„Samoa" von Cooktomn abgegangen war, um die Beamten der Compagnie von Cooktown, welche dorthin mit in Java angenommenen Malayen und Materialien zur Begründung von Stationen gekommen waren, überzusühren. Nachdem letzteres geschehen und die Niederlassung in Fischhafen (Nordostküste Kaiser-Wilhelmslandes) eingerichtet war, ging der „Papua" nach Cooktown zurück, um die Post und nachgesendete Beamte abzuholen, lief auf dem Osprey-Riff auf und wurde wrack.
Dresden, 16. December. Nach eingegangenen amtlichen Nachrichten aus Lissabon ist der König Ferdinand von Portugal, Vater der verstorbenen Prinzessin Georg von Sachsen, gestern gestorben.
Pari-, 16. December. Die Tongking - Commission stellte die Frist für die Räumung Tongkings nicht fest, die von der Commission bewilligte Summe würde aber eine dreimonatliche Frist ergeben. — Das Journal „Paris" meldet, nach Votirung der Credite würde das Obercommando in Tongking reorganisirt werden. Die Generale Courcy und Negrier würden nach Frankreich zurückkehren und General Jamrut würde Commandant der Besatzungsdivision in Tongking bleiben.
London, 16. December. Das Cabinel berieth gestern über die Lage im Sudan. Der „Times" zufolge sei die Wiederbesetzung Dongolas nicht beabsichtigt und die beschlossenen militärischen Maßnahmen würden einen rein defensiven Character tragen.
— Dem Vernehmen nach beschloß die Negierung, die Wiederwahl Peel's zum Sprecher des Unterhauses zu unterstützen.
— Aus Yokohama werden neue Ruhestörungen in Korea gemeldet. Details darüber fehlen.
Brüssel, 16. December. Der Deputirte Nivelles Dumont brachte heute in der Kammer einen Antrag ein, aus dem Auslande eingeführtes Vieh mit einem Eingangszolle zu belegen. — Dem „Patriote" zufolge sprach sich die Rechte in einer Parteiversammlung für den Antrag aus, welchem auch die Regierung nicht abgeneigt ist.
Sofia, 16. December. Zanow zeigte den Vertretern der Mächte an, Bulgarien fei bereit, sich dem Spruche der militärischen Commission zu fügen. Zanow hebt noch hervor, die Mächte dürften aus Rücksichten der Billigkeit nicht gestatten, daß Serbien von dem Waffenstillstand Nutzen ziehe, falls die Feindseligkeiten wieder ausgenommen würden. Die Mächte möchten deßhalb die unverzügliche Räumung des Widdiner Ge
biets verlangen.
Belgrad, 16. December. Das Ministerium ist vergangene Nacht nach Nisch gereist. Der König ordnete die Reactivirung aller früheren Ofsiciere für die Reserve an.
Kairo, 16. December. Nach einer amtlichen Depesche aus Kosheh errichtete der Feind am westlichen Nilufer eine Batterie und beschoß heute Kosheh, jedoch erfolglos. Das Feuer dauerte von Tagesanbruch bis 9 llhr Vormittags an. Bei einer Demonstration gegen den Feind wurden Oberst Hunter und zwei andere englische Ofsiciere schwer verwundet.
Athen, 16. December. Trikupis griff in der Kammer die Politik des Ministeriums Delyannis an und stellte die Vertrauensfrage, welche mit 115 gegen 67 Stimmen angenommen wurde.
Lokale-
Gießen, 17. December. Schwurgerichtsverhandlung am 16. l. Mts. gegen Julius Kulb zu Groß-Karben wegen betrüglichen Bankerutts und Meineids.
Derselbe war angeklagt:
1. daß er als Schuldner, über dessen Vermögen das Concursverfahren eröffnet worden ist, in der Absicht, seine Gläubiger zu benachtheiligen, Vermögensstücke verheimlicht bezw. bei Seite geschafft und
2. daß er den ihm am 13. Januar 1885 von Großh. Amtsgericht Vilbel ihm auferlegten Offenbarungseid wissentlich falsch geschworen habe.
Die Geschworenen erkannten den Angeklagten für schuldig und wurde derselbe demgemäß in eine Gesammtzuchthausstrafe von 2 Jahren und 8 Monaten verurtheilt, ihm auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt und ihm die Fähigkeit abgesprochen, je wieder als Zeuge und Sachverständiger eidnch vernommen zu werden.
Der Mordprozeß Herbst vor dem Mainzer Schwurgericht.
(Von unserem Special-Correspondenten.)
O. K. Mainz, 16. December, Morgens.
II.
Bevor ich zu den Verhandlungen des zweiten Tages übergehe, erübrigt mir noch, mit wenigen Worten verschiedener interessanter Zeugenaussagen Erwähnung zu thun, die während der gestrigen Verhandlung gemacht wurden.
Herr Dr. Gaßner, Bürgermeisterei-Beigeordneter, entwirft nochmals ein sehr detaillirtes Bild des blutigen Ereignisses und hebt dabei insbesondere hervor, daß sich die Thätigkeit der Polizei zuerst auf falscher Fährte bewegte, indem man glaubte, den Mord mit der eben zu Ende gehenden Messe in Verbindung bringen zu sollen. Auch er habe diese allgemeine Auffassung getheilt. Da man den aufgefundenen Regenmantel mit Bestimmtheit als das Eigenthum einer Amalie Müller aus Frankfurt a. M. recognosciren zu können glaubte, so schickte der Zeuge den Polizei-Commissär Schuler nach Frankfurt, um dortselbst womöglich die Verhaftung der Müller zu bewirken. Polizei-Commissär Schuler kehrte noch an demselben Tage mit der Müller und deren Geliebten von Frankfurt zurück und die Vernehmung Beider überzeugte alsbald die Untersuchungsbehörde, daß sie mit dem Verbrechen in keiner Verbindung standen. Die Verhaftung des Herbst war mittlerweile in Laubenheim bewerkstelligt worden und Herbst gab bei seiner ersten Vernehmung an, daß er zur kritischen Zeit bei einer Prostituirten sich befunden habe, er könne aber, um diese Person nicht zu compromittiren, keine weiteren Aussagen machen. Auf Befragen, was er von dem Aufenthalt der Gheleute Wothe am Abend des 26. August wisse, machte er die im höchsten Grade ver
dächtige Bemerkung, er habe in der Zeitung gelesen, Wothe sei ermordet worden Der Zeuge bemerkt, daß ihn diese Bemerkung des Angeklagten sehr überrascht habe,, denn man hatte sich bisher gedacht, Herbst und Wothe seien die Mörder. Man legte dem Angeklagten sofort alle Mainzer Localblätter vor und forderte ihn auf, den fragl. Artikel zu suchen, doch verweigerte dies derselbe mit der Bemerkung, er könne es wohl auch gehört haben. In der nun folgenden Controverse mit dem Zeugen sucht der Angeklagte vergeblich die obige Aeußerung, daß er von der Ermordung des Wothe gelesen oder gehört habe, abzustreiten. Die Aussagen des zweiten Zeugen, des Criminal- schutzmanns Lammersdorf, bestätigen im Allgemeinen weitere Angaben des Bürgermeisterei-Beigeordneten Dr. Gaßner. Von Wichtigkeit für die Anklage ist die Deposition dieses Zeugen, daß Wothe zeitweise der Polizei als Angeber gedient habe. Diese Aussage dürfte zu den bisher vermißten Motiven der Unthat führen, denn ein Mensch von der sittlichen Verwahrlosung einestheils oder der Energie, wie der Angeklagte sie zweifellos hesitzt, anderntheils, kann sehr wohl, um sich einen Angeber, als welchen er Wothe erkannt hatte, vom Halse zu schaffen, den Plan gefaßt haben, denselben zu ermorden.
In der Nachmittagssitzung des gestrigen Tages gelangte zunächst der Gerichtsarzt Dr. Hellwig zur Vernehmung. Zeuge obducirte beide Leichen und verbreitet sich in längerer Ausführung über das Resultat der Obduction. Es ist seinem Vortrage zu entnehmen, daß Wothe jedenfalls zuerst mit Hammerfchlägen betäubt und sodann erwürgt wurde. Der bloße Augenschein ergab daher schon, daß die in den vorliegenden verschiedenen Herbst zugehörigen Kleidungsstücken befindlichen Flecken unzweifelhaft Blutflecke seien, er habe aber zum Ueberfluß chemische mikroskopische Untersuchungen angestellt und es hätten' sich hierbei Blutcrystalle ergeben. Zeuge weist ferner nach, daß der aufgefundene Kopf, welcher von verschiedenen Zeugen mit Sicherheit als der des Wothe recognoscirt war, zu dem Rumpfe gehörte, daß also die Identität des Ermordeten mit dem verschwundenen Wothe als erwiesen zu betrachten sei. Assistenzarzt Kolb bestätigt im Allgemeinen die Aussagen seines Collegcn.
Es folgen eine Reihe von Zeugen, deren Aussagen als mehr oder weniger belanglos übergangen werden können.
Hiermit schlossen die Verhandlungen des ersten TageS und es wurde die Sitzung auf den folgenden Morgen 9 Uhr anberaumt.
0. K. Mainz, 16. December, Mittags.
Schon lange vor Beginn der heutigen Verhandlung wogten in den den Justizpalast begrenzenden Straßen Hunderte von Menschen, der Saal selbst war überfüllt. Für die ziemlich zahlreich erschienenen Vertreter der Presse hatte man heute besser gesorgt, indem ihnen mehrere Tische zur Verfügung gestellt wurden. Der Angeklagte wird zu Beginn der Verhandlung und vor Wiederaufnahme des Zeugenverhörs nochmals über sein Verweilen zur Zeit der Ausführung des Verbrechens vernommen und beharrt auf seiner gestrigen Angabe. Das Zeugenverhör beginnt unv es deponiren nach einander Frau Gleinitz, Wilhelm Winter, Gürtler Wenz und dessen Frau, sämmtlich Bewohner der Fürstenbergerhofgasse, gegen 9 Uhr Abends Geschrei und dumpfes Geräusch aus der Wothe'schen Wohnung vernommen zu haben. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist die Aussage des Gürtlers Wenz, welcher gleichzeitig mit dem Geschrei die Worte der Frau Wothe vernommen haben will: „Fritz, ich will's nicht mehr thun!" Herbst heißt nämlich mit dem Vornamen Fritz und es erscheint somit erwiesen, daß er zu der kritischen Zeit in der Wohnung des Wothe'schen Ehepaars gewesen. Die 17jährige Dienstmagd Katharina Embach, welche den Herbst öfter gesehen hat, bezeichnet die Schürze und das Halstuch, in welche die Körpertheile eingewickelt waren, mit großer Bestimmtheit als Eigenthum des Angeklagten. Barbara Lüdscheid, bei der die Wothe vor ihrer Ver- heirathung gewohnt hatte, weiß von einem zärtlichen Verhältniß zu erzählen, das zwischen dem Angeklagten und der Ermordeten bestanden haben soll. Nach Ansicht der Zeugin war Herbst von Eifersucht beherrscht, welche durch das zügellose Leben der Ermordeten stets neue Nahrung fand.
Hier tritt eine Pause ein.
Wenn der Leser den vorstehenden Bericht zu Gesicht bekommt, dann ist höchst wahrscheinlich das Urtheil in diesem Sensationsprozesse, auf welches man nach der Lage der Dinge sehr gespannt sein darf, schon gesprochen. Die Verhandlungen des dritten Tages sowie eine kurze Besprechung des Prozesses vom physiologischen Standpunkte aus werden Gegenstand eines dritten Artikels sein.
Verwischtes.
— sZwillinge von Vaters ©eite.] Professor an einem amerikanischen Gymnasium bei der Aufnahmeprüfung zweier Schüler zum ersten derselben: „Name und Alter?" — „Abner Bascom, 17 Jahre alt." — Professor zum zweiten Schüler: „Und Sie?" — „Phineas Bascom, 17 Jahre alt!" — Professor: „Sie sind Brüder?" — „Ja." — Professor: „Wohl gar Zwillinge?" — Zweiter Schüler zögernd: „Nun ja, Zwillinge von Vaters Seite. Unsere Eltern waren Mormonen."
— sVerfehlte Galanterie.] Ein Naturforscher, der nach mehrjähriger Abwesenheit aus den Urwäldern .'in seine Heimath zurückgekehrt ist, geht in Gesellschaft und geräth in eine Damengruppe, die er mit folgenden Worten begrüßt: „Ihr ganz gehorsamer Diener, meine Damen, schon lange nicht die Ehre — umsomehr freut es mich, wieder einmal einige alte Gesichter zu sehen!"
Haudel und Verkehr.
Limburg, 16. December. Rother Weizen X 13.95, weißer Weizen X 13.50, Korn X 10.70, Gerste X 8.65, Hafer X 6.45, Kartoffeln ä 100 Pfund X 0.00, Erbsen ä 100 Pfund X 00.00.
Frankfurt, 16. December. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter X 3.50—4.00, Eier das Hundert X 6.50—8.00, Butter per Pfund X 1.10 bis 1.30, Weißkraut per Stück 10—12 H, Rothkraut per Stück 20—25 H, Kohlrabi per Stück 3—00 H, Ochsenfleisch per Pfund 60—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 50—60 H, Kalbfleisch 40—60 H, Schweinefleisch v5—75 Hammelfleisch 45—70 H, 1 Hahn
X 0.70—1.40, 1 Huhn X 1.00—2.00, 1 Ente X 2.50—3.00, 1 Gans X 5.00—10.00 1 Taube 50—70 H, Welsche X 5.00—12.00.
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