Ausgabe 
17.5.1885 Zweites Blatt
 
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ein Franzose, Namens Perret, verhaftet, als er das PostgebLude verließ, wo er nach postlagernden Briefen gefragt hatte. Perrot, der seit zwei Tagen hier im Hotel zur Stadt Bonn" am Rheinischen Bahnhof wohnte, wird als Raubmörder von Lyon aus verfolgt. Im Februar dieses Jahres ermordete er auf einem Schlosse bei Lyon eine Frau Rigottier nebst deren Gesellschafterin, raubte 30,000 Francs in Obligationen der Stadt Lyon und ergriff die Flucht. Die Lyoner Behörde verfolgte seine Spur durch die Schweiz, Bayern und Oesterreich. Von Wien aus begab sich Perret nach Köln, hielt sich dort zwei Tage auf und reiste am Freitag nach Aachen. Hierher wurde seine Anwesenheit gestern telegraphisch von Köln aus signalisirt, kurze Zeit darauf trafen ein Kölner Polizeicommissar, sowie der von der Lyoner Behörde speciell mit der Ver­folgung des Perret betraute Beamte in Aachen ein; zwei Stunden später war der Mörder festgenommen. Derselbe ist 30 Jahre alt und stammt aus l'Arbresle im Arrondissement Lyon, wo er Kaufmann war und fallirte. Bei seiner Verhaftung fand man nur 2,50 <X in seinem Besitz.

Von einem Mitgliede der deutschen Colonie in Teheran werden nachstehende Mittheilungen gemacht:

Seit drei Jahren hat sich in der hiesigen europäischen Colonie eine große Um­wandlung vollzogen und zwar sehr zu Gunsten der Deutschen. Unser Land und Volk werden, wie wir mit Befriedigung sagen dürfen, nicht vorzugsweise mehr, wie vordem, durch Oesterrcicher vertreten, sondern durch ihre eigenen Kinder; die hiesigen Deutschen, welche sich alle in geachteten Lebensstellungen befinden, haben den Persern immer mehr eme hohe Achtung für deutsches Wesen und für deutsche Cultur abgewonnen, so daß die frühere Vorliebe der hiesigen maßgebenden Kreise für Frankreich und französische Bildung fast gänzlich geschwunden ist. Das Verdienst, Deutsche in die verschiedensten Zweige" der persischen Verwaltung berufen und das langjährige Gewohnheitsmonopol der Franzosen und Oesterreicher auf diese Stellen durchbrochen zu haben, gebührt voll und ganz dem Minister für htnterricht und Telegraphen, Ali Goli Khan mit dem Titel Mochber ed dauleh (der Benachrichtiger des Reiches). Es ist dies derselbe, welcher sich vor Kurzem 8 Monate in Berlin aufgehalten hat, um die preußische Verwaltung kennen zu lernen. Der Minister ist dabei von den Reichsbehörden sehr aufmerksam behandelt und auch vom deutschen Kronprinzen, sowie vom Fürsten Bismarck wiederholt empfangen worden. Ihm ist es u. A. auch zu danken, daß der erste, für den persischen Golf bestimmte persische Kriegsdampfer in Deutschland (bei der Actiengesellschaft Weser) bestellt und gebaut worden ist, sehr zum Mißvergnügen der Engländer. Ali Goli Khan hat drei seiner fünf Söhne in Berlin erziehen lassen, und das mit dem erfreulichsten Erfolge. Der eine davon hat die Bergakademie besucht und steht jetzt demDeparte­ment der Minen" in Teheran vor, befindet sich aber zur Vollendung seiner Studien zur Zeit wieder in Deutschland. Ebenso studirt ein zweiter in Berlin, während der dritte es sich in sehr liebenswürdiger Weise in Teheran zur Aufgabe gemacht hat, die deutschen Jnstructoren durch Uebertragen von deren Vorträgen in's Persische und auf andere Art zu unterstützen.

Jedes Stück der Einrichtung im Hause des Ministers stammt aus Deutschland und so hat derselbe durch sein Beispiel bereits recht wirksam für die deutsche Industrie wie für deutsches Wesen geworben. Der von ihm gegebenen Anregung folgend, war jüngst ein naher Verwandter des Schah, Edescham ed dauleh (die Säule des Reiches) zu verschiedenen Malen Monate lang in Berlin, um dortige Aerzte wegen eines Augen­leidens zu befragen. Noch vor wenigen Jahren wäre hier Jeder mitleidig belächelt worden, der sich in solchen Dingen anderswo als nach Paris hätte wenden wollen. Dem Minister Mochber ed dauleh gebührt auch das große Verdienst, die mit dem Collegium verbundene Apotheke, bis dahin ein elende Bude, die kaum mit den landes­üblichen Droguengeschäften zu concurriren vermochte, nach deutschem Muster und unter Leitung eines aus Berlin berufenen Apothekers umgestaltet zu haben. Die ganze Ein­richtung derselben ist nach Zeichnungen und Photographien Der Musterapotheke auf der Berliner Hygiene-Ausstellung hergestellt. Der Schah hat dieselbe kürzlich besichtigt und war sehr über die Anstalt erfreut. Letztere findet auch bei dem Publikum große Aner- kennung und Zuspruch.

Die deutsche Colonie in Teheran besteht zur Zeit nur aus 7 Mitgliedern und deren Familien, das ist aber in Anbetracht der Stellung, welche dieselben innehaben,

ein vielversprechender Anfang. Drei der Herren sind Lehrer an der Hochschule (Medi-- cin und Kriegswiss en sch asten), einer Jnstructcur in der "Armee, einer Apotheker, einer Ober-Ingenieur der Telegraphen und einer Kaufmann, letzterer Vertreter des be­deutendsten europäischen Handelshauses in Persien (Ziegler u. Co. in Manchester). Die Militärs unter den Genannten bekleiden einen hohen Rang und beziehen das Ge­halt eines Generals 1. Klasse. Die Staatsbeamten (auch die von auswärts) beziehen keinerlei Pension, das Institut ist in Persien unbekannt. Man läßt aber diejenigen aus Europa hierher engagirten Beamten, welche eine Reihe von Jahren im Dienste des Schahs gewesen sind, auch dann, wenn sie wegen Alters oder aus Mangel an einem geeigneten Wirkungskreise dem Staate nicht mehr dienen können, einfach im Besitze ihrer Bezüge, ohne sie förmlich zu entlassen. Dies ist hauptsächlich dadurch ermöglicht, daß die vom Könige berufenen Europäer von den Staatsbehörden so ziemlich unab­hängig sind und nur mit ausdrücklicher Bewilligung des Schah entlassen werden können, eine Bewilligung, welche nur bei sehr triftigten Gründen zu erlangen ist. Mit den Rangverleihungen ist man früher sehr freigebig gewesen, doch ist darin ein sehr bemerkbarer Umschwung eingetreten und man verfährt jetzt mit großer Einsicht und Zurückhaltung, obwohl es für Perser aus angesehenen Familien noch immer verhält- nißmäßig leicht ist, einen militärischen Rang zu erhalten. In den höchsten Familien, namentlich denen Kadjarischen Ursprungs, ist sogar meist die Würde vom Vater auf den Sohn erblich. Auch die frühere Ordensverschleuderung hat sehr abgenommen, so daß heute die dritte Klasse des Sonnen- und Löwenordens in höherem Ansehen steht als früher die zweite.

sUrurgroßmutter.j Als Unikum theilt dieRomsdorfer Zeitung" Folgendes mit: Gestern wurde den Eheleuten Heinrich Sträcke und Emilie, geb. Dehnert, ein Sohn geboren, der das seltene Glück hat, eine Ururgroßmutter, zwei Urgroßmütter und eine Großmutter zu besitzen. Die Ururgroßmutter, eine Wittwe Wöllenweber in Remscheid, ist über 100 Jahre alt, dabei gesund und munter und hat noch nie eine Brille getragen. Sie hat noch zwei Kinder im Alter von 72 resp. 76 Jahren, 36 Enkel und 42 Urenkel.

sEin humaner Arzt.j In dem Städtchen Marlow in Mecklenburg wurde unlängst ein armer Handwerker, der 13 lebende Kinder hat, vom Gerichtsvollzieher ausgepfändet. Die Sachen wurden von dem Arzte des Städtchens in der Auction aufgekauft und dem Gepfändeten zurückgegeben.Ick bedank mi ok, Herr Doctor, äwer wat nützt bat", meinte der Beschenkte,sei halen's mi ja doch bei nächsten Daaz roerr aff."Ja so", erwiderte der Arzt lächelnd,denn will ick's Sie leih'n".

Die' Washingtoner Schönen finden, wie ein amerikanisches Blatt zu melden weiß, daß Präsident Clevelandliebe Augen" habe.

Ein Amerikaner Namens Riddle in Minnesota hat zweiundzwanzi- Töchter. Der Unbeneidete!

Die ]Vorth British and Mereantlle Feuer-Versicherungs-Gesell- schaft mit Domicil in Berlin erzielte nach dem soeben erschienenen Rechnungs-Abschluß pro 1884 wiederum günstige Resultate.

An Prämien wurden vereinnahmt in der Feuerbranche abzüglich der Rück­versicherung «X 22 281 373.00, an Zinsen 2C. <X 1 739 998.91, die Kapital-Reserve er­höhte sich um «X 508 460.08 auf <X 23 400 000, die Prämien-Reserve beträgt «X 7427124.35 und als Reingewinn der Gesellschaft ergiebt sich «X 4 118 785.17.

Das deutsche Geschäft der Gesellschaft ergab gleichfalls einen, wenn auch mäßigen, so doch befriedigenden Reingewinn und die jährliche Prämien-Einnahme pro 1884 erreichte durch einen reinen Zuwachs von -X 316306.01 die Höhe von «X. 2 466 486.79 und befindet sich das deutsche Geschäft der Gesellschaft allseitig in gesunder Entwickelung. 3747

Galbvcrdeckte Wagen, bbt 11)101 g5 grati§ U' ^lswürdig.

JLL Rumpf, Eis. Hand 18, Frankfurt a. Main.

Allgemeiner Anzeiger.

Möbel-Versteigerung.

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Großherzogliches Ortsgericht.

_ Lüdeking.

3MBT Anfragen bei Louis Rothenberger, Neuenweg 22.

Dienstag den 19. L M.,

Nachmittags 5 Uhr, sollen in der Gemeinde Wies eck die zur Herstellung eines Brunnens er­forderlichen Brunnen- u. Pum- pen-Arbeiten, veranschl.zu 588 «X, öffentlich in den Accord gegeben wer­den.

Gießen, am 12. Mai 1885.

Senßfelder, 3687 Bezirks-Bauaufseher.

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