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Was die Konstantinopeler Conferenz anbelangt, so kümmert sich dieselbe gar nicht um den serbisch-bulgarischen Zusammenstoß und widmet ihre Thätigkeit lediglich der ostrumelischen Frage. In der am Freitag stattgefundenen Sitzung hat sich das Einvernehmen der Mächte über die Entsendung eines türkischen Commissars nach Rumelien, über die Ernennung fremder Dele- girter zur Führung der Untersuchung in Rumelien und über die Details der Programme dieser Doppelmission ergeben. Eine weitere Conferenzsitzung fand
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allgemeinen Annahme — wegen des Krieges zwischen den Serben und Bulgaren auf ihre fernere Thätigkeit zu verzichten.
Die Pforte scheint dem obigen Versprechen, das sie dem Fürsten Alexander gegeben, sehr schnell nachgekommen zu sein. Wenigstens melden die Londoner Blätter vom 23. ds. aus Konstantinopel, daß die Pforte bie. Serben aufgefordert habe, Bulgarien unverzüglich zu räumen. Man darf wohl hoffen, daß die türkische Aufforderung zu keinen neuen Complicationen führen wird, um so weniger, als die Serben seit ihrer Niederlage bei Slivnitza in der That sich zum Theil wenigstens auf ihr eigenes Gebiet zurückgezogen zu haben scheinen. Zum Mindesten dauert ihre Rückzugsbewegung fort.
Aus der ostindischen Stadt Broach (Präsidentschaft Bombay) werden vom Sonntag Ruhestörungen gemeldet, die durch religiöse Streitigkeiten hervorgerufen wurden. Die Tumultuanten bemächtigten sich der Gewehre im Polizei-Depot und schickten sich schon an, die Filiale der Bombay- Bank zu plündern, als es den Polizeimannschasten gelang, die Aufrührer zu zerstreuen. Indessen wurde hierbei der Polizeichef getädtet; drei Polizisten, erhielten Verwundungen; von den Tumultuanten wurden fünf erschossen.
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Politische Ueberfkcht.
Gießer?, 25. November.
Die Versicherung, welche der Staatsminister v. Bötticher in der Somstagssitzung des Reichstages gelegentlich der Generaldebatte über das Gesetz, belr., die Fürsorge sür Beamte u. s. w. in Folge von Betriebsunfällen, gab, wirb gewiß von Allen, welche mit Aufrichtigkeit die Socialpolitik der Regierung begrüßen, mit Genugthuung ausgenommen worden sein. Wie Herr v. Bötticher nämlich erkärte, soll in den socialpolitischen Reformen keineswegs eine Stagnation -eintreten, vielmehr ist es der innigste Wunsch des Kaisers, daß in dieser Beziehung das Möglichste geleistet werbe. Die Früchte dieser Bestrebungen werden freilich nur langsam reifen, doch das liegt in der Natur der Sache und der Minister hatte darum ganz Recht, wenn er meinte, man müsse das bisher Geschaffne sich erst einleben lassen. Bereits ist von der Regierung auch die Perspective auf ein neues bedeutsames Werk auf dem Gebiete der socialen Reformen eröffnet worden, indem Herr v. Bötticher am Schluffe seiner AuSsührungen auf den Entwurf der Alters-Jnvaliden-Versicherung hinwies; darüber, wann die Vorlage dem Reichstage zugehen werde, konnte der Regierungs-Vertreter allerdings noch keine bestimmte Auskunft geben, aber daß sie früher oder später kommen werde, durste er bestimmt versichern. Mittlerweile haben die parlamentarischen Vertreter der Socialdemokratie ihren Entwurf eines Arbeiterschutz- -Gesetzes wiederum im Reichstage eingebracht. Im Großen und Ganzen ist derselbe unverändert geblieben, doch enthält er immerhin einige nicht uninteressante Modificationen. So kannte der vorige Entwurf den Begriff „Arbeiter" überhaupt nicht, sondern sprach nur von „gewerblichem Hilfspersonal." Es scheint, daß die Arbeiter selbst mit dieser Escamotirung ihres ehrlichen Namens nicht einverstanden gewesen sind, denn der neue Entwurf spricht überall von „Arbeitern und Hilsspersonen." Neu ist in dem Entwürfe die Einschaltung, daß die Gewerbe und Betriebe, welche von dem Verbot der Sonntagsarbeit grundsätzlich nicht betroffen werden sollen, durch den Bundesrath bestimmt werden, vorbehält- üch der Zustimmung des Reichstages. Weiter hat der von der Beschäftigung der Wöchnerinnen handelnde Paragraph einen Zusatz erhalten, der einem zu frühzeitigen Wiedereintritt in die Arbeit vorbeugen soll. Die bezeichnendste Aenderung hat der vielberusene Paragraph von der Bestimmung der Minimalhöhe des ArbeislohneS erfahren. Im vorigen Jahre hieß e» da apodictisch: ,,Die Arbeitskammern haben die Minimalhöhe der Löhne aller Hilfspersonen sestzusetzen." Jetzt sagt man: „Die Arbeitskammern haben für die in ihrem Bezirke beschäftigten Arbeiter und Hilsspersonen, auf Antrag Betheiligter, Minimallöhne sestzusetzen." Auch hier werden wohl die in den Arbeiterkreisen selbst aufgetretenen Bedenken von Einfluß gewesen sein. Unterschrieben ist der Entwurf von fast sämmtlichen socialdemokratischen Reichstags-Abgeordneten ; nur der Abg. Heine hat sich fern gehalten.
Der von den Conservativen im Reichstage eingebrachte Antrag auf Einführung fünfjähriger Legislatur-Perioden wird in der politischen Tagespreise lebhaft discutirt. Bemerkenswerth ist, daß selbst angesehene liberale Blätter, wie z. B. die fortschrittlich angehauchte „National-Zeitung", sich zu 4)em conservativen Antrag nicht unfreundlich stellen. Gegenüber der in Reichstagskreisen verbreiteten Ansicht, daß das Centrum gegen den Antrag stimme« würde, wird daran erinnert, daß Herr Dr. Windthorst im Mai 1881 — es handelte sich damals um die Verlängerung der Legislatur-Periode in Verbindung mit den zweijährigen Etats — für eine vierjährige Legislatur-Periode sprach, .und daß mit klerikaler Hülse diese auch eine Mehrheit erhielt. Es wurde aber aus der Vorlage im Ganzen nichts. Die „Nat.-Ztg." meint, man müsse zunächst dahingestellt sein lassen, ob das Centrum gegenwärtig seine Haltung Hemäß diesem Präcedenzfalle einrichten werde.
In Wien gab e» am Samstag einen kleinen Straßen- Auflauf, indem die zum Militärdienst einberusenen bulgarischen Studenten aus Der Straße lärmend dahinzogen. Der Vorfall ist indessen bedeutend über- rrieben worden; die ganze Sache reducirt sich darauf, daß einer Studenten- Gruppe, welche slavische Lieder sang und ein Fähnchen mit sich führte, die Wache mit der Aufforderung entgegentrat, sich ruhig zu verhalten. Auch wurde den Studenten das Fähnchen abgenommen, was natürlich nicht ohne einiges Hin- und Herreden abging. Die bulgarischen Studenten waren nicht von ganzen slavischen Vereinen, wie mehrere Blätter berichteten, sondern nur von einigen anderen Studirenden slavischer Nationalität begleitet.
Die Erfolge der Bulgaren bei Slivnitza habsn in Verbindung mit dem Verzicht des Fürsten Alexander auf Ostrumelien offenbar die Stellung Bulgariens gegenüber den Mächten wie der öffentlichen Meinung Europas wesentlich gehoben. Namentlich an der Newa werden die bulgarischen Siege mit freudiger Genugthuung begrüßt und die Petersburger Blätter sprechen sich in ihrer großen Mehrzahl entschieden gegen die serbischen Ansprüche auf das westliche Bulgarien aus. Von der Pforte ist Fürst Alexander wegen seiner und des bulgarischen Volkes Unterwerfung beglückwünscht worden. In der betreffenden Depesche des Sultans wird dem Fürsten Alexander die Entsendung eines türkischen Commissars nach Ostrumelien angezeigt und die Hoffnung ausgesprochen, daß, um den Wünschen der Mächte zu entsprechen und dem Fürsten das Wohlwollen seines Souveräns zu erwerben, die Ruhe in Rumelien wiederkehren werde. Die Depesche schließt mit dem Versprechen, daß die Pforte sich für das Aushören der Feindseligkeiten von Seiten Serbiens verwenden werde.
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Universität- - Chronik.
Heidelberg. Im badischen Budget für 1886 sind 97,000 X als Staats- Ir ertrag für das Jubiläum der Universität Heidelberg vorgesehen, nämlich Herstellung eines Festraumes in der Heiliggeistkirche 42,000 X, Zuschuß zum Bau einer Festhalle 25,000 X und allgemeine Unkosten 30,000 X. Als zweite Rate für den Umbau des Gebäudes am Ludwigsplatz werden 60,000 X verlangt; dieser Umbau hätte übrigens auch ohne Jubiläum stattfinden müssen, da die baulichen Verhältnisse durchaus unhaltbar waren. Der Beitrag für die Festhalle ist höher, als man ursprünglich erwartet hatte; sonst wäre auch der städtische Säckel so stark in Anspruch genommen worden, daß der Bau einer Festhalle überhaupt fraglich war. Bewilligt der Landtag die Summe, so wird auch der hiesige Bürgerausschuß den Rest votiren und er kann es ja: leichten Herzens thun, da uns das am 1. Januar k. I. in Kraft tretende Octroi Geld in Hülle und Fülle bringen wird.__________________________________________
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Der deutsche Zchulverein
An den Grenzen des deutschen Sprachgebiets tritt immer klarer die Thattache hervrr, daß dieses nur an wenigen vereinzelten Punkten Vorschritte macht, an Dielen und gerade den wichtigsten Stellen mittels methodisch betriebener „Seelenfängerei" mehr und mehr zurückgedrängt wird. Dies erklärt sich schon daraus, daß unsere Nachbarn ringsum einsehen, wie sehr die ganze Angelegenheit nicht blos nationale Ehrenfraße, sondern auch von hohem politischem Gewicht ist, daß sie darum dem großen, mächtigen Deutschen Reiche gegenüber besondere Rührigkeit, hier und da — was wohl jedem aufmerksamen Zeitungsleser bekannt wurde — noch andere, nichts weniger als löbliche Eigenschaften entwickeln, wir dagegen bisher uns leider allzu sehr auf das Naturgesetz der Massenanziehung verlassen haben. Erst nachdem jene That- sachen sich stark häuften und in der Presse immer lautere Mahnrufe erschallten, breitet sich im Volke selbst die Erkenntniß aus: So darf es nicht länger fortaehen! Wir müssen durch Pflege der deutschen Muttersprache weitere Abbröckelungen oes Deutsch- thums zu verhüten streben, deutsches Wesen und deutsche Bildung sind im Auslande aus allen Kräften zu schützen und zu fördern.
So entstand 1881 der hierauf gerichtete „Allgemeine Deutsche Schulverein". Dessen Gesammtvorstand hat seinen Sitz in Berlin, Vorsitzender ist Dr. Falkenstein, Schriftführer Dr. Vormeng, Berlin W., Köthenerstraße 31. — Der Verein als solcher will nur nationale und allgemeine Bildungszwecke fördern, politisches und con- fessionelles Parteiwesen liegt ihm fern. An die Stammesbrüder in Deutschland richtet er das Gesuch um thatkräftige Unterstützung.
Aus dem reichhaltigen „Correspondenzblatt" des Vereins, welches hiermit der Beachtung empfohlen sei, erfährt man, daß derselbe neuerdings in erfreulichster Weise wächst. Die Zahl seiner Mitglieder ist auf 12,000, die der Ortsgruppen auf 140 und die der bcigetretenen Vereine auf 17 gestiegen. Auch eine Frauengruppe war dabei, Wiesbaden die erste, die aber seitdem bereits Mehrfach Nachfolge gefunden hat. „Die beste Stätte, die das deutsche Volk fein eigen nennt: das Herz seiner Frauen und Mädchen, hat man erobert." Die Einnahme beträgt 17,171 x. Der gleichnamige Verein in Wien zählt weit über 100,000 Mitglieder, 1029 Gruppen und mehr als 300,000 X Einnahme.
Auf diese Weise, in welcher der Verein zu wirken sucht, mögen die Ueberschriften einiger in den letzten Heften des „Correspondenzblattes" enthaltenen Aufsätze und Notizen ein Licht werfen: Lage und Aufgaben des Deutschthums in Prag, von Prof. Knoll — Südungarische Zustände — Magyarisirung und Rückgang der deutschen Schulen in Ungarn — Rede des Abg. Weitlof am 12. März in Wien — Beschlagnahme des „Correspoudenzblattes" in Oesterreich — Die Deutschen in der Dobrutscha — Der tschechische Schulverein — Bedrohte deutsche Gemeinde in Südböhmen — Magyarisirung der Volksschulen in Siebenbürgen — Französische Amtssprache in Luxemburg — Die Letten unter den Deutschen — Deutsche Colonien in Südbrasilien — Russificirung der Ostseeprooinzen — Der deutsche Böhmerwald-Bund. —
Der Aufmerksamkeit des Vereins dürfte auch Südtyrol zu empfehlen sein. Der deutsch-österreichische Verband sah sich genöthigt, seine Thätigkeit fast ausschließlich nach Böhmen, dem wichtigsten nationalen Kriegsschauplätze, zu verlegen; deßhalb und weil, in den Grenzgebieten die Jtalianissimi neuerdings einen lebhaften Kampf eröffnet haben, hat sich u. A. der Ortsoerband in Frankfurt a. M. der bedrohten Gemeinden Süd- turols besonders angenommen.
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