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Freitag dm 27. November

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Nr. 277.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Brei- vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf.

Erscheint tätlich mit Ausnahme des MontagS.

©Uttau t Schul'Krahe 7.

Betreffend: Volkszählung im Jahre 1885.

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Betreffend: Das Unfallversicherungsgesetz, hier die Steinbruchsberufsgenoffeuschaft.

Gießen, am 24. November 1885.

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Mittwoch den S. December 1885, Nachmittags 3 Uhr, findet in öffentlicher Sitzung in unserem Saale Nr. 18 die AuSloosung

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Anzeigen.

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der Schöffen für das Jahr 1886 statt. Gießen, am 19. November 1885.

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Großherzogliches Amtsgericht Gießen. Langsdorfs.

Spanien.

Madrid, 24. Novbr. Der König ist heute früh unter diphtheritis- mUgen Erscheirungen erkrankt. Die Mitglieder der königlichen Familie, die Minister und Aerzte begaben sich deshalb nach dem Pardo. Es wurden öfter t* liche Fürbitten angeordnet. Nach den letzten Depeschen ist eine merkliche Besse­rung in dem Befinden des Königs eingetreten. Gegenwärtig findet ein Minister­rath statt. Martinez Campos hat sich nach dem Pardo begeben.

Zlußland.

Petersburg, 25. November. DieNeue Zrit" und dieDeutsche Petersb. Zeitung- bringen Artikel, in denen sie dem Fürsten von Bulgarien rathen, sich von seinen Erfolgen nicht allzusehr hinreißen zu lassen und den Krieg nicht auf serbisches Gebiet zu übertragen. Das erstere Journal anerkennt, daß Fürst Alexander vom militärischen Standpunkte aus sogar berechtigt ge­wesen sei, den Wasfenstillstand abzulehnen, solange Bulgarien vom Feinde nicht gänzlich gesäubert worden, und spricht sich selbst für eine vorübergehende Be­setzung eines kleinen serbischen Gebietstheils zur Befriedigung der bulgarischen Waffenehre aus; ein Einmarsch jedoch in das Land, der sich bis Risch erstrecken würde, könnte den Bulgaren die Früchte ihrer Siege rauben, da die Serben ihren häuslichen Heerd besser vertheidigen dürsten, als sie sich beim Einfall in fremdes Gebiet geschlagen haben; überdies sei nicht außer Acht zu lassen, daß General Leschjanin nach Süden marschire und die Schumadja- und Morawa- Division, wenn auch in kritischer Lage, so doch nicht vernichtet seien. Die Deutsche Petersb. Zeitung" sagt, die Fortsetzung des Krieges könne für Bul­garien selbst beim glücklichsten Ausgange keinen materiellen Gewinn haben, wohl aber könnte man, wenn der Fürst von Bulgarien jetzt die Möglichkeit eines ehrenvollen Friedens ausschlüge, demselben den Vorwurf machen, daß er die Interessen des Landes zu Gunsten persönlicher aufopfere, wie dies seinem Gegner geschehen sei. Die Zeitung fordert zur Hülfe für die im Kriege Verwundeten, deren dieselben dringend bedürfen, auf.

Serbien.

Belgrad, 25. November. Gestern und heute fanden um die serbische Position vor Pirot Kämpfe statt, in denen die Bulgaren zurückgeworfen wurden. Dieselben erneuern ihren Angriff. Die serbische Armee ist durch den Abmarsch des aus. geübten Soldaten bestehenden zweiten Aufgebots auf 55,000 Mann verstärkt.

Dien-tag bett 1. December findet im ganzen Deutschen Reiche eine Volkszählung statt. Die Zählungscommissionen werden in den Tagen vom 28.30. November jeder Haushaltung einen Zählbrief mit so viel Zählkarten zukommen lassen, als in der Nacht vom 30. November auf den 1. December voraussichtlich Personen in dem Haushalte sich aufhalten oder nur vorübergehend aus demselben abwesend sein werden. Bei der hohen wiffen- schastlichen Bedeutung, welche eine genaue Feststellung der Zu- und Abnahme der Bevölkerung in den einzelnen Staaten und Gemeinden hat, sowie bei der unmittelbar practischen Bedeutung der Bevölkerungszahlen zur Berechnung der Mitglieder der Gemeinde-, Kreis- und Provinzialverwaltung, zur Abgrenzung der Wahlbezirke und zur Vertheilung der Schöffen und Geschworenen auf die einzelnen Gerichtsbezirke wird an alle Haushaltungsvorstände das dringende Ersuchen gerichtet, sich mit der Anleitung zu einer richtigen Ausfüllung von Zählbrief und Zählkarten, welche dem Zählbrief ausgedruckt ist, alsbald vertraut zu machen und die Einträge in dieselben mit der größten Gewiffenhaftigkeit zu vollziehen. Im Zweifelsfalle sind die Mitglieder der Zählungscommission und die Zähler zur Auskunftserthellung bereit.

Die Einsammlung von Brief und Karten erfolgt am 1. December Nachmittags und am 2. December. Die Haushaltungsvorstände werden ersucht, für richtige Zustellung an die einssmmelnden Zähler Vorkehrung zu treffen.

Gießen, am 25. November 1885. GroßherzoqlicheS KreiSamt Gießen.

Dr. Boekmann.

SS-

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden deS KreiseS.

Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft umfaßt u. A. folgende Industriezweige:

Braunkohlengruben, Braunsteingruben, Briquettfabrikanten, Farberde, Kalkbrenner, Kalkbrüche, Kiesgrubeü, Manganerzgruben, Mörtelfabrikanten, Ockergruben, Ockerschlämmereien, Sandgruben, Sandschöpser, Steinbrecher und Steinbrüche.

Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 21. und 23. l. M. (Anzeiger Nr. 275 vom 24. und 25. l. M.) beauftragen wir Sie, die in Ihren Gemeinden befindlichen versicherungspflichtigen Unternehmer der fraglichen Betriebe, welche mit ihren Anmeldungen noch im Rückstände sind, aufzufordern, solches bei Meldung einer Geldstrafe von 100 Jt. binnen einer Woche in der gesetzlich vorgeschriebenen Weise nachzuholen.

Der Befolg ist anzuzeigen, resp. ist zu berichten, wenn sich kein solcher Betrieb in der Gemeinde befindet.

Wir finden nichts dabei zu innern, wenn Sie die Ihnen durch gege'll Artige Verfügung aufgetragene Berichterstattung, sowie die durch die vor­erwähnten beiden Ausschreiben ertheilten Auflagen durch Erstattung eines Berichts erledigen, vorausgesetzt, daß dadurch die Uebersichtlichkeit nicht Roth leidet.

Dr. Boekmann.

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Reichstag.

E. R. Berlin, 25. November. Der Reichstag setzte heute die Etatsberathung fort. Abg. Gamp (d. Reichsp.) bekämpfte die gestrigen Ausführungen des Abg. Liebknecht über die Schutzzoll- und Colonialpolitik, die allerdings erst in Zukunft Früchte tragen könne. Ein Mangel an Sparsamkeit in den Etatsaufstellungen ist nicht vorhanden, nur im Postetat scheine eine Verminderung der Ausgaben möglich.

Hiergegen verwahrte sich Staatssccretär v. Stephan, der zurKritisirungseiues Etats doch andere Vorkenntnisse beansprucht, als sie deut Abg. Gamp bei seiner kurzen parlamentarischen Thätigkeit eigen sein können. Die Deficits in der Post- und Tele­graphenverwaltung, die bei dem Uebcrgang derselben auf das Reich übernommen worden seien, sind nicht nur beseitigt, sondern die Verwaltung, die 1876 8 Mill. Ueberschuß ergab, erziele jetzt 2324 Mill. Anerkennung beanspruche er nicht, er müsse aber gegen jede Verkennung Front machen. Grade im Verkehr mit anderen Ländern trete der vortheilhaste Stand der Post- und Telegravhen-Verwaltung hervor, obwohl dem Post- etat seit 1876 eine Last von 18 Mill, aufgewälzt worden sei.

Dem Redner folgt der Abg. Payer (Volkspartei). Derselbe führte aus: Der Etat Hal auf allen Seiten enttäuscht, alte Steuern sind nicht abgeschafft, wohl aber neue eingeführt. Die fortdauernd steigende Mehrbelastung des Volkes sei, zumal der Wohlstand int Sinken begriffen sei, an ihrer Grenze angekommen, deshalb müssen die Forderungen für Heer und Marine herabgesetzt, aber nicht erhöbt werden; die Wehr­kraft braucht darunter nicht zu leiden. 1875 war man ebenso beruhigt, wie heute und doch konnte der Militär-Etat damals viel geringer sein. Der Marine-Etat sei in unheilvoller Weise mit der Colonialpolitik verquickt worden, für die der starke Zug, der im vorigen Jahre durch das Volk gegangen, heute nicht mehr besteht; trotzdem ist der hierfür gezeichnete Rahmen längst überschritten. Dre deutsche Ration muß die durch die Karolinenfrage geschaffenen Vorgänge tief beklagen; alle die bestandenen freund­schaftlichen Beziehungen zu Spanien sind vernichtet.

Nachdem noch die Abg. Junggreen (Däne) und Mühleisen (Elsässer) den Standpunkt ihrer Freunde vertreten, schloß die erste Lesung des Etats, dessen wichtigste Theile an die Budget-Commission verwiesen wurde.

Dasselbe war der Fall mit dem Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung der bestehenden Bestimmungen über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen. Es soll hierdurch u. A. hauptsächlich den Landesregierungen die Befugniß eingeräumt werden, für einzelne Theile oder den ganzen Umfang des Staatsgebietes die Impfung sämmtlicher Rinder in dem Gehöfte oder in der Ortschaft anzuordnen, wo die Lungen- seuche ausgebrochen ist.

Nach längeren Ausführungen des Negierungsvertreters, Geh. Rath Köhler, sowie der Abgg. Schreiner, Graf Behr, Staudy, Grohö und Dirichlet wurde dec Entwurf einer Commission von 21 Mitgliedern zur Vorberathung überwiesen.

Die nächste Sitzung findet morgen statt.

Von den Abgg. Reichensperger und Rinteleu (Ctr.), unterstützt von der ganzen Centrumspartei, ist die Interpellation eingebracht worden, ob es begründet ist, daß die Ausschließung der Jesuiten und der katholischen Missionen überhaupt tu den deutschen überseeischen Schutzgebieten durch die Reichsregierung beschlossen worden ist.

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