Vergnügungen :c. int einzelnen entfällt und täuschen sich selbst, indem sie betreffs der Höhe der einzelnen Posten im Dunkeln tappen.
Wie viele meinen, daß zu dem Huchen ein großer Zeitaufwand nöthig sei. Mit Nichten! Es ist weder Mühe, noch Zeit, noch Kostenaufwand erforderlich, um die einzelnen Tagesausgaben in übersichtlicher Weise aufzuschreiben.
ES möge nur von den vielen, die jetzt noch kein Girthschaftsbuch in ihrem Hausstand führen, der Versuch gemacht werden, er wird sicher lehren und nach kurzer Zeit werden beide, Manit wie Frau, zu der Einsicht kommen, daß es gut ist, daß der letzteren nicht nur ein festes WirthschaftSgeld gewährt wird, sondern wenn auch jeder verausgabte Pfennig gebucht wird.
Von den vielen goldenen Regeln unseres deutschen Sprachschatzes möge zum Schlüsse noch allen den Ungläubigen liier die folgende goldene Regel zur Beherzigung vor Augen geführt werden: „Wer nicht schreibt, der nicht bleibt." E. W
Vermischtes.
Worms, 16. April. Die „W. Z." schreibt: Ungewöhnlich große Sensation erregt die im Laufe des gestrigen Rachmittags bekannt gewordene Thatsachc, daß der erst seit Anfang Januar dieses Jahres hier wohnhaft gewesene, im 25. Lebensjahr gestandene praktische Arzt Herr Tr. S. Auerbach aus Vreden (Reg.-Bcz. Münster) sich gestern Mittag im Bürstadter Walde mittelst eines Revolverschusses selbst entleibt hat. Mm 10 Uhr früh hatte sich Dr. Auerbach gewohntermaßen von Hause fortbegeben, um, wie man annahm, seine Patienten zu besuchen, indem er hinterließ, daß er innerhalb einer Stunde etwa zurückkehren werde. Um die Mittagszeit wurde er noch in Rosengarten gesehen. Kurze Zeit darauf, als Tr. A. kaum hundert Schritte in den Bürstadter Wald gclanat, vernahmen die in der Rähc befindlichen Leute zwei rasch aufeinander folgende Schüsse. Ein sofort hinzueilender Waldhüter fand jetzt den von einer Kugel ins Herz getrostenen leblosen Körper des Unglücklichen unter einem Buchenstamm am Boden. Reben ihm lag ein sechsläufiger Revolver, in welchem noch vier Schüsse unentladen sich befanden. Von Pretiosen trug Dr. Auerbach seine Uhr und goldene Brille bei sich, außerdem (tielb (20 JL und einige Pfennige), verschiedene Papierschaftcn und ein Gläschen mit Gift. Um bei den Behörden keinen Zweifel über die Art seines Ablebens aufkommen zu lassen, hatte Dr. Auerbach vorher noch einen Brief unter seiner Adresse hierher gesandt, der von den inzwischen auf telegraphische Benach- richltgung hin hier eingctroffenen Angehörigen eröffnet wurde und kundgab, daß er lDr. Auerbach), sich durch Gift und Schuß entleiben werde. Bezüglich der Gründe, welche den Unglücklichen zum Selbsttnord bewegen konnten, läßt sich Zuverläsiges vor der Hand nicht angeben. Daß es mißliche Vermögensumstände gewesen seien, erscheint von vornherein ausgeschlossen, da der Vater des jungen Arztes, ein höchst achtbarer Kaufmann in Köln, für sehr wohl fituirt bekannt ist. Dr. Auerbach galt bei nUcn, mit denen er in nähere Berührung gekommen, als ein fachlich sehr intelligenter Mann. Er hatte sich, bevor er Worms zu seinem bleibenden Wohnsitz auserkoren, vielfach in der Well umgesehen und während dreier Jahre als Schiffsarzt so ziemlich alle fünf Welttheile besucht.
Heppenheim, 14. April. Durch einen Frankfurter Agenten wurde hier der Verkauf eines Gasthofs mit Inventar, Weinbergen, Acckern zu einem sehr mäßigen Preise perfect. Der Käufer nannte sich nach seinen Papieren Sebastiait Kraus, seither wohnhaft in Sachsenhausen, zog am 1. April auf und sollte am 15. April die erste Anzahlung leisten; derselbe hatte beglaubigte Papiere, daß er bei einem Bankier in Helgoland seine Ersparnisse im Betrage von 5000 angelegt und solche zur Aus
zahlung an ein Frankfurter Geschäft gewiesen habe. Herr Kraus kam in sehr primitiver Toilette an, wirthschaftete 10 Tage, pumpte viele hiesige Geschäfte, auch Frank- furter, an und verduftete mit der seither vereinuahmten Kasse Dienstag, jedoch nicht ohne vorher seine ihm mit Leid nachsehende Braut, eine Köchin in Frankfurt, um den Betrag von 450 JL erleichtert zu haben.
Frankfurt a. M., 17. April. sDer durchgefütterte Grenadier.] Ein Dienstmädchen machte heute gerichtlich eine Lohnforderung von 600 Jt gegen ihre Herrschaft geltend, welche bestritt, dem Mäbchen etwas schuldig zu sein. Heiterkeit erregte es, als
die Herrschaft mit einer Gegenforderung für einen Grenadier berausrückte. Zwei Jahre lang, hieß es, habe derselbe heimlich aus der herrschaftlichen Küche und dem Keller- seine Atzung erhalten, der Mann habe keinen schlechten Appetit entwickelt, das Mädchen habe riesengroße Töpfe voll gekocht und sei nie etwas für den anderen To, übrig geblieben. Der Grenadier habe Alles aufgezehrt, und wenn die Sarde nicht entdeckt worden wäre, so wurde er die Familie arm gefressen haben. Die Klägerin mußte darum einsehen, daß sie moralisch zum Ersatz des durch ihre Vrcbelct ange richteten Schadens verpflichtet fei. zKl.
Eßlingen, 16. April. Während heute Mittag halb 1 Ubr die meisten Leute hier bei Tische saßen, ertönte plötzlich, wie die „Reck.-Ztg." berichtet, ein fürchterlicher Knall, dem unmittelbar einige minder heftige folgten. Die Häuser zitterten in allen Fugen, Möbel wankten, Fenster flirrten inio zersprangen. Es war das in der sogen. Ehampagne — links vom Wecfnr ca. */, Stunde von hier entfernt gelegene Pulver magazin des Kaufmanns und Feuerweickfabrikanten H. Wagner in die Luft geflogen. Pom Gebäude, das dort stand, ist nichts mehr zu sehen. Bäume in der Räbe sind ausgerissen und zerfetzt und ein scchszehnjäbriger Arbeiter, der sonst im dortigen Magazin beschäftigt war, ist dabei jämmerlich ums Leben gekommen. EnNtebungs Ursache unbekannt.
— lEonseroirung von Holz.j Auf der Insel Sardinieil wendet man allgemcin das folgende, an Einfachheit wohl kaum etwas zu wünschen übrig lassende Verfahren an, um daS zur Herstellung von Wagen rc. und vornehmlich von Rädern dienende Holz vor dem Schwinden, Werfen und Reißen zu bewahren. Die .Holzstücke nämlich, welche zu dem angegebenen Zwecke benutzt werden sollen, läßt man vvr ihrer Per arbeilung 5 bis 8 Tage lang in mit gewöhnlichem Salze übersättigtem Wasser weichen und eniclt durch ein solches Verfahren, daß weder Sonnenhitze, noch andere Einflüsse im Mindesten auf das Holz einwirken. Sollte man diese Methode fe fragt die „Landw. Ztg. des Hamb. Kor." nicht auch bei uns einmal einem Versuche unterziehen?
London. Tie „Times" erzählt aus Monaco von einer Kriegslist, mit welcher ein anscheinender Selbstmörder die Spielvenvaltung getäuscht habe. Im Interesse der letzteren liegt es, daß keine Leiche ganz geldlos angetrosten werde, weil sonst auf sie der Vorwurf der Ausplünderung bis auf den letzten Eentime fällt. Sobald daher ein Spieler mit den Anzeichen des Selbstmordscandidaten den Saal verläßt, folgt ihm eie Geheimagent auf dem Fuße nach, um bei Leiche ein kleines Röllcken Gold in die Tasche zu stecken. So geschah es jungst. Ein Spieler hatte soeben sein letztes Fünf rankenstück mit der Geberde der Verzweiflung aus das grüne Tuch geworfen, flriff fich dann an die Stirn, stöhnte und stolperte hinaus; bald auch erfolgte bei bekannte Schuß. Der Agent that seine Schuldigkeit, versorgte den Riebergestürzten mit den, bekannten Heuchelgelbe unb schlich weg. Als er aber nach einigen Minuten roieberfam, waren weder Leiche noch Blutspuren zu sehen. Die Polizei ward aufgeboten und fand bald heraus, baß besagter Manu auf ber Bahn nach Nizza abgefahren sei und int borkigen StationSrestaurant ein üppiges Frühstück eingenommen habe.
— [(Sin neuer (Fumberlanb.] Auf bem Reumarkte in Köln stehen mehrere „Raubauen" und sprechen vom Gedankenlesen. Da bemerkt einer, ei könne auch Ge danken lesen. „Süch, Pitter, ich gevve fünf Halve, wenn do mer jäß, wo?" linier Pitter ergriff darauf die Hand seines Kameraden und führte ihn ä h Faulhaber durch mehrere Straßen hindurch, begleitet von einer stets wachsenden Menge. Plötzlich bleibt er vor einer Schnapskneipe sieben: „Eß bat fe?" „ Io, bat eß se; evver, säens, Pitter, wie kannst bo bat messe? — Domme Kahl, ich weiß, bat bo andensch nergenS mi geborg kriß!"
Gensch
prnkt. u. HpeHielerm iür Haut-, Fmuen- u. Ge- schlechtste rank helfen (Syphilis) ctd? Frankfurt u. M. " Stil tetr. 22, tr. AseUt. Prot. Ricord a. Ausw. bneü.
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J. €1. Rumpf, Eis. Hand 18, Frankfurt a. Main.
Betreffend: Konkurs über das Vermögen des Gastwirths Wilhelm Wenzel von Gießen-
Bekanntmachung.
Zur Beschlußfassung über die Ver- werthung bezw. Verpachtung des Wenzel'fchen Gartens und die Behandlung des Gemeinschuldners wird hierdurch Gläubigerversammlung ausschrieben aus
Freitag den 24 April 1888, Vormittags 8Va Uhr.
Gießen, den 18. April 1885. Großh. Amtsgericht.
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Gießen, den 20. April 1885.
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