erzeugt, bedarf pro Stunde, wie mir Wirthe versichern, nur etwa 160 Gr. Petroleum, in 10 Stunden also für 40 Pfg. Manche Wirthsfrauen treiben tagsüber mit dem gleichen Maschinchen ihre Nähmaschine oder einen Gartenspringbrunnen und setzen Abends die Musik in Gang, die jetzt viel weniger kostet als die Feder-Instrumente, io daß die Differenz allein schon mehr ausmacht als der Motor kostet. Das ganze Dampfmusikwerk mit 12 flotten Tänzen, also der volle Ersatz für eine Musikkapelle, soll nur 400—500 JL. höchstens kosten!
Uebrigens kann man, wie es scheint, mehrere solcher Motorchen verbinden und dadurch !/* bis V» Pferdekraft erzeugen, so daß Drechsler, kleine Buchdrucker, Velociped- fahrer das Ding ganz gut brauchen können, ohne erst Gasmotoren anschaffen zu müssen, und in Bopparo richtet eben jetzt ein Kaufmann einen Kahn mit Nädern her, den ein solcher Motor treiben soll.
Erfreulich ist es nur, daß es sich diesmal um eine gute deutsche Erfindung handelt, die auch auf der vorjährigen Wiener Fachausstellung wirkliches Aufsehen erregt haben soll und die sich rasch ausbreitet. Der Erfinder Henrici soll in Zwickau wohnen und soll dieser Motor die einzige so kleine und für Handwerker berechnete Belriebs- kraft fein, die bis jetzt erdacht wurde.
Bonn, 20. August. Heute früh 6 Uhr fand im Hofe des hiesigen Gcrichts- gefängnisses die Hinrichtung des Naubrnörders Peter Dahlhausen aus Vinxel statt. Die von dem Vertheidiger des Dahlhausen, Justizrath Hagen Hierselbst, gegen das Urtheil eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht verworsen und daraus das Urtheil vom Kaiser unter dem 10. ds. Mts. bestätigt. Die Verkündigung dieser Bestätigung wurde dem Verurtheilten gestern früh zwischen 8 und 9 Uhr durch den Staatsanwalt v. Reden mitgetheilt und ihm zugleich eröffnet, daß die Vollstreckung des Urtheils auf heute früh festgesetzt sei. Dahlhausen verlor hierbei auf kurze Zeit die ihm eigene Ruhe, die er während seiner ganzen Haft gezeigt hatte, er wankte hin und her, erlangte jedoch bald wieder so viel Fassung, daß er feine alte Erklärung, er sei nicht allein der That schuldig, sein Schwiegervater habe Thcil daran genommen, wiederholte, und von nun an allein und ohne geistlichen Beistand zu sein wünsche. Als ihm der letztere trotzdem durch den hiesigen katholischen Arresthausgeistlichen, Eaplan Pingsmann, an- getragen wurde, nahm er ihn bereitwillig an und hat nun bis zu seinem Ende fast ununterbrochen in der Gesellschaft des Geistlichen verweilt, diesem gegenüber aufrichtige Reue gezeigt, mit ihm viel gebetet und schließlich auch die Tröstungen der Religion erhalten. Die wiedergewonnenc Ruhe hat er auch dem übrigen Personal gegenüber, das die letzten Stunden mit ihm in seiner Zelle verbrachte, bekundet und über die verschiedensten Gegenstände, rote über seine frühere Thätigkeit und darüber, ob er tvohl in den Himmel zu kommen erwarten dürfe oder erst durch das Fegfeuer geläutert werden müsse, sich mit diesem unterhalten. Genossen hat er seit der Verkündigung der Strafvollstreckung fast gar nichts. Als heute früh kurz vor 6 Uhr der Scharfrichter Lersch aus Ehrenfeld in der Zelle des Verurtheilten erschien und ihn in Gemeinschaft mit dem Geistlichen nach dem Nichtplatze geleitete, zeigte et auch hier völlige Ergebung und Fassung, die er auch bei der nunmehr durch den Staatsanwalt erfolgten neuen Verlesung des Todesurtheils und bei seiner Ueberüeferung an den Nachrichter nicht verließ. Der Vollstreckungsact war in wenigen Minuten vorüber und verlief ohne Storung. Die letzten Worte des Verurtheilten waren: „So Gott will! Gott sei mir Sünder gnädig!" Der Hinrichtung wohnte eine Anzahl von 50 bis 60 Personen bet, an welche Einlaßkarten vorher vertheilt worden waren. Unter den Theilnehrnern befanden sich auch Vertreter der Stadt.
Kassel, 18. August. In einem hiesigen Gasthofe erschoß sich heute Morgen ein Göttinger Student. Die Motive der That wie der Name des Unglücklichen sind bis jetzt noch nicht bestimmt.
Heilbronn, 19. August. Eine separirteEhefrau von Böchingen wurde gestern Abend auf dem Rückwege von hier in ihren Wohnort ermordet.
Aus der Pfalz, 18. August. In der Nähe von Edenkoben wurde im Walde die Leiche des stud. arch. H. Vetfch aus Zürich aufgcfunben. Der junge Mann hatte sich erschossen.
— Ein alter amerikanischer Junggeselle vermachte vor seinem Tode, welcher ihn kürzlich in seinem fünfundsechzigsten Lebensjahre traf, sieben Frauen, welche ihm in Zwischenräumen von fünf zu fünf Jahren einen Korb gegeben hatten, sein ganzes Vermögen. Er setzte hinzu: „Aus Dankbarkeit, weil ich ihnen in erster Linie das Glück meines Lebens verdanke."
— sWeßhalb man in s Bad reift.] Ter Berliner „Ulk" beantwortet diese zeit- gemaöe Frage wie folgt:
Um die Nerven neu zu stählen, Um von Reisen zu erzählen, Um die Berge zu besteigen, Um sich vor der Welt zu zeigen, Um am Strand sich zu ergeben, Um 'mal früher aufzustehen, Um den Hausarzt zu erproben, Um die Tochter zu verloben, Um sich gründlich abznkühlen, Um den großen Herrn zu spielen, Um Erholung zu gewinnen, Um der Gattin zu entrinnen, Ilm an Waldluft sich zu laben, Um Veränderung zu haben, Um am Krankenbett zu wachen, Um die Mode mitzumachen.
Aufruf.
Am 13. d. Mts. brach während der Mittagsstunde bei starkem Sturm in dem eine Stunde von hier entfernten Filialdorf Appenrod eine Feuersbrunst aus, die in wenigen Stunden fast die Hälfte des Ortes zerstörte; — 46 Gebäude, darunter Kirche und Schule, sind Trümmer und Asche — 30 Familien sind obdachlos, — ein großer Theil der Erndte ist zerstört, — Vs ber Abgebrannten ist gar nicht, viele sind nur gering versichert, und bei der rasenden Geschwindigkeit, womit das Feuer um sich griff, haben viele nur das nackte Leben gerettet. Dazu kommt, daß bei der vorgeschrittenen Jahreszeit und bei den ländlichen Verhältnissen die Noth im Winter sich doppelt fühlbar machen und durch die unausbleiblich lang andauernde tiefe Störung in der Wirthschaft eine länger anhaltende Schädigung der überdies sehr mittelmäßigen Verhältnisse herbeigeführt werden wird. Schnellste Hülfe thut noth. Wer schnell gibt, gibt doppelt.
Gütige Gaben zur Linderung der Noth nimmt entgegen die Gxped. b. sowie der Rechner des Comitä's, der mitunterzeichnete Stadtr'echner Repp in Homberg an der Ohm; auch hat sich der mitunterzeichnete Freiherr Schenck zu SchweinSderg, Wäldershausen bereit erklärt, Gaben in Empfang zu nehmen.
Homberg au der Ohm, im Kreise Alsfeld, Großherzogthum Hessen, den 15. August 1885.
DaS Unterstützung-, Comits:
Rübsamen, Oberamtsrichter. Buchinger, Amtmann. Diesfenbach, Pfarrer. Wolf, Bürgermeister. Freiherr Schenck zu Schweins- b e r g-W ä l d e r s h a u s e n, Großherzoglicher Kammerherr. P f a n n st i e l, Landtags-Abgeordneter, I)r. Vogel, pract. Arzt. K. Münch, Rentner. W. Engel, Postverwalter a. D. und Kreisausschußmitglied. Höfling, Gerichtsschreiber. Schild Wächter, Bürgermeister. I. Engel, Ortsgerichts-Vorsteher. G. Repp III., Bierbrauer. G. Repp IV., Stadtrechner. Schnabel, Postverwalter.
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