Ausgabe 
22.10.1885 Zweites Blatt
 
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Unsere Leser werden sich erinnern, daß vor circa zwei Jahren zwischen den deutschen Nähmaschinen-Fabrikanten, welche die Amsterdamer Ausstellung beschickt hatten, und der Singer Manufacturing Company, resp. deren Vertreter G. Neidlinger, anläßlich der der letzteren dort zu Theil gewordenen Auszeichnung ein heftiger Zeitungs­kampf entbrannte. Die Singer-Co. behauptete, sie habe den höchsten Preis, das Ehren- Diplom, für ihre sogenannten Original-Singer-Maschinen erhalten, während die deutschen Fabrikanten, an ihrer Spitze Herr Clemens Müller, als fachmännisches Mitglied der Ausstellungs-Jury, erklärten, die von der Singer-Co. ausgestellt ge­wesenen sogenannten Original.Singer-Maschinen seien eines Preises überhaupt nicht für würdig erachtet worden, weil sie den deutschen Fabrikaten wesentlich nachgestanden und beziehe sich das Ehren-Diplom der Singer-Co. auf Maschinen ganz anderer Con- struction. Diese letztere Erklärung hat die Singer-Co. bekanntlich nicht widerlegen können. Gegemvärtig benutzt nun diese amerikanische Firma, die an Deutsche jährlich Tausende ihrer Fabrikate absetzt, die zwischen Spanien und Deutschland zur Zeil bestehende Differenz, um im Trüben zu fischen und das spanische Publikum gegen deutsche Fabrikanten aufzuhetzen. Sie lancirt nämlich in die spanischen Zeitungen unter der Ueberschrift:Die unredliche Concurrenz der Deutschen", eine redactionelle Notiz, deren wörtliche Uebersetzung wir nachstehend unseren Lesern mil­theilen :

Die Mittel, deren sich die deutschen Fabrikanten zu Concurrenz-Zwecken be­dienen, werden von aller Welt genugsam erkannt. Noch nicht lauge ist es her, daß die Jury der Amsterdamer Ausstellung ihren Schiedsspruch gefällt hat. Ein deutsches Haus Fabrikanten von Nähmaschinen veröffentlichte in vielen Zeitungen eine Anzeige, in der es sich wegen seiner bei jenem Wettbewerbe erhaltenen goldenen Medaille in einem Zuge Weihrauch streute und dagegen die Singer-Eo. anschwärzte, wobei es weit genug ging zu versichern, die Maschinen der letzteren seien gar nicht zur Prüfung zugelassen worden, eine unqualificirbare und dreiste Behauptung angesichts der Thatsache, daß die Singer-Co. aus jenem großen Wettkampfe mit der höchsten Auszeichnung, dem Ehren-Diplome, hervorging. Man sieht, wie wenig scrupulös die deutschen Fabrikanten in ihrem Thun und Handeln sind; glücklicherweise existiren in­dessen der Schlauheit und Spitzfindigkeit dieser ^ortc von Handeltreibenden gegenüber noch die Gerichte, die jene Fabrikanten zur Zahlung von 5000 Pesetas Entschädigung an die Singer-Co., Vergütung der Kosten und öffentlicher Genugthuung verurrheilt haben, indem diese Herren jetzt vor aller Welt erklären mußten, daß die Singer-Co. auf der Amsterdamer Ausstellung das große Ehren-Diplom, die höchste für Näh­maschinen verliehene Auszeichnung, erhalten hat."

Das deutsche Publikunr wird sich diese Handlungsweise einer hier Gastfreund­schaft genießenden amerikanischen Firma wohl merken. Die in der spanischen Notiz erwähnte Verurtheilung ist durch das Handelsgericht einer kleinen Stadt in Süd- frankreich erfolgt, welches dieselbe einer deutschen Nähmaschinen-Fabrik gegenüber aus­sprach, ohne solche zum Termine vorgeladen gehabt zu haben und wobei der Nationalhaß sicher eine Nolle spielte. In Deutschland hat die Singer-Co. seiner Zeit bekanntlich nicht gewagt, wegen der Amsterdamer Prämiirung die Gerichte anzurufen.

Der Unternehmungsgeist der Aankees macht manchmal Existenzmittel aus­findig, auf die fast kein Mensch verfallen würde. So giebt es z. B. jetzt in allen größeren Städten Leute, welche alte HLtelbüchcr aufkaufen, die Namensunterschriften bekannter Männer herausschneiden und sie die Namensunterschriften, nicht die berühmten Männer von Handschriftensammlern schwer bezahlen lassen. Namentlich in New-'Aork soll das Geschäft ganz außerordentlich floriren.

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SchiffSnachrichten.

Bremen, 19. October. sPer transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Eider, Capt. H. Hellmers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 7. October von Bremen und am 8. October von Southampton abgegangen war, ist am 17. October 1 Uhr Nachmittagr wohlbehalten in Newyork angekommen.

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Literarisches.

Kaiser Wilhelm und seine Paladine. Je ehrwürdiger und wunderbarer die Gestalt des deutschen Kaisers mit seinem hohen Alter wird, desto eifriger lenkt sich der Sinn der dankbaren Nation auf die große, reiche Vergangenheit dieses greisen, nunmehr achtundachtzigjährigen Monarchen zurück. Die letzten Jahre haben vielfach Quellen eröffnet, aus denen der Verfasser des BuchesKaiser Wilhelm und seine Paladine" eine Menge neuer frappanter Details hat schöpfen können. Diese bisher wenig bekannten Züge geben dem schon oft behandelten Stoffe einen frischen Reiz und das um so mehr, als Kaiser Wilhelm hier in seiner ganzen Umgebung, inmitten der Paladine, die auf der großen Bahn, die er gewandelt ist, ihm Stützen, Berather und Freunde geworden sind, erscheint. Die Darstellung ist überall populär. Ein echtes Lesebuch wird dem ganzen Volke, wird namentlich auch der reiferen Jugend zur Stärkung ihres patriotischen Sinnes und zur Belebung ihres Sinnes für das Er­scheinen historischer Riesengestalten des Vaterlandes hier geboten.

Graf Moltte, zum fünfundachtzigsten Geburtstag (26. October). Das Leben eines der Paladine des deutschen Kaisers erscheint hier gesondert, gleich bereichert mit einer Fülle neuer Züge, gleich populär, gleich fesselnd, und geeignet, patriotischen und geschichtlichen Sinn zu erwecken, insbesondere aber den großen französischen, Deutschland einigenden Krieg, in dessen Verwickelungen alle Fäden in der einen Hand unseres großen Strategen zusammenliefen, der Erinnerung und Begeisterung der deutschen Station wieder näher zu bringen.

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