Krrgltmd.
London, 18. Ju»i. Die Mitglieder des Cabinets Gladstone versammelten sich bei dem Letzteren, um die Vorschläge Salisbury's und die Führer der Conservativrn bezüglich der Unterstützung, welche die Liberale» der neuen Regierung im Unterhause gewähren sollen, zu erörtern. Dem Vernehmen nach lehnen Gladstone und seine Kollegen, indem sie sich vollständig bereit erklären, den Tories eine allgemeine Unterstützung zu gewähren, es ab, sich bis zu einem gewissen von den Conservativen gewünschten Punkte zu verpflichten. Diese Schwierigkeit wird möglicherweise die Installation des Cabinets verzögern.
— Für den Prinzen Friedrich Karl ist Hoftrauer bis zum 30. Juni angeordnet.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Eorrespondenz - Burea«.
Berlin, 18. Juni. Der Kaiser empfängt Abends 7% Uhr sämmtliche hier zur Leichenfeier eingetroffene Fürstlichkeiten und Abgesandten.
Berlin, 18. Juni. Der Chef der Admiralität, Generallieutenant v. Caprivi, bringt folgende Allerhöchste Cabinetsordre zur Kenntniß der Marine:
„Ich bestimme aus Anlaß des Hinscheidens des Prinzen Friedrich Carl von Preußen, K. Hoheit, daß Mein Panzerschiff „Friedrich Carl" während der Dauer '^>er Beisetzungsfeierlichkeit die Raaen über Kreuz zu toppen, Flagge, Commandozeichen, sowie Gösch Halbstocks zu hissen und einen Trauersalut von einundzwanzig.Schuß zu feuern hat.
Berlin, den 16. Juni 1885.
Wilhelm."
An den Chef der Admiralität.
Berlin, 18. Juni. Die Nachricht, daß der Juftizausschuß des Bundesraths gestern den Antrag wegen der braunschweigischen Erbfolge berathen habe, bestätigt sich nicht. Der an Stelle des erkrankten Referenten Dr. Krüger neuernannte Referent Dr. Neidhardt ist noch mit der Prüfung des Materials beschäftigt.
— Dem Vernehmen nach wird gegenwärtig die Frage der Entsendung von Sachverständigen nach Spanien zur Beobachtung der Cholera - Epidemie- und Jmpf- frage erwogen.
Berlin, 18. Juni. In der heutigen Bundesrathssitzung wurde aus Antrag Sachsens der kleine Belagerungszustand über Leipzig aus 1 Jahr verlängert.
Potsdam, 18. Juni. In der vergangenen Nacht fand die feierliche Ueber- führung der Leiche des Prinzen Friedrich Carl aus der Glienicker Dorftirche nach der Garnisonkirche statt. Um ll^Uhr nahm die zur Feier hierher eommandirte EWdron der Ziethen-Husaren gegenüber der Kirche Aufstellung. Kurz nach 12 Uhr betrat Frinz Friedrich Leopold mit dem Herzog und der Herzogin von Connaught die Dors- kirche. Nach einer stillen Andacht wurde der Sarg auf den mit 6 Pferden bespannten Leichenwagen gehoben und mit schwarzem Tuch behangen. Den Zug eröffnete eine Abthcilung vom 3. Garde-Ulanen-Regiment, hierauf folgte eine halbe Escadpon Ziethen- Husaren, sodann ein Galawagen mit dem Hofmarschall v. Kanitz. Der Leichenwagen war geleitet von Fackelträgern und zwei Stallmeistern. Hinter demselben folgten im Galawagen Prinz Friedrich Leopold, der Erbgroßherzog von Oldenburg und der Prinz von Sachsen-Altenburg, hieran schloß sich Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz im offenen Wagen mit dem Adjutanten Major v. Kessel; alsdann folgte der Stadt-Com- mandant General v. Hahnke mit dem Polizeidireetor Wolfgram. — Der Zug bog rechts von der Chaussee ab, zog durch den dienen Garten an dem Marmor - Palais vorbei und gelangte durch das Nauener Thor unter dem Geläute aller Glocken in die Stadt und um IV2 Uhr an die Garnisonkirche. Die Feldwebel des 1. Garde-Regiments hoben den Sarg vom Wagen und stellten denselben vor den Altar; währenddessen spielte die Orgel. Darnach sprach Hofprediger Dr. Rogge ein kurzes Gebet. — Die Todten-Ehrenwache wird von Majoren der hiesigen Garnison gehalten.
Potsdam, 18. Juni. Die Leichenfeier des Prinzen Friedrich Carl verlief programmmäßig. Um W/t Uhr erschien der Kronprinz in Vertretung des Kaisers mit dem König von Sachsen, der Kronprinzessin, sowie den Schwestern, Töchtern und Schwiegersöhnen des Perstorbenen und den übrigen preußischen Prinzen, Prinzessinnen und fürstlichen Gästen. Außerdem waren das diplomatische Corps, das SÜtats- minifterium, die Generalität, zahlreiche militärische Deputationen, das Offiziercörps, Vertreter der städtischen Behörden Berlins und Potsdams und der Rector der Universität - Berlin erschienen. Der Chorgesang: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt", eröffnete die Feier. Die Begräbnißliturgie hielt Hofprediger Rogge, die Gedächtnißrede Oberhofprediger Kögel. Während des Gebets und der Einsegnung wurden die Ehrensalven abgefeuert. Alsdann knieten die fürstlichen Herrschaften in stillem Gebet um den Sarg. Bald nach zwölf Uhr wurde der Sarg auf den Leichenwagen gesetzt und durch das Truppenspalier hindurch nach Nikolskoe gebracht, woselbst die Beisetzung in aller Stille im engsten Kreise der königlichen Familie erfolgte.
Baden-Baden, 18. Juni. Ihre Majestät die Kaiserin hat heute Nachmittag 2 Uhr Baden-Baden verlassen, um sich nach Coblenz zu begeben. Der Großherzog, die Großherzogin und der Ervgroßherzog begleiten Ihre Majestät bis Karlsruhe.
Düsseldorf, 18. Juni. Professor Camphausen (der berühmte Maler) ist heute Vormittag 10 Uhr an Lungenlähmung plötzlich verstorben.
Kisfingen, 18. Juni. Die Minister v. Lutz und v. Crailsheim trafen heute Mittag hier ein und begaben sich sofort zu dem Reichskanzler Fürsten v. Bismarck.
Brünn, 18. Juni. Der Strike ist im Zunehmen, die Arbeiter fangen an, außer der zehnstündigen Arbeitszeit auch Lohnerhöhung zu fordern, während die Fabrikanten bei der angebotenen lOS/rftünbigen Arbeitszeit beharren. Bis 6 Uhr Abends wurde die Ruhe nicht gestört; einzelne Ansammlungen wurden in friedlicher Weise zerstreut.
Rom, 18. Juni. Der König conferirtc heute Nachmittag mit dem Präsidenten des Senats und der Kammer.
Rom, 18. Juni. Kammer. Der Ministerpräsident Depretis theilte mit, das Ministerium habe in Folge des gestrigen Votums der Kammer dem König sein Entlassungs-Gesuch überreicht. Der König habe sich weitere Entschließungen vorbehalten. Das Ministerium werde daher vorläufig die laufenden Geschäfte erledigen. Die Kammer möge die noch nicht beratenen Budgets des Unterrichts, der öffentlichen Arbeiten und des Innern berathen, in Erwägung, daß bei der Votirung dieser Budgets nur eine einfache Verwaltungsfrage in Betracht käme. Die Kammer stimmte zu und begann 'die Berathnng des Budgets des Unterrichts.
Madrid, 18. Juni. In der Kammer fritifirt Sagasta lebhaft die officielle Mittheilung über1 die Cholera, weil sie sowohl Madrid als die Handelsinteressen derselben schädige. Canovas erwiderte, die Mittheilung sei nach den Berichten der Aerzte nothwendig gewesen, übrigens gehe die öffentliche Gesundheit den Madrider Handelsinteressen vor. In den Provinzen" Murcia, Valencia und Castilien kamen gestern 575 Erkrankungen und 222 Todesfälle an Cholera vor. In Madrid gab es 5 Choleratodte.
London, 18. Juni. In dem neuen Cadinet sind die Ministerien folgendermaßen vertheilt: Salisbury, Premier und Auswärtiges; Giffard, Lordkanzler; North- eote, welcher die Peerswürde erhält und in das Oberhaus erhoben wird, Lordpräsident des geheimen Raths; Hicks-Beach, Schatzkanzler; Croß, Inneres; Stanley, Colonien; Smith, Krieg; Hamilton, Admiralität; Churchill, Indien; Carnarvon, Irland; Manners, Generalpostmeister. Es fehlen nur noch die Ernennungen für die unwichtigen Posten.
London, 18. Juni. Gorst ist zum Generalfiskal, Clarke zum Generalstaats- 2proeurator, Gibson zum Lordkanzler für Irland und Arthur Balfour zum Secretär für Indien ernannt.
— Nach Bildung des neuen Cabinets begab sich Northcote Nachmittags nach Windsor zur Audienz bei der Königin. Gladstone und Rosebery haben sich ebenfalls nach Windsor begeben.
— Heute früh fand in der Kohlengrube Clifton Hall nahe Manchester eine Explosion schlagender Wetter statt. Von 349 in der Grube befindlichen Bergleuten retteten sich Zweidrittel, das Schicksal der anderen ist noch unbekannt.
Lokale-.
Bietzen, 19. Juni. lAbtdenkmal.f Vor beinahe 3Monaten, Anfang April brachte uns der Telegraph die Trauerbotschaft, Franz Abt, einer der beliebtesten Liedercomponiften Deutschlands, ist in Wiesbaden gestorben. Ende April nun wurde von den vereinigten Sängern Wiesbadens ein Aufruf erlassen:
Franz Abt ist tobt — verstummt ist der Mund, dem die herrlichsten volksthümlichen Weisen entflossen. Doch diese sind uns geblieben; bie Weisen, welche ein Bruderband geknüpft haben um alle Sänger deutscher Zunge, lange bevor unsere nationale Einheit Gestalt gewonnen. — Heilig ist das Vermächtttiß, das der Verstorbene in seinen Liedern hinterlaßen, ebenso heilig die Pflicht, ihm ein sichtbares Zeichen unserer Dankbarkeit', der Mit-und Nachwelt eine Erinnerung an ihn zu weihen: Ein Denkmal! Es hat nun die Gesangsabtheilung der hiesigen Bürgergesellschast! auf Anregung ihres Dirigenten und bezugnehmend auf vorerwähnten Aufruf der vcr' einigten Gesangvereine von Wiesbaden, vorgestern Abend einstimmig beschlossen, demnächst, im Monat September, am hiesigen Platze ein größeres Concert zum Besten des Abt- denkmals zu veranstalten. Zu diesem Zwecke hat sich aus der Mitte der Sänger sofort ein Fünfer-Ausschuß gebildet, welcher das Weitere, der Sache würdig, veranlassen wird. Wie wir weiter jetzt schon mittheilen können, sollen vorzugsweise Abt'sche Lieder zum Vorttag kommen. Wünschen wir diesem Unternehmen einen recht glücklichen Erfolg. — sE^xtrafahrt zum Dresdener Turnfest.) Nach den getroffenen Vereinbarungen zwischen der Königlichen Eisenbahn-Direction und dem Ausschüsse der Frankfurter Turnerschaft stellt sich der Preis für den am 17. Juli zum Deutschen Turnfest nach Dresden abzulassenden Erttazug für die Festtheilnehmer auf 24,40 a für Hin- und Rückfahrt, das Billct hat 14 Tage Giltigkeit und muß die Rückfahrt auf der gleichen Strecke erfolgen wie die Hinfahrt. Aus vielfach geäußerten Wunsch vieler Theilnehmer wird der Zug auch 2. Wagenklasse fuhren und stellt sich das Retour- Billet hierfür auf 35.50 J4 Für den Gau Hessen, zu welchem auch der Turnverein Gießen gehört, hält dieser Zug in Hanau, Gelnhausen und Fulda und wird für die das Dresdener Turnfest besuchenden Turner, von diesen (Stationen aus, eine willkommene Reisegelegenheit bilden.
— Das zweite Concert, das gestern Abend Gippners Sängergesellschaft im großen Saale des Casö Leib veranstattetc, bot wiederum Gelegenheit, die wirllich gediegenen Leistungen der Gesellschaft im besten Lichte kennen zu lernen. Die Sänger haben gut daran gethan, daß sie jetzt ihre Concerte in geschlossenem, von der Straße mehr abgelegenen Raume abhalten, da hierdurch unliebsame Störungen durch Wagengerassel 2c., wie sie bei den früheren Concerten im „Wiener Hof" den Kunstgenuß nur zu oft beeinträchtigten, vermieden werden.
Vermischte
Frankfurt a. M., 18. Juni. Das gestrige Unwetter hat merkwürdiger Weise in den Anlagen vom Bockenheimer Thar bis zum Main nicht so großen Schaden an- gerichtet, wie in dem anderen Theile der Anlagen. Die Blumenbeete sind allerdings schwer mitgenommen, und vielen Bäumen sieht man das Ungemach an, das sie aus- gestanden haben; namentlich sind die großen weichen Blätter der Catalpen fast fämmt- lich durchlöchert und zerrissen; aber nur Zweige sind heruntergeschlagen worden unb nur einen größeren Ast von einer Silberpappel sahen wir auf dem Boden liegen. Von den Bäumen, welche der Stadt gehören, sollen 216 so zugerichtet sein, daß sie ersetzt werden müssen. In dem Hofe der Liebfrauenschule (große Friedbergerstraße 28) wurden heute früh 134 und im Hospitalgarten 108 tobte Spatzen aufgelesen. Auf der Mainzer Brücke riß der Sturm einen Lelephondraht los; ein junger Mann fiürjte über denselben und brach einen Arm. Im Bebraer Güterbahnhofe wurde'der Güterschuppen der Herren Jung-Forster vollständig zertrümmert; die Balken des Daches flogen 60 Meter weit (wie dem „Frkf. B." gemeldet wird) auf den Bahnkörper unb die Hälfte des ganzen Daches wurde auf die gegenüberstehende Güterhalle gcschleudm, woselbst die Balken senkrecht in das Dach fuhren und stecken blieben. Im Viaducl in der Schweizerstraße soll das Wasser an der tiefsten Stelle 5 Fuß tief gestanden haben; heute früh noch konnten die Schulkinder den Weg nicht paffiren, sondern mußten auf großem Umwege zur Schule wandern. Am Goldstein soll die ganze Ernte vernichtet sein. Der Schaden wird von dem Pächter der Öeconomie auf 30,000 A berechne:. Er besitzt kein Futter mehr für sein Vieh und muß seine herrlich bestandenen Felber mit Dickwurz ic. bestellen, wozu 250,000 Pflanzen erforderlich sind. Auch die Ernte von Griesheim, Schwanheim, Niederrad und Bergen soll vernichtet fein.
Geisenheim im Rheingan, 14. Juni. Das Rosarium von Monrepos bei Geisenheim — wohl ohne Rivalen in Deutschland — erregt in dieser Jahreszeit große Bewunderung. Die vielen Tausende Rosenstocke in 800 horten, malerisch geordnet, meisterhaft gepflegt, richtig und deutlich benannt, bieten jetzt in ihrer vollen Blüthen- pracht einen feenhaften Anblick'. Durch die bis in die kleinsten Details gelungene Ausführung und die untadclhafte Unterhaltung dieses mustergültigen Rosengartens bat sich der Schöpfer des weltberühmten Obstparkes von Monrepos und der pomologisch- onologischen Lehranstalt dahier ein neues Verdienst um den Gartenbau erworben. Der Besuch des Rosengartens sowohl als auch des Obstparkes wird bereirwilligst gestattet.
Vom Niederrhein, 16. Juni. Ein großes Unglück hat sich vorgestern aus dem Breyeller See bei Lobberich zugetragen. Neun Personen hatten einen Kahn bc' stiegen, um eine Luftfahrt über den See zu machen. Der Kahn war überladen, nahm alsbald Wasser über unb sank. Sechs Personen ertranken und nur drei wurden gerettet. Die Ertrunkenen sind drei junge Leute aus Lobberich, ein Schustergeselle aus Viersen und ein Schustermeifter und dessen Sohn aus Süchteln.
Marburg. Bei Battenberg, im ehemals hessischen „Hinterland", ist cm „Austernfischer" geschossen worden. Wer die Küste der Nordsee an irgend einer Stelle besucht hat, wird diesen ^trandvogel kennen, der an allen europäischen Küsten lebt, aber im Binnenlande sehr selten anzutreffen ist. Der Vogel, der ein überaus zähes Leben hat und einen sehr starken Schuß dertragen kann, ist sehr vorsichtig unb laßt sich nicht leicht einen Jäger nahe kommen. Welcher Handlung er seinen gewöhnlichen Namen verdankt, ist schwer zu sagen; denn er fischt gewiß niemals Austern.
Kirchliche Anzeigen -er Sln-t Gieße«.
Evangelische Cemeinde.
Gottesdienst.
Samstag den 20. Juni.
Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Dr. Naumann»
3. Sonntag nach Trinitatis, 21. Juni. Vormittags 91/2 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Feier des heiligen Abendmahls. Nachmittags 21/? Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Kinderkirche: fällt ans. . t , (ne„_,r
Katechismuslehre für die Mädchen, Vormittags8 Uhr, in der Kirche, Pfarrer
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 21. bis 27. Juni besorgt Pfarrer Schlosser. __________
Katholische Gemeinde.
4. Sonntag nach Pfingsten. , „
Von 6 Uhr an Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse unb Austheilung der h- Kommunion. V2IO Uhr: Hochamt unb Prebigt. Um 2 Uhr: Andacht-
GMesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 7" Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag i w.
Samstag Abend 915 Uhr- —-
Temperatur der Lahn und der Luft
nach Reaumur gemessen am 19. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wasser lö1/»0, Lust im Schatten 16>/-o . r,
L. Chr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer.


