27. Juli wurde dem Schullehrer Daniel Lantelme zu Wallbach die Lehrerstelle cn der Gemeindeschule zu Ueberau übertragen; am 28. Juli wurde der provi- 1 arische Lehrer am Gymnasium zu Mainz Aaam Götz zum Lehrer an dieser Anstalt unter Belastung in der Kategorie der Volksschullehrer ernannt; am 10. August wurde dem Schulamtsaspiranten Philipp Rodenbach aus Gensingen, im Kreise Bingen, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wöllstein, im Kreise Alzey, übertragen. (Schluß folgt.)
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Telegraphische Depesche«.
Wolff'- telegr. Correspondenz-B«rea«.
Verlirr, 20. August. Die heute vom Magistrate Berlins zu Ehren der Dele- girten des Telegraphen-Congresses nach der Umgegend von Potsdam veranstaltete Fest- sahrt verlief in überaus befriedigender Weise. Etwa 200 Theilnehmer waren erschienen; außer den Vertretern des Stadtverordneten - Collegiums und des Magistrats unter Führung des Stadtrathtz Zelle in Vertretung des Oberbürgermeisters, war der größte Theil der Delegirten anwesend, an deren Spitze Staatssecrctär Stephan. In Babelsberg wurde der Kaffee eingenommen, alsdann folgte die Fahrt in Dampfbooten über den Griebnihsee, darauf zu Wagen nach dem Pfingstberg, wo man die Rundsicht über Potsdam und Umgebung genoß. Hierauf erfolgte in zwei reich beflaggten Dampfern die Fahrt auf der Havel über die Pfaueninsel nach Wannsee. Tie benachbarten Villen hatten reichen Flaagenschmuck angelegt und begrüßten die Dampfer mit Salutschüssen. Um 7 Uhr trafen oie Festtheilnehmer in Wannsee ein, wo soupirt wurde. Stadtrath Zelle begrüßte die Gäste in französischer Sprache. Der russische Delegirte Qussoff dankte und toastete auf das Gedeihen der Stadt Berlin. Der ungarische Generaldirector Keller toastete auf die Damen, Stephan dankte dem Festcomite und trank auf dessen Wohl. Nach dem Souper wurde ein Feuerwerk in dem geschmackvoll illu- minirten Garten abgebrannt. Das Musikkorps des Garde-Husarenregiments, welches die Festtheilnehmer von Potsdam aus begleitet hatte, führte die Tafelmusik aus. Um <0/2 Uhr führte ein Extrazug die Theilnehmer nach Berlin zurück. Die ganze Fahrt war von gutem Wetter begünstigt.
Berlin, 20. August. Gegenüber mehrfachen irrtümlichen Zeitungsmittheilungen über die Berathungen der Telegraphen-Conferenz wird von bestunterrichteter Seite mitgetheilt: Beschlüsse der Telegraphen-Conferenz über Behandlung nichteuropäischer Telegramme hinsichtlich der Gleichstellung der Buchstabenzahl per Wort liegen noch nicht vor. Es handelte sich lediglich um Vorbesprechungen in der Commission, welche überhaupt nicht in der Lage ist, Beschlüsse zu fassen. Erörterungen wegen Herabsetzung der Gebühren für indische und australische Telegramme fanden ebenfalls nach keiner Richtung hin statt; die hierauf gerichtete Andeutung des Tinies-Correspondenten ist daher als ganz unrichtig zu bezeichnen.
Hamburg, 20. August. Der Congreß für Reform und Codification des Völkerrechts nahm im Fortgang der Sitzung sämnttliche für das Frachtrecht und die Connossemente von der Hamburger Handelskammer entworfenen Regeln an und lehnte den Antrag ab, auch einige Bestimmungen über die Distanzfracht in den Regeln aufzunehmen. Die Bemühungen Meyer's, Wendt's, Wörmann's, die Nachlässigkettsklaustl nochmals zu berathen, besonders den Rheder von der Verantwortlichkeit für die Mannschaft zu befreien, blieben erfolglos, da der Vorsitzende eine nochmalige Abstimmung für unzulässig erklärte. Die Redactions-Commission soll ihre Arbeiten sofort beginnen, damit der fertige Entwurf noch dem diesjährigen Congresse vorgelegt werde.
Paris, 20. August. Aus Toulon werden zwei neue Cholerafälle gemeldet.
Marseille, 20. August. Die Zahl der heute an der Cholera Gestorbenen beträgt 65.
Konstantinopel, 20. August. Drummond Wolff ist heute hier angekommen, muß aber in Kavak bis Samstag Quarantäne halten.
Kairo, 20. August. sReutcrmeldung.j Eine Batterie Artillerie, eine Compagnie Genietruppen, drei Bataillone Linien-Jnfanterie und drei Bataillone Garde-Infanterie kehren direct nach England zurück; ein Bataillon schottischer Infanterie geht nach Malta. — Die Besetzung Debbeh's und Abbu Gusis von Seiten der Insurgenten wird bestätigt. Dieselben rücken gegenwärtig auf Neu-Dongala vor.
Rio de Janeiro, 20. August. Der Kaiser beauftragte Cotegipe mit der Bildung des neuen Cabincts. Cotegipe, welcher der conseroatioen Partei angehört, nahm den Auftrag an.
Vermischtes.
Butzbach, 18. August. Am Samstag Nachmittag gegen 6 Uhr wurde die hiesige Einwohnerschaft in Aufregung versetzt. Der Nettungsruf unserer stets hülfs- bereiten Feuerwehr erscholl. Alles eilte der Korngasse entlang nach dem Viehmarktplatze, woselbst ein an die Stadtmauer gelehntes, als baufällig erklärtes städtisches Haus abgerissen werden sollte, aber während des Abbruchs eingestürzt, einen halben Bogen der Stadtmauer mit sich reißend. Eine dichte Staubwolke verdunkelte den Platz und ließ nicht sofort erkennen, ob die an demselben beschäftigten Arbeiter verunglückt seien. Glücklicherweise war dies nicht der Fall, außer einer leichten Kopf- contusion, die Herr Zimmermeister Euler erlitt, sind Unfälle nicht zu verzeichnen. Die Arbeiter hatten sich durch einen raschen Seitensprung gerettet. War nun dieser Einsturz glücklich vorübergegangen, so blieb^doch noch eine drohende Gefahr zu beseitigen. Die noch stehen gebliebene Hälfte des Stadtmauerbogens war im Laufe der Jahre in ihrem unteren Theile durch die Bewohner des s. Z. an die Mauer angelehnten Hauses so geschwächt worden, daß an dieser Stelle die Dicke der Mauer kaum noch einen Fuß betrug, während der obere TheU der Mauer seine ursprüngliche Stärke (ca. 4 Fuß) hatte und so einen colossalen Druck auf den jetzt jeder Verbindung mangelnden unteren Theil des Mauerwerks ausübte. Unter der umsichtigen Leitung des Herrn Bezirksbauaufsehers Metzger' wurde von einer Anzahl tüchtiger Maurer und Zimmerleute diese Gefahr nach zweistündiger Arbeit beseitigt, indem man durch Anwendung von starken Winden und Sprießen das Mauerwerk so erschütterte, daß, nachdem die Winden wieder etwas nachgelassen waren, gegen 8 Uhr unter donnerähnlichem Geräusch die noch stehen gebliebene Hälfte des Mauerbogens zusammenbrach. Aufgabe der Arbeiter ist cs nun, die die Passage versprrenden mächtigen Steinblöcke zu beseitigen. Hoffen und wünschen wir, daß dieser Einsturz unfern verehrlichen Stadtvorstand veranlassen möge, mehr und mehr darauf bedacht zu sein, die an die Stadtmauer angelehnten Häuschen zu erwerben und zu beseitigen, denn eine Gefahr bieten dieselben immerhin insofern, als von den meisten der betreffenden Bewohner darauf hingearbeitet wird, ihre sehr beschränkten Räume zu enoeitern, indem sie die an ihre Wohnung anstoßende Stadtmauer durch Ausbrechen so schwächen, daß dieser Theil bei der geringsten Erschütterung nicht mehr im Stande ist, die darüber befindlichen Massen zu tragen und so den Einsturz veranlassen. (W. B.)
Darmstadt, 21.August. General derCavallerie, v. Schlotheim, Commandeur des 11. Armeecorps, feiert heute, den 21. d. M., sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Deputationen der verschiedenen OfficiercorpS werden sich zur Gratulation nach Kassel begeben.
Vom Rhein, 20. August. Rach längerer Pause, die eigentlich imr durch allerlei Vercinsfeste ausgefüllt würbe, regt sich das öffentliche Leben bei uns wieder. So ist in Köln gestern und vorgestern der allgemeine deutsche Handwcrkcrbund zur Generalversammlung beisammen gewesen und waren Delegirte aus Breslau, Dortmund, München, Heidelberg, Neuwied und Hannover zugegen, alle aber so spärlich, daß der Vorsitzende Moll aus Köln dies ausdrücklich bedauerte. Im Ganzen waren 20 Personen erschienen. Der Generalsecretär Faßhauer sprach in längerer Rede heftig gegen die Großindustrie, die den Handmer'ker zum Hausknecht der Maschine gemacht habe. Er fordere nicht das Bismarck'schc, sondern das sittliche Recht auf Arbeit, das nur Dem zukomme, der ordnungsmäßig Lehrling und Geselle gewesen sei. Tic Großindustrie müsse die Altersversorgung für den Arbeiter tragen und wenn nicht, dann nwge sie eher zu Grunde geben, als daß sie das Volk aussauge. Der Handwerkerstand fd durch und durch faul und technisch zurück, weil er die Lehrlinge nicht mehr regelmäßig bilde. Nicht Innungen, nein, „obligatorische" Innungen könnten retten; oer Staat habe für die Arbeit noch gar nichts gethan. Die einstimmig angenommene Resolution verlangt die obligatorische Innung und das Gewerbegericht. — Bezüglich der diesjährigen Weinernte constatiren alle Winzerversammlungen einen schlimmen
Stand; das engere Rheinthal von Rüdesheim bis Linz hat unter dem scharfen Reif der letzten Rächie wiederum gelitten, dabei hat auch die Kauflust des Publikums nachgelassen. An der Mosel ist es ganz ähnlich und auch dort denkt man sich mehr dem in diesem Jahr» besonders ergiebigen Obstbau zuzuwenden. Pflaumen und Birnen sind geradezu in Unmassen da und lohnen kaum noch den Transport zur Stadt und vielfach werden sie gleich den Kirschen zum Viehsutter benutzt, so daß bie Bevölkerung, auch darüber nicht lehr erbaut ist, weil der frühere Abfluß nach England aufgehört hat. Die Reblausheerde bei Linz habe sich zwar nicht weiter ausgedehnt, vielleicht Dank der kühlen Witterung, und man hofft, daß das in Frankreich entdeckte Gegenmittel, Ammoniak, helfen werde. — Zum Glück fit wenigstens der Touristenstrom riesig stark und bringt Geld in das Volk. Ems freilich klagt sehr über die mindere Qualität seiner wenn auch zahlreichen Gäste, von denen kein einziger mehr, wie früher, ein ganzes Stockwerk miethet. Sehr viele Touristen besuchen wohl die Mineralbrunnen Ehrcnbreitstein und Ems, aber dann ziehen sie weiter nach AßlnannShausen, Rüdesheim, zum Rieberwalb - Denkinal rc., wie man denn z. B. vorgestern bei dem weltberühmten Rochusfeste in Bingen eine Fremdenmasse sah, wie nie zuvor. An der Mosel treiben sich in Folge der neuen Funde eine Menge Gymnasiallehrer als Alterthumsforschcr umher und suchen Römerbauten und Gräber, davon gegenwärtig in Coblenz beim Legen der Wasserleitung eine ganze Menge gefunden wurden. Viele dieser Altcrthumsfinder bleiben auch schon deshalb dort hängen, weil sie wegen des niederen Wasserstandes per Schiff nur bis St. Goar können und nicht mit der Bahn fahren wollen. Eine tüchtige Regenzeit ipär$ in vieler Hinsicht sehr wünschenswcrth, auch für die ausgedörrten Felder und Berge.
Köln, 20. August. Heute Vormittag 11 Uhr stürzten am kleinen Griechenmarkt zwei Häuser ein. Die Einwohner, durch verdächtiges Knistern gewarnt, halten sich rechtzeitig gefluchtet, so daß außer Zertrümmerung des Hansraths kein Schaden zu beklagen tft.
Die „Köln. Ztg." berichtet hierüber Folgendes: Heute Vormittag gegen 10 Uhr stürzten mit weit hörbarem Krachen die Kellergewölbe und ein Theil der gemeinschaftlichen Brandmauer der alten Hauser Nr. 47 unb 49 be§ Kleinen Griechenmarktes ein. Glücklicherweise ist bei dem Unfall kein Menschenleben zu Grunde gegangen, auch hat keine Verletzung stattgefunden. Neben dem letztgenannten Hause wird ein Neubau aufgeführt, und wie es heißt, sollen tn Folge des geringen Widerstandes die Fundamente des Hauses Nr. 49 nachgegeben haben. In letzterem Hanse hat in vergangener Nacht noch eine alte kranke Person geschlafen, während in Nr. 47 fünf Personen zur selben Zeit verweilten. Schon gestern hatten die meisten in den Häusern wohnenden Personen ihre Habseligkeiten, soweit angängig, beiseite geschafft. Sie wurden meist durch menschenfreundliche Nachbarn ausgenommen, biefe haben auch nach dem Zusammensturz an Möbeln gerettet, was gerettet werden konnte. Augenblicklich ist die sofort herbeigeeilte Feuerwehr damit beschäftigt, durch Abtragen des Kamins und eines Theils der Dächer den Unterbau zu entlasten. Die Straße wurde abgesperrt; weitere Gefahr ist nicht vorhanden. Der königliche Polizeipräsident, welcher gleich auf dem Platze erschien, ordnete mit dem Brandbirector Brüllow die Maßnahmen betreffs Verhütung weiterer Unfälle an.
Marburg, 19. August. Vorgestern wurde von der Bahn zur Irrenanstalt ein Dampfkessel im Gewichte von 330 Centner transportirt. Derselbe ist in der Maschinenfabrik von Hendschel u. Sohn in Kassel angefertigt und wurde der Transport vom hiesigen Bahnhofe nach dem Bestimmungsorte auf einem eigens zu diesem Zwecke von der Fabrik mitgesandten Wagen bewerkstelligt, derselbe war mit 14 Pferden bespannt, ein weiterer mit 4 Pferden bespannter Wagen enthielt die zum Transport und zur Montirung nöthigen Werkzeuge und Vorrichtungen. Ein zweiter, gleich großer Kessel wirb in den nächsten Tagen noch hier cintreffen. Wie wir hören, sollen beide Dampfkessel 28,000 JL kosten.
Corbach, 16. August. Bei dem Brande sind 13 Gebäude mit allen Nebengebäuden, Stallungen unb allem Zubehör mit der großen Menge von Vorräthen aller Art und von jüngst eingeernteten Früchten vernichtet. Im Ganzen finb 14 Haushaltungen mit zusammen 48 Köpfen (ohne das Dienstpersonal) obdachlos geworden. Einige hatten auch nicht versichert. Wie die „Wildunger Zeitung" mitthcilt, wird die Schuld an dem schrecklichen Brandunglücke verbrecherischer Absicht zugeschrieben; die Untersuchung ist im Gange.
Crefeld, 14. August. Der „Eres. Ztg." schreibt man: Daß die allgemein- verbreitete Ansicht, das Vorhandensein einer giftigen Muschel zeige sich beim Kochen derselben dadurch, daß die hinzugegebenen Zwiebeln sich schwarz färben, eine irrige ist, hat wieder ein am Sonntag hier vorgekommener Fall gezeigt. Einsender dieses überzeugte sich selbst, daß die in seiner Wohnung zubereiteten Muscheln die gewöhnliche Zuthat von zwei geschälten Zwiebeln hatten und diese nach dem Kochen ganz weiß waren. Eine halbe Stunde nach dem Genuß einer kleinen Zahl Muscheln (25 bis 30 Stück) fühlte derselbe einen ungewöhnlichen Blutandrang nach dem Kopfe, heftiges Unwohlsein, Jucken in der Hand u. s. w. Ein hinzugezogener Arzt erklärte sofort, daß nach diesen Anzeichen eine acute Vergiftung, herbeigeführt durch eine giftige Muschel, vorliege, erklärte aber, daß die Gefahr durch ein schon erfolgtes Erbrechen vorüber sei. Noch heute indeß ist der Kranke noch nicht vollständig wieder hergestellt und will die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, das Vorkommnis; zur Warnung mitzutheilen.
Hüttenthal, 17. August. sWaldbrand.j Am 13. b. M., Nachmittags 2 Uhr, brach in dem Privatwalde des Gutsbesitzers Joh. Leonh. Schwöbel Hierselbst Feuer aus. Infolge der großen Hitze und Trockenheit und des zur Zeit herrschenden starken Windes verbreitete sich das Feuer so rasch, daß 10 Morgen Wald ein Raub der Flammen wurden, bevor es erstickt werden konnte. Die Entstehungsursache deS Brandes konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden.
Homberg a. O., 16. August. In der Arbeiter-Colonie Neu-Ulrichstein sind zur Zeit 15 Arbeitslose, welche bei der Ernte beschäftigt werden. Die Wohnung des Jnspectors, Lieutenants a. D. Schmidt, ist fertig gestellt unb gewährt ein Bilb, wie es wohlthuender nicht erwartet werben kann. Das eigentliche Heim ber Eolonisten ist noch nicht ganz fertig, geht aber auch seiner baldigen Vollendung entgegen. Besonders interessant ist em Haus auf der Ostseite des Hofes. Es ist dies bie Rcinigungs- unb Desinfcctions-Anstalt. Jeder Ankömmling muß sich hier seiner Kleider entledigen, welche alsbald in den Desinfectionsraum gebracht und dort so lange belassen werden, bis keine Gefahr mehr vorhanden. Der Colonist bekommt gleich eine Arbeiterkleidung, welche er nach vollendeter Abverdienung als sein Eigenthum betrachten darf. Tie ersten 14 Tage arbeitet Jeder umsonst. Nach dieser Zeit wird nach Leistung, Fleiß und Geschicklichkeit eine vom Jnspector zu bemessende Vergütung von 20 bis höchstens 40 Pfennig gewährt, welche nach dem Abgang, der spätestens 3 SDtonate nach Ankunft erfolgt, gegen Quittung ausbezahlt wird. Mit Krankheiten Behaftete oder Betrunkene werden nicht aufgenommen. Auch für die kleinsten Bedürfnisse und Angewöhnungen der Eolonisten ist in liebenswürdigster Weise gesorgt. Sogar Pfeifen und Tabak finb vorhanden, welche in dem gemeinschaftlichen Gesellschafts- oder Rauchzimmer geraucht werden. Zwei schone und große Speisesäle machen den Aufenthalt in der (Kolonie angenehm und mancher Stromer dürfte aus derselben als ein neuer Mensch hervor- geben. Die Schlafsüle sind gut unb luftig angelegt, eiserne Bettstellen mit Strohsack, Leinentuch uxb wollener Decke bilben die Ausrüstung derselben. Zwei Aufwärter können die Säle jederzeit genau überwachen. Der Genuß geistiger Getränke in der Anstalt ist gänzlich untersagt und wer sich etwa beigehen lassen wollte, solche einzu- schmuggcln, wird alsbald entlassen.
— sEin Stieraefecht.j Aus Madrid wird der „W. A. Z." geschrieben: „Trotz der furchtbaren Krankheit, welche die Bevölkerung bccimirt, hat biefe die Luft an aufregenden Vergnügungen nicht verloren. In Vittoria fand in den ersten Tagen dieses Monats ein Stiergefecht statt und dabei ereignete sich eine Scene von ganz schauerlicher Art. Der erste Stier war erlegt, die gefallenen Thiere, Stier und einige Pferde, würben fortgeschafft unb das reichlich verspritzte Blut warb mit frischem Sande bedeckt, als das Zeichen für den zweiten Stier erscholl. Tas Thier erschien am Eingänge, argwöhnisch die glühenden Augen rollend unb brach bann beim Erblicken des Torero, ähnlicher einem Tiger denn einem Stiere, mit einem furchtbaren Satze hervor und mit einem zweiten gewaltigen Sprunge über die Schranke, mitten ins Volksgedränge. Tie ihm zunächst standen, zertrat unb zerstampfte er, während andere in die Höhe geschleudert wurden. Ein furchtbares Jammern unter der Zuschauermenge brach los, wahrend das wüchende Thier viele Männer, Weiber unb Kinber schwer verwundete. Eine Abtheilung der Stabtwache, welche, um die Ordnung beim Schauspiele aufrecht
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