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T>en Feind, welcher uns feige und verrätherisch angreift, bis zur völligen Vernichtung! Möge Gott uns helfen und den Sieg verleihen!

Nachmittags 5 Uhr. fTelegramm der Agence Havas.j Die Serben sind -auch in der Richtung auf Trn zum Angriff vorgegangen und besetzten ohne Kampf die bulgarischen Dörfer Miloslavsi, Seleni, Grad und Swonsi. Aus Trn wird telegraphirt, daß man daselbst Kanonendonner höre. Es wird hier für wenig wahrscheinlich ge­halten, daß es vor morgen oder Montag zu einem ernsten Kampf kommen werde. Die bulgarischen Truppen erwarten den Angriff des Feindes in Stellungen diesseits der Grenzlinie, welche bis zu 20 Kilometer von derselben entfernt sind.

Abends 9 Uhr. Die Nachrichten von der Grenze reichen bis 5 Uhr Abends. Der Hauptangriff der Serben erfolgte im Laufe des Tages gegen Zaribrod. Man vermuthet, daß auf dieser Seite ein Gefecht mit den Vorposten stattgefunden habe, -über welches noch genaue Nachrichten fehlen, da die telegraphische Verbindung mit diesem Orte wahrscheinlich bei dem Einrücken der Serben zerstört ist. Es lag nicht in der Absicht der Bulgaren, diese Gegend, welche strategisch nicht von Bedeutung ist, zu vertheidigen. Das Gros der bulgarischen Streikräfte befindet sich gegen Dragoman vorgeschoben, dessen Defilö gut zu vertheidigen ist und wo voraussichtlich morgen und Montag der Kampfplatz liegen wird. Der Fürst wird um Mitternacht abreisen und voraussichtlich morgen früh in dem Hauptquartier eintreffen, für welches der Aufent­haltsort jedoch noch nicht bestimmt ist. Heute Abend wurde die Proclamation des Fürsten an das Volk durch Anschlag veröffentlicht. Der Kriegsminister war den ganzen Tag hindurch beschäftigt, die Absendung von Verstärkungen und Proviant für die an der Grenze aufgestellten Truppencorps möglichst zu beschleunigen.

Sofia, 14. November. Die Serben rückten heute früh mit einem Bataillon, drei Schwadronen und 15 Geschützen in bulgarisches Gebiet ein und setzten ihren Marsch in der Richtung auf Plaeinitza fort.

Die bulgarische Regierung erhielt von neuen Akten der Feindseligkeit seitens der Serben Kenntniß. Bei Jswor wurde ein bulgarischer Wachman und bei Kustendil ein Unterpräfect, der zu Pferd eine Rundreise machte, von in dem Hinterhalt liegenden Serben getödtet.

Philippopel, 14. November. Der Fürst Alexander wohnte dem in der Kathedrale abgehaltenen Gottesdienste bei und verlas darauf die Proclamation, welche die seitens Serbiens erfolgte Kriegserklärung ankündigt und unter Anrufung der Hilfe des Allmächtigen für Bulgariens gute Sache alle waffenfähigen Einwohner auffordert, für die Freiheit und Ehre des Vaterlandes zu kämpfen. Der Fürst ist darauf sofort nach Sofia abgereist.

Servien.

Nisch, 13. November. Sicherem Vernehmen nach läßt die serbische Regierung durch ihre Agenten den fremden Regierungen mittheilen, daß auch die erneuten Behauptungen der bulgarischen Regierung wegen serbischen Grenz­überschreitungen der Begründung entbehren. Die serbische Regierung wäre ge­zwungen worden, die bulgarischen Feindseligkeiten mit der Kriegserklärung zu erwidern.

Nisch, 14. November. Die serbischen Truppen überschritten Nachts 1 Uhr die Grenze bei Zaribrod, Klissura, Bregova und Ton Blafina. Wie hier gerüchtweise verlautet, sollen die Bulgaren zunächst überall zurückgewichen sein und soll es erst bei Blasina aus der Straße nach Kustendil zu einem Zu­sammenstoß gekommen sein.

Belgrad, 14. November. Bei Trn-Blasina und auf der Straße nach Küstendil sanden scharfe Gefechte statt, wobei es eine Anzahl Todter und Ver­wundeter gab. Die Bulgaren sollen überall zurückweichen. Ein großer Theil der serbischen Armee befindet sich bereits auf bulgarischem Boden.

Der mobilifirte, im Felde befindliche, Truppenbestand an Linie, erster und zweiter Reserve ohne das zweite Ausgebot beträgt: 75 Bataillone mit 1065 SD t freier en und 78,255 Mann Infanterie; 25 Eskadrons mit 191 Osfl- cieren, 4758 Mann Kavallerie und mit 4859 Pferden; 40 Feldbatterien mit 240 Geschützen, 248 Offrcieren, 6820 Mann Artillerie und mit 6390 Pferden, insgesammt mit Genie, Train und den Sanitäts-Truppen 107,436 Mann. Das Ministerium ist vollständig von Nisch hierher zurückgekehrt.

Türkei.

Konstantinopel, 14. November. Der serbische Gesandte Gruic noti- freirte der Morte, daß Serbien in Folge der Proklamationen der Vulgaren und ihres Angriffs aus die serbische Armee in Blasstna Bulgarien den Krieg erklärt habe. Der Ministerrath trat sofort zusammen.

Die Minister traten, nachdem der Pforte die Nachricht von der Kriegs­

erklärung Serbiens an Bulgarien zugegangen war, alsbald zu einer außeror­dentlichen Sitzung zusammen. Der Großvezier Kiamil Pascha hatte eine län­gere Unterredung mit dem deutschen Botschafter v. Radowitz. Hierauf begaben sich die Minister nach dem Mdiz-Kiosk.

Wen.

Rangun, 14. November. (Meldung desReuter'schcn Bureaus/) Die englische Regierung richtete eine Proklamation an die birmanische Bevölke­rung, worin sie versichert, daß Niemand in Handels-Privilegien und der Aus­übung der Religion beeinträchtigt werden würde; der Buddhismus werde die Religion des Landes bleiben; alle birmanischen Osfrciere und Beamten sollten provisorisch auf ihren Posten verbleiben, vorausgesetzt, daß sie auch fernerhin ihre Pflichten treu erfüllen. Die Einwohner werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Ermordung und Mißhandlung englischer Soldaten aus das Strengste bestraft wird. Die Proklamation schließt mit der Erklärung, daß König Thtbau das Land nicht mehr regieren werde.

Amerika.

Galveston, 14. November. Nach näheren Ermittelungen sind die durch die Feuersbrunst angerichteten Zerstörungen nicht ganz so bedeutend, wie sie bei der ersten Aufregung, ehe der Schaden ganz zu übersehen war, gemeldet wurden. 52 Häuserkomplexe mit 300 hölzernen Häusern sind niedergebrannt und 500 Familien obdachlos. Abgesehen von einigen kleineren Magazinen waren alle zerstörten Häuser Wohngebäude.

Galveston, 14. November. Der durch den stattgehabten Brand ver­ursachte Schaden wird auf 2 Mill. Dollars geschätzt, wovon der größte Theil bei ausländischen Gesellschaften versichert ist.

Telegraphische Depeschen.

Wolfi'S telegr. Gorrefporrderrz - Drrrearr.

Berlin, 15. November. Der Kronprinz und der Prinz Heinrich machten, von der Hofjagd kommend, dem Kaiser gestern Abend 8V2 Uhr einen Besuch. Die Aerzte sind mit dem Befinden des Kaisers zufrieden.

Berlin, 15. November. Der Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatsminister, Staatssekretär des Innern, v. Boetticher, erläßt folgende Bekannntmachung: Mit ^Bezugnahme auf die in Nr. 29 des Reichs - Gesetzblattes verkündete Kaiserliche Ver­ordnung v. 27. v. Mts., durch welche der Reichstag berufen ist, am 19. November Lieses Jahres in Berlin zusammenzutreten, wird hierdurch bekannt gemacht, daß die

Eröffnung des Reichstags an diesem Tage um 2 Uhr Nachmittags im Sitzungssaale des Reichstagsgebäudes, Leipzigerstraße Nr. 4, stattfinden wird. Die weiteren Mit­theilungen über die Eröffnungssitzung erfolgen in dem Bureau des Reichstags am 18. November in den Stunden von 9 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends und am 19. November Vormittags von 9 Uhr ab.

In diesem Bureau werden auch die Einlaßkarten für Ztlschauer ausgegeben werden.

Wien, 15. November. DasFremdenblatt" schreibt anläßlich der serbischen Kriegserklärung:Vielleicht wäre König Milan's Lage leichter gewesen, wenn die Conferenz schon zu greifbaren Resultaten über den Status quo ante gekommen wäre. Die Mächte werden auf die ituit geschaffene Situation Rücksicht nehmen. So traurig die Rückwirkung dieses Ereignisses auf Oesterreichs Handel werden kann, so liegt doch in der Eintracht der Mächte die beruhigende Bürgschaft gegen die Störung des all­gemeinen Friedens."

Paris, 15. November. DeinVoltaire" zufolge mären im gestrigen Minister- rathe über die Amnestiefrage Meinungsverschiedenheiten hervorgetreten. Brisson, Allain- Targö und die Majorität des Kabinets wollten den Fürsten Krapotkin sowie Louise Michel und 2 Anarchisten aus Lyon begnadigt wissen. Die Minister Sarnen, Goblct, Demole und Freycinet sowie der Präsident Grevy seien für eine Amnestie und gingen dabei von der Ansicht aus, daß die Konzentrirung aller Republikaner durch Amnestie erleichtert werden würde. Gestern Abend ging das Gerücht, der Ministerpräsident Brisson und der Minister des Innern Allain-Targö seien entschlossen, zu demissioniren.

Paris, 15. November. DerTemps" erklärt es für unbegründet, daß der Minister des Auswärtigen, Freycinet, sich in der Amnestiefrage im Gegensätze zu dem Ministerpräsidenten Brisson befinde. Freycinet habe nur verlangt, daß diese Frage von einer definitiven Entscheidung noch weiter erörtert würde.

Petersburg, 15. November. Der Kaiser empfing gestern in Gatschina in feier­licher Audienz den Botschafter Großbritanniens, Morier, welcher sein Beglaubigungs­schreiben überreichte. Ferner wurde der als Erzieher des Prinzen von Buchara, Seid Mir Mansur, hier eingetroffene Mirza Nasrulla Tesksaba empfangen.

Die maßgebenderen Blätter verurtheilten die Kriegserklärung Serbiens an Bulgarien als ein brudermörderischcs und abenteuerliches Unternehmen. DieNowoje Wremja" sieht dieselbe als eine Verletzung des Berliner Vertrags an, welche sogar das auf die Herstellung der Union gerichtete Vorgehen des Fürsten von Bulgarien über­treffe.Nowosti" und die deutscheSt. Petersburger Zeitung" meinen, Rußland könne es unmöglich ruhig mitansehen, wie das von ihnt befreite Bulgarien und das stamm­verwandte Serbien sich zerfleischen. Die deutscheSt. Petersb. Ztg." hebt hierbei her­vor, wie schnöde Serbien seine wiederholten Versprechungen, sich bis zu einem Be­schluß der Conferenz ruhig verhalten zu wollen, gebrochen habe. Die russischeSt. Petersb. Zig-" fleht die Kriegserklärung als ein Product der Pläne Lord Salisbury's an und fügt hinzu, daß man in Sofia wohl schon deir Unterschied zwischen der Freund­schaft des russischen Befreiers und der platonischen Sympathie des britischen Cabinets eingesehen habe. DasJournal de St. Petersbourg" spricht sein Bedauern darüber aus, daß Serbien, welches Rußland seine Unabhängigkeit verdanke, den Krieg an Bulgarien erklärt hat, welches seinerseits Rußland seine Autonomie zu verdanken hatte, ohne daß sich die serbische Regierung dabei um die Bestimmung des Pariser Vertrags bekümmert habe, nach welcher vor jeder Kriegserklärung eine Vermittelung anzurufen sei. Die Jncorrectheil des Verfahrens werde dadurch noch gesteigert, daß Serbien den Krieg dem in einem Vasallenverhältniß stehenden Fürsten erklärt habe, der nicht einmal das Recht über Krieg und Frieden habe, so daß man sich in der Thal fragen müsse, ob das Ziel des Krieges sei, den Souverän zu bekämpfen oder einen rebellischen Vasallen zur Beobachtung der Verpflichtungen zurückzuführen, die ihm durch sein Vasallenverhältniß auferlegt werden. Es handle sich hier um einen noch nicht dagewesenen unerhörten Vorgang, welcher zeige, wie recht Rußland gehabt habe, darauf zu bestehen, daß der Status quo wieder hergestellt werde. Die zu diesem Zwecke durch die Initiative Rußlands zusammenberufene Conferenz habe unter ^dem Einfluß der diplomatischen Action Englands sich damit beschäftigt, die Griechen, Serben und Bul­garen an einem gemeinsamen Vorgehen gegen die Türkei zu verhindern. Man habe quf diese Weise die Action der Türkei gehemmt und dem König Milan Gelegenheit, gegeben, zu erklären, daß er handeln muffe, da die Conferenz nicht vorwärts komme. Man könne nicht missen, was die Conferenz jetzt thnn werde; aber trotz allen Schmerzes über den brudcrmörderischen Kampf könne Rußland doch nicht in die Fußtapfen eines jeden Balkanstaates treten. Gestern mar die Wiederherstellung des status quo noch möglich; wird sie es morgen noch sein? Was Griechenland und die Pforte thun werde, könne man nicht voraussagen. Der Artikel schließt: Es ist schmerzlich, zw sagen, daß mit etwas mehr Gradheit und einem etwas weniger scharf ausgeprägten Verlangen nach angeblichen diplomatischen Erfolgen dieser ruchlose Kampf leicht hätte beschworen werden können.

Belgrad, 15. November. Die Negierung hat eine Note an die Mächte ge­richtet, in welcher es heißt, Serbien müsse, durch die revolutionäre Politik Bulgariens gezwungen, die Waffen ergreifen, im Vertrauen auf die Gerechtigkeit der Mächte gebe Serbien in den Kampf.

Nach hier eingegangenen Nachrichten von der Armee ist Tzaribrod nach mehrstündigem Kampfe genommen worden, die Verluste sind gering; 50 Bulgaren sind gefangen genommen. In den Defileen bei Trin und in der Richtung auf Küstendil leisten die Bulgaren energischen Widerstand, dieselben gehen jedoch überall langsam zurück.

Bukarest, 15. Novbr. DerMonitoul official" veröffentlicht die Einberufung der Kammern zum 27. d. M.

Univerfität- - Chronik.

Der bekannte Kliniker Professor Dr. O. Fraentzel, dirigirender Arzt an der Berliner Charite, ist an einem Schlaganfalle nicht unbedenksich erkrankt.

Der bisherige Observator an der Universitäts - Sternwarte > zu Straßburg i. E., Dr. Schur, ist zum ordentlichen Professor in der Göttinger philosophischen Fakultät ernannt worden.

Lokale-«

Gießen, 16. November. Der Eisverein hält heute Abend 6 Uhr im Cafi Ebel seine Generalversammlung und am selben Tage kehrt auch der Winter bei uns ein, denn diese Nacht ist das Thermometer an exponirten Stellen unter3° gesunken, Da der Eisverein vollständig für den Winter gerüstet ist, auch heute schon überschwemmen wird, so können wir vielleicht schon in drei Tagen das Vergnügen des Schlittschuh! laufs genießen. Mögen deshalb alle, welche noch nicht Mitglieder des Vereins sind, sich bei Herrn Balser auf der Mäusburg schleunigst anmelden.

Gießen, 16. November. Am Freitag Abend und am Samstag Abend fanden in einem Hause der Bahnhofstraße wie auch in einem solchen vor dem Wallthol Zimmerbrände statt. Vorsicht bei dem Umgehen mit Licht dürfte gerade jetzt bei del kälteren Witterung mehr als je geboten sein.

Ein Transport Zigeuner (7 Wagen voll) wurde heute Morgen durch dir Schutzleute aus dem Weichbilde der Stadt verbracht.

Verrutschtes.

Staufenberg, 16. Nov. Heute Morgen gegen 4 Uhr brach in der Hofraitht des Weißbinders Bier Feuer aus, welches so rasch um sich griff, baß die Insassen des Hauses fast Nichts retten konnten. Der Hauseigenthüiiler und ein Miethsmann sind versichert; dagegen der andere Miethsmann, ein noch nicht lange verheiratheter Hüttenarbeiter, welcher wegen seinem Fleiß und seiner Zuvorkommenheit hier allseitir beliebt ist, rettete Nichts als das nackte Leben. Die langjährigen Früchte seines sowie des Fleißes seiner Frau waren in einem Augenblick ein Raub der Flammen. Als ein großes Glück ist es noch anzusehen, daß das Feuer trotz der sehr mißlichen Lage der betreffenden Hofraithe auf seinen Herd beschränkt blieb.

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