tniral Hobart Pascha zur Unterstützung Fehmi Pascha'S nach London gesendet worben ist, so scheint die Pforte entschlossen zu sein, energisch in den Gang der Sache einzugreifen. Unabhängig von der finanziellen Seite des egyptischen Problems steht die militärische Seite da. Hier muß binnen Kurzem die Entscheidung fallen, da Anfangs Februar die Vorhut der englischen Nil-Expedition in der Nähe Khartums angelangt sein dürfte, lieber ein Gefecht, welches Gordon's Dampserflotille kürzlich mit den Rebellen bei einem der Außenwerke von Khartum gehabt hat und bei welchem einer der Dampfer in den Grund gebohrt wurde, sind ziemlich verworrene Berichte eingegangen; doch scheint die Äffaire daraus hinzudeuten, daß der Mahdi Khartum noch vor Eintreffen des Entsatzes in seine Gewalt bringen will. Im Uebrigen ist von London der Befehl nach Malta gegangen, ein Infanterie-Regiment nach Egypten zu entsenden; vielleicht hat dasselbe die Bestimmung, die Truppentheile der Besatzung von Kairo, welche in der Stärke von einem Bataillon Infanterie, einer Escadron Husaren und zwei Geschützen nach Suakim abgehen sollen, zu ersetzen.
Darmstadt, 21. Januar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfingen heute den Premierlieutenant Müller vom 2. Großh. Infanterie-Regiment (Großherzog) Nr. 116, den Zahlmeister Frhrn. v. Zedlitz - Neukirch von der Großh. Train-Compagnie; zum Vortrag den Ministerialpräfidenten Weber, den Geheimerath Dr. Becker.
— Wegen des Ablebens Sr. Königl. Hoheit des Prinzen August von Württemberg ist auf Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer bis zum 27. l. Mts. einschließlich angeordnet worden.
Darmstadt, 21. Januar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog beab- fichtigen, heute das Ballfest mit Allerhöchstihrer Anwesenheit zu beehren, welches von dem Osficier-Corps des 1. Großh. Dragoner-Regiments (Garde-Dragoner- RegimentS) Nr. 23 im Hotel „Zur Traube" gegeben wird.
Berlin, 21. Januar. (Reichstag.) Der viel besprochene v. Wedell-Malchow'sche Grsitzmiwurf einer Böisenstmer tn Verbindung mit dem Gegenantrag der national- liberalen Partei bildete den Gegenstand der heutigen Diskussion. In derselben erklärte der Antragsteller, daß er tn seinem Entwürfe die vor zwei Jahren gemachten Ausstellungen berücksichtigt habe und weitere Verbesserungen auS dem Hause erwarte. DaS gegenwärtige G-fitz habe sich nicht gut bewährt, Remedur sei nothwmdtg. Eine Besteuerung deS großen Kapitals, tn procentualer Weise steigend, sei eine Forderung der Gerechtigkeit. Wenn sein eigener Entwurf verbesserungsbedürftig sei, so sei eS der Gegenantrag noch weit mehr; hoffentlich werde die Commission daS Beste herausfinden.
Äbg. Dr. Siemens (deutschfr.) bezeichnet die Partei seiner Freunde dem Anträge gegenüber durch bte früheren Verhandlungen klargestellt; prtnctprell sei ihre Position nicht gegen neue Steuern, dos Steuerprogramm sei nur ein anderes als das der Con- servativen. Herrn v. Wedcll's Anschauung enthalte doch nicht die genügende Sach- kenntmß, die man bei ihm als Antragsteller voraussetzen und beanspruchen dürfte. Eine gewisse Feindseligkeit gegen die Börse ist unverkennbar. Der Redner gibt eine Charakteristik der Börse, die er mit dem menschlichen Organismus vergleicht; die Börse ist der Centralpunkt der Blutcirculation, des Ausgleichs, und habe die Wirkung, eine Stetigkeit der Preise zu erzeugen. An der Aufrechterhaltung solcher Institution haben alle Kreise ein Interesse; auch die politische Kraft der Börse ist als Verthetdigertn der wtrthschaftlichen Jntercsie eine bedeutende. Warum, fragt der Redner, ist nun der Handelsstand so sehr gegen die Vorschläge? Hauptsächlich ist dies wegen der pro, centualen Besteuerung der Fall, was Abg. Siemens an der Hand der Petition der Handetzkawmer tn Frankfurt a. M. erläutert, lieber die Controle ist Herr v. Wtdell stillschweigend hinweggegangen, wiewohl gerade diese die schwersten Eingriffe bedingt. Die rtchtige Erkenntniß des Handels beruht tn dem Aufsuchen der wichtigsten Fab- rtkat onS- und Absatzgebiete, da steckt das Geschäftsgehetmniß. Gerade für Diejenigen, die das Gesetz jetzt beschließen möchten, würden sich später in Folge der Abwälzungß- theorte die größten Nachtheile Herausstellen, und die Personen, die die Steuer bezahlen sollen, werden am wenigsten davon belastet. Die »Deutsche Bank", deren Dtrector der Redner ist, hat bisher 5 pCt. der ganzen Börsensteuer aufgebracht; davon verbleiben aber nur 2 pCt. zu Lasten der Bank, während 98 pCt. auf die Kundschaft überging. Zu berücksichtigen wird auch daS bann nicht ausbleibenbe Höhergehen des BankdiscontoS rein, waS ein weit größerer Nachrheil ist. Der Zwischenhandel wird überdies ge- schädigt und beschränkt, weil die Provinzler, die Grundbesitzer genöthigt sein werden, direct nach Berlin zu gehen.
Abg. Oechelhäuser (natlib.) hält den Wedell'schen Antrag für ganz ungeeignet wegen der verlangten procentualen Besteuerung und begreift eS nicht, nachdem die Regierung denselben hatte fallen lassen, wie die conseroative Partei ihn wieder aufnehmen konnte. Er empfiehlt den von seiner Partei eingebrachten Gegenantrag; die Reichsregierung möge nun aber aus ihrer Reserve heraustreten und solle sagen. waS sie wünsche.
Die hierauf erfolgende Erklärung deS Staaissecretärs v. Burchard ließ keinen Zweifel darüber, daß die Regierung formell und materiell den Standpunkt ihres letzten Entwurfs, der jetzt der des Antragstellers v. Wedell-Malchow ist, verlassen habe, und gibt zu, daß der letzte Entwurf Handel und Verkehr geschädigt. Auskünfte, die man verlange, würden in der Commission gern gegeben werden. Der Reichskanzler erkenne an, daß die in dem vorjährigen Entwürfe vorgeschlagenen Controlmaßregeln zu weit gehen, da seien Modificationen unbedingt erforderlich. An der Auffassung halte Fürst Bismarck aber fest, daß eine wesentlich höhere Heranziehung deS mobilen Kapitals an, zustreben sei.
Abg. Dr. Porsch erklärt, daß daS Centrum dem v. Wedell'schen Anträge sympathisch gegenüberstände; daS bewegliche Vermögen erscheine seiner Partei noch nicht genügend zur Steuer herangezogen; lediglich deßhalb, aber keineswegs auS Haß gegen Die Börse, deren Lichtseiten neben den Schattenseiten das Centrum anerkenne, stimmen wir für eine Börsensteuer.
Der socialdem. Abg. Kayser hielt eine heftige gegen die Börse und die daselbst herrschende Ausbeutung gerichtete Rede, erklärte sich aber für seine Partei gegen diese Steuer, wenn ihm nicht nachgewiesen würde, daß das Erträgniß für einen ganz bestimmten arbeiterfreundlichen Zweck verwendet werden soll. Bet aller Antipathie gegen daS Börsevtreiben sei diese Steuer nicht gerechtfertigt, wie jede andere neue Steuer, zumal bte heutigen Erklärungen ja ergeben hätten, daß die Steuer zum größeren Theile auf daS Publikum abgewälzt würde. Der Ausdruck des Redners „bei dieser Regierung der Brutalität" zog ihm noch einen Ordnungsruf deS Präsidenten zu.
Abg- Gamp (freicons.) erklärt sich im Allgemeinen für die Börsensteuer, namentlich mit Rücksicht auf die schlechte Finanzlage, dagegen ist er gegen eine Besteuerung deS WaarenverkehrS. Nur Zeitgeschäfte tn fungiblen Gegenständen will er besteuern, um der Preistreiberei und sonstigen Börsenspeculationen entgegenzuarbeiten. Ein ab- «estufter Fixstempel empfehle sich nicht, sondern nur ein procentualer Stempel, ter nicht so schwierig zu berechnen Ist, wie man es darstelle.
Darauf wird der Entwurf zur Vorberathung an eine Commission von 21 Mitgliedern verwiesen.
Nächste Sitzung morgen. (Postsparkaffen-Vorlage.)
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenr-Brrreau.
Darmstadt, 21. Januar. Unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters Ohly hat sich hier ein Comitö gebildet, um eine Spende zur Disposition des Reichskanzlers anläßlich dessen 70. Geburtstages in's Werk zu setzen.
Berlin, 21. Januar. Der Kaiser hat das Diner heute außerhalb des Bettes eingenommen.
— „Germania" gegenüber erklärt die Norddeutsche in der Frage der Posenschen SediSvakanz, die Regierung habe niemals bte Absicht gehegt oder kundgegeben, den
erzbischöflichen Stuhl zu Zwecken der G:rnmn!snung zu gebrauchen. Die Behauptung der Geimanta fei also unwahr. Selbstverständlich tonne die Regierung wärt dulde«, daß tn Posen ein Erzbischof sitzt, der mit dem poln scheu Ad-l gegen Preußen co«- spirirt, sie muß der Gefahr vorbeugen, daß der höchste geistliche Würdenträger in bet Provinz seinen E nfluß auf bie niederen Clossen der Bevölkerung in den Dienst der polnischen Propaganda stellt. Darüber hinaus gehen die politischen Rücksichten der Regierung nicht; sie trifft nur Vorsorge, daß der künftige Erzbischof Posens nicht ctx eifrigerer Pole ah Erzbischof fei.
Berlin, 21. Jan. Vom Comite für die Ehrengabe zum 70. Geburtstag des Reichskanzlers Fürsten Bismarck ist folgender Aufruf erlassen worden:
Im deutschen Volke ist aller Orten der Wunsch lebendig, dem Reichskanzler Fürsten Bismarck zu seinem 70. Geburtstage eine Ehrengabe als Ausdruck des Dankes der Nation zu überreichen. Die Unterzeichneten haben sich vereinigt, um für dieses Bestreben einen Mittelpunkt zu bilden und ein Zusammenwirken der das gleiche Ziel verfolgenden Comitö's zu ermöglichen. Wir halten letzteren den Zutritt offen und werden Mitglieder derselben gerne in unsere Mitte aufnehmen. Unser Ruf zur Mitwirkung ergeht an alle Deutsche- Wir ersuchen, wo dies noch nicht geschehen ist, die Sammlungen zu eröffnen und die Zeichnungen und Beiträge an unseren Schatzmeister, den Präsidenten der Seehandlung, Herrn Rötger, einzusenden. Der Bestimmung der Ehrengabe entsprechend werden auch die kleinsten Beiträge willkommen fein. Hebet die Ausführung werden wir öffentlich Rechenschaft legen.
Herzog von Ratibor, Präsident des Herrenhauses, Vorsitzender, v. Köller, Präsident des Hauses der Abgeordneten, stellvertretender Vorsitzender. Rötger, Präsident der Seehandl., Schatzmeister. (Folgen sodann noch eine große Anzahl Namen aus allen Theilen Deutschlands.)
Hamburg, 21. Januar. In dem großen Speicher von G. A. Großmann u. Comp., alter Wandrahm, entstand vermuthlich durch Selbstentzündung von Baumwolle Nachts ein großes Feuer, welches noch fortbrennt, Gefahr für die Nebenspeicher ist nicht vorhanden. Der Schaden der verbrannten Waaren und der Wasserschaden laßt sich noch nicht genau übersehen, dürste aber weit über eine Million betragen- Ein Feuerwehrmann ist durch den Sturz in das brennende Gebäude verunglückt, zwei leicht verletzt.
Nom, 21. Januar. Durch Schnee-Lawinen sind in den Gemeinden Chiomonte und Exilles mehrere Personen verunglückt und mehrere Weiler verschüttet worden. In Sfarome sind 15 Personen verunglückt.
— Von mehreren Seiten gehen weitere Lawinenstürze und Schneeverschüttungen ein, bei denen der Verlust von Menschenleben zu beklagen ist. In der Gemeinde Frassinere bei Susa wurden 15 Häuser durch Schnee-Lawinen verschüttet und 11 Personen getödtet. Zwischen Mojola (Provinz Cuneo) und Demonte wurden 3 Arbeiter verschüttet, in Frassino (Provinz Cuneo) wurden 30 Leichen aus dem Schnee gezogen, 10 verschüttete Personen wurden gerettet, gegen 40 sind noch verschüttet und ist wenig Hoffnung zu deren Rettung.
Valparaiso, 21. Januar. (Telegramm des „Reuter'schen Bureaus.") Am Samstag Abend wurde der Versuch gemacht, den Präsidenten von Chili mittelst einer Höllenmaschine zu tobten, der geplante Versuch ist glücklicher Weise mißlungen.
L o k a l t
298.45 JL
der Rest DaS Kapitalvermögen beträgt 3319.34
Gießen, 21. Januar. In der heutigen Generalversammlung deS allgemeinen Vereins für Arm en- und Krankenpflege verlas der Vorsitzende, Herr Pfarrer Schlosser, zunächst den Rechenschaftsbericht über das verflossene Jahr
Hiernach hat sich die Organisation des Vereins nach dem Urtheil der arbeitenden Mitglieder foitbauernb bewährt und zu keinen Abänderungen Anlaß gegeben. Außer den Helfern und Helferinnen verdienen namentlich auch die Bezirksvorsteher besonderen Dank.
Die Zahl der den Verein durch ©etobeiträpe unterstützenden Mitglieder ist von etwa 700 auf 982 und die Summe der Beiträge von 2668 JL auf 3332 JL gestiegen.
Von den an den Verein erfolgten Zuwendungen ist namentlich ein Geschenk von 8000 JL zu erwähnen, welches die hiesige Spor- und Leihkasse anläßlich der Feier ihres 50jährigen Bestehens dem Vereine unter bestimmten Bedingungen zur Verfügung stellen will. Dieselbe bedachte den Verein außerdem noch mit 600 Die Maihilden- sttftung für Oberhkssen schenkte ihm 100 JL Der Reinertrag etneß von dem Vereine veranstalteten Concerts des Grafen Zichy betrug 227 JL Außerdem hat der Verein einige Stiftungen zu vergeben. Ganz besonders wird auch der namhaften Unterstützung der städtischen Behörden von Gießen gedacht.
Der Vorstand hielt 22 Sitzungen. Ein Gegenstand, welcher dermalen noch itt Berathung ist, betrifft bte Einrichtung einer Anstalt, in welcher schulpflichtige Knaben aus solchen Familien, tn welchen beide Eltern dem Verdienste nachgehen müssen, in der schulfreien Zeit Beschäftigung und Beaufsichtigung finden und so von der sonst drohenden Verwahrlosung behütet werden (sog. Knabenhorte ober Knabenheims).
Unterstützungen wurden verwilligt an 145 Personen (1883: 135) in 538 Fällen (1883 : 505) mit insgesammt 2417 (1883: 1951 J4) Davon wurden 53 schon ü»
vorhergehenden Jahre unterstützt, 92 zum ersten Male, 70 waren am Schluffe der Jahres noch in Pflege.
Der Verein hat auf seine Kosten acht scrophulöse Kinder in das Kiüder- hoSpital zu Bad-Nauhetm geschickt, meist mit gutem Erfolge.
Die Unterstützungen werben grundsätzlich vorzugsweise in Naturalien gegeben. Kohlen unb Milch werden direct vom Vereine bewilligt, anderes haben bie Helftr auS den ihnen zur Verfügung gestellten Mitteln zu bestreiten. Die Mtlch wirb gegen Marken von einem hiesigen Gutsbesitzer geliefert. Durch die sog. Suppenzettel wird den Kranken täglich, abwechselnd von verschiedenen Familien, kräftige Nahrung verschafft, ohne daß dem Vereine Kosten entstehen.
Wenn fich der Verein u. A. auch das Ziel gestellt hat, die Haus bettelet thunlichst zu beseitigen, so muß das Publikum dringend gebeten werden, Bettler an den Verein zu weisen.
Der Verein tritt der städtischen Armenpflege ergänzend zur Seite, weiß fich aber von dem Borwurfe frei, daß er es den von außen Zuziehenden ermögliche, hier in Gießen den Unterstützungswohnsitz zu erwerben. In den betreffenden Fällen wurde kerne Unterstützung ertheilt und den städtischen Behörden Nachricht gegeben
Die ArbeitsVermittelung durch den Verein hat mancher Nolh durch Zuweis von Arbeit gesteuert.
Die W a i s e n - und P f l e g e k i n d e r wurden von den Damen be8 Vereins überwacht- Leider sind in Folge dessen viele Kinder von hter verbracht worden, um dieser Controle zu entgehen. 1
. , Die K r i p p e erfreute sich eines so starken Zuspruchs durch bte kleinen Kinder, daß größere Räumlichkeiten zu wünschen wären.
.,Q Kr aneng« haben die Schwestern in 184 Familien mit im Ganzen 448 Nachtwachen geübt. Ambulante Pflege (wobei die Schwestern nur ab- und ^UAkn und die zum großen Theile mit Armenpflege verbunden war) wurde geleistet in 100 Familien mit 1867 Pflegetagen und 97 Nachtwachen, ganze Pflege in 84 Familien in 951 Pflegetagen mit 351 Nachtwachen. Der Verein wird in der Laae sein, noch eine sechste Schwester anzustellen.
Nach der Rechnung für 1884 betrug die Einnahme 7097.01 vM,
die Ausgabe 6798.56 ,


