in Stockholm ein und wurden vom Kronprinzen, ihrem Regiments-Chef, zum Frühstück geladen. Die Abreise in die Heimath erfolgt wahrscheinlich heute oder morgen.
Afrika.
Algier, 26. Juni. In Folge des Verbots einer Operette in der Sabir- sprache herrscht hier seit zwei Tagen eine leichte Erregung. 50 junge Leute durchzogen gestern Abend lärmend die Straßen unter dem Ruse: „Nieder mit den Juden!" Sieben Verhaftungen wurden vorgenommen; der Zwischenfall hat keinerlei Bedeutung.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correfpondenz - Bureau.
GmS, 26. Juni. Seine Majestät der Kaiser hat gestern das erste Bad genommen und nahm spater den Vortrag des General-Lieutenants o. Albedvll entgegen. Später dinirte Allerhöckstderselbe allein. Abends machte Se. Majestät eine Spazierfahrt. Heute früh rouroe die Trinkkur im Zimmer fortgesetzt. Um 9 Uhr unternahm Se. Maj. wiederum eine Spazierfahrt, später hatte Wirkt. Geheimerath v. Wilmowski Vortrag.
Kisfingen, 26. Juni. Der Herzog von Edinburg ist hier eingetroffen.
Braunschweig, 26. Juni. Wie das „Braunschweiger Tageblatt" meldet, steht die Einberufung des braunschweigischen Landtags auf Dienstag den 30. d. M. bevor. Das genannte Blatt will ferner wissen, der Zusammentritt des Landtags solle demselben die in Aussicht gestellte Gelegenheit geben, seine Meinung über die mit dem Anträge Preußens im Bundesrathe zusammenhängenden Vorgänge in der braunschweigischen Frage zu äußern.
Posen, 26. Juni. . In der heutigen Sitzung des Magistrats wurde der Kgl. Eommissarius Landrath Müller durch den Regierungsrath Göbel in das Amt des Oberbürgermeisters eingeführt.
PariS, 26. Juni. Freycinet übersandte den Mächten ein Circularschreiben, das einen Ueberblick der Arbeiten der Suez-Commission gibt und einen Austausch der Meinungen anregt, um über die wenigen Punkte, welche noch Schwierigkeiten bieten, zu einer Verständigung zu gelangen.
— . Einer Depesche aus Hanoi zufolge begibt sich Courcy mit einer starken Es- corte nach Hue, um sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen.
Aurich, 26. Juni. Die Führer der von der „Pommerania" aufgebrachten beiden englischen Fischerfahrzeuge, Dössel und Wright aus Goalston, sind von der hiesigen Strafkammer heute wegen unberechtigter Fischerei zu je 6 Wochen Gefängniß, unter Anrechnung der Untersuchungshaft und in die Kosten oerurtheilt; zugleich ist auf Einziehung der Fanggeräthe erkannt worden. Der Staatsanwalt hatte 2 Monate Gefängniß beantragt.
Madrid, 26. Juni. Die Minister Canovas del Castillo und Romero haben in Murcia Hülfs - Comite's in's Leben gerufen und denselben 70,000 Francs überwiesen.
London, 26. Juni. Zum Unterstaatssecretär des Aeußern ist Sir M. W. Ridley ernannt worden. Die Ernennung des Unterstaatssecretärs der Colonien ist noch nicht erfolgt.
London, 26. Juni. Die Königin verlieh Malet das Großkreuz des Michaelsordens.
— Salisbury empfing Nachmittags im auswärtigen Amte das diplomatische Corps. Unter den Erschienenen befand sich Graf Münster, Nigra, Musurusio, (Staat Petersburg, 26. Juni. Das „Journal de St. Petersbourg" spricht sich anerkennend über die äußere und innere Politik Gladstone's aus und sagt: Die Russen werden nicht vergessen, daß Gladstone die Voreingenommenheiten betreffs Rußlands nicht teile. Der einzige Vorwurf, der ihm zu machen, sei, daß er der Idee des Imperialismus bezüglich des Colonialbesitzes Englands zu viel Opfer Erachte. England müsse in dieser Hinsicht den Entschluß fassen, welchen die Rivalen Englands wünschen, die ebenfalls Platz gewinnen wollen und die Ansprüche aufrecht halten aus das, was ihnen nach ihrer Ansicht gehört. Die Welt ist groß genug für alle. Das neue Cabinet scheint, obwohl größtentheils aus Mitgliedern des allen Cabinets Beaconsfield zusammengesetzt, geneigt, den bestehenden Nothwendigkeiten Rechnung zu tragen. Lord Salisbury trete die von seinen Porgängern eingenommenen Positionen, gleichsam als Erbschaft zu betretende Wege, an. Dieselben seien durch die natürliche historische Entwickelung deutlich vorgezeichnet. Lord Salisbury habe zu viel Gefühl für seine Verantwortlichkeit und kenne zu gut Europa, um nicht seine Handlungen nach den herrschenden Nothwendigkeiten zu regeln. Rußland sehe darum vom Gesichtspunkte seiner versöhnlichen Politik ruhig dem Antritte des neuen Ministeriums entgegen.
Tunis, 26. Juni. In Folge des jüngsten Decrets des Commandirenden der militärischen Streitkräfte, das den Generalresidenten unterordnet, verlangte der General Boulanger vom Kriegsminister, zur Disposition gestellt zu werden.
Saarbrücken, 27. Juni. sPrivatdepesche.j Gestern Nachmittag fand auf Grube „Dudweiler" eine Explosion schlagender Wetter statt. Von 37 Arbeitern sind 17 getödtet, einer vermißt, die übrigen gerettet. Der Grubenbetrieb ist ununterbrochen.
Lokale-.
Gießen, 27. Juni. Schwurgerichtsverhandlung am 26. Juni l. I gegen den Lehrer i. P. Michael Beyke von Ober-Mörlen wegen Meineids.
Derselbe war beschuldigt:
daß er am 1. Juni 1881 zu Gießen vor der Großh. Strafkammer, einer zur Abnahme von Eiden zuständigen Behörde, wissentlich ein falsches Zeugniß mit einem Eide bekräftigt habe.
Die Geschworenen verneinten die ihnen vorgelegten Schuldfragen und wurde demgemäß Beyke von (Strafe und Kosten freigesprochen.
Gieße«, 27. Juni. Wie jedes Jahr, so begeht die „Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde" ihre Sommer-Generalversammlung nicht in Gießen, sondern auswärts, und zwar Heuer am 12. Juli im reizend gelegenen Weilburg. Wer das schöne Lahnthal genauer kennt, weiß auch, daß gerade dieser alte, ehemalige Fürstensitz mit seinem malerisch gelegenen Schlosse zu den schönsten Punkten an der Lahn zu zahlen ist. Dabei bietet die nächste Umgebung so viele landschaftliche Reize und diese find so leicht zugänglich, daß ein Besuch in froher, anregender Gesellschaft zu den Glanzpunkten der Sommererlebnisse zu rechnen ist. Wie bei früheren Gelegenheiten so wird auch diesmal auf eine zahlreiche Betheiligung der Damen gerechnet, die zwar nicht Mitglieder der Gesellschaft sind, aber diese hat sich ja bekanntlich niemals gegen Nichtmitglieder abgeschlossen und jederzeit bei allen Gelegenheiten alle Freunde der Natur und der Naturwissenschaften zur Theilnahme an ihren Sitzungen eingeladen. Das wird auch diesmal der Fall sein und hofft man auf eine recht zahlreiche Betheiligung. Bei den Mitgliedern wird eine Lifte zur Einzeichnuna umgehen, Nichtmitglieder bittet man um Anmeldung bei dem Hausverwalter der Aula oder bei dem Pedellen des Realgymnasiums.
Gießen, 27. Juni. lZum Dresdener Turnfest für die Turner des Gaues Hessen.j Wir sind nunmehr in der angenehmen Lage, den Besuchern zum Dresdener Turnfest mittheilen zu können, daß sich die Direction der Königl. preußischen Eisenbahn entschlossen hat, den am 7. Juli er., Abends 8% Uhr, in Frankfurt abgehenden Extrazug, zur Aufnahme der Turner des Gaues Hessen, nunmehr auch in Gelnhausen und Fulda anhalten zu lassen. Fahrpreis: Gelnhausen—Dresden und zurück II. Cl. 30.30 JL, III. Cl. 21.10 JL, Fulda—Dresden und zurück II. Cl. 25,90 ^L, III. Cl. 18 JL Die Turner, welche auf diesen beiden Stationen einsteigen, lösen ihre Billets am Tage der Abfahrt, im Uebrigen gelten die schon bekannt gegebenen Bestimmungen.
Gießen, 27. Juni. Wie uns mitgetheilt wird, wird morgen im Vornüttags- gottesdienft in der Stadtkirche der evangelische Kirchengesangverein mitwirken. Zum Vortrage kommen zwei Choräle, nämlich: „Ans tiefster Roth schrei' ich zu Dir", von Luther (Nr. 212 des Gesangbuchs, Vers 1 bis 3), und „Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit" (Nr. 130, Vers 1. 2. 5.).
UuiverfitätS- Chronik.
Marburg, 25. Juni. Nächsten Sonntag wird die seit mehreren Jahren ein- gesührte jährliche Zusammenkunft der Tocenten der Universitäten Gießen, Götlinaev und Marburg hier in Marburg stattfinden.
Heidelberg, 21. Juni. Die hiesige Universität steht in diesem Semester in Bezug auf die Frequenz hinter der Freiburger zurück, die es über 1000 Zuhörer gebracht hat; die hiesige zählt deren nur 984. Auffallend ist die geringe Anzahl der hier befindlichen Württemberger Studirenden, es sind nur vier. Für die Jubiläums feier im nächsten Jahre ist jetzt die Summe von 70,000 Mark parat, welche hauvk sächlich für den zu veranstaltenden historischen Festzug (in 8 Abheilungen) verwendet werden sollen.
Verwischte».
Watzenborn, 26. Juni, lieber das hier ausgebrochene Feuer erhielten mir nachstehende weitere Zuschrift:
Gegen Mitternacht verkündeten unsere Sturmglocken Feuer, das die in der „Fahrt" stehende und für die vorgerückte Jahreszeit nicht unerhebliche Vorräthe bergende Scheuer nebst Stallung des Schiffenberaer Schäfers Jung ergriffen hatte und, als die Leute herzueilten, bereits hoch empor loderte. Glücklicherweise lag das Dorf noch nicht im liefen Schlafe, so daß hurtig helfende Hände bereit waren und da die Situation sowohl für schnelle Herbeischaffung der Löschapparate, als auch für mehrseitiges An fassen des Elementes, günstig war, da man ttotz der jetzt für den Landmann anstrengenden heißen Tagesarbeit wacker Wasser trug, spritzte, goß und einriß, so ward detn Element bald Grenze gezogen, infolge dessen die anliegenden Orte nicht alarmirr zu werden brauchten.
Eine durch rasches Niederreißen gegen eine Nachbarscheune hinstürzende brennenbe Giebelwand hätte gefährlich werden können, doch die wünschenswerte Windstille war vorhanden und das volle Mondlicht half auch sein Theil Lösch- und Aufräumung-- arbeiten fördern.
lieber des Brandes Ursache hat man noch nichts erfahren.
Solche erschreckende Ereignisse pflegen die in einer Gemeinde liegende Thattran, Aufopferungsfähigkeit und anderes Gute — freilich auch vereinzelte träge Bequernlick' lichkeit — kund zu thun, mahnen aber auch immer wieder, seine Habe, soweit es in Menschen Macht steht, durch Versicherung zu schützen. Der diesmal Betroffene war bei der „Providentia" versichert.
Schotten, 26. Juni. Kommenden Sonntag, den 5. Juli, feiert der Vogelsberger Höhen-Club sein Jahresfest auf dem Hoherodskopf. Versammlung am Taufstein gegen 11 Ubr Vormittags, Abmarsch von da nach dem Hoherodskopf 11»/, llbr, Daselbst Concert und später Tanz in der Festhalle. Freunde des Vereins ladet der Central-Ausschuß freundlichst ein.
Lauterbach, 24. Juni. Vor einigen Wochen stießen in der Gemarkung Wallenrod Arbeiter bei Umrodung einer der Gemeinde gehörigen Wüstung auf einige zum Theile vortrefflich erhaltene Bronce-Gegenstände. Nachdem die Fundstücke, die schon theilweise in andere Hände gekommen waren, durch die Intervention Großb. Kreisamts an die Gemeinde wieder ausgeliefert worden sind, hat sie nunmehr bas Großh. Museum käuflich erworben. Leider hat der Unverstand der Arbeiter die Gegenstände, insbesondere einen schönen Celt (Meisel) sehr beschädigt, indem die Leute die Sachen anfeilten und den Edelrost abkratzten. Nach der von den Arbeitern gemach len Beschreibung über die Auffindung ist es außer Zweifel, daß die Sachen einem sag. Hünengrabe angehörten, wie sie in dem angrenzenden Walde der Herren v. Riedesel zahlreich vorhanden sind. Die am nächsten Tage an der Fundstelle unter Leitung des Herrn Regierungs-Assessors Braun vorgenommenen weiteren Nachforschungen haben fein Resultat ergeben, die gemachten Funde berechtigen aber jedenfalls zu der Annahme, daß eine sachverständige Aufdeckung der noch vorhandenen Gräber manches Interessante zu Tage fördern würde.
— Eine interessante Krankheitserscheinung hat, wie man der „RH.-WMl. Ztg." schreibt, Herr Professor Dr. Leichteilstern an einem Ziegelarbeiter im Ätr Bürgerhospitale entdeckt. In Folge Blutarmuth und Mattigkeit zog Letzterer den je nannten Arzt zu Rathe und dieser fand bei einer mikroskopischen Untersuchung, Mfe in dem Auswurf des Kranken massenhaft Eier von Anchylostomum lebten; weitete Nachforschungen führten zu dem Resultat, daß genanntes Insekt bei der Ziegelareen durch Einathmen in den Mund und von da in den Magen dringt und sich in demselben schnell vermehrt. Mit noch zwei anderen Aerzten untersuchte Dr. Leichtenskern dann verschiedene Patienten, welche bei Sülz unweit Köln auf Ziegeleien arbeiten, unb fand bei einem derselben über 700,000 Eier jenes Insektes. Im Interesse der Wissenschaft hat sich Dr. Leichtenstern bereit erklärt, alle derartige Kranken unentgeltlich in: Hospitale zu behandeln. Die Kur dauert nur 5 Tage.
Handel und Verkehr.
Gießen, 26. Juni. Auf dem am 23. Juni abgehaltenen Viehmarktc waren aufgetrieben: 1355 Stück Rindvieh und 573 Stück Schweine.
Es zeigte sich durch den lebhaften Handel große Kauflust.
Nächster Markt Dienstag den 7. und Mittwoch den 8. ^uli d. I.; an letzterem Tage auch Krämermarkt (Kirschenmarkt).
Gießen, den 27. Juni. Auf dem heutigen Markt kostet" Butter per 'Lninv JL 0.70—080, Hühnereier pr- St. 5—6 Enteneier St- 6—7 Gänseeier 00-W 4 Käse pr. Stück 5—9 4, Käsematte 2—3 4, Erbsen pr. Liter 22 jfr, Linsen 4, Tauben per Paar 0,60—0,80 H, Hühner per Stück JL 0.80—1.20, Hahnen pr. etüa JL 0.60—1.00, Enten per Stück JL 1.50—1.80, Ochsenfleisch per Pfund 68—W 4, Kuh- unb Rindfleisch 56—60 Schweinefleisch 50—60 Hammelfleisch 64-70 4. Kalbfleisch 46—54 H, Kartoffeln Der 100 Kilo JL 4.00—0.00, Milch per Liter 12-16 4, Zwiebeln per Centner JL 9.00—10.00, Kirschen per Pfund JL 0-12—0.20.
Frankfurter Stadttheater.
Mittwoch den 1. Juli beginnt im Frankfurter Opernhause das Gastspiel des rühmlichst befannten Ensemble's des Münchener Gärtner-Theaters. Die Gäste werde:! neben denjenigen Stücken, mit denen sie bereits im vorigen Jahre große Erfolge er zielten (wie „Hergottsschnitzer", „Proceßhansel", „Im Austrags-Stüberl") auch Novitäten zur Darstellung bringen. So z. B. „Der Schlagring", „Der Geigenmacher von Mittenwald", „Zwiderwurzen" und „Der Protzenbauer".
Dieses Gastspiel dürfte auch für alle auswärtigen Theaterfreunde von x) Hf er em fein. Daß diese Vorstellungen in das neue Opernhaus verlegt worden sind, wclLe- bei einer Hitze von 24 Grad ein kühler und angenehmer Aufenthaltsort bleibt, iDiro für dieses Gastspiel jedenfalls sehr günftig fein.
Auszug aus deu Staudesamtsregistml des StaudrSawtS
dtufgedote.
Juni: 15. Schuhmacher Franz Büttner mit Beate Radon, Tochter des oer ftorbenen Freistellars Carl Radon zu Craschnitz.
Ghefchließungen.
Juni: 19. Schneider Johs. Frank mit Marie Ulm, Tochter des verstorbeiie Schneiders Johs. Ulm zu Gießen. 20. Porcellanmalcr Karl Ernst Punge mtt Geißler, geb. Seuling, Wittwe des Wagners Ludwig Geißler zu Gießen. -- .
mann Friedrich Heinrich Bernhard Krause zu Gießen nut Anna Elnadetye Jg • (Seeger, Tochter des Kellners Johann Seeger' zu Attchelftadt.
Geborene. .. .. *,m
Juni. 8. Dem Handelsmann Louis Rothenberger eine Tochter, .nofme. ;
Steinhauer Joh. Friedrich Schäfer eine Tochter, Karoline. 14. < em (sam Leonhard Bickel ein Sohn. 14. Dem Oeconom Ludwig Euler em Lohn.
Heinrich. 15. Dem Arbeiter Karl Wabl ein Sohn. 15. Dem Hulssheuer .
Höfer eine Tochter. 16. Dem Schuhmacher Gustav Frankenbach emc -row c , 17. Dem Dienftmann Wilhelm Heil eilte Tochter. 18. -^em Psose^o - Ludwig ein Sohn, Ernst August Karl. 19. Dem Gensdann • Tnduer.
Heinrich Eberhard Georg. 19. Dem Locomotioheizer Karl Riebe 20, Dem Hüttenarbeiter Heinrich Sehrt ein Sohn, Johann Luorvlg- -t- *


