinet habe, ohne der Allianz mit den Centralmächten untreu zu weroen, ohne ein großes Risiko zu übernehmen, es verstanden, eine Freundschaft mit England herzustellen, die sich aus die Gemeinschaft der Anschauungen und eine Action im gegenseitigen In­teresse stütze. Die Congo-Expedition sei nur für einige Wochen aufgejchoben, die Regierung bedürfe der warmen Unterstützung der Kammer, andernfalls würde ne entgegengesetzten Beschlüssen sich zu fügen wissen. Der Kriegsminister glaubt, die erste Expedition werde genügen; sollte eine Expedition. in's Innere noth- rvcndig werden, würde noch ein Bataillon nach Assab geschickt werden.

DerAgenzia Stefani" wird unterm 26. d. Mts. aus Perim tele- graphirt, daß am Tage zuvor ein Detachement des PanzerschiffesCastel Fidardo" in Beilul landete, den Ort besetzte und die italienische Flagge auf- hißßte. Von den Häuptlingen der Eingeborenen sei die Abtheilung freundlich empfangen worden. Einige in Beilul zurückgebliebene egyptiiche Soldaten wür­den sich morgen auf dem italienischen DampferCorsika" nach Maffowah einschiffen.

New-Aork, 27. Januar. In den Legislaturen der Staaten New- Uork und Pennsylvanien siud Anträge aus Regelung der Anfertigung und des Verkaufs von Dynamit eingebracht worden.

Lokales.

Gießen, 28. Januar. In der gestern Abend abgehaltenen sehr zahlreich be­suchten Generalversammlung der Gießener frei rotlltgen Feuerwehr, welcher mau mit Recht mit einiger Spannung entgegensah, da sowohl der 1. Hauptmann, Herr L. Petri II wie in diesem Blatte bereits bekannt gegeben erklärt hatte, eine Wiederwahl nicht annehmen zu wollen, als auch der 2. Hauptmann, Herr C. Demuth, schon früher sein Amt ntedergelegt halte, fand nach erstattetem Jahres­berichte, der des Interessanten sehr viel bot, und nach erfolgter Rechnungsablage die Neuwahl des gelammten Vorstandes in jedenfalls allseitig befriedigender Weise statt. Nachdem Herr L. Petri II. sich zur Annahme einer Wiederwahl schließlich bereit er­klärte, wurde derselbe per Acclamation einstimmig als 1. Hauptman wiedergewählt. -b^^-.Houptmana wurde Herr L. Petrt III. mit großer Majorität gewählt. Die Wahl sämmtlicher übrigen Vorstandsmitglieder, Obleute rc., ergab mit einer «rnzigev Ausnahme die Wiederwahl sämmtlicher seitherigen Chargtrten.

Möge es dem Vorstand gelingen, daS CorpS auf die Höhe zu bringen, welche eS gewiß verdient. Möge ihm aber auch nicht die Anerkennung versagt bleiben für die gebrachten Opfer an Zeit und Gesundheit tm Dienste der Mitmenschen.

Noch verdient erwähnt zu werden, daß die Kasse des CorpS in einem vorzüg- Zustande sich befindet, indem die Rechnung mit einem Kasienoorrathe ^von 258,10 JL obschließt und bei der Gewerbebank statutengemäß zur Bildung eines Fonds für verunglückte Feuerwehrleute 281,57 JL angelegt sind.

Vermischtes.

Darmstadt, 22. Januar. Ein wegen Soldatenmißhandlung in Untersuchung genommener Unteroffizier der Offenbacher Garnison wurde gestern hier vom Militär­gerichte abgeurthetlt. Wie der A" vernimmt, soll derselbe zu 6 Jahren Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Milttärverband veruriheilt worden sein. a

l 0-L- Franfurt a. M., '27. Januar. In der Untersuchungssache gegen den' Mörder des Polizcrratb Rumpfs geht demGeneral-Anzeiger" von dem Polizei- Präsidium folgende Bekanntmachung zu:

»In der Untersuchungssache, betreffend die Ermordung des Königs. Polizei­raths Dr. Rumpfs, wird die Redaction benachrichtigt, daß der in Hocken­heim bei Mannheim verhaftete Schuhmacher Julius' Lieske aus Hoffen schwer belastet ist. Weitere Mittheilungeu sind zur Zeit nicht möglich da sie den Gang der Untersuchung nur gefährden könnten, und wird daher die Redaction iviederholt dringend ersucht, sich jeder anderen Veröffentlichung über die Ergebnisse der Untersuchung zu enthalten"

Die hiesige Criminalpolizei hat eine nicht unbeträchtliche Verstärkung seitens auswärtiger größerer Polizeibehörden erfahren und steht ihr, ebenso wie der hiesigen ^»chutzmannsmaft, noch eine weitere ansehnliche Vermehrung in allernächster Zeit bevor.

-- Wie der «Franks. Ztg." ein Lokal-Berichterstatter mittheilt, wird die ganze Untersuchung wegen der Ermordung des Polizeirath Rumpfs, welche Herr Land- aenchtsrath Dr. Fabricius führt, streng geheim gehalten. Den Beamten ist die strengste Verschwiegenheit eingeschärft. Es ist noch nicht einmal zu erfahren, wie viel

Personen wegen dieser Sache verhaftet sind. Das Arresthaus wird streng bewacht und kein Umherstchen in der Hammelsgasse geduldet. Auch die Scilersiraße ist in den be­wachten Rayon gezogen worden. Mit vielen andern hier umlaufenden Gerüchten sind auch die Erzählungen müssige Erfindungen, wonach bald dieser bald jener Beamter einen Drohbrief erhalten haben soll. So wußte man mit Bestimmtheit zu erzählen, daß der Herr Polizei-Präsident einen solchen Brief am Tage nach dem Tode des Poli­zeiraths Dr. Rumpff bekommen hätte; gleichzeitig sei aber auch eine Offerte einer Lebensversicherung eingelaufen, woraus er mit Lächeln unter Hinweis auf den Bries gesagt haben sollte: -So lange man mein Leben noch versichern will, muß cs mit den Drohungen nicht viel auf sich haben". Auch hiervon ist nichts wahr.

DemBerl. Tagebl " wird von hier telegraphisch berichtet:Der Bruder oe8 in Hockenheim Verhafteten hat bekannt, daß dieser der Mörder des Polizeiraths Rumpfs sei. (Es erscheint noch sehr fraglich, ob der Bruder des Lieske, der sich thatsächlich auf Rcquisitiou der Behörde hier befindet, in der Lage ist, etwas über die Thäterschaft des Verhafteten auszusagen. Red.) Der Verhaftete heißt Julius Lieske uud stammt aus Zossen in der Mark Brandenburg. Er ist seines Zeichens Schuhmacher und war schon seit drei Jahren von der Heimath fern. Er kam von der Schweiz, wohin er auch jetzt zu Fuß wieder zurück wollte. Die That geschah in anarchistischem Auftrag- Die Polizei wird in den nächsten Tagen das ganze Belastungsmaterial veröffentlichen."

Frankfurt a. M., 22. Januar. Bezüglich der Tüchtigkeit deS ermordeten PoUzetrathS Rumpff als Polizetbcamter erzählt man sich einen Vorfall, der ihm den Orden der Ehrenlegion eingetragen hat. Eines Tages soll sich beim Polizeirath Rumpff ein feivgekletdeter Herr gemeldet haben mit der Anzeige, daß ihm Uhr und Rlvg gestohlen feien Rumpff betrachtete sich den Mann, nahm darauf fein Ver­brecher-Album zur Hand, blätterte darin und bemerkte hierauf zu dem Herrn: Herr Goldschmidt, Sie werden Ihre Sache rnteberbefommen." Der Andere betheuert schreckensbleich, er heiße nicht Goldschmidt, Rumpff ließ ihn aber in aller Ruhe verhaften und hatte so einen Verbrecher gefangen, welcher in Parts eine " Million veruntreut hatte. Kaiser Napoleon hat darauf Rumpff den Orden der Ehren­legion verliehen.

Mannheim, 22. Januar. Ein eigenthümUckeS Attentat wurde gestern Abend gegen das Polizeibureau im hiesigen Rathhause ausgeführt, indem von außen zwei schwere Steine zum Fenster bineingeschleudert wurden, wodurch einige mit Schreiben beschäftigte Schutzleute mit Glassplittern Übk7schüttet und der eine von einem Stein leicht gestreift wurde. Ein alsbald hinauseilender Schutzmann verhaftete den Excedenten, der sich Busch nennt, und wurde derselbe ins Amtsgesängniß abgesührt. Man glaubte ctz zunächst lediglich mit einer rohen Ausschreitung zu thun zu haben, bei weiteren Erhebungen zeigte es sich indeß, daß der verübte Unfug einen tieferen Hintergrund hoben muß Der Verhaftete gab an, die That auS politifchen Motiven verübt zu haben und fand man bet feiner Durchsuchung ein Notizbuch, in daS eine woblgelungene Skizze des ermordeten Polizeiraths Rumpf eingezrichnet war mit der Unterschrift: Freiheit oder Töd!" Angesichts der Untersuchung gegen den in Hockenheim Ver­hafteten, enthalten wir uns aller weiteren Kombinationen, umsomehr als wahrscheinlich die nächsten Stunden Aufschluß über die Persönlichkeit deS letzteren bringen werden, während man eS bei dem gestrigen Exceß wohl nur mit einem verschrobenen Kops zu thun hot, selbst wenn derselbe in irgend welcher Mitwissenschaft mit dem Frankfurter Mord stehen sollte.

Der kühne Afrika-Reisende August Einwald aus Heidelberg hat Ende der Vorwoche Berlin verlassen und ist nach feiner Heimath gereift, woselbst er in Ruhe eine Karte vom Zululande entwerfen und alle feine Begebenheiten auf feiner dritten Afrikareisc niedersckreiben wird, sobald daS deutsche Protectorat über Zululand erklärt ist, soll dieses Werk im Druck der Oeffrntlichkeit übergeben werden.

@ingetan6t.

Gießen, 27. Januar.

Bett. Bahnüvergänge l

Spät kommt er,

Doch er kommt.

Endlich! werben Hunderte her Leser dieses Blattes auSrufen. endl-ch gelangen die schon am 5. L Mts. der Großherzogl. Bürgermeisterei überreichten Eingaben an den Adresiat!

Daß hierzu beinahe 4 Wochen Zeit verstreichen mußte, ist dem nicht Eingeweihten^ unbegreiflich; allein die Ursache dürste wohl in d:r Geschäftsordnung und nicht in der GrschäftSlettung zu suchen sein, worauf wir die unzufrieden gewordenen Interessenten aufmerksam machen möchten. Außerdem schadet es nichts, daß man im Anfang sich Zeit nimmt, die einschlägigen Verhättntsse gründlich zu prüfen und einen festen Plan für die Behandlung der Sache zu bestimmen; desto besser geht dann später Alles von Statten. Hoffen wir daher, daß auch hier das Sprichwort:WoS lange währt wird endlich gut" sich bewähren möge.

Die zahlreichen Interessenten über 800 haben sich in diesen wichtigen, die Stadt und daS Publikum auf das Empfindlichste berührenden Angelegenheiten ver­trauensvoll an die städtische Vertretung gewandt und hegen wir umsomehr die Zu­versicht, daß Abhülfe baldigst herbeigeführt werde, als die schreienden, geradezu uner­träglich gewordenen Mißstände allseitig bekannt geworden sind. Wir wollen übrigens eS nicht unterlassen, hier hervorzuheden, daß die Geschädigten Rechtsansprüche haben und zwar sowohl dem BahnfiScuS als auch der Stadt gegenüber, sowie daß man entschlossen ist, denselben in der einen oder anderen Weise Geltung zu verschaffen.

In Betreff der Wege nach dem sogen. Uebcrgang über die Main-Weser- und Köln-Greßener Bahn bei der Rüsing'scken Wirthschaft und namentlich dieses höchst gefahrvollen UebergangS selbst ist cs bei der bekannten Zähigkeit der betreffenden Bahnverwaltung ganz unerläßlich, daß eine außergewöhnliche Energie entwickelt werde. Hier darf man nicht um Abhülfe bitten, sondern man muß sie fordern und nöthigen- falls aus dem Rechtswege erzwingen, sonst erreicht man nichts.

In Betreff der Mißstände an der Oberhessischen Eisenbahn glaubt man Über­zeugt sein zu dürfen, daß die hessische Babnbebörde, sobald nur von der städtischen Vertretung die Wünsche der Petenten nachdrücklich unterstützt werden, Abbülfe schoffen wird.

Theater.

Gießen, 27. Januar.

Ein gutoesetzttS HauS wäre am Dienstag zu Fräulein Barnow's Benefiz wahrscheinlich zu erwaiten gewesen, wenn sich die Jugend nicht zu gerneauf'L Eis führen ließe"

Das EiSfest auf der Lahn mag diesmal viel dazu beigetragen haben, daß sich daS Theater nur mit der üblichen Sparsamkeit füllte. AlS Entschädigung wurde jedoch dem Fräulein Sarnow ein reicher Blüthensegen zu Theil und die duftigen Spenden werden die Benefiziantin einigermaßen mit den Unannehmlichkeiten eines nicht gerade gutm Benefizes versöhnen.

Die Posse: er Bettelstudent auS Berlin" au5 der Fabrik von Braun und H. Busse, welche auf dem Repertotr stand, ist aber ein wahrhaft klägliches Konglomerat von Kalauern und ReminiScenzen auS anderen derartigen Fabrikaten. Außer dem Klapphorn ist auch nicht eine einzige Interessante Rolle vor- handeu, für welche man sich einigermaßen erwärmen könnte. Die Titelrolle (Rolf Holm) rst von den Herrn Verfasiern so sttefmütterltch behandelt, daß wohl kaum ein trar.raerer Liebhaber geschrieben werden konnte, als dieser Berliner Bettelstudent. In bier und da den schwachen Versuch, einen jugendlichen Komiker zu schildern, die eoubrette dagegen ist sehr schwach gezeichnet, die komische Alte nicht minder uno bet unvermeidliche Possenvater nebst seiner lieblichen Tockter find die reine Staffage. Außerdem denke man sich eine Gesangsposse ohne Kouplet! Das ist jeden­falls datz Originellste, wa§ dieselbe aufzuwetsen bat.

, Gespielt wurde recht wacker und das Kleeblatt: Herr Voigt, Herr Halm und trugen ihr Bestes dazu bei, um die Schwächen des Stückes nach Möglichkeit zu verdecken. Herr Schwarz machte au3 feinem Holm was nur zu macken ging, Fräulein Barnow war eine tüchtige Vertreterin der Frau Ackteck und die übrigen Darsteller füllten ihre Plätze auß.

, v Unsere Theatersaisov geht nunmehr ihrem definitiven Ende entgegen und können wir der Directton zum Ruhme nachsagen, daß fie stets bemüht gewesen ist, trotz der oft mangelnden Theilnahme deS Publikums, das Beste zu leisten. Mit regem Eifer, mit rastloser Thätigkeit hat Herr Director Herrmann Stand gehalten und darum wollen wir nur wünschen, daß wir ihn tm nächsten Winter wieder hier begrüßen können und daß das Publikum ihm dann besser lohnt.