Erledigt sind: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heppenheim a. B. mit einem Anfangsgchalt von 1000 Jl. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Stelle an der Gemeindeschule zu Rockenberg mit einem Gehalt von 900 dl.__________________________
Uom sechsten deutschen Turnfeste.
Dresden war in den Tagen vom 18. bis 22. Juli der Schauplatz eines glänzend gelungenen nationalen Festes, an welchem die deutsche Turnerschaft zugleich das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens feierte. Den fünf Feststädten Coburg, Berlin, Leipzig, Bonn und Frankfurt a. M. hat sich Dresden in würdigster Weise angereiht. Die Stadt hatte sich zum Empfange der Gäste herrlich geschmückt und imposante Festräume und Turnplätze hergerichtet. In Hellen Schaaren waren die deutschen Turner nicht nur aus allen Gauen des deutschen Reiches, sondern auch aus Oesterreich, England, Holland, Italien, Paris, Belgien, Schweden, Norwegen, Finnland, Schweiz, Ungarn, Moskau und Petersburg, sogar aus Amerika und Australien herbeigeeilt, nm Zeug- niß dafür abzulegen, daß das Turnen überall, wo deutsche Männer wohnen, eine stark nationale Gewohnheit und ein Gemeingut der Nation geworden ist.
Schon am Samstag boten die festlich geschmückten Straßen Dresdens ein belebtes Bild. Von allen Bahnhöfen kamen die Turnbrüder. Besonders glänzend gestaltete sich der Empfang der Oesterreicher, die auf 3 Elbdampfern ankamen und schon in Schandau, Königstein und Pirna herzlich begrüßt worden waren. Das zahlreiche Erscheinen der Oesterreicher bildete recht eigentlich das politische Element des Festes; sie waren gekommen, um neue Kraft für ihr deutsches Volksthum zu schöpfen und werden nicht nur selbst in gehobener Stimmung in ihre Heimath zurückkehren, sondern haben auch weithin Sympathien für ihre nationalen Bestrebungen verbreitet. Wer diese kräftigen Gestalten in strammer Haltung und fester Ordnung im Festzuge dahinschreiten sah, wird den Eindruck erhalten haben, daß dieselben sich ihr Deutschthum nicht verkümmern lassen werden. Der Druck, der jetzt auf ihnen lastet, hat bewirkt, daß sie allen früheren Hader unter sich vergessen haben und nur um so fester geeinigt dastehen.
Der Festzug war einer der glänzendsten, die in den letzten Jahrzehnten gesehen worden sind und mit genialer Umsicht geordnet. Die Zahl der theilnehmenden Turner wurde auf 16- bis 20,000 geschätzt. Die Turnübungen auf dem Festplatze wurden in Gegenwart des säsischen Königspaares, sämmtlicher Staatsminister und der Spitzen der Behörden mit größter Präcision ausgeführt. Vor Allem boten die Freiübungen mit dem prächtigen Aufmarsch und sodann die Arm- und Handbewegungen, Kniebeugungen, Ausfälle von etwa 4000 Turnern das Bild höchster Vollendnng. Die Freiturner waren in 64 Reihen aufgestellt. An die Freiübungen schlossen sich die Musterriegen. Alles in Allem turnten 108 Riegen zu je 18. Die Hebungen auf Barren, Reck und Stab gingen sehr flott von Statten und ernteten rauschenden Beifall. Die Hebungen selbst dauerten am ersten Festtage von 4 Uhr Nachmittags bis gegen 9 Uhr, dann schlossen sich noch Spiele an. Am zweiten Festtage begann früh 7 Uhr das Wettturnen und Musterriegenturnen. Gerade diese Hebungen, an denen das Publikum das größere Interesse nahm, bildeten den eigentlich belebenden, belehrenden und erfrischenden Grundzug des festlichen Zusammenseins.
Die Turntage in Dresden bekunden in erfreulicher Weise, daß überall, wo Deutsche wohnen, der Jüngling wie der Mann durch stetige Hebung und Ausbildung seiner Körperkraft nicht nur sich selbst, sondern auch dem Vaterlande zu dienen bestrebt ist. Mit Recht betonte der Oberbürgermeister Dr. Stübel, daß die deutsche Turnerschaft in erster Linie berufen erscheine, die Organisation allgemeiner deutscher Feste in die Hand zu nehmen, nationaler Feste, bei denen des Sängers Kunst natürlich nicht fehlen dürfe und an welchen Männer aller von treuer Liebe zum Vaterlande getragener Parteien, unbeschadet ihrer politischen Grundsätze, mit Freude sich betheiligen. Es würde ein bedauerlicher Jrrthum sein, wollte man annehmen, daß nach erfolgter politischer Einigung des Vaterlandes solche Feste entbehrlich seien, sie sind vielmehr nöthig, um nicht nur den Patriotismus zu beleben und die Verschiedenheiten der deutschen Stämme auszugleichen, sondern auch, um auf die vielfach entgegengesetzten Strömungen im politischen und wirthschaftlichen Leben des deutschen Volkes vermittelnd und versöhnend einzuwirken. Dieser Zweck ist vom sechsten deutschen Turnfeste in Dresden wirklich erreicht worden und die Einigung der deutschen Männer in erhebender Weise zum Ausdruck gekommen.
Vermischte 4.
* Hameln a. d. W. Während jetzt, am Höhepunkte der Reisesaison, der Rhein, der Harz, Thüringen oder andere Hauptziele der Touristenwelt überfüllt sind von all Denen, welche für eine kurze Zeit Erholung suchen, ist die Weser davon ziemlich unberührt geblieben. Unb doch verdient dieser Strom, namentlich in seinem oberen Laufe, von Münden bis Hameln, weit mehr als es bis jetzt geschehen ist, das Interesse des Touristen. Mag die Weser an Großartigkeit der Ufer, an imposanter Mächtigkeit des Stromes von dem Rhein übertroffen werden, sie ersetzt das reichlich durch die eigenartige Schönheit ihrer Hserlandschaften. Prachtvoll bewaldete Berge wechseln ab mit schroffen Felspartien, blühenden Städten nnb Dörfern und eine Dampferfahrt auf der Weser bietet des unerwartet Schönen so viel, daß Jeder, der ein offenes Auge für Naturschönheiten besitzt, im vollsten Maße befriedigt fein wird.
Der Besuch des Wesergebietes ist durch eine neuerdings getroffene Einrichtung ganz wesentlich erleichtert, es werden an den Stationen Hannover, Cassel, Hildesheim, Münden, Göttingen, Hameln Rundreisebillets mit 25pCt. Fahrpreisermäßigung und 3 Taaen Gültigkeit ausgegeben, wodurch auch weniger Bemittelten die Möglichkeit eines Ausfluges in das herrliche Weserthal gegeben ist.
Besonders empfehlenswerth sind die Touren von Cassel bezw. Münden per Dampfer nach Hameln, von da per Balm über Pyrmont, Altenbeken, Warburg nach Cassel zurück oder per Bahn nach Fürstenberg, einem der interessantesten Punkte an der Weser, weiter nach dem 1 Stunde entfernten Höxter mit der berühmten Abtei Corvey und von da per Dampfer nach Hameln und ebenfalls über Pyrmont, Altenbeken zurück. Die längere Dauer der Billets ermöglicht es, von Hameln aus Ausflüge in die prachtvolle Umgegend, namentlich nach deut Hermanns-Denkmal und den Ertern- steinen zu machen; jede Tour ist überaus lohnend und wird stets den Eindruck Hervorrufen, daß diese herrliche Landschaft noch lange nicht genug gewürdigt wird.
— Waschbarer Kalkanstrich.) Nach den „Jnd. Bl." wurde I. Resenschek in München ein Patent auf die Herstellung waschbaren Kalkanstriches gegeben. Die hierzu verwendete Anstrichmasse besteht aus drei Theilen Kiesel, drei Theilen Marmorbruch und Sandstein, zwei Theilen gebrannter Porzellan-Erde und zwei Theilen gelöschten Kalkes. Beliebige mit Kalk verwendbare Farbstoffe werden beigesetzt; durch wiederholtes Begießen wird diese Mischung steinhart, ohne an Porosität zu verlieren.
— [Das carrirte Ungeheuer.) Aus Antwerpen wird berichtet: Als Kläger erscheint der englische Kaufmann Berton und erzählt seine Abenteuer aus der Ausstellung. „Es war vor einigen Wochen, ich promenirte mit einem Freunde lind sagte, auf die halbfertige Ausstellung hinweisend: „Das ist rein nichts, schade um die Reise." Darauf stürzt Mynher van der Velde von seinem Kasten auf mich zu und prügelt mich unter allgemeiner Acclamation längere Zeit, wobei er unaufhörlich wüthend ruft: „Ich werde dich schimpfen lehren, carrirtes Ungeheuer!" Acht Tage konnte ich mich nicht rühren und da heißt man die Holländer ein ruhiges, friedliches Volk." Der Angeklagte meint erbittert: „Unsere Ausstellung ist tadellos, meine Leinengewebe machen Sensation, er schimpfte, da erwachte bei Patriot in mir und ich prügelte ihn. Vaterlandsliebe kann man Niemandem zum Vorwurf machen." Ter Gerichtshof ver- urtheilt den feurigen Holländer zu acht Tagen Arrest. Derselbe bittet um Strafaufschub bis nach Schluß der Ausstellung und motivirt dies mit den Worten: „Ich mutz den Fremden in der Ausstellung die Honneurs machen." Der Richter gewährt die Bitte und meint unter dem Beifalle des Auditoriums: „Aber nicht in derselben Weife wie Mr. Berton."
— Viel Glück mag man einem Berliner Posamentier R. wünschen, der um die Erlaubniß nachgesucht hat, bet Magdeburg nach einem angeblich 1813 von Napoleon dort vergrabenen Krieasschatze suchen zu dürfen. N. will den Platz, wo derselbe ver graben fein soll (von seinem Großvater) ganz genau wissen. Die Commandantur hat dem Mann in der That die Erlaubniß zu Nachgrabungen unter der Bedingung ertheilt, daß er dieselben auf seine Kosten ausführen und den etwa aufzufindenden Schatz nach Abzug des gesetzlichen Finderlohnes an den Militärfiscus abliefern wird. Angeblich sollen 24 Kanonenrohre mit Gold gefüllt vergraben sein!
Das Dorkommen von Diehsenchen im Großherzogthnm Hessen
während des Monats Juni 1885.
Rotzkrankheit: In Folge früherer Feststellungen der Seuche stehen noch als der Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung: 7 Pferde in Gießen, 3 Pferde eines Besitzers in Seligenstadt, 4 Pferde, von denen je 2 einem Besitzer gehören, in Klein - Krotzenburg 4 Pferde, von denen je 2 einem Besitzer gehören, in Offenbach; ferner stehen 2 Pferde eines Besitzers als der Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung und 1 Pferd desselben Besitzers als der Seuche verdächtig unter Stallsperre in Hainstadt, im Kreise Ostenbach.
Außerdem stehen noch 4 Pferde eines Besitzers in Neckar - Steinach, im Kreise Heppenheim, als der Ansteckung verdächtig unter polizeilicher Beobachtung, weil sie mit einem rotzigen Pferde in Baden in Berührung gewesen sind.
In Bürgel, im Kreise Ostenbach, wurde das noch vorhandene der Seuche verdächtige Pferd am 27. Juni getödtet und rotzig befunden.
Milzbrand wurde festgestellt in Großen - Linden, im Kreise Gießen, am 30. Juni bei einem crepirten Rind, in Alsfeld am 7. Juni bei einem geschlachteten Rind, in Münzenberg nnd Garnbach, beide im Kreise Friedberg, am 2., bezw. am 16. Juni* bei je einem crepirten Rind, und in Viernheim, im Kreise Heppenheim, am 9. und am 14. Juni, jedesmal bet einem crepirten Rind; ferner in Schwickartshausen, im Kreise Büdingen, in Humrnetroth, Mittelkinzig und Hetzbach, im Kreise Erbach, bei Schweinen.
Lung enseuche: In Kelsterbach, im Kreise Groß-Gerau, stehen noch in einem Stalle 3, in einem anderen Stalle 1 Stück Rindvieh wegen Verdachts der Ansteckung unter polizeilicher Beobachtung.
Die Maul- und Klauenseuche wurde conftatirt im Kreise Worms in Osthofen am 26. Juni und in Abenheim am 27. Juni, ferner in Castel, im Kreise Mainz, am 30. Juni.
Der Blächenaitsschlag in Alsfeld und Reimenrod, im Kreise Alsfeld, ist wieder erloschen. Fortbesteht die Seuche noch in den Orten des Kreises Alsfeld, Leusel, Angenrod und Schwabenrod, ferner in den Orten des Kreises Gießen, Queck- born und Reinhardshain.
Conftatirt wurde die Seuche am 5. Juni in Hausen, im Kreise Offenbach.
Die Räude gilt als noch vorhanden unter den Schafen in Villingen, int Kreise Gießen, in den Orten Wenings, Dauernheirn, Bergheim, Wallernhausen, Ranstadt, Eckartsborn und Lorbach, im Kreise Büdingen; in den Orten Eulersdorf, Eudorf, Heidelbach, Ruppertenrod und Merlau im Kreise Alsfeld; in den Orten Hörgenau und Maar, im Kreise Lauterbach und in den Orten Hlrichstein, Michelbach und Burkhards im Kreise Schotten.
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