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Vermischtes.

Darmstadt, 16. September. sMilitärdienstnachricht.) Greifenhagen, Unterarzt vom 2. Großherzogl. Hess. Infanterie-Regiment (Großherzog) Nr. 116, wurde mit der Wahrnehmung einer bei dem genannten Truppentheile vacanten Assiftenzarzt- stelle beauftragt.

Darmstadt, 17. September. Betreffs der am 1.Decemberd.I. stattffndenden Volkszählung treffen einzelne Grotzh. Kreisämter bereits die einleitenden Anordnungen. Das Großh. Ministerium des Innern hat hierzuBestimmungen" undJnsttuctionen für die Zähler" aufgestellt. Die Zählung erfolgt durch Zählungscommissionen, welche von den Kreisämtern bestellt werden. Die Großh. Bürgermeister sind zu Vorsitzenden der Zählungs-Commissionen der zu ihrer Bürgermeisterei gehörigen Gemeinden ernannt; dieselben haben alsbald eine entsprechende Anzahl von zu Mitgliedern der Zählungs- Commissionen geeignete Personen (vorzugsweise Geistliche, Lehrer, Rechner rc.) vor- zuschlagen. Wie für die letzte Volkszählung, ist auch für die bevorstehende das Verfahren mit Zählkarten zu Grunde gelegt und erstreckt sich die Ausfertigung der­selben nicht allein auf alle anwesenden, sondern auch auf die vorübergehend abwesenden Personen.

Telegraphische Depeschen.

Bolffl uuet. Lorresponden, > Bureau.

»erlin, 17. September. Nach einer heute ergangenen Entscheidung des Straf­senats des Kammergerichts sind religiöse Versammlungen zu denjenigen zu rechnen, worin öffentliche Angelegenheiten erörtert werden fallen und es muffen derartige Ver­sammlungen und Vereine polizeilich angcmeldet werden, soweit sie keine Corporations- rechte b-sitzm^ empfängt aus Corea die telegraphische Nachricht,

der bekannte cipllisatorische Resormator des Landes, Herr °. Mollendori sei seiner amtlichen Stellung enthoben. Mangels weiterer M.ttheilungen über d,e Ver-nlaffung des für Korea bedeutungsvollen Ereignisses sc, deffen Tragweite für die Entwicklung be5 La^es^noch^'^uberffhbar. fanb bie Schlußsitzung der Internationalen Telegraphenconscrenz statt. Nach der Verlesung des Protokolls der vorletzten Sitzung erfolgte der Austaufch der Erklärungen der Dclcgirten der Türket, Rumäniens, Serbiens und Bulgariens betreffs der limitrophen Verbaltniffc. Dann wurde der fünfte Bericht der Tarif-Commission, welcher die sch,etlichen Erklärungen bezüglich der Kabelgebühren für Australien enthält, verlesen und diskulirt, hieraus mit uber- nfteaender Majorität Paris als Sitz der nächsten Contercn, gewählt, wo dieselbe im labre 1890 25 Jahre nach dem daselbst erfolgten Ablchluffe des ersten lnlernationalen Telcaraphenvertrags Zusammentritt. Ter französische D-Iegirt- erklärte die Zustimmung Frankreichs. Demnächst erfolgt- die Unterzeichnung der 34 Exemplare des Uebercm- ommens worauf Stephan die Schlußrede hielt. Der erste D-leg.rtc Englands er­widerte und sprach dem Präsidenten den Dank der Vcrfammlung aus. Der Vertreter Portugals gedachte in warmen Worten der gastlichen Aufnahme, welche die Conserenz überall in Deutschland, besonders in Berlin, den H-ms-stadtm und Kiel gefunden habe und sprach seine Bewunderung für den überall wahrnehmbaren Ausschwung Deutsch­lands aus. Hieraus erklärte der Präsident die Conscrenz für geschlossen.

Berlin 17. September. Di- Rede des Staatssecrctars Stephan, welche die ^elearaphenconferenz schloß, enthielt einen Rückblick auf die Arbeiten der Conferenz. Der Redner hob die große Reform des Tarifsystems hervor, wodurch em wichtiger Fortschritt für die Vereinfachung und für die Unification der bisherigen zahl­reichen Taxen erzielt und gleichmäßige Grundlagen für die Tarife in Gejammteuropa herbeigeführt wurden, die eine Ermäßigung der Taxen zulasten. Auch für das au^r- euroväische System hätten die Eoncessionen mehrerer größerer Eabelgesellschaften Re- ductionen ermöglicht. Aus den Berathungen dürfe man. schließen, daß man da, wo Reductionen noch nicht möglich oder unzureichend waren, tn 2 oder ^ ^hren sich der allgemeinen Bewegung anschließen werde. Die nächste^Eonferenz, deren Sitz-Paris sei werde unter geschickter Leitung der französischen Administration gewiß das Werk vollenden. Mehrere Eoncessionen seien unter Bedingungen gemacht, doch sei bei dem allgemein hervl>rtretenden besten Willen und da der Termin des Inkrafttretens der Beschlüsse vom 1. Juli 1886 dazu Zeit gewähre, zu hoffen, daß auch nach dieser Richtung das Werk gänzlich vollendet werde. Der Redner gedenkt mit großer An- erkmnung des lebhaften Eifers und der großen Beharrlichkeit, roonnt die Konferenz fid) den angestrengten Arbeiten gewidmet habe und dankt namentlich den Vorsitzenden beider Eommissionen, Brunner v. Wattenwyl und Hake, sowie deren Referenten ^ri- boura und Delarge, ferner dem internationalen Bureau und desten Director Eurchod und dem Secretär. Wenn die Konferenz auf das Resultat der Arbeiten und deren Konsequenzen zurückblicke, so dürfe sie befriedigt sein, daß so mel Anstrengungen zu so glücklichem Ende geführt seien. Der Redner gedenkt endlich des herzlichen, frucht­baren ^usammenarbeitens und des Ideenaustausches, der gegenseitigen persönlichen Annäherung und schließt:Die besten Wünsche der Kaiserlichen Regierung begleiten Sie in die Heimath; dieselbe wird glücklich sein, wenn Sie den tn Deutschland und seiner Hauptstadt zugebrachten Tagen ein gutes Andenken bewahren."

Straßburg, 17. September. Die Naturforscher-Versammlung vereinigte sich beute zu einem zwanglosen Begrüßungsabend im Eioil - Casino. Es sind fremde Koryphäen anwesend, u. A.: Roser, Thierfelder, Virchow, Lichthenn, His, Koehm, Czerny, Ohlshausen, Winkel, Rosenthal. ,c c r ,

Kopenhagen, 17. September. DerNationaltidende zufolge ffnqg^ die Ver­mählung der Prinzessin von Chartres mit dem Prinzen Waldemar am 22. October m Frankr^ch^statt.^7 umlaufenden Gerüchte, Frankreich habe von Marocco

die Abtretung der Oase Figuig verlangt, werden von unterrichteter Seite als mtbe- gründet bezeichnet. . , . T

Der Präsident der Marseiller Handelskammer empfing em Telegramm Freycinct's, demzufolge die Schwierigkeiteii, welche wegen der französischen Besitzungen von Popo an der Sklavenküste und des benachbarten Gebietes entstanden waren, glücklich erlangt ^^ptember. Im heutigen Ministerrathe erklärte Freycinet, es sei ihm nichts bekannt, wodurch das Gerücht von einem Protest Chinas gegen die Ein­setzung eines neuen Königs in Anam gerechtfertigt sei. Am Samstag empfängt Frey­cinet Waddington, der sich alsbald nach London zurückbegibt

DemTemps" zufolge kehren sämmtliche französische Botschafter nut Ende des Monats auf ihre Posten zurück.

Der Wochenbericht über die Gesundheitsverhaltmste tn Paris constattrt, daß in der gestern abgeschlossenen Woche nur 803 Todesfälle vorkamen gegen 878 in der Vorwoche; der Gesundheitszustand sei demnach ein vorzüglicher. Vier Militar- «rtonen starben an Dyssenterie; ein Cholerafall ist nicht vorgekommen.

Madrid, 17. September. Wegen leichten Unwohlseins des Königs wurde der Ministerrath auf morgen verschoben. Der DampferSan Quintin" ist in Manila eingetroffen; er hat an Bord den Militärgouverneur von $ap, Capriles.

Rom, 17. September. Stach dem Cholerabulletin sind gestern in der Provinz Palermo 38 Erkrankungen und 20 Todesfälle, in der Provinz Parma 20 Erkrankungen und 6 Todesfälle vorgekommen. £ t ,r .

Petersburg, 17. September. Anläßlich der Worte des Katscrs Wilhelm in Karlsruhe an das freiwillige Krankenpfleger-Corps, daß das Corps noch lange Jahre nicht genöthigt sein möge, die gewonnenen Kenntnisse im Kriege zu bewähren, sagt das Journal de St. Petersbourg": Die Völker seien stets glücklich, derartige Wünsche von der Höhe des Thrones zu hören und Deutschland ganz besonders sei dem verehrungswürdigen Herrscher dafür dankbar, daß derselbe jede Gelegenheit er­greift, die Politik des Friedens zu betonen, die sowohl von seiner Regierung wie von den Alliirten befolgt werde.____________________________

UniverfitätS- Chronik.

Mit der provisor. Leitung des Geodätischen Instituts zu Berlin ist nach General Bayers Tode der bisherige Sectionschef, Prof. Boersch, ein geborener Kurhesse, vom Cultusminister betraut worden. Im Ministerium ist man dem Plane nicht abgeneigt, das Institut nach Potsdam zu verlegen, wo es in eine enge Verbindung mit der Sonnenwarte gebracht werden könnte.

Handel und Verkehr.

Die Reichsschulden-Verwaltung theilt mit, daß die durch viele Blätter ge gangene Nachricht, die Einlösung der alten Reichskassenscheine bei der Controle der preußischen Staatspapiere höre mit dem 15. dss. Mts. auf, unrichtig ist, da in dem Reichsgeseh vom 21. Juli v. I. (Reichsgesetzblatt S. 172), betreffend die Einziehung der mit dem Datum vom 11. Juli 1874 ausgefertigten Reichskassenscheine für du Einlösung dieser Scheine bei der königlich preußischen Conttole der Staatspapiere kein Endtermin bestimmt ist und demgemäß bei derselben eine solche Einlösung auch nach dem 15. d. M. jederzeit stattfindet.

Gottesdienst in der Synagoge.

Versöhnungstag. ,

Freitag Abend 6 Uhr, Samstag Morgen 7 Uhr, Samstag Abend 650 Uhr.

Kirchliche Anzeigen -er Stadt Oieftev.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Samstag den 19. September.

Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Schlosser.

16. Sonntag nach Trinitatis, 20. September.

Vormittags 9Vi Pfarrer Droß, Reiseprediger für die innere Mission aus

Berlin-

Feier des heiligen Abendmahls.

Nachmittags 2Vr Uhr: Pfarrer Schlosser.

Kinderkirche: fällt aus. , ,

Montag, den 21. September, Abends 8 Uhr, Bibel stunde tn der Kleinkinder'

schule, Joh. Kap. 14, von Vers 28 an, Pfarrer vr. Naumann.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 20. bis 26. September besorg!

Pfarrer Schlosser.

Katholische Gemeinde.

17. Sonntag nach Pfingsten.

Von 6 Uhr an Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der b- Eom» munion- Um Vt10 Uhr: Hochamt und Predigt. Um 2 Uhr: Sakramentalische Andachl-

Karlsruhe. Dor einigen Tagen beendigte Herr Maler Tuttine seine Rund­reise im badischen Lande, welche er machte, um Personen in den verschiedenen, Landes­trachten zu werben, welche am Tage des Einzugs des Erbgroßherzogs mit der Prinzessin Hilda ihre Huldigungen darzubringen haben. Die letzteren wurden in den Bezucken Tauberbifchofsheim und Wertheim gewonnen, so daß jetzt im Ganzen gegen 800 Per­sonen in 19 Gruppen in Karlsruhe am 26. September anwesend sein werden. Herr Tuttine glaubt, daß diese Vorführung in Landestrachten wohl in spater Zeit nie mehr in dieiem Umfange möglich sein werde, da dieselben immer mehr an Reinheit verlieren, mehr mit modernen Trachten vermischt und bald ganz verschwinden werden.

Ueber den Untergang des deutschen Torpedoboots im Großen Belt sind der KopenhagenerNat.-Tid." folgende Mittbeilungen aus Korsör zugegangen: Wahrend eines Nacktmanövers (in der Nacht vom 8. zum 9. d. M.), welches ein aus i Torpedo­booten bestehendes deutsches Geschwader int Gewässer bei Omösund hielt, pasttrte das Unglück, daß eines dieser Torpedoboote von einem anderen in den Grund gebohrt wurde; das Schiff sank auf ca. 9 Faden Wasser. Es glückte jedoch, die Besatzung bis auf einen Mann, der ertrank, zu retten. Bon Korsör ist keine Hilfe ausgegangen oder verlangt worden. Das deutsche Torpedoboot Nr. 9 kam heute (9.) früh 8®/< Uhr hier an und dessen Chef machte von hier aus telegraphische Mittheilung über das Unglück. Die übrigen Torpedoboote, mit Ausnahme von zweien, welche heute Morgen nord­wärts gingen, befinden sich wohl noch bei der Unglücksstelle. Fischer, welche tm Belte mit ihren Treibnetzen lagen und das Manöver der Torpedoboote mit angesehen hatten, brachten die erste Nachricht von dem Zusammenstoß nach Korsör. Ein Fischer, der ich in kurzer Entfernung von den deutschen Torpedobooten befand, als das Unglück passirte, berichtet: Die 7 Torpedoboote gingen in Kielwasserlinie von Süd nach Nord, als plötzlich das erste Boot, ungewiß aus welchem Grunde, stoppte und feitroärts ab­bog; das zweite Boot folgte diesem Manöver, aber das dritte in der Reihe muß wahr­scheinlich nicht zur rechten Zeit gestoppt haben (die Boote gingen mit großer Schnellig­keit) oder eine verkehrte Wendung gemacht haben, denn es lies auf das zweite Boot und das Unglück erfolgte. Man hörte einen Krach, dann laute Commandoruse jinb Hilfegeschrei, die noch so lange andauerten, als der Fischer sich in dem Gewässer befand.

Im 2. Quartal d. I. hat unser Heer 19 active Offiziere, 10 Offiziere des Beurlaubtenstandes und 6 Sanitäts-Offiziere, zusammen also 35 Offiziere, durch den Tod verloren. Bei der großen Zahl von Offizieren ist diese Verlustziffer relativ niedrig, sehr bedeutend ist dagegen im Verhältniß die Zahl der Offiziere in höchsten Stellen, welche der Tod in einem Vierteljahr abberufen hat. Es befinden sich unter ihnen 2 General-Feldmarschälle (Prinz Friedrich Karl und Freiherr von Manteuffel) und 3 Generäle der Infanterie (Vogel von Falckenstein, Karl Anton Fürst von Hoben- zollern und von Gottberg). Eine so hohe Zahl ist noch niemals in der amtlichen Nachweisung der Todesfälle für ein Friedensquartal veröffentlicht worden.

Essen, 16. September. Ein Passagiergut eigener Art kam vor einigen Tagen von Hamburg aus hier an, nämlich eine riesige Schildkröte im Gewicht von 260 Pfd. Das Thier war 1,20 Meter lang und 0,70 Meter breit und für Herrn Krupp am Villa Hügel bestimmt, woselbst es geschlachtet, zerkleinert und in Büchsen eingemacht werden soll. An Fracht von Hamburg und Zoll waren, wie dieE. D/ nuttheilt, für die Schildkröte 73 JL zu zahlen.

Am Donnerstag ist auf dem Harz der erste Herbstschnee gefallen und zwar zwischen dem Sonnenberge und dem Bruchberge bei Andreasberg. Gleichzeitig zogen leichte Gewitter über den Oberharz.

sEnglische Unverschämtheit.^ Die bekannte Sängerin Frau Schröder-Hanf­stängl fuhr mit einer Begleiterin nach Frankfurt: Im Coupä hatte eine Engländerin eine Menge kleiner Neiseeffecten ausgebreitet; als die Sängerin höflichst um etwas Platz ersuchte und die Sacken zurückschob, da keine Antwort erfolgte, erhielt sie einen Schlag ins Gesicht. Die Engländerin wurde in Frankfurt verhaftet.

sJung gewohnt, alt gethanlj Der außerordentliche Professor C. in Wien soll sich Bewegung machen und er nimmt deshalb Reitstunden. Nach Absolvirung derselben unternimmt der Kühne auch weitere Spazierritte und auf einem derselben begegnet ihm eine Militärkapelle. Wohl wissend, daß sein alter Gaul em ehemals Soldatenpferd sei, suchte sich der Professor eiligst vor den Trompetcnklangen aus dem Staube zu machen, allein der Gaul war stärker, als sein Reiter. Er trabte unauv haltsam der Musik zu, setzte sich an die Spitze derselben und tänzelte trotz der Gegen­wehr des Professors stolz schnaubend vor den Musikern einher.Der alte 5)oll. riefen die Jungen auf der Straße und die Leute lachten sich zu Thronen ob des grotesken Anblicks, bis endlich ein Mitleidiger den Schimmel beim Zügel packte und bet Seite führte, um den Unglücklichen absteigen zu lassen.

Die Jäger im Jülicherlande haben ein probates Mittel gefunden, ihre Jagden mit Feldhühnern zu bevölkern. Jeder Knecht nämlich, der em Nest findet und es sorgsam behütet, erhält für jedes Ei, wenn das Küchlein ausgekrochen ist. 15 3 Schneidet er ein Nest an und bringt die Eier den Jägern, so erhalt er pro (5i 10 diese Eier werden von den Haushühnern ausgebrütet und später die Küchlein zu Felde gebracht. So wurden in einer Jagdparcelle 348 Eier gerettet. Die Knechte, welche früher ihre Lust darin fanden, die Eier zu nehmen und in Schnuren als Jimmerzierde unter den Spiegel zu hängen, sind nunmehr die eifrigsten Beschützer der Feldhühner geworden. Ein Knecht soll sich durch diesen Schutz in diesem Jahre 14** verdient haben.

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