Freitag den 27. März
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Nr. 78
Erscheint täglich mit Aufnahme des Montags.
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14 Tagen zu erstatten.
Dr. Boekmann.
Mittwoch den 1. April
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Gießen, am 24. März 1885.
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spective, welche er in wenigen Worten eröffnete, bietet einen überraschenden Ausblick aus die Zukunst dar. Nach den Erklärungen des genannten SLaats- secretärs der Colonieen handelt es sich zwischen beiden Staaten in der Dhat nicht blos um die Begleichung einzelner Differenzen, wie beispielsweise in Kamerun, sondern um ein allgemeines Abkommen, durch welches sämmtliche, in Ost- und West-Afrika wie in Australien schwebenden Machtstreitigkeiten durch gegenseitige Zugeständnisse dauernd geschlichtet werden sollen. Die außerordentliche Tragweite dieser Mittheilungen Liegt aus der Hand; Großbritannien sucht sich mit uns auf überseeischem Gebiete gütlich auseinanderzusetzen; es schließt mit uns, dem neuen Colonial-Nachbar, bereits seinen Grenz- und Freundschafts- Vertrag ab.
Und das nicht etwa unter einen: Ministerium der deutsch-freundlichen Tories, sondern unter dem Regime Gladstone's, unter der Leitung des Staatsmannes, welcher sich offen und jederzeit als hartnäckiger Gegner der Politik Bismarck's bekundet hat. Die Zeit liegt noch nicht weit hinter uns, da Gladstone den Kanzler für alles Unheil in Europa verantwortlich machte und ihn als Störenfried der Epoche, als Feind der Völkerfreiheit bezeichnete.. Heute muß sich selbst dieser unbeugsame englische Staatsmann vor der Logik der That- sachen und dem Genie des Fürsten Bismarck neigen; er ist gezwungen, seinen Jrrthum einzubekennen und mit seiner starren Hand das deutsch-englische Bünd- niß zu besiegeln.
So gestaltet sich die Welllage zu einem seltenen Triumph sür uns, während Kaiser Wilhelm — der Patriarch unter den Herrschern Europas — soeben seinen 88. Geburtstag unter der begeisterten Theilnahme des ganzen Volkes feierte und unsere Nation in wenigen Tagen ein zwettes, nicht minder dedeut- sames Wiegenfest begehen wird: den 70. Geburtstag unseres großen Kanzlers. Selbst das unerbittliche Naturgesetz scheint schonend an den Schöpfern des neu geeinten Vaterlandes vorbeizugehen, denn der Kaiser erfreut sich als angehender Neunziger noch einer schier wunderbaren Rüstigkeit des Körpers und des Geistes, während der Siebziger, Bismarck, an der Schwelle des Greisenalters, die Sache Deutschlands mit dem Feuer de» Jünglings und der Vollkraft des Manner verficht. An der Bewunderung der anderen Völker vermag unsere Natron zu ermessen, was sie an ihrem Monarchen und seinem ersten Minister besitzt.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh*.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pi.
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^Gießerei.
Murea«: Schulstraße 7.
Darmstadt, 25. März. Se. Königl. Hoheit der Großherzog sind von den Beweisen der großen Theilnahme, welche Allerhöchstdemselben und ©einem Hause aus Anlaß des höchst betrübenden Ablebens welland ^hrer Königl. Hoheit der Frau Prinzessin Karl aus allen Kreisen -er Bevölkerung entgegengebracht worden sind, tief gerührt gewesen und haben ven Slaatsminister beauftragt, Allerhöchstihren Dank dafür öffentlich kund zu geben, welchem Allerhöchsten Befehle derselbe hiermit entspricht.
— Heute Vormittag 8 Uhr fand das Leichenbegängniß Ihrer Königl. Hoheit der in Gott ruhenden Frau Prinzessin Karl statt.
-1 Darrntta-t, 25. März. lZwette Kammer der Landstände.j Die zweite Kammer setzte gestern Nachmittag 5 Nhr die Beratung über die Recommunicationev.
Gieße», 26. März.
Der Erbe der britischen Krone und des indischen Kaiser-Diadems hat Berlin wieder verlassen, nachdem er unserem Kaiser die Glückwünsche des englischen Hofes zum 88. Geburtstage überbracht hatte. Diese Reise des Prinzen von Wales bildet einen Akt der Huldigung, wie ihn das stolze Jnselreich wohl äußerst selten noch dem Souverän eines festländischen Staates dargebracht hat. Der Sohn der Königin Victoria sollte offenbar das neue Einvernehmen zwischen den beiden Großmächten durch sein persönliches Entgegenkommen besiegeln. England entsendet seinen Thronfolger als Werber um die Freundschaft des Deutschen Reiches.
Klingt diese Behauptung etwa zu überschwenglich? Nicht in deutschen, sondern in englischen Blättern ist die Reise des Prinzen von Wales in diesem Sinne aufgefaßt und mit freudiger Genugthuung als ein Unterpfand des Bundes zwischen „den beiden germanischen Mächten", Deutschland und Großbritannien, begrüßt worden.
Wie sich doch die Zeiten und die Völker mit ihnen ändern! Ein Vierteljahrhundert ist verflossen, seitdem der Kronprinz in London als Werber um die Hand der Königstochter erschien und die englische Presse ziemlich hochfahrend die Verheirathung der Prinzessin Victoria mit dem preußischen Prinzen als eine passable Partie bezeichnete. Seit jenen Tagen haben sich die Verhältnisse des Welttheils allerdings ein wenig verändert, und die öffentliche Meinung Englands scheint denn auch über die Schwägerschaft mit Preußen und die Stellung der „Royal Princeß" auf der Stufe zum deutschen Kaiserthron etwas milder als früher zu urthellen. Die britische Nation anerkennt unsere Macht- und Weltstellung, und die bekannten Erklärungen Lord Granville's liefern den vollwichtigsten Beweis, daß man an der Themse das hochmüthige Vorgehen der jüngsten Vergangenheit ausrichllg zu sühnen wünscht.
Der fast wunderbare Umschwung läßt sich am besten beurtheilen, wenn man die große „Wetterfahne" der City, die „Times", beobachtet. Dieses Blatt, das während der letzten 10 Jahre fortwährend gegen uns hetzte und die innige Allianz Englands mit Frankreich als Anfang und Ende aller Staatsweisheit anpries, ist jetzt auf einmal zur originellen Entdeckung gelangt, daß das deutsche Reich erst seitdem es eine Colonialmacht geworden, als der beste und passendste Bundesgenosse Großbritanniens anzusehen sei. Früher — so meint das Londoner Blatt — war Deutschland ein festländischer Staat, der sehr wenig Berührungen mit uns hatte; jetzt weift Alles aus eine „engere Gemeinschaft" zwischen uns und ihm hin...
Was die „Times" da Vorschlägen, läuft eigentlich aus eine Colonial- Allianz zwischen Deutschen und Engländern, auf eine Art Uebereinkommen bezüglich der überseeischen Machtsphären beider Staaten hinaus. Auf den ersten Blick scheint dieser Gedanke etwas seltsam, aber es steht ganz außer Zweifel, daß unsere Staatsmänner bereits sehr ernstlich mit den englischen Diplomaten an feiner Verwirklichung zu arbeiten begonnen haben.
Ein britischer Minister, „Lord Fitzmaurice", hat in einer Unterhaussitzung Mr officiell aus diese diplomatischen Unterhandlungen hingedeutet und die Per-
Gießen, am 24. März 1885.
Betreffend: Die Genehmigung zum Ausleihen von Kirchenkapitalien; hier insbesondere Kapitaleinlagen in Spar- und Leihkassen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Kirchenvorstände des Kreises.
Seit Ausgabe unseres Amtsblattes Nr. 1 vom 24. August 1883 hat nur ein einziger Kirchenvorstand die vorgeschriebene Anzeige Über erfolgte Mnlaae eines Kapitals in eine Spar- und Leihkaffe erstattet. - Da wir nicht annehmen können, daß wertere Einlagen nicht erfolgt stnd, sehen wrr uns veranlaßt Ihnen die genaue Beachtung des erwähnten Amtsblattes hierdurch anzuempfehlen. Zugleich beauftragen wrr Sre, die versäumten Anzeigen binnen
Dje besten llterw. n Di*;
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Nr. 10 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 20. b. M., enthält:
(Nr. 1591.) Gesetz, betreffend die Feststellung des Reichshaushalts-Etats für das Etatsjahr 1885/86. Vom 16. März 1885.
(Nr. 1592.) Gesetz, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres, der Marine und der Reichselfenbahnen.
Voin 16. Marz ^85. Bekanntmachung, betreffend das Gesetz gegen den verbrecherischen und gemeingefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen. Vom 13. März 1885.
Gießen, am 24. März 1885. Großher^oglich^Kreisamt Gießen.
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z. I., Vormittag- 10 Uhr, findet in dem Regierungsgebäude dahier eine
öffentliche Sitzung des Kreistages de» Kreises Gießen
Tagesordnung:
1) Erstattung des Rechenschaftsberichtes für 1883/84.
2) Prüfung der Kreiskasserechnung für 1883/84.
3) Feststellung des Voranschlags für 1885/86.
4) Wahl eines Mitgliedes der Abschätzunascommisfion im Mobilmachungsfalle, an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters-Lang in WieM. '
Der Vorsitzende des Kreistages des Kreises Greßen.
Dr. Boekmann.
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Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Ä MrchO Mfon beehre ich *' zum Waschen, Faebrn - nach neuesten Mustm^ in tadelloser HersteÜW 60-80 Pfg. J
Albert Behrenr,


