Beilage zu Ar. 45 des „Gießener Anzeiger".
Unsere Getreides olle.
Die Abstimmungen im Reichstage haben den Brwetfl erbracht, daß die vorn 5<e chflkavjlcr geführte agranfche Härtet Übci die Mehrheit der Summen oertü-i- Seit ch hat sich dreie Majorttät Mchi damit begnügt, die von der Regierung vorge- logeve Höhe der Zollsätze avzanehmeu. sondern ist in einzelnen PofiUonen über die- ,«ldcv hinauSgegaugeo, so z B- beim Roagenzoll, der gleich bim Welzenzoll auf da« Dreifache — »oa 1 X aut 3 X — gesteigert worden ist, während dte RcgierungS» Vorlage sich hier mit <iicr Verbopp-lang de« jetzigen Satz:« von 1 X begnügte- Iedevsall« mutz jedoch anerkannt werden, daß Fürst Bismarck, ein vnübertroffener Meister der politischen lafttf, hier ebenso wie bei der Jnaugurtrnng der öolonlab paUtif den richt gen Moment wahrgenvmmrn hat, um durch Einbringung der Zoll« Novelle sich die Führerschaft der agrar,scheu Bewegung zu sichern, und indem er sich von dieser tragen lätzt. dec Regierung da« Verdienst der Initiative gewahrt zu haben- Wann die Ansprüche der Sararter jebcrzett ein Faktor, der in der polUischen Be- rechnuvg die gebührende Berücksichtigung finden mutzte, so lätzt sich nicht bestreiten, daß dieselben io einem Momente, wo Frankreich an die Erhöhung seiner Agrar,ölle geht, wo die d.ntsche Lavbwirthschaft unter dem Drucke einer ungewöhnlich ungüastigeo Eonjunctur seufzt, geradezu populär geworden find, und datz nicht die landwirthschast» ttchro Interessentenkreise allein von der Erhöhung der Azrarzölle eine Befferung unserer wirtschaftlichen BerhLUoiffe erhoffen. Unser Reichskanzler hat durch dte Vorlage gezeigi, datz er sich denselblN Erwartungen hingibt. und er hat die« gelegentlich der Berathungen durch seine gehaltenen Reden ausführlich dokumentirt-
Uederblicken wir noch einmal b‘.e Verhandlungen de« Reichstag« und soffen be« sooderß die Zusammensetzung der Majorität für die Gettetdezölle nach dem verhältnitz der o-kschiedcvcn Parteien in'« Auge, so drängt sich un« sogleich eine charakteristische Eiaenihüml'chkett auf. Rur ein geringer BlUchthril der Parteien hat ganz ««schlossen sür oder gegen die Vorlage gestimmt. Forschen wir weiter nach dem Grunde dieser TUffallmden Erscheinung, so liegt dieselbe offenbar zum wesentlichsten Tdeile darin, datz die Frage der GetretdrzSlle vorwiegend einen wirthschaftlichen Charakter trögt, also auch nicht -inseitig nach politischen Gesichtspunkten zu enischetden tst. Nicht politischer Liberalismus und Reaction, sondern Freihänkler und Schutzzöllner, Agrarier und In- dustriclle standen sich in dcn Debatten tu« Reichstag« gegenüber. Wenn in dem <5tu t." zwischen Schutzzöllnern und Freihändlern wirklich von einem politischen Gegen» satze die Rede sein kann, so 'st da« nur in jenem von der Parteitaktik deS Augenblick« adsrhenden höheren Sinne der Fall, In welchem beide entgegengesetzte Parteien ihre ewige Geltung haben- K
Gthrn wir der geistigen Wesenheit dieser beiden Gegensätze nach, so finden wir, daß der L beraliSmuS das ideale Steeden nach Vervollkommnung deS Menschen, der LonservaüSmuS die praktische S^dachmahme auf die Unvollkommenheit de« Menschen, darstei't. wobei sich beide ab-, kelneSw.-gfl auSschlietzen, sondern manche BerührungS- punkte ausweisen und schlictzl ch auf daS gle che Ziel hinaublaufen, die Veredlung und Giucki'ligtert de« Menschengeschlecht«. D<r L-beraliSmu« betont besonder« die Freihe t de« Gedanken« und der Ueberzeugung, der ConseivatiSmuS sucht die Völker in der er* uioöun eih schen Grundlage der Glaubenslehren feftzuhalien, da nur Wenige moralisch ,u Philosoph!'en und diese Minderzahl den Mafien die Lehren deS Glaubens nicht zu ersetzen vermögen-
Der LiveraliSmuS verlangt den Freihandel und hält fest an den PreiSgefetzen de« Angebots und der Nachfrage, der ConseivatiSmuS erwägt die Gefahren, welche den augenvl cklichen Besitzstand durch die Uedermacht fremder Productionen bedrohen, er erwägt dte Unvollkommenheit deS Güteraustausche« und der Verkehrsmittel und schützt auv gleichen Gründen die eigene wirthschaftl'che Ordnung, auS denen er die bestehende politiidje Ordnung oerth idlgf. Je nach den Gesetzen deS geistigen Fortschritts und der physischen Schwächen der Gesellschaft, de« Staates wechselnden Abschnitten lösen die berichtigte und oothwendige Herrschaft liberaler und eonservativer Systeme einander ab, weil sie beide in der menschlichen Natur begründet find.
Wenn wir von diesem Standpunkte auS die W'rthschaftSpolitik der maßgebenden Staaten betrachten, so ergibt sich alS Resultat, datz sich in unseren Tagen eine allgemeine Hinneigung zum Schutzzoll kandgibt- England, Frankreich, Amerika, ftüher die Länder de« Freihandels par eroellence, zeigen die« recht deutlich. Für die beiden letzt n Länder brauchen wir die« nicht näher zu betailliren. Allein auch in England hat sich eine neue wirthschaftliche Partei gebildet, welche an die Stelle der Lehre von der HandelS- fteihe i den Grundsatz nothwendigen Schutzzolles für diese oder jene Jnbusttte ober Ackerbau Product on setzen will. Anstatt für ,free tradee erklärt sich diese Partei für .faire trade", tz. h. für einen gerechten Handel, wom't sic sagen will, datz ihr weder der Freihandel noch der Schutzzoll al« ein unfehlbare« System gelten, fonbern daß sie nach Bevüttmtz in bestimmten Fällen diesem ober jenem den Vorzug geben. Die Partei hat sich erst fett ewigen Jahren gebildet, zählt aber bereit« eine große Anzahl Anhänger, darunter sehr eivfiutzreiche. Sie wird demnächst Im Parlament ihre St-mme erheben, um den Bewei« zu führen, datz dte gegenwärtigen Industrie, und Ackerbauverhältn fi- des Weltmarkt« efl für England unthnolich machen, verschiedene seiner Peoductton-n durch die Einfuhr billiger fremder Concurrenz auf dem englischen Boden selbst rutntren iu losten. So w? t ist efl mit dem gewaltigen Herd mit dem Mittelpunkt der modernen neberprobuetton gekommen.
Unter solchen Umständen Ist efl erklärlich, daß die Zahl der absoluten Freihändler immer mehr im Schwinden begriffen ist Ebenso nimmt jedoch auch bie Zahl der sog. Hoch Schutzzöllner ad- Hinreichender Schutz der nationalen Arbeit, um dieselbe vor dem Ruin durch fremde Concurrenz zu schützen und den Arbeitern möglichst ihre Beschäftigung und Ihren Unterhalt sicherzufteUen, darin befiehl da« Hauptziel der gegenwärtigen oolkSwirthschaftlichen Bestrebungen.
Fürst Biflrnarck bat nun die These her Trennung der volkSwirthschaftlichen In- teresicn'vhäre von jenen der hohen Politik zur Bast« seiner Wirtbschaftflpol t k gemacht und zugleich den Schutzzoll zur praktischen DurchiÜhrung derselben al« nnentbehrl ch eracht t. Er selbst sagt daher von sich, gerade da« sei e'nefl seiner gröhien Verdienste um da« Vaterland, daß er dasselbe durch ferne wirthschaftliche Schutzzollpolitik „vor Enikrältigung und ökonomischem Zusammenbruch gerettet habe*. Die Nachwelt w rb keinem Zareif l m hr Über den Erfolg dieser WirtbschafiSpolri k unterworfen sein
»ährend die Mitwelt derselben inzwischen chre Sympathien mehr und «ehr zu- zuwenden scheint-
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Vermischte 4.
Lauterbach, 17 Februar. Gestern wurde der am 13 d. Mt«. dahier im 72. Lebensjahre verstorbene Senior der Familie v. Riedesel, Giesedert Riedesel, Freiherr zu Elfenbach, Erdmarschall zu Hessen, Oberst b la saiu de« Grotzh. Hessischen Garde-Dragoner»Reg»mentfl Rr. 23, Grotzh. Kammerherr, erbliche« Milglied de« preuhischen Herrenhause«, der ersten Äammer der Stände d»« Okotzherzogihum« Hess<u und de« Ccmmunallanbtag« für den Regierungsbezirk Kassel, sowie Ooe, Vorsteher de« ritterschaftiichen Äauffunatr Stifte, dahier zu Grade getragen. Im Jahre 1613 auf Schloß Älbnburg, dem Stammsitze der Altenburger L'nie de« Hause« R-edesel g doren trat er 1831 in da« nunmehrige Grotzh. Hess. Garde*Dragoner*Rcgiment Rr. 23 (damal« Garde-Ebevauxlegcrfl-Rcgimeni), in wklchem er bi« zum Oberst und Reg ment«- commonbeur avaueirte und bem er bi« zum Fiühjabr 1870 wo er au« G sundheitS* rückstchten in ben Penston«stanb trat, angehörte. Währenb befl Feldzug« 1870/71 stand er noch zu Diensten der Prinzessin Ludw-g, nachmoiigm G oßdrrzog«, im Jahre 1871 aber bezog er mit seiner Familie den alten R>edes<l'schen Farniliensitz Lauterbach Der verstorbene, welcher in glückl-chster Ehe mit Anna, ged. Freltnvon Stosch und S'eg'vth l<vte und außer dieser feiner W'tiwe einen Sohn. Rittmeister im Westphäl schen ^ürassi-rreg'MkNt Nr. 4, sowie zwet Töchter h.nterlätzt, war wegm seine« reinen, wahrhaft edlen Charakter«, wegen seine« Pflichtgefühle, seiner HcrzenSgüte, ferner aufrichtigen Frömmigkeit und unermübl chen Milbthätigkeit bet Allen, bie ihn kannten, geliebt und hochgeachtet, und diese Hochachtung und L>ede bocumentirte sich denn auch bei seiner gestrigen Leichenfeier, die eine wahrhaft großartige ernannt werden kann. N cht nur ganz Lauterbach und ein großer Thcll der Bewohner der Umaegenb nahm an dieser Feier The'l, auch auS der Ferne war eine große Anzahl von P rfonen von D'stinct'on zu berfelbm gckommen Se. Kgl. Hoheit der Giotzbcrzo« war durch seinen Flügeladjutanten Major und Oberstallmeister von Nordeck zur Raoenau vertreten, da« Regiment, dem der Verblichene |. Z. angehörte, hatte unter Führung drS Regiment«- commandkU'«, Obersten von Älübcr, eine Deputation von b Oifiz'eren nebst der ganzen Reg'mentScapelle entfenbet. bie SiandeSherren be« GroßherzogihumS waren durch den Fürsten zu SolmS-L ch und den Grafen wie ben Erbgrafen von Schlitz, gen. von Görtz, repräfentttt, die althessische Riiterschaft, sowie b e Ritterschaft de« Kauffunger Suh« hatten Deputationen entsendet, und eine größere Anzahl thc'l« noch octiver. the>l« io ben Ruhestand getretener höh rer Offiziere, die mit dem Verblichenen f Z. gedient hatten, waren herbelgretlt, um brmfdbcn bie letzte Ehre zu erweisen. Auch sämmtliche Freiherren Riebffel, mit Ausnahme beß in Sofia weilenden Freiherrn Volprecht Riedtsel, folgten dem Sarge. Nachdem die Leiche, die io dem sogen. Hofhaufe, dem Slerdehaufe, schon Tag« zuvor unter einer reichen Fülle von Blumen und prachtoollro lk'änzen, darunter auch em sihr reicher lkranz befl Regiment«, aufgebahrt und aufl« gestellt war, durch Dccan Stock untcr Afsistmz der zahlreichen durch die Freiherren Riedesel präfentirten Geistlichen im Sterbehause eingesegnet worden war, fand in der in allen ihren Räumen überfüllten großen Stadtkirche, in welche der Zug mit dem Sarge sich zunächst bewegt hatte, die Le chenrede durch Oberpfarrer Ruumann dahier statt. Von der Kirche bewegte sich der Zug unter den Klängen defl von der RegtmentS- musik Intontrten Beethoom'fchen TrauermarscheS und unter dem Geläute tämmtlicher Glocken durch die obere Stadt noch dem Friedhöfe und zwar in folgender Reihenfolge: Vor dem durch 20 Riedesel'fche Forstwarte abwechselnd getragenen Sarge folgten hinter der den Zug eröffnenden Regim-ntflcapelle der Kriegeroerein und der hiesige Männer- gesangverein mit ihren Fahnen, sodann sämmtliche Lehrer und bie grsammte Geistlich- fdt- Dem Sarge zunächst voran schritt ber RegimentSadjutant befl Garbe-Dragoner- RegimentS mit ben Orden de« Beiblichenen auf schwarzem Sammtk'ffen. Hinter dem Sorge folgten die HauSdienerschaft und die hiesigen Diaconissenfchwesterv, dann bie rächstcn Verwandten b*6 Verblichenen und die zahlreich erschi.nenen Ehrengäste, zum großen Thetle in glänzenden Uniformen Di fen folgten die fämmtfchen Riedrfel'schen Beamten, darunter die Forstbeamtm in Uniform, bann sämmtliche hier »obnenbe Großherzogl che Beamten, der Gerne nderath, ber Kirchenoo stand und etn große, Zug sonstiger Leidtragenden Am Grabe wurden von Decan Stock noch zwei Gebete gesprochen, zwischen welch n durch den Männergesangverein da« Lied „Ueber allen G'pfeln ist Ruh!^ und vor und nach welchen von ber RegimentScav lle ein Cboral oorgetraaen wurde. — Sanft ruhe die Asche de« Dohingesch'edenen. desi n Andenken nicht e löichea wtrb. — In dem SiN'orate und der Erbmarfchallflwürbe folgt nunmebr olfl «rliefter de« Geschlecht« ber 1845 geborene Neffe deS Verblichenen, Georg R ebtfel, Freiherr zu Essenbach, auf Schloß fllttnburfl bei «Iflfelb.
Heber Retter'S Haarwaffer.
ES kann Nicht genug wiederholt werben, und ist auch darüber schon Viele« von Autoritäten geschrieben worden, daß Oele und Pomaden die Hautporen nur oerfiopfen, in Folge Zutritts des Staubes sich eine Schichte bildet, welche dre HautausdÜnstung verhindert, die Haarwurzeln erstickt und dadurch Kopfleiden und kahle stellen erzeugt. Und dennoch gibt es noch eine Unzahl Leute, die im blinden Vertrauen auf schwindelhafte Reclame — unbedacht, ob das Versprochene zu erfüllen möglich sei — Hundert- tausende für schädliche Haarmittel ausgeben und in dem Wahne leben, neue Haare auf kahlen Stellen zu erzeugen, während sie damit doch nur den Charlatanismus unterstützen und ihrer Gesundheit schaden. Wäre es denn nicht viel oernünfttger, bei Z-tten von dem unnatürlichen Dressiren der Kopfhaare abzulassen und dafür ein WirkUch gutes conseroirendes Haarmittel statt der insaesammt schädlichen Oele und Pomaden zu gebrauchen? Als ein solch' verläßliches und unschädliches Mittel kann das
Haarwasser von Carl Retter in München
nicht genug empfohlen werden, da dasselbe laut Gutachten hervorragender Autoritäten, wie Professor Dr. v. Wittstein rc- rc-, Alles enthält, um das Haar feucht, weich, glän« zend und die Kopfhaut immer thätig und weich zu erhalten, sowie die lästigen Schuppen innerhalb acht Tagen gänzlich zu entfernen. — Zu beziehen per Flacon i 40 unb X 1.10 bei Herrn C- Merkel, Marktsttaße, Gießen.
Allgemeiner Anzeiger.
Ausserordentliche
Mitglieder-Versammlung
der
Ccnttal-Kranktn- und Sterbe-Kaffe der Tischler rc.
Sonntag den 99. d. M.,
Nachmittags präci« 3 Uhr, auf Isonu'8 Bierkeller.
Tages-Ordnung: 1) Abrechnungen.
2) Bericht der Ottsvermaltung.
Das Erscheinen iämmtlicker Mitglieder wird sehr gewünscht.
1067 Die LrrSVerwaltung.
1146 Ein braves lÄ&bdien kann dal- I 962 Unkaus von Lumpen, Knochen bigsi Eintritt erlangen. Eisen, Messing, Werg, Akren, Geschäfrs-
Do? sagt die Erved- d- Bl- I bücher:c. ;um Einssamvfen. Neuenweg 22
durch erreicht, daß
5.
1.
2.
3.
4.
Das sogenannte Schwitze«
der Petroleumlampe« ist durch unsere Erfindung vollständig beseitigt. ES ist da
Tltc unangenehme Fettigkeit nicht mehr vorhanden ist, welche die Lampen »rn^nÄÄfö zachen Glas und Metall nicht mehr -tz^Tro^en'derEHänaelampen beseitigt ist, wodurch Möbel, Tischdecken, welches b^sher^auSschwitzte, nunmehr voll und ganz für die Be- ^leuchtung ausgenutzt wird; dieses bildet im Laufe der Zett loo^l, daß die kleinen Soften der Umänderung alter Lampen sich schon in einem Winter reichlich bezahlt machen-
Das ewige Abputzen der Lampen unseren Hausfrauen erspart bleibt. Für den Erfolg dieser Erfindung leisten wir unbedingte Garantie. Bebe alte Lampe kann jeder «lempnerr md; ber neuen^nn^tun0 versehen, ohne daß man aenöthigt ist, Brenner ober Fuß der Lampe zu erneuern-
Reue nicht schmähende Petroleumlampen in ttder Lampenhandlung kamlich. Berlin w., Wilhelmstr- 98.
Berliner Lampen- und Broncewaaren-Fabnk,
vorm. C. W. Stobwasser d: Co.. Act -Ges.


