Ausgabe 
26.11.1885 Erstes Blatt
 
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(die erste) mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heusenstamm mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessen, den Gehalt von 900 bis 1200 A; mit der Stelle ist Organistendienst ver- verbunden; dem Herrn Grasen von Schönborn-Wiesentheid steht das Präsenta­tionsrecht zu derselben zu. Eine Lehrerstelle (erste Knabenlehrerstelle) an der kath. Schule zu Dieburg mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 1000 bis 1600 A; dem Großh. Kreisrath, dem kath. Pfarrer und dem Stadtvorstand zu Dieburg steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle (zweite Mädchenlehrerstelle) an der Gemeindeschule zu Heppenheim mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemeffenden Gehalt von 1000 bis 1300 A\ dem Großh. Kreisrath, dem kath. Pfarrer und dem Stadtvorstande zu Heppenheim steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wattenheim mit einem Gehalt von 900 A; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden; dem Großh. Kreisrathe zu Bensheim und dem Pfarrer und Ortsvorstande zu Wat­tenheim steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Frettenheim mit einem Gehalt von 900 c/ft.; mit der Stelle ist Organistendienft verbunden. Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Unter- Abtsteinach mit einem Gehalt von 900 A Eine Lehrerstelle an der kath. Schule zu Hirschhorn mit einem Gehalt von 900 A

Reichstag.

E. R. Berlin, 24. November. Im Reichstage wurde heute die erste Berathung des Reichshaushaltsetat.s mit einem Rückblick des Staatssekretärs im Reichsschatzamt, von Burchard, auf das abgelaufene Etatsjahr 1884/85 einge­lötet, dessen Verlauf derselbe als einen günstigen bezeichnete. Mehreinnahmen sind er­zielt morden bei der Brausteuer mit 2 Millionen, bei der Branntweinsteuer 3V< Mill, ein Ergebnis das finanziell wohl zu begrüßen, wirthschaftlich aber nicht erfreulich ist' Die Rubenzuckersteuer, für die eine Mindereinnahme von 21 Mill. Mark angenommen war, hat ein Mindererträgniß von nur 15 Mill, geliefert. Das Deficit im Etat stellt sich daher nur auf 5 235 000 A, anstatt auf 14 Mill., wie bisher angenommen wurde. Ein Gesetzentwurf über die Reform der Zuckersteuer wird dem Reichstage in den nächsten Wochen vorgelegt werden: an den bisherigen Ausfällen an Einnahmen aus dmier Quelle liegt die Steigerung der Matrikularbeiträge, desgleichen an den wachsenden Mehrausgaben für die Dampsersubvention, den ZoIanschluß Hamburgs und Bremens, das Heer und die Marine. Deshalb wird außer der Einnahmevermehrung durch eine Reform der Rübensteuer bei aller Fürsorge für die Aufrechterhaltung der Spiritus- rndustrie eine Einnahmevermehrung aus dem Branntwein gesucht werden müssen, a-n r Abg. v- Huene (Centrum) erklärte Namens seiner Partei, die geforderten Mehrausgaben zur Verstärkung der Wehrkraft, besonders an den Grenzen, bewilligen zu wollen, um so genauer müsse aber geprüft werden, ob die dauernden Ausgaben nicht beschränkt werden können. Die Kolonialpolitik hat etwas schwindlig Machendes an sich; viele Mehrausgaben hat sie zur Folge gehabt, die Küstenvertheidigung hat verändert werden müssen, weil unsere Schiffe die Kolonien beschützen, und der Bau des Nord-Ostsee-Canals ist nöthig geworden.

Seitens des Abg. Richter (Dfr.) wurde darauf verwiesen, daß die ckleber- weifungcn aus dem Reich an die Einzelstaaten längst von den Erhöhungen an Ma- trikularbeiträgen übertroffen seien. Die Ausführungen des Schatzsekretärs haben dar- gethan, daß die Reichsregierung eine neue Erhöhung der Einkünfte aus dem Tabak beabsichtige, trotzdem in den letzten Sessionen im Reichstag und Abgeordnetenhaus dies von den Regierungsvertretern in Abrede gestellt worden sei. Daniit wird nur eine Etappe zum Monopol etablirt. Die deutsch-freisinnige Partei hat stets die Ausgaben für die Sicherung der Wehrkraft bewilligt, es fragt sich nur, ob nicht an anderen Stellen gespart werder^kann, so besonders bei den Commgndozulagen unfcr.fe) den $afeircüioiien. Die Steigerung der Ausgaben für den Marine-Etat von 27 auf 37 Millionen Mark ist allerdings durch die inaugurirte Kolonialpolitik bedingt, aber es ist heute wohl nicht mehr fraglich, ob die Erfolge dabei damit gleichen Schritt halten, ledensalls hat die Störung der Handelsbeziehungen zwischen Spanien und Deutschland mehr schaden gestiftet, als die Carolinen jemals stutzen bringen können. Von Angra Pequena spricht heute kein Mensch mehr, in Kamerun bildet den Hauptimportsgegen­stand der Branntwein, gegen dessen Einführung sich die Missionsgesellschaften bereits auslehnen und in Ostafrika, wo die Grundlage bestehender Handelsniederlassungen fehlt, scheint eine Entwickelung nur durch Aufrechterhaltung der Sklaverei möglich Die neuere Finanzpolitik muß in dem Einmaleins scheitern, an der Ueberbürduna mit neuen Steuern, die das Volk nicht ertragen kann. 0

Schatzsecretär v. Durchard bemerkte hiergegen, daß er von einer höheren Be­steuerung des Tabaks nicht gesprochen hat, sondern nur von den Mehreinnahmen aus der Branntweinsteuer.

Abg v. Maltzahn-Gültz (ks.) und v. Benda (natlib.) betrachteten die Finanz- IaSI freundlicheren Augen und verwiesen darauf, daß es gerade unsere wenn

auch kostspielige Heeresemrichtung gewesen, die den Frieden mit allen Völkern seit 15 Jahren gewährleistet hat und unsere Machtstellung in der Welt hat unterstützen c?nrnCnr; ^o^nialpolitlk ist der Rahmen, den die Reichsregierung im vorigen rncksi überschritten worden und wegen einiger Mißerfolge ist es nicht nothlg, den ganzen Plan deshalb zu verwerfen.

. Abg. Liebknecht (Soc.-Dem.) kritisirte in sehr scharfer Weise die immer sieigende Belastung aller Volksklassm und schilderte in drastischer Weise das reactionäre Wesin der jetzigen Politik an den Dlatenprocessen, den Ausweisungen und dem Anträge ^ü?ahrlge Legislaturperioden. Die Aeußerung, daß die jetzt im Gange befind- lichen Ausweisungen aus Preußen uns vor dem ganzen Auslande geschändet haben brachte ihm einen Ordnungsruf ein. y '

Morgen wird die Debatte fortgesetzt.

Lokales.

G. «iefien; 25. November. ^Sterblichkeit in (Siegen.] Die Sterblichkeit war auch wahrend dep Woch^vom 15. bis 21. November eine geringe, da sich im Ganzen

4,°foSraUe ereigneten, die sich auf'2 Kinder und 5 erwachsene Personen ver- theilten. Beide Kinder hatten den ersten Lebensmonat kaum zurückgelegt und starb das eine an Blasenausschlag, das andere an Darmcatarrh. Als Todesursache bei den Er- wachsenen wurde bezeichnet: Altersschwäche, organisches Herzleiden je einmal, Lungen­schwindsucht zweimal. Ein Mann, der vom Pferde gestürzt und dadurch unter den von ihm gefahrenen Wagen gerathen war, erlag den erlittenen inneren Verletzungen. ... ®Wn, 25. November. Am vergangenen Mittwoch hielt der landwirthschaft- Schn^e7l" i>7dcr Brandgasse^ab" Herbstsitzung in feinem Vereinsloka- bei Herrn

Der Verein zählt beiläufig bewerft, nahezu 100 Mitglieder. Die Sitzung war Se.?u(J ,onft *Ä1,ftnrL6^11*t Auch die zahlreichen auswärtigen Mitglieder, bk mm Theil schon am frühen Nachmittag die Bahn benutzen müssen, um ber Sitzung bett wohnen zu können, warm stark vertreten. 9 9 D

. . 2"?.erster Gegenstand der Besprechung standen die Staßfurther Abraum-

salze aus der Tagesordnung. Herr Pxof. Th. betonte die besondere Wichtigkeit derselben für viele unterer Kulturpflanzen und rieth eine sorgsame Auswahl unter dm mannia- )ßen '$Uin Bersandt kommenden Salzen an. Wichtig sei für den Landwirth nur der Gehalt jener Salze an Kali, die Magnesia spielt eine untergeordnete Rolle alle übrißen Substanzen in jenen Salzen seien als Ballast anzusehen. ' Dn6CU

mif curderer Seite wurde darauf aufmerksam gemacht, daß eben Reisende vielfach

Otaßfurther Salze zum Düngen verkaufen an Landwirthe, die sich sehr

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, c Iüul^ von einem Mitgliede der Antrag gestellt allen Wif

ging wohl mit dem Bewuütsein np-ps, $ n a? ^l)eilnehmern vorüber und jeder laudwirthschaftlichem Gebiete erhaltm und gegebm ^ü"haben?E d°rwärisstreben auf iDurbe®e*mr$o7mittogCeültCr6tränarbe\tebrnnn<5traOner.nAean86ÖvS unb Butzbach Schnellzuges erfaßt und total lerriilen S m Gambach von der Maschine des fahrenden Güterzuge ausweichen und 'fvr^naIPoIIrte.?em nad) Frankfurt von Frankfurt kommend^Scknellrua bernnÄ-, Ä Nebengeleise, auf welchem der Verderben, indem dieselben bk SbMun/TerunUr'fpra®gen" £ 2trbeiter entrannen bent

Telegraphische Depesche«.

Wolff'S telegr. Corvespondenz - Bureau.

Berlin, 24 November. Die deutsch-freisinnige Partei des Reichstags bean- Deckrattonen zum ÄLis Rechtswegs in Zollstreitsachen, sowie den Erlaß von

Breslau, 24. November. In dem Processe Fiskus gegen Kräker wurde hna Urtbed heute publicirt. Das Gericht meist die Klage zurück, weil Artikel 32 der Ver- fassung em Verbot der dlrecteu Annahme von Privatmitteln nicht enthalte.

Wien, 24. November. Im Ministerium des Auswärtigen fand beute eine B-rathung wegen Aushilfe aus dem Gebiete beS Sanitätswesens aus dem Kriegsschäu- vlage ftatt, an welcher Vertreter verschiedener Hilsscorporationen theilnahmen. 3!ach dem Berichte der einzelnen Korxerschaiten über die bereits getroffenen oder vorbereiteten .yllssmaßiiahmen wurde befchloueu, bie weitere Durchführung der Hilfsactm» i dk

®c.r -mzelnen Koroerfchalten zu legen. DaS Ministeriuin des Auswarttgen welches d,e Angelegenheit in Nicht offtcieUet Weife leitet, sagte bie ersorderlichen Auft klarungm und Vermittelungen zu. iu1vcimu#c1i Am-

Paris, 24. November. Grevy unterzeichnete heute ein Decret, welches Laboulave zum Gesandten in Madrid und Billot zum Gesandten in Lissabon ernennt Brisson sprach sich heute dabm aus daß die Regierung die Zahl der Truppen in Tmigkina vermindern unh es dahm bringen wolle, daß die Einnahmen von Tongking die Aus- Die Regierung denke nicht an Räumung. Die Politik, welche den dem- y^uctiu0 Truppen bezwecke, Ware verhängnißvoll, da die Ehre Frankreichs lutere ^lnme. Wenn man em derartiges Unternehmen begonnen, müsse inan es zu

Ende fuhren. Monarchisten und Republikaner' müßten sich in ihrer patriotischen p^wen, daß die Räumung Tongkings dem Prestige und der diplomati chen Frankreichs schaden werde. Bezüglich Madagaskars würde vor Januar keine Entscheidung zu treffen sein, da noch Verhandlungen im Gange seien.

I PariS, 24. November. Die Bureaus der Deputirtenkammer wählten heute die Commijsiou von 33 Mitgliedern zur Vorberathung der Creditforderung für Tongking. Die Commission besteht aus 10 Mitgliedern der Rechten und 23 der Linken. Die Mitglieder der Rechten der der Linken angehörenden Mitglieder sind für eine sofortige oder in einer bestimmten Zeit zu vollziehende Räumung von Tongking, die übrigen Mitglieder sind für eine Occupation. Der Minister Goblet erklärte in seinem Bureau, die Regierung müsse jeden Gedanken an eine Räumung zurückweisen.

London, 24. November. Seitens der hiesigen deutschen Colonie wurde gestern für den Grafen Münster ein Abschiedsessen veranstaltet, an welchem gegen 200 Per­sonen theilnahmen. Baron Schröder präsidirte und hob in seiner Ansprache die Ver­dienste des Grafen Münster um die deutschen Humanitätsvereine Londons hervor. Ein Hoch auf den Kaiser Wilhelm fand begeisterten Widerhall: ein weiterer Toast galt dem Grafen Münster.

Petersburg, 24. November. In Kronstadt ist die Schifffahrt geschlossen. In Rostov ist der Don mit Eis bedeckt. Auf dem Dnieper bei lltikolajeff ist Eisgang. Hier herrschen sieben Grad Kälte.

Bukarest, 24. November. Nachrichten aus Kalafat zufolge concentrireu die Serben ihren Angriff auf das Dorf Capitanovice, wo ein lebhafter Jnfanteriekampf stattfindet. Der herrschende Rebel verhindert eine genaue Observation.

Belgrad, 24. November. Officielle Mittheilung: Die serbische Armee griff gestern die bulgarischen Verschanzungen an und wurde nach erbittertem Kampfe zurückgeworfen. Hierauf zog sie sich in die Stellungen bei Zaribrod und Trn zurück.

Belgrad, 24. November. Die Armee zieht sich fortgesetzt nach der Grenze zurück und bezieht fejte Positionen, bis Verstärkungen zur Wiederaufnahme der Offensive ein­getroffen sein werden. Die Timokarmee unter General Leschjanin, stellte über Belgradcik die Verbindung mit der Südarmee her. Heute sind vier Bataillone der zweiten Reserve von hier per Eisenbahn nach Nisch abgegangen.

Sofia, 24. November. Amtliche Depesche des Fürsten: Die Truppen bwouakirten vergangene Nacht in den eroberten Positionen. Sie begannen heute früh wieder den Kampf, verfolgten den Feind und besetzten Zaribrod, wo ich mich auaeu- blicklich befinde.

Sofia, 24. November. sTelegramm derAgence Havas".^ Nach einer Privat Meldung hätten die Serben Widdin in Brand geschossen.

Konstantinopel, 24. November. Der bisherige Attache bei der türkischen Botschaft in Berlin, Aram Bagdadlian Effendi, ist zum türkischen Consul in Patras ernannt worden.

Petersburg, 24. November. DasJournal de St. Petersbourg" glaubt zu misten, daß auf Anregung Rußlands unmittelbar ein Schritt ber' Machte bevorstehe uni die Einstellung der Feindseligkeiten herbeizuführen. Das Journal hofft, daß die beiden Negierungen, obwohl sie wenig fähig seien, den Leidenschaften zu widerstehen die wirklichen Interessen ihrer Völker endlich erkennen und von den Intentionen der Machte, rote es schon der Fall sein soll, in aller Form in Kemstniß gesetzt, von selbst den Degen in bie Scheide stecken werden.

Konstantinopel, 24. November. Die gestrige Sitzung der Conferenz blieb ohne Ergebniß, da White, der Vertreter Englands, noch ohne Instructionen war. Die nächste Sitzung findet Mittwoch statt.

. AL Fürst von Bulgarien hat die türkische Note vom 21. d. M., in welcher em Waffenstillstand vorgeschlagen wird, gestern beantwortet. Er weist als ein fein Land vertheidigender Soldat den Vorschlag zurück, weil derselbe der Ehre und Würde der bulgariidjen Armee zuwiderlaufe, namentlich nach dem ungerechten Angriffe Serbiens Nach den von bulgarischer Seite gebrachten Opfern und nach dem ver­gossenen Blute will Zllexander von einem Waffenstillstände erst auf serbischem Gebiete Ijor-en. Er muchl ichltetzlich. die Frage nach Entsendung eines Commissars bis nach dem Knege zu vertagen.

Athen, 24. November. sTelegramm des Reuter'schen Bureau.1 Die Pforte ließ der griechischen Regierung eine Note zugehen, worin sie um Aufklärung wegen der Riütungen erjudjt. u u

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