erfüllen. Die Deputirten nahmen die Botschaft mit begeisterter Zustimmung auf. — Eine ungeheure Menschenmenge begrüßte den König, als er die Kammer verließ.
Athen, 23, October. (Meldung der „Ag. Havas"). Gestern überreichten die hiesigen Gesandten dem Minister des Auswärtigen eine schriftliche identische Mittheilung, worin sie Griechenland auffordern, die Folgen von Schritten zu ermessen, welche geeignet seien, die friedliche Aufgabe der Mächte zu erschweren und worin sie Griechenland verantwortlich machen, falls es weitere Wirren Hervorrufen sollte.
totales»
*>* Gießen, 24. October 1885. Am Sonntag den 1. November d. I. wird nun auch unser Eoncertverein die diesjähtige Saison eröffnen und stellt uns ein Künstlertrio in Aussicht, welches sowohl durch seine Leistungsfähigkeit, wie durch seine verschiedenartige Altersstufe ein ungewöhnliches Interesse in Anspruch nehmen dürfte. Herr Max Schratten Holz (nicht Josef, wie wir s. Z. irrthümlich berichteten) aus London und seine beiden jugendlichen Söhne werden sich in dem Concert zum ersten- male dem Gießener Publikum vorstcllen.
Der Name des Herrn Max Schrattenholz ist in allen musikalischen Kreisen auf's Beste accreditirt, da ihm seine Thätigkeit als Professor des Clavierspiels und der Theorie am Straßburger Conscrvatorium, sowie als Dirigent des Soller'schen Vereins in Erfurt manchen Lorbeer eingetragen hat. Als früherer Zögling des Eölner Con- servatoriums und Schüler von F. Breuning und F. v. Hiller hat er sich mit Recht einen ersten Ruf unter den hervorragendsten Pianisten erworben, welcher neben dem genialen Earl Hevmann, der durch ein tragisches Schicksal der schönen Kunst zu früh. entrissen wurde, aus jener Anstalt hervorgingen.
Seine beiden Söhne, gegenwärtig im Alter von 13 und 14 Jahren stehend, traten bereits in Deutschland und Holland mit Erfolg auf. Sie erregten nicht nur das lebhafteste Interesse des Publikums, sondern fanden auch die beifälligsten Auszeichnungen bedeutender Musikheroen, wie Manuel Garcia, den berühmten Gesangsmeister, Piatti, den illustren Londoner Violocellisten, F. v. Hiller und Franz Liszt. Auch die Kritik der Fachblätter sprach die Ueberzeugung aus, daß die Leistungen der beiden jungen Streichinstrumentalisten — der ältere ist Geiger, der jüngere Violoncellist von denjenigen erwachsener Künstler nicht zu unterscheiden seien und daß die jugendlichen Virtuosen in den größten Eoncerten mit Ehren bestehen könnten.
(Fortsetzung folgt.)
Gießen, 24. October. sTurnlehrer Bohlig über den Nutzen des Turnens.j Wie es unmöglich ist, auch nur annähernd erschöpfend wiederzugeben, über welcherlei Punkte sich der vorgestrige Vortrag des Herrn Ernst Bohlig verbreitete, so dürfte es auch nicht angezeigt erscheinen, sich eng an den äußeren Verlauf der umfangreichen Auseinandersetzungen anzuschließen, da Herr Bohlig durch die Erklärung seiner Demonstrationen vielfach in die Lage kam, von seinem Grundthema auf die benachbarten Gebiete (der Gesundheitslehre, Anatomie) abzustreifen.
Es sei der Berichterstattung darum erlaubt, kurz über den Hauptgedanken des Vortrags zu referiren, dem Herr Bohlig am deutlichsten Ausdruck gab durch die Worte: „Ich bin Agitator für die Turnsache, der leider noch so viele fernstehen. Ich will diese zu gewinnen suchen dadurch, daß ich denselben an mir selbst nachweise, wie weit, zu welcher Kraft, Eleganz, Energie und Gesundheit man es durch schulgerechtes Turnen bringen kann."
Ten ersten Gedanken, es werde leider noch zu wenig geturnt, wies B. auf Grund feiner Erfahrungen nach und fand als Ursachen dieses Uebelstandes etwa Folgendes:
Von der Schule, welche endlich nach heißem mühevollem Kampfe das Turnen unter die obligatorischen Fächer eingereiht habe, sei dennoch nicht zu sagen, daß sie die Turnstunden als gleichberechtigt mit den anderen Unterrichtsstunden ansehe, wenigstens nicht allgemein, denn es gäbe noch eine große Anzahl von Schulmännern, denen bis jetzt das Verständniß für die Turnerei und deren Bedeutung immer noch nicht aufgegangen sei. Viel besser verwandle man manche unnütze Lehrstunde in eine Turnstunde. Auch die Eltern müßten darauf sehen, daß sie in ihren Söhnen kräftige Männer, in ihren Töchtern gesunde Mütter der Station heranzögen; insbesondere den letzteren sei das Turnen vielleicht noch nöthiger als den Knaben; zudem sei man hier in der Lage, doppelten Nutzen zu stiften, wenn man diejenigen Kinder, die musikalisch gar nicht beanlagt seien, anstatt sie und die Nachbarschaft mit der Katzenmusik eines mißhandelten Elaviers zu plagen, mit der allerdings zum „guten Tone" gehörigen Elavicrstunde verschone und sie vernünftige Turnübungen machen lasfe.
Werde nun schon in der Schule das Turnen stiefmütterlich behandelt, so gehe es demselben nach der Schulzeit noch schlimmer. Davon legten beredtes Zeugniß die Turnvereine ab, welche an den wenigen Orten, wo überhaupt solche schon bestünden, meist eine gegen die Einwohnerzahl des Ortes verschwindende Mitgliederzahl und einen noch immer minderen Besuch der Turnstunden zu verzeichnen hätten. Vor allem hielten die sogenannten besseren Kreise das Turnen nicht für fashionabel, Viele stünden demselben auch aus Unkenntniß oder Faulheit fern. Hier müsse unbedingt Wandel ge- ichaffen werden, denn jeder Jüngling und jeder Mann habe die Pflicht, sich durch Turnen zu stärken und zu stählen, weil er die Pflicht der Wehrhaftigkeit dem Vaterlande gegenüber (das Bischen Turnen während der Militärzeit reiche nicht auf die Dauer) habe, weil er verpflichtet sei, sich seiner Familie, für welche er sorgen müsse, zu erhalten. Das Turnen mache widerstandsfähig gegen das frühe Altern.
Dem zweiten Gedanken seines Themas genügte Herr Bohlig, indem er durch seine Productionen und sein ganzes Auftreten zeigte, was ihm das Turnen genutzt habe. Wir beschränken uns darauf, zu konftatiren, daß die Berichte, welche wir über Herrn Bohlig's frühere Leistungen gelesen haben, in keiner Weise zu viel sagten, wenn sie Herrn Bohlig als unübertroffen, vielleicht unübertreffbar schilderten. Nach Schluß des Vortrages wurde Herr Bohlig von verschiedenen Seiten nach seiner Lebensweise interpellirt, worüber er auch bereitwilligst Auskunft gab. Der Grundton seiner Bemerkungen war: Mäßigkeit in Allem, besonders im Schlafen und Trinken.
Wir können nicht umhin, dem hiesigen Turnvereine unseren Dank dafür auszusprechen, daß er uns diesen seltenen Mann zu sehen Gelegenheit gab. Möge Bohligs Auftreten auch in unserer Stadt der Turnsache neue Freunde erworben, alte in ihrer Anhänglichkeit bestärkt haben. —l.
Vermischte-.
Straßburg, 23. October. In der heutigen Verhandlung der Tabakmanufac- tur bezüglich der „schwarzen Hand" stützte der Vertreter der Manufactur sein Recht darauf, daß neben dem Markenschutzgesetz der Artikel 1382 des Code civil bestehe, durch welchen nach französischer Jurisprudenz der illoyalen Concurrenz, wie sie in der Handlungsweise der Beklagten sich documentire, mit Erfolg entgegengetreten werden kann. Die Vertreter der Firma Schaller u. Bergmann begründeten das Recht derselben mit dem formellen Recht des Markenschutzgesetzes und bestritten, gestützt auf ein Urtheil des Reichsgerichts, neben dem Markenschutzgesetz die Anwendbarkeit des obenerwähnten Artikels. Die Publication des Urtheils findet in 8 Tagen statt. (Fr. Ztg.)
(Antwerpener Ausstellung.) Noch wenige Tage und die Weltausstellung wird geschloffen. Die Jury hat ihre Schuldigkeit gethan, mancher Aussteller wird stolz auf seinen Erfolg sein, Mancher betrübt über die unnöthigen Geldkosten und doch keinen Erfolg. Ganz besonders gut bei der Prämiirung ist die Fleisch-Extract Eompagnie Kemmerich, welche einen großen, eleganten Pavillon ausgestellt hatte, weggekommen, indem ihr die Jury nicht nur die G-old en e Medaille, sondern auch das Ehrendiplom verlieh. Eine derartige Auszeichnung ist wenigen Ausstellern geworden, die Eompagnie Kemmerich darf stolz auf ihre Erfolge sein. Die vorzüglichen Produkte wie Fleisch-Extract, Pepton, flüssige Bouillon, haben sich in kurzer Zeit der Beliebtheit des Publikums zu erfreuen und sind die beiden Extracte Liebig und Kemmerich in ganz Europa am meisten begehrt. Der Compagnie Kemmerich, welche nur von Deutschen gegründet wurde und das Recht hat, wie schon die Gartenlaube sagte, eine deutsche Eompagnie genannt zu werden, wünschen wir fernerhin gleiche Erfolge
Theater.
Gießen, 23. October 1885.
Frau Charlotte Lange vom Stadttheater in Frankfurt trat heute zum zweiten 2md letzten Male, wie der Zettel sagte, bei uns auf. Wir bedauern dies entschieden,
denn sie hat doch manchen Umschwung in das Gießener Theaterleben gebracht und auch die Mitglieder selbst hat sie angcfeuert zu regerem Eifer, hingerissen zu wärmerem Ausdruck und emporgehoben zu manchem schönen Erfolg.
Ihre Maria Stuart war eine wirkliche Musterleistung. Die Künstlerin, voller Hoheit und königlicher Würde, vergegenwärtigte alle Gefühlsstimmungen in vollendeter Weise, ihr wohlklingendes Organ von der herzlichsten Weichheit bis zur ganzen Heldengröße stand im besten Einklang mit der Wiedergabe ihrer Rolle. Mit einem Worte, es giebl wenige Darstellerinnen dieser von Friedrich Schiller so lebenswahr gezeichneten Königin, die sich mit Frau Lange messen können.
Nächst der gefeierten Gästin gefiel uns Mathilde Schlüter (HannaKennedy) am besten. Die Dame hatte sich recht gut in ihre Nolle hineingedacht und wurde derselben auch vollständig gerecht.
Cornelia Rheinberger verzeichnete manchen glücklichen Treffer, aber im Großen und Ganzen ist eine Elisabeth nicht für sie geeignet; besonders wenn eine Maria Stuart wie Frau Lange ihr gegenübersteht.
Max Willrodt-Schröder konnte sich als Mortimer gehörig loslasfen unb das that er auch; seine Leistung nahm zwar einen ganz leidlichen Aiffang; dann fing er aber an, alles zu überhasten und spielte die Scene mit Maria Stuart im 3. Act mit einer gewissen Wildheit, die mehr verdarb als gutmachte. Der junge Mann hat Talent, aber die erste schauspielerische Bedingung: „Ruhe" fehlt ihm noch.
Alfred Halm (Leicester) befriedigte meistens. Hermann Flachs land war als Baron von Burgleih etwas zu gutmüthig und halte auch zu wenig vom Staatsmann.
Im Allgemeinen ließ das Ensemble wenig zu wünschen übrig. — a—
— Neber den „Trompeter von Säkkingen", aufgeführt am Königstädtischen Theater zu Berlin, schreibt „Das kleine Journal": Das Königstädtische Theater hat nunmehr auch seinen „Trompeter von Säkkingen" und man kann auch mit diesem Werke sich zufrieden geben. Ein begabter Schriftsteller, Julius Keller, hat mit nur geringer Anlehnung an Scheffel ein wirksames und gesundes Volksstück geschaffen unb gezeigt, daß er auch selbstständig schaffen kann, ohne sein Licht unter den Scheffel stellen zu müssen. In dem ganzen Stücke pulsirt warmes Leben und eine, dem Cha- racter des Stückes angepaßte Sprache läßt die günstige Wirkung noch verstärkt hervortreten. Die Musik ist nicht ohne Anwuth und der Totaleindruck ein sehr günstiger. Deil Leistungen der Damen Conrad, Hüftel und Carlsen und der Herren Anzinger, Neutert und Thimm kann man die Anerkennung nicht vorenthalten, daß sie mit Eifer und Fleiß ihre Aufgaben lösen.
Literarische-.
„Die von uns kürzlich (refp. in Nr. 246) empfohlenen Bücher: Kaiser Wilhelm und feine Paladine und Graf von Moltke sind im Verlage der Renger'schen Buchhandlung in Leipzig erschienen."
Harrdri und Verkehr.
Gießen, 24. October. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund JL 0.95—1.00, Hühnereier 2 Stck. 13—15 Enteneier St. 0—0 H, Käse pr. St. 5—8 X Käsematte 2—3 H, Erbsen pr. Liter 20 X Linsen 30 H, Tauben per Paar 0,45 bis 0,60 H, Hühner per Stück «X 0.90—1.00, Hahnen pr. Stück JL 0.45—0.80, Enten per Stück «X 1.40—1.70, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 H, Kuh- und Rindfleisch 54—56 H, Schweinefleisch 50—60 H, Hammelfleisch 56—64 X Kalbfleisch 48—50 X Kartoffeln per 100 Kilo X 3.00—4.00, Milch per Liter 12—16 X Zwiebeln per Centner JL 3.00—4.00. Weißkraut pr. St. 3—8 X
Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen.
Aufgebote.
October: 20. Der Sergeant im 2. Großh. Infanterie-Regiment (Großherzog) Nr. 116 Heinrich Kaiser mit Eva Karoline Nau, Tochter des Mühlenbauers Heinrich. Nau in Kleinkarben.
Eheschließungen.
October: 21. Der practische Arzt Dr. Emil Hermann Friedrich Wilhelm Alker in Rodheim v. d. Höhe mit Juliane Karoline Melior, Tochter des verstorbenen Rentners- August Melior zu Gießen. 24. Der Instrumentenmacher Richard Anton Gustav Geyer in Alsfeld mit Amanda Gebauer, Tochter des Instrumentenmachers Georg Dietrich Gebauer in Gießen.
Geborene.
October: 12. Dem Möbelhändler Karl Reiber ein Sohn, Fritz Georg. 12. Dem Rollfuhrunternehmer Ludwig Adam ein Sohn, Paul Emil. 13. Dem Schlosser Daniel Kleinke ein ^>ohn. 14. Dem Dienstknecht Philipp Hillgärtner eine Tochter, Elisabethe Johanna. 16. Dem Kaufmann Friedrich Wilhelm August Kurz eine Tochter.. 16. Dem Feldwebel Heinrich Wenzel ein Sohn. 19. Dem Conditor Heinrich Lind eine Tochter.
Gestorbene.
October: 18. Der Großh. Bezirksstrafgerichts-Director i. P. Johann Heinrich Stein, 80 Jahre alt. 19. Der Großh. Pfarrer i. P. Emil Daudt, 79 Jahre alt. 21. Der Zimmermeister Friedrich Graf, 66 Jahre alt. 22. Elisabethe Kern, geb. Claus,. 65 Jahre alt, Wittwe des Landwirths Heinrich Karl Kern in Rieder-Florstadt, 22. Heinrich, IVz Jahre alt, Sohn des Landwirths Heinrich Arnold in Braunfels.
Auszug aus dm Kirchmbächeru der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 21. October. Dr. Emil Friedrich Wilhelm Hermann Alker, praktischer Arzt zu Rodheim vor der Höhe und Juliane Caroline Melior, Tochter des verstorbenen Rentners August Melior zu Gießen.
Getaufte.
Den 18. October. Dem Hilfslademeister August Thierbach ein Sohn, Wilhelm, geboren den 1. August.
Denselben. Dem Kaufmann Edmund Wetter ein Sohn, Wilhelm Carl Johann Rudolf, geboren den 23. September.
Denselben. Dem Glasermeister Georg Luh II. ein Sohn, Heinrich, geboren den den 30. August.
Denselben. Dem Schuhmacher Heinrich Krug ein Sohn, Andreas, geboren den 24. September.
Denselben. Dem Schlossermeister Carl Mit eine Tochter, Bertha Marie, geboren den 25. September.
Denselben. Dem Schlossermeister Carl Schmidt ein Sohn, Wilhelm Friedrich Carl, geboren den 28. August.
Denselben Dem Schmied Ludwig Schneider eine Tochter, Auguste Margarethe, geboren den 4. September.
Den 22. October. Dem Bäckermeister Georg Spieß eine Tochter, Antonie Marie, geboren den 5. September.
Beerdigte.
Den 20. October. Johann Heinrich Stein, Bezirksstrafgerichts-Director i. P., alt 80 Jahre, starb den 18. October.
Den 23. October. Friedrich Graf, Zimmermann, alt 66 Jahre, starb den 21. October.
Für die Hinterbliebenen der mit S. M. Schiff Augusta Verunglückten gingen ferner bei uns ein: Von Fr. Pfr. Kißner 2 X Zusammen 32 X
Weitere Gaben nimmt die Exped. d. Bl. gerne entgegen.
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Die Angeil leidigung ii 12 JL, die bmglichiei zu verbüße des Versa nothwendi klägerin t auch das: Urteil eil Mjer" uei auf falten. Die Mchtigkei llcheilssormel n die Wreckbark scheinigt.
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