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Nr. 50 Samstag den B. Februar 1885

Gießener Anzeiger Amts- und An'.tineblatt für den Kreis Gießen. terdt vreNkliührlich 2 Warf 20 Pf mit Bringat*«.

mebd Montag» Durch die Post bezogen vierfeljLhrfich 2 Warf 50 P'

Am 1Lichet H ö ei t.

B e k a n n t n a ch u n g.

Großherzogthum qrtattet.

Großherzogliches Keisamt Gießen.

Der Äu*fh»rr#in ;u DarwSadt beabsichtigt behufs Aufbringung dr Mittel zur Erwerbung eines für die Zwecke einer sündigen Kunsiaussi-llung geeilten Gel'ud's in Dannstadt eine «erloosi.ng zu veranstalten, bei welcher sis zu 30.000 Xtooie a 2 -»'gegeben und wenigsten« 63-/0 des Erl»,-, der zur Ausgabe gelangten Laase als Gewinne bestehend in Kunstwerken, Silergegenständen re. verwendet werden '-uen.mabnien

Kroßberzogliche« Ministerium der Innern und der Justiz hat die nachesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung dieser verlaosung

Bedingungen ertheilt, und zugleich den Vertrieb der Loose im Grohherzogthum gaattet.

Gießen, am 25. Februar 1885. Großherzogliches Keisamt Gießen.

Dr. Soefiann. - -

Politische Uebersicht.

Gießen, 27. Februar.

Nicht Brod, nicht Geldunterstützung ist es, welche den Armen uno Elenden, wie den Vagabunden und Tagedieben aufhelfen kann, sondern lohnende Arbeit muß dem Nebel steuern. Der ehrliche, brave Arbeiter verlangt auch schon immer statt Almosen Arbeit und diejenigen Individuen, welche Almosen und Bettelthum der Arbeit vorziehen, müßten mit allerhand erlaubten Mitteln zur Arbeit gei ochigt werden.

In einer Anzahl deutscher Staaten und Prourzen hat man nun sog. Arbeits-Colonien gegründet, um in ihnen beschäftigungslose und vagabundirende Personen wieder an Arbeit und Ordnung zu gewöhnen und ist dies Beginnen rnnftentheits mit Erfolg begleitet gewesen. Diese Schöpfungen der Menschenliebe sind nun vorwiegend aus dem Lande und zur Erfüllung landwirthschastlicher Arbeiten gegründet, es ist aber kein Zweifel, daß fast noch schlimmer in großen Städten die Noch der Arbeitslosen auftritt, und es gilt daher auch in größeren Städten Einrichtungen zu schaffen, welche demselben Zwecke die- wie auf dem Londe hi; Rrbciter-Eolor.icn Es urup UUk in dieser Beziehung uh uuyet1 ordentlich günstiger Versuch, den man in Dresden mit einer solchen Arbeitsstätte gemacht hat, erwähnt werden, der den Zweck verfolgt, den in Dresden wohnen­den unbeschäftigten oder nur beschränkt erwerbsfähigen Perfonen in Zeiten von Arbeitslosigkeit vorübergehend Beschäftigung zu gewähren, um sie vom Betteln oder von dem Berlaffen ihrer Familien abzuhalten. DerDresdener Verein gegen Armennoth und Bettelei^ hat einen darauf bezüglichen Versuch seit Mitte Januar 1884 in s Leben gerufen und eine förmliche Arbeitsstätte eingerichtet. Es ist nicht uninteressant, aus dem neuesten Jahresbericht des Vereins gegen Armennoth zu ersehen, wie sich diese Einrichtung bewährt hat. Die Anstalt ist am 14. Januar 1884 eröffnet worden und es haben darin bisher 112 Arbeiter längere ooer kürzere Zeit Beschäftigung gesunden. Die diesen arbeitslosen, aber arbeitswilligen Personen gewährte Beschäftigung bestand in KnMhpochen, mit Unfertigen von Fußmatten aus Faserstoffen und im Holzspalten. Das Kryo- lubpochen ist vorwiegend. Die Arbeit wurde mit 12 Arbeitern begonnen. Schon Mitte Februar stieg die Zahl der beschäftigten Personen aus 26 und man mußte einen zweiten Raum hinzuziehen. Es sind im Sommerhalbjahre durchschnittlich 8 bis 10 und im Winter 25 bis 70 Mann täglich beschäftigt worden. Fast alle in der Arbeitsstätte beschäftigten Männer waren darüber erfreut, gerade in den Wintermonaten, in denen so viele Gewerbe ruhen, Arbeit zu erhalten, um sich wenigstens die nothwendigsten Unterhaltungsmittel anschaffen zu können. Viele sind dadurch von dem Hange rum Nichtsthun, welcher sich im Winter so leicht einstellt und zum Trunk verleitet, erfolgreich bewahrt worden. Viele haben beim Abgänge von der Arbeitsstätte dafür gedankt, daß sie durch die chnen gewahrte vorübergehende Beschäftigung davor bewahrt worden seien, Schulden zu machen und ihre Sachen zu verpfänden. Manche, die früher in der Arbeitsanstalt gezwungen gearbeitet hatten, gewannen in der Freiheit mehr Geschmack und Lust zur Arbeit und sind wirklich tüchtige Arbeiter geworden. In Betreff des Alters der in der Dresdener Arbeitsstätte beschäftigten Arbeiter ist zu bemerken, daß unter ihnen alle Altersstufen vertreten waren. Von den alteren, wegen körperlicher Schäden zu schweren Arbeiten unfähigen Leuten, sind 3 Mann seit dem 21. Juli und 3 Mann seit dem 22. September ohne Unter­brechung in der Arbeitsstätte beschäftigt worden. Jüngere Leute waren nur auf kurze Zeit beschäftigt und sind mit wenigen Ausnahmen nur aus der Arbeits­stätte ausgetreten, wenn sie ständige Arbeit gefunden hatten. Jedenfalls ver­dient dieser Versuch in allen Städten, die an einem Arbeiter-Proletariat oft oder vorübergehend leiden, Beachtung und Nachahmung.

Der of ficieUe Schluß der Congo-Conferenz ist am 26. d. M. durch den Fürsten Bismarck erfolgt. In der am Montag abgehaltenen Plenar­sitzung, welcher die Anerkennung des Congostaates auch Seilend Belgiens und Dänemarks vorausgegangen war fo daß derselbe nunmehr von allen auf der Conferenz vertretenen Mächten, die Türkei ausgenommen, anerkannt ist wurden dem König Leopold II., dem - Begründer der afrikanischen Gesellschaft, und seinem Lande allseitig sympathische Kundgebungen dargebracht, für welche der Vertreter Belgiens, Baron Lambermont, dankte, hierbei versichernd, daß sich Belgien für diese Kundgebungen dankbar erweisen werde. In welche endgültige Form indeffen das neue Staatengebilde am Ufer des Congo gekleidet werden wird, scheint noch nicht ganz festzustehen. Doch wird versichert, daß diese Form eine monarchische fein werde, und für den Fall, daß der König der Belgier selbst

i Darmttadt, 26. Februar. sAwette Kammer der L'anbPänbt) Ja

heutiger Sitzung erlebtgte die Kammer MM bei Kap. 12 ' Jun

a.legenheiten und kam sodann zur Berathung des Kap. 37, .Gymnost.n^ I ' o @in«ralbiStdffion fpraä fid) «bg- Reicher! für M°8«e «ffw

orrotbmet, wie ja schon aus der Erwerbung geeigneter Spielplatz- on Den ejrr.n. wo sich solche AnNallm befänden hervorgehe^ b.|(i b-leuchien nochmals ein-

Die Abgeordneten Heinz erlang rhÄitniffe am Darmstädter Evm»

gebend die MlßstSnde bezüglich der!Raum- und un6 g^mebur fta- = nasium und wurde auch hier Seitens der Jttg ciung v > ®

lld)!r ^8eleflen6ett ywiogt ffl(I des katholischen R-l'gionsanterrichl» In 8'öBeren Städten, sowohl tn ^^be^bleTiVberVfiannoie^öo

6-nbenen L-br-r »8^^ WÄföÄ? riKrtM.fl»«

3b8Stnolb Inlerpenirte öle wgwtu 8 dieselbe die Sache so-

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abg.B<b<n. W <s bt|ortig< S«m.nb.oe jun.« L.hi-mie-

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I ein und W$en Ä r n Achtmaliger Wechsel des tehttrS stoltg-fund-n 6=6«-

«sonnen sein sollte, der Souverain der neuen Staate» zu werden, würde er Stanley zu seinem Vertreter mit dem Titel Vicekömg ober @enetaM3ouoeir.ei:t cnennen , unter dem Befehle Stanley'« sollen bann drei oder vier Gouverneure He Provinzen der Congostaate» verwalten. Heber die weitere Organisation ler Staate« wird ferner mitgetheilt, daß dar dingirende Comite, bar -nimfie» tum der Congostaates, in Brüssel seinen fielen Sitz haben wird.

Dar österreichische kronprinzliche Paar Hal in diesen Tagen tbermalr eine Reise nach der Balkan-H-lbinsel angetreten, die ܰw,ffermaben »lr eine Ergänzung seiner Reise vom vorigen Jahre zu b-trach en ift, an, velcher dem erlauchten Paare an den Höieu von Bukarest und Belgrad, beson ierr aber in Konstantinopel eine so glänzende Ausnahme zu ^.herl geworden u. Diesmal gilt der Anrstug Kronprinz Rudoli'r und seiner ,ugendl>chen Seinahlu. Stefanie mit dem Fürsten Nikita, dem Beherrscher Montenegro«, fotme dem griechischen Königshose und er ist unverkennbar, daß besonder« der Besuch de» österreichischen Thronfolger» in Eettinje seinen bedeutsamen politischen Hutter- grund hat. Seitdem da» Reich de» Doppel-Aar» durch die Besetzung L her Herzegowina festen Fuß aus der B-lkan-H-lbinsel gesaßt hat.'stmn i^erh^lUthv hon.P^nmrji2n em feOT eigenthümlrch.»

gewesen. Man hegte in Cettinje offenbar selbst Absichten auf die von dem mäch­tigen Nachbar occupirten Länderstriche und die mehr als zweifelhafte Rolle, welche Montenegro bei den wiederholten Aufständen der Bosniaken, Herzegowzen und Bocchesen spielte, ließ einen Schluß auf seine Gesinnung gegen Deftemiä zu. In neuerer Zeit hat sich da» Verhältniß zwischen beiden Staaten etwa» freundschaftlicher gestaltet und man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt daß der Besuch des österreichifchen Kaisersohnes in Cettinje mit die Bestimmung hat, die Beziehungen zwffchen Oesterreich und Montenegro noch fester zu knüpfen, als dies bisher geschehen ist. Die österreichisch-ungarische Zollconferenz ist am Drenstag in Wien roieoerum zusammengetreten. Ihre Berathungen werden den Maßnahmen gewidmet sein, welche sich für Oesterreich in Folge der Zoll- erhöhungen in Frankreich und Deutschland nothwendig machen.

Die französische Deputirtenkammer steckt noch immer in der ersten Berathung der von der Negierung vorgeschlagenen Zollerhöhungen, mit denen sie sich schon seit zwei Wochen beschäftigt, doch sind hierher verschone Unterbrechungen in Berücksichtigung zu ziehen. Die Kammer scheint es lndeffeu ausqegeben zu haben, der Regierung in der Frage der Zollerhohungen nawhal- tige Opposition zu machen, trotz der ablehnenden Haltung der Tarrfcommffswn, da in her Montagssitzung verschiedene die bett. Regierungr-Vorlage abschwachende Amendements wieder zurückgezogen wurden. Vom ostasiatrschen KnegSschau- platze lieat seit der Einnahme von Sangfon und dem Seesieg AdmlralS Courbet bei Sheipoo nichts wesentlich Neues vor. Letzterer kreuzt mit ferner Flotte an der chinesischen Küste, um zu verhindern, daß aus dem Seewege Proviant uno Munition nach China gelange unv vom General Stiere de l Jsle liegt die Er- klärung vor, daß die jüngfl gesandten Verstärkungen vollständig genügten, um Tongking vom Feinde zu säubern. _____