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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Einladung rum Abonnement "^r
auf den
Gießener Anzeiger, flmts= unö Anzeigeblatt für Den -Kreis fließen.
Der „Gießener Anzeiger" erscheint, wie gewobnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen, incl. wr Beilage „Gießener Familienblatter" welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden.
Der AbonnemevtSpreis für den Anzeiger, frei in s Haus geliefert, beträgt 2 Mark 20 Pfg.; für auswärtige 'Abonnenten, welche nur bei der Post abonniren können, 2 Mark ercl. Postgebühr.
Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im III. Quartal 1885 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen.
Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefälligst aufgeben zu wollen, damit wir vollzählige Exemplare liefern könne». Die Expedition.
Amtlicher HHeik,
Gießen, am 20. Juni 1885.
Betreffend: Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Gr otzh ermöglich en Bürgermeistereien des Kreises.
Wir sehen der Einsendung der Verzeichnisse der von Ihnen ausgestellten Bedeckscheine binnen 8 Tagen entgegen. Dr. Boekmann- __________________________ ________
Gefunden: 1 Taschenmesser, 1 Schulbuch, 1 Strumpfband, 1 Arbeitsbeutel, 1 Handkoffer, 1 Schürze.
Gießen, den 20. Juni 1885. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
_________________I. V.: Kraemer. ■
Berlin, 18. Juni. Ein Unfall, der gestern Abend den Wagen des Kronprinzen betroffen hat, hätte leicht die allerschlimmsten Folgen haben können. Der Kronprinz hatte den König von Sachsen in einem Galawagen vom Bahn- Hose abgeholt, um ihn in's königl. Schloß zu führen. Der Kutscher verlor aber, Die die „ft. Z." berichtet, schon vor der Durchfahrt de« Brandenburger Thores »ie Macht über die aufgeregten Pferde; er konnte nicht einmal in das für die .Hos-Equipagen vorbehaitene Mittelportal einbiegen, sondern mußte durch eine« der Seitenportale fahren und stieß hierbei gegen einen Prellstein an; dadurch ging die Deichsel des Wagens aus der Oese, und das Nachschleifen oerselben scheute die Pferde dermaßen, daß sie in der schärfsten Gangart die Linden herabraflen. Glücklicherweise blieben der Kronprinz und der König von Sachsen ruhig auf töten Plätzen, während durch das Hin- und Herschlendern des Wagens einer der Lakaien vom Trittbrette herabgeschleudert wurde. Erst jenseits der Wil- helmstraße gelang es einem Manne, dem rechten Pferde in die Zügel zu fallen und es so aufzuhalten, daß es stolperte. Der Wagen erhielt bei dieser Gelegenheit einen derartigen Ruck, daß er auf das Trottoir übersprang und saft unmittelbar vor den Häusern zum Stehen kam. Erst jetzt stiegen der Kronprinz und der König von Sachsen aus und setzten nach kurzem Aufenthalt die Fahrt zum Schloß in einem nachfolgenden Wagen des Adjutanten fort.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Correspondenz - Bureau.
Berlin, 19. Juni. Die Abreise des Kaisers nach Ems ist auf Sonntag Abend festgesetzt. ^ute Abend 6 Uhr 35 Min. von Dresden auf dem Anhalter Bahn- Li ofe eintreffende Leiche Manteuffel's wird in dem königlichen Empfangssalon aufgebahrt. 8um Empfange wird das gesammte Officiercorps der Garnison tm Parade- a uuia mit Ordensband anwesend sein. Eine Escadron des 1. Gardedragoner-Regiments Fuß mit dem Trompetercorps verbleibt auf dem Bahnhofe bis zur Weiterbeförderung hier Leiche auf der Verbindungsbahn.
— Zum feierlichen Empfang der Leiche Manteuffel's waren die Generalität ; Berlins und Potsdams, die obersten Hofchargen und das Officiercorps der hiesigen Garnison auf dem Perron vor den Königszimmern des Anhalter Bahnhofs versammelt; außerdem Deputationen verschiedener Regimenter, die Militärbevollmächtigten der deutschen'und fremden Staaten. Das Königszimmer des Bahnhofs war at§ chapelle aadente umgewandelt, inmitten des Zimmers stand eine schwarz verhüllte Estrade. Die Einaänac waren mit Doppelposten besetzt. Vor dem Einlaufen des Zuges erschienen d»rr Kronprinz und Prinz Wilhelm. Von militärischem Salut begrüßt lief der Zug em ' Während der blumenbekränzte Sarg herausgehoben wurde, wandte sich der Kron- vmm den Hinterbliebenen des Statthalters zu. Unter Vorantritt zweier Adjutanten iMirde dann der Sarg in das Königszimmer getragen; dem Sarge folgte der Kron- inim mit der Tochter des Verewigten, hierauf die Lohne und Verwandten depelben, tüht-^d di- Musik die Choräle: „Jesus meine Zuversicht" und „Christus der tft -mein Leben" spielte. Der Kronprinz legte dann einen Lorbccrkranz auf den Sarg und her Kaiser lieft einen mit einem goldenen W und der Kaiserkrone geschmückten 'Wanz niederlegeu. Nach dem Abspielen der Choräle verließ der Kronprinz mit dem Minzen Wilhelm den Bahnhof. Unter Salut der unter Gewehr oerblt-benen Wache mild unter -Borantritt her Adjutanten erfolgte dann bte Ueberfuhrung der Lerche nach bk cm Schlesischen Bahnhof.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." enthält eine Betrachtung über die durch die Eholera in Spanien erzeugte Lage und die damit verbundene wirtschaftliche Panik, in welcher es heißt- Je allgemeiner die Niedergeschlagenheit ist, welche sich der Nation bemächtigt zu haben scheint, in desto hellerem Lichte erglänzt die Handlungsweise des spanischen Königspaares, welches keinen Augenblick gezögert hat, der Bevölkerung das Beispiel muthigen Ausharrens auf dem gefährdeten Posten und besonnenen Verhaltens inmitten der dräuenden Widerwärtigkeiten zu geben. Die „N. A Z." hebt weiter Hervor, wie der König schon im letzten Jahre angesichts des durch Cholera, Erdbeben und Ueber- schwemmung verbreiteten Unheils persönlich auf dem Schauplatze der Gefahr erschien, mit Rath und That einschreitend und sich als treuen Freund des Volkes in den Saßen der Noth bewährend. So sei auch jetzt sein und seiner Gemahlin Entschluß, die Hauptstadt während der Dauer der Epidemie nicht zu verlassen angesichts der nationalen Heimsuchung, unter deren Joche die große Menge nur zu leicht erliegt, wenn ihr fern moralischer Anhalt geboten wird, von höchster idealer Tragweite. Der Entschluß zeuge von jener Erhabenheit der Auffassung königlicher Berufspflichten, welche den Begnst des monarchischen Staates hoch emporhebt über landläufige politische Doktrinen, die noch obendrein nur zu oft von der Parteien Gunst und Haß verwirrt zu werden pflegen Spanien werde, hinblickend auf die selbstvergessene Hingabe seines Herrscherpaares an die Noth des Landes, alle künftigen Heimsuchungen leichter ertragen.
Bern, 19. Juni. Der Nationalrath hat mit 71 gegen 31 Stimmen das vom Ständerath beschlossene Postulat, die Bestimmungen der Militärorganisaton über den vorbereitenden Militärunterricht im Jünglingsalter nicht auszufrchren, abgelehnt. ( , ,, ,, , .
Brünn, 19. Juni. Einer dreigliedrigen Arbeiter - Deputation , welche der dem Statthalter die Einwirkung der Regierung erbat, daß die Fabrikanten den zehnstündigen Arbeitstag bewilligen, erklärte der Statthalter, die Regierung könne dies als Worin nicht unterstützen. Er rieth den Arbeitern, sich mit den Fabrikanten gütlich auseinanderzusetzen und warnte vor den Folgen eines längeren Strikes und etwaiger
London, 19. Juni. Heute früh find noch li Leichen der bei dem Grubenunglück in Cliftcmhall Verunglückten gefunden. Es ist keine Hoffnung vorhanden, die noch in der Grube Verschütteten zu retten. Die Gesammtzahl der Umgekommenen beträgt nach den neuesten Ermittelungen mindestens 140.
Rom, 19. Juni. Der König empfing heute Vormittag Mmghetn, heute Nachmittag Cairoli und besprach mit denselben die Situation.
_ Der König empfängt heute Abend Nicotera und den ehemaligen Prastdenten der Kammer, Farini, um mit denselben die militärische Situation zu besprechen. Es heißt, der König werde auch Eialdini empfangen.
Madrid, 19. Juni. Gestern sind hier 5 Erkrankungen und 1 Todesfall an Cholera vorgekommen.
London, 19. Juni. Oberhaus. Salisbury theilt mit, die Unterhandlungen wegen des neuen Cabinets seien noch nicht so weit gediehen, daß von irgend einer Seite eine Erklärung abgegeben werden könne, er wünsche daher Vertagung des Ha m es bis Dienstag; ebenso beantrage er, die Erwägung der Amendements zur Wahlbezirrs- bill ebenfalls bis Dienstag zu vertagen. Sobald die Annahme der Bill erfolgt lei, wäre die Parlamentsauslösung vor November unmöglich. Eine solche constitutlonellc Neuernng wie die Wahlbezirksbill dürfe nicht vorgenommen werden zu einer Seit, tuo- keine verantwortliche Regierung im Amte sei. Kimberley bekämpfte den Antrag, denelbe wurde jedoch mit 124 gegen 56 Stimmen angenommen. Darauf wird das Oberhaus bis Dienstag vertagt. z,, , ,, „ .
— Unterhaus Gladstone beantragt Vertagung bis Dienstag. Labouchdre fragt an, ob es wahr sei, daß die Cabinetsbildung noch nicht erfolgt sei, weil Salisbury bte verlangte liberale Unterstützung nicht erhalten habe, Gladstone antwortet, Salisbury


