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18.1.1885 Erstes Blatt
 
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Anzeigen.

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I)x 15 Erstes Blatt. Sonntag Den 18. Januar 1885

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

' 1 " , - ,A " Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit «ringerloh^

Bwrta*: Schulstraß- 7. Erschemt täglich nut ««snahm- des Montag». Durch die Post bezogen merteljährlich 2 Mark 50 Pt.

Amtlich e r Theit.

Betreffend: Statistik der Bewegung der Bevölkerung pro 1884. ©icfccn, am 15. Januar 1885.

Das Großherzogliche Steigamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des «reise».

»ir leben der alsbaldigen Einsendung der Register über die in 1884 vorgekommencn Zu- und Wegzüge entgegen. ' v vr. Boekmann.

Bekanntmachung.

Betreffend: Ermordung de» Königlichen Poli,«irath» Dr. Rumpff in Frankfurt a. 'JX.

Die nachstehende Bekanntmachung veröffentlichen wir mit dem Ansügen, daß auch die unterzeichnete Behörde Mittheilungen über Beobachtungen und

Wahrnehmungen entgegennimmt.

Gießen, den 17. Januar 1885.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Zehntausend Mark.

Am 13. d. Mt».. Ab-ndS zwischen 7*/, «nd 8 Uhr, ist der Königl. PolizeiRath Dr. Numpff in dem Garten seiner B.hausuna, Sachsenlag.r Nr. 8 hi.rs.lbst, mtuchlerisch erstochen aufg.fanden worden Indem ich iw Ramen und Auftrage der Sönialichen Staat»r«ai«rung die Belohnung von Dreltausend Mark, welche ich mittels Bekannt, machung^ Z13 b.Äauf bfc<Ä(funfl der Mörder de» Polizet-Rath.S Dr. Rumpfs auSgef.tzt hab-, hierdurch auf

Zehntausend Mark

erhöhe, wiederhole ich die dringende Bitt« an Jedermann, alle Beobachtungen und Wahrnehmungen, welch, für die Unterkuckuna iraend wie von Bedeutung sein könnten, - woge« fie am 13. d. Mt».. dew Tage de» MvrdeS, oder vorher °d°rnachh« gemacht fei« - mir ode/d.n Revier-Polizei/ummiffarien schleunigst mittheifen zu wollen. Dies. Auf. forderuna richte ich namentlich au di« Bewohner der Stadtgegend, in welcher die Behausung de» Ermordeten - Sachsenlager Nr. S belegen ist.

Frankfurt aw Main, den IS. Januar 1883. * . .

D?r* Pol>;e, Präsident: von Hergenhahn.

Gefunden: 3 Kinderschuhe, 2 Taschentücher, 1 Militärmütze, 1 Handtäschchen, 1 Sillscheid, 1 Gummischuh, 1 Halstuch, mehrere Schlüssel.

Zugelaufen: 1 Dachshund. .

Gießen, am 17. Januar 1885. Großherzoglicher Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Berlin, 16. Januar. (Reichstag.) Ja der heutigen Sitzung des Reichstags wurde bic gestern abgebrochene Berathung Der foctalpollt schen Antrüge fortgesetzt. Abg. H'tze (vom Centruw) erörtert nochmals die mit dem v. Hertltng'schen Entwurf beabsichtigten Ziele, besonders die Einführung drS Normalarbeitstags, dessen Mögltch- fett und Durchführbarkeit er an dem Beispiel der Schweiz, wo sich diese Institution sehr gut bewährt habe, nachweist, resp. behauptet. Wenn eS wirklich wahr sei, daß der Normalarbeitstag zu einer Vernichtung des Exportes führen könne, so möchte er lieber auf die Vortheile deS Exports verzichten, als noch länger dem traurigen Schauspiele der Ausdeutung der Arbeitskraft und der SonntagSentheiltgung zusehen.

Der soctaldemokrattsche Abgeordnete Auer beginnt seinen Dortrag mit der Mit- theilung, daß seitens seiner Partei ein ausführlicher Entwurf zu einem Gesetze über die Regelung der berechtigten Forderungen der Arbeiter, wie eS von dem Abg. Bebel in Aussicht gestellt sei, sich tn Vorbereitung befände und bald etngebracht werden würde. Der neue Hertling'sche Antrag erscheine ihm nur alS eine Wiederholung des Gothaer Programms, aber unter den gleichzeitig gebotenen Proposttionen die relativ beste, ft daß seine Partei, wie gesagt, demselben wohl freundlich gegenübersteheu könne. Der Redner erklärt sich gegen eine zu große Beschränkung der Frauenarbeit und gegen die Ausdehnung weiblicher HauStndustriearbeit; ein ArbettSverbot für Kinder unter 14 Jahren Hili er für erforderlich. Der Normalarbeitstag, von dem der Herr Reichs­kanzler gesagt, daß er ihn gewiß gern sähe, sein Einkehren aber nicht für möglich halte, sei noch seiner, deS Redners, Ansicht sehr wohl zu erreichen. Der Reichskanzler habe oft versprochen, was weniger durchführbar gewesen fei.

In einer Polemik gegen die geftrigen Reden der Herren Stöcker und Schorlemer- Alst sagt er dem Letzteren, daß es doch sehr gefährlich fei, durch daS höchst Überflüssige, Immerwädrende Vorführen der umstürzlerischen, anarchistischen Ideen, die in seiner Partei ja überhaupt keinen Platz haben, den Teufel an die Wand zu malen. »DaS Kapital geht herum, wie ein heißhungriger Löwe." (!) Die beabsichtigte Korvzoll- -rhkhung werde nicht den Arbeitern, sondern nur den Großgrundbesitzern helfen. Danach wurde die dreiiägige DiScussion geschlossen.

In dem Schlußwort der Antragsteller befürworteten die Herren v. Heriling, der noch die gestrigen Aeußerungen deS Reichskanzlers unter dem Beifall seiner FractionS- genosien zu widerlegen versuchte. Lohren und Dr. Kropatschek ihre Vorschläge, die dann an eine Commission von 28 M taliedern verwiesen wurden.

Darauf vertagte sich der Rei htztag bis morgen.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs tclegr. Eorrefpondenz-Bureau.

Berlin, 16. Januar. Betreffs Der Erörterung der Preffe über die Circular-Verfügung der Regierung zu Köln, welche die Sperrung der geistlichen Functionen solcher Geistlichen der Diöcese Köln angeordnet haben solle, welche nach erlangtem Dispens sich in verwaisten Gemeinden niedergelaffen haben, sagt dieRordd. Allg. Ztg.": Eine derartige allgemeine Verfügung sei überhaupt nicht ergangen, die Kölner Regierung habe nur in einem Specialsalle aus eigene Verantwortung eine Verfügung getroffen, die sich auf diesen Gegenstand beziehe, wobei zugleich aber die Frage, ob der betr. Geistliche nicht die Stellung eines Pfarrverwesers im Smne des Art. 1 sub 2 der letzten Kirchennovelle einge­nommen hat, zur Erörterung stand. Die Nachricht ultramontaner Blätter sei

also falsch und nur ein Vorwand, um daraus Capital für ihre Politik des Unfriedms zu schlagen. Man möge ruhig die thatsächliche Entwickelung der Dinge abwarten und sich nicht durch tendenziöse Allarm-Nachrichten beunruhigen laffen.

Das Abgeordnetenhaus wählte auf Antrag Stengel'S durch Acclama- tion das bisherige Präsidium wieder (Köller, Heeremann, Benda); die Schrift­führer werden ebenfalls durch Acclamation gewählt. Nächste Sitzung findet Montag statt. Tagesordnung: Erwerb von Privatbahnen, Etat.

Pesth, 16. Januar. Im Verlause der Debatte des Handels-Budgets bemerkte Tisza, sich gegen eine Aeußerung Apponyi's wendend, wonach derselbe nur versuchsweise und aus eine für kürzere als zehnjährige Dauer geltende Ver­längerung des Zollbündnisses einzugehen erklärte, daß die gegenwärtigen Zeiten zu Versuchen nicht geeignet seien, welche jede gesunde Bewegung des Handels und der Industrie lahmlegen würden. Das Zollbündniß müsse unter den von ihm angedeuteten Bedingungen entweder für genügende Zeit oder gar nicht ab­geschlossen werden, eine Uebergangsperiode wäre ein höchst verfehlter Schritt. (Beifall).

Paris, 16. Januar. Ferry hatte heute Vormittag eine Unterredung mit Hassan Fehmi Pascha, welcher erst morgen nach London weiterreist.

Der Gesandte Timbuktus verläßt morgen Paris, um sich am 20. ds. in Bordeaux einzuschiffen; derselbe überbringt Geschenke der französischen Regie­rung für den Scheit von Timbuktu. Eine französische Gesandtschaft soll Dem- nächst nach Timbuktu abgehen.

DemTempS" zufolge hätte Italien in Folge der Erklärung Frank­reichs, wonach Frankreich feit 1859 Rechte auf die Bai von Adulis habe, von seinen Plänen bezüglich Zahla Abstand genommen.

Einer Meldung derAgence Havas" zufolge bestätigt sich, daß Peyron entschlossen sei zu demissioniren, jedoch erst nach den Senatswahlen. Grund seines Rücktritts sei, daß die Colonien dem Handelsminister unterstellt roor* den find. .

In Nizza wurden heute früh der Südquai und die englische Prome­nade von Sturzseen überschwemmt, wodurch die Keller der dortigen Hotels und Villen unter Wasser gesetzt wurden und sonst viel Schaden angerichtet ist.

Die Nachricht von der Entdeckung eines anarchistischen Complotts in Lyon wird dementirt. c , ,

Ein Telegramm des Generals Briere de l Jsle aus Hanoi vom 13. d. MtS. meldet: Wir arbeiten mit Eifer, um Die Beschaffung von Transport­mitteln zum weiteren Vorgehen zu vollenden. Hier geht Alles gut.

London, 16. Januar. Ein Telegramm desStandard" aus Shanghai vom 15. ds. bringt folgende Detalls über das Uebereinkommen zwischen Korea