Ausgabe 
25.10.1885 Viertes Blatt
 
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Lokale-.

GittztN, 24. Octobcr. fStadtoerordnetensitzung vom 22. October, Nachmittags 4 Uhr.j (5s waren erschienen: Herr Bürgermeister Bramm, die Herren Bei­geordneten Keller und Heß, sowie die Herren Stadtverordneten Bai st, Georgi, Grünebcrg, Dr. Gutfleisch, Hoch, Homberger, Kauf, Aug. Noll, Petri, Scheel, Schopbach, Simon und Vogt.

Von den zur Berathung vorliegenden 7 Punkten der Tagesordnung wurde Punkt 1, Ausbau der W.estanlage, nach Vorschlag der Bau-Deputation genehmigt, die definitive Beschlußfassung über Punkt 2, Erbauung eines Steighauses, hier speciell die Vorlage eines den Verhältnissen entsprechenden Planes, bis zur Entscheidung über die Platzfrage von Seilen der Baucommission ausgesetzt.

Punkt 3, Gesuch desArchitecten Huhn um Erlaubniß zur Ueberbrückung des Schoorgrabens an der Nordanlage, wird unter den üblichen Bedingungen genehmigt; desgl. Punkt 4, Planirarbeiten auf dem Kirchhofe, im Gesammt- detrage von etwa 320 JL

Wegen Punkt 5 der Tagesordnung wurde Beschlutzfafiung ausgefetzt.

Punkt 6, Festsetzung des Preises für Sand aus der Sandgrube im Stadtwalde, wird beschlossen, den Preis für einen Wagen Sand, mit 2 Ochsen be­spannt: a) aus der Grube am Weißenberg auf 1 JL und b) aus der Grube am Sandberg auf 60 H zu bestimmen. , , c _

Punkt 7, Vergebung von Waldwegbauarbertcn aus der Hand, wird nach den vorgelegten Preisen gutgeheißen.

Schluß der öffentlichen Sitzung %5 Uhr.

Universität- - Chronik.

Bei der Uebernahme des Rectorats an der Breslauer Universität kam der neue Rector Professor Dr. Seuffert am Schluß seiner Antrittsrede zu folgender allgemeinen Ermahnung an die gesammte akademische Jugend:

Nicht oft genug könne ihr Selbstverleugnung in der Arbeit an's Herz gelegt -werden. Die Eommilitonen sollten freudig und zuversichtlich den dargebotenen Wissens­stoff annehmen, wenn auch der praktische Nutzen nicht sofort erscheine. Es sei erklär­lich, daß die Zeit der großen Ereignisse, die zunächst hinter uns liegt, auch den Sinn der Jugend auf den Erfolg richte. Aber die praktische That und der Erfolg, fie ge­hörten dem fertigen Mannesalter.Die Jugend ist die Zeit des Lernens und der Ideale." Der Anfang des Jahrhunderts, unsere Väter und Großväter, fie waren in der Verfolgung ihrer Ideale vielleicht zu weit gegangen. Es ist eine natürliche Ent­wickelung, daß der Rückschlag gekommen ist und eine nüchterne, den Erfolg berechnende Leit die Führung übernommen hat. Aber der Rückschlag ist wohl zu heftig aewesen, er hat sich zu weit in die Jugend erstreckt. Heute ist es wieder d:e Aufgabe der aka­demischen Lehrer, die jungen Freunde an eine ideale Auffassung des Lebens zu ge­mahnen. Unter Wiederholung eines Gedankens, den Sir Robert Peel vor etwa 50 Jahren beim Antritt des Ehrenamtes eines Lord-Rectors der Universität Glasgow ausgesprochen, ermahnte Redner die Eommilitonen dazu, sich zu bestreben, den Segen her Arbeit zu erfassen. Vor Allem aber sollten sie stets eingedenk sein, daß sie auch während der schönen Freiheit der Universitätszeit Pflichten hätten, daß sie die Pflicht des Lernens, des Sammelns, der Vorbereitung für ein ganzes Leben zu erfüllen hätten.

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Bei der Lebensversicherungs- und Ersparniß-Bank in Stuttgart sind im Laufe dieses Jahres 3482 Versicherungsanträge mit JL 20,127,160 eingegangen, davon fanden 2985 Anträge mit JL 16,481,000 Annahme. Der Gesammt-Verficherungsstand erreicht pro Ende September 235 Millionen JL. Die Jahres-Einnahme an Prämien und Zinsen beträgt dermalen über 10 Millionen Durch den Zugang an neuen Versicherungen steigt solche alljährlich um ca. JL 600,000. In Folge Sterblichkeit waren bis Ende September 512 Fälle mit 2,283,700 zu regeln. Dieses Ergebnrß wird als verhältnißmäßig günstig bezeichnet. Die Ueberschüsse werden ungeschmälert an die Versicherten zurückvergütet.

Berlin. Der königliche Förster vom Forsthaus Tegel hatte einem hiesigen Zahnärzte einen mit Trichinen durchsetzten Schinken zum Geschenk gemacht, durch dessen Genuß die gesammte Familie des Zahnarztes mehr oder minder schwer an der Trichinosis erkrankt war, welcher die Ehefrau sogar erlegen ist. _ Da das Schwein, von dem der verhängnißvolle Schinken herstammte, einem Fleischbeschauer nicht zur Unter­suchung übergeben worden war, so wurde eine Anklage gegen den Förster erhoben, welche auch eine Verurtheilung desselben zur Folge hatte. In der betreffenden Gerichts­verhandlung erklärte der Angeklagte, daß aus der Abdeckerei in der Müllerstraße Ratten in großer Anzahl nach Tegel kämen und daß seine Schweine auf diese Natten Jagd gemacht und sie mit Vorliebe gefressen hätten und daß aller Wahrscheinlichkeit nach auf diesen Umstand die Trichinosis der betreffenden Schweine zurückzuführen sei. Auf Grund dieser Erklärung hat nun das königliche Polizei - Präsidium auf der Ab­deckerei Ratten einfangen und auf Trichinen untersuchen lassen und diese Untersuchung hat in der That ergeben, daß diese sämmtlichen Ratten mit Trichinen durchsetzt ge­wesen sind.

Coblenz, 23. October. Eine recht auffällige Notiz, die aber dennoch wohl nicht nach ihrem ganzen Ernste gewürdigt wird, läuft eben durch die rheinische Presse. Dieselbe bietet zwar nur einige Zahlen, aber diese reden eine schlimme Sprache, denn sie beweisen, daß die schöne und allgemein als so reich geltende Rheinprovinz in den unteren Stufen ihrer Bevölkerung in einer fortschreitenden Verarmung begriffen ist. In des Wortes allerschlimmster Bedeutung braucht zwar dies Wort nicht verstanden zu werden, aber es haben doch in allen Städten die Aufwendungen an die Armen sehr erhöht werden müssen, denn dieselben stiegen seit 18791884 nach runden Tausenden in Aachen von 564 auf 611, in Barmen von 312 auf 373, in Crefeld von 208 auf 297,, in Bonn von 114 auf 155, in Düsseldorf von 285 auf 336, in Elberfeld von 402 aus 484. in Essen von 194 auf 250, in Coblenz von 87 auf 124, in M.-Gladbach von 124 auf 150, in Trier von 174 auf 193. Man sieht deutlich, daß die Gegenden mit starker Fabrikbevölkerung am meisten im Rückgänge sind. Nun kommen aber auch aus den Weinbaugegenden andauernd ähnliche Klagen, denn die Reblaus rühmt ganze Districte und mehr noch der leider wieder sehr bedeutende Ernteausfall, der fast überall am Mittelrhein zu beklagen ist. e c . v ,r. c

Wie die Sache im nächsten Jahre werden wird, mag der Himmel misten, denn bereits ist auch die Entwicklung der geflügelten Reblaus unter dem Erdboden in den letzten Tagen außer Zweifel gestellt worden, wahrscheinlich als Folge des wärmeren Klimas des Rheinthals. Bis jetzt ist auch die Nachfrage nach dem 1885er noch auffallend schwach, wohl weil der Handel die hohen Preise scheuen wird und weiß, daß durchgehends nur eine Drittel- und Viertel-Ernte gemacht wird.

Um die rheinische Landwirthschaft nachdrücklicher zu fördern, hat der Provinzial- Verwaltungsrath für die nächsten vier Jahre für gut eingerichtete Bauernwirthschaften jährlich zusammen 3000 JL Prämien ausgesetzt, bestehend aus 10 einzelnen Thellen, doch muß der Wirthschaft auch eine geordnete Buchführung zu Grunde liegen. Für manchen biederen Landmann mag darin doch der Antrieb zil größerem Tintenverbrauch im Interesse der Ordnung liegen.____________

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Betrages.

Gießen, den 24. October 1885.

Schulstraße,

für die Sechszehnjährigen im Saal der HL Klasse im Schulhaus

Der Stadtrentmeister:

GnderS.

Neustadt.

Sämmtliche Schüler wollen sich mit Feder und Papier versehen.

Etwaige Gesuche um Dispensation sind rechtzeitig bei Großh. Schulkommission Gießen einzureichen.

Wir ersuchen nunmehr die Meister, Lehrherrn und Arbeitgeber, die ge­setzlich verpflichtet sind, ihren Lehrlingen und Arbeitern die zum Besuch der Schule nothwendige Zeit einzuräumen, diese aus die Wichtigkeit des Unterrichts in der Fortbildungsschule aufmerksam zu machen und sie zu einem pünktlichen und regelmäßigen Besuch derselben anzuhalten.

Für die Schüler, die am Abend nicht abkommen können, soll, wenn fie sich in genügender Zahl melden, Tagesunterricht eingerichtet werden.

Gießen, den 22. Oktober 1885.

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Friedrich Leo, Seltersweg 71. 5288

Auf Burg Gleiberg sind die Weine im Glas zu haben.

Montag, den 26. Oktober, Abends 8 Uhr, beginnt die Fortbildungsschule ihren Unterricht in diesem Winterhalbjahr. Zum Besuch derselben sind alle diejenigen jungen Leute verpflichtet, die in den letzten drei Jahren aus der Volksschule entlassen worden sind.

Die Prüfung und Eintheilung in Klassen erfolgt für die Vierzehnjährigen im Saal der III. Klasse im Schulhaus am Asterweg,

für die Fünfzehnjährigen im Saal der V. Klasse im Schulhaus

Bei dem Besuche dieser beiden Schulen durch inehrere Kinder derselben Eltern ermäßigt sich das Schulgeld für das zweite Kind auf zwei Drittel, für das dritte und jedes folgende auf die Hälfte des für ein einzelnes Kind zu zahlenden Betrages.

c. für die Stadlknaben- und StadtmädcheN'Schule 1 Mk.

Bei dem Besuche dieser Schulen durch mehrere Kinder derselben Eltern ermäßigt sich das Schulgeld für das zweite Kind auf drei Viertel, für das dritte und jedes folgende auf die Hälfte des für ein einzelnes Kind zu zahlenden

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Bekanntmachung.

Die Schulgelder für die höhere und erweiterte Mädchenschule, sowie für die Stadtknaben- und Stadtmädchenschule pro II. Quartal 1885/86 können in den nächsten 8 Tagen an den Zahltagen: Dienstag, Donnerstag und Samstag noch ohne Kosten zur hiesigen Stadtkasse bezahlt werden.

Das Schulgeld beträgt von einem Kind:

a. für die höhere Mädchenschule:

Für den Schulvorstand Gießen:

A. Bramm, Bürgermeister. Vigelius, Director.

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