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erHärf die französische Meldung, der Botschafter Oestcrreich.Ungarn» hätte der Pforte die Ergreifung eines Pfandobjectes für den Fall werterer Verzögerung in Aussicht gestellt, ist ganz unbegründet.
Wien, 15. Januar. Das „Fremdenblatt" sieht in bcm Frankfurter Morde <tpnt offenbaren Akt des Terrorismus: die menschliche Gesellschaft müsie sich gegen btcfc Gefahr schützen, der Staat und die Gesellschaft müßten den Kamps aufnehmcn- Die Gleichartigkeit der Bewegung in Oesterreich, Deutschland, Rußland und in den andern Reichen Europas lege die Idee einer gleichartigen Vertheidigung nahe, denn da die anarchistische Bewegung einen internationalen (Charakter trage, fo wurde eine internationale Bereinigung zur Abwehr entsprechend fein. — Die „PresseE sagt: Der Hronkiurler Mord mahne eindringlichst, sich nicht lediglich auf die Verfolgung der der Ibat Schuldigen zu beschränken, sondern oiemehr durch ein ernstes Erfassen der socialen Fragen der Anarchie den Boden zu entziehen- Die Versuche der Regierungen, namentlich Deutschlands, zur theilweisen Lösung dieser Fragen hätten bereits zu dem Ersolge einer schärferen Scheidung der Soeialisten und Anarchisten geführt- Das Frankfurter Altentat sei eine neue Mahnung an den deutschen Reichstag, nicht taub au bleiben gegenüber der warnenden Stimme des jtaifere und des Reichskanzlers und sich nicht ablehnend zu Derbalten gegen die socialvolitischen Reformoorschlage. — Die .Reue freie Presse" erblickt in dem Attentat zweifellos anarchistische Hände und gleichzeitig den Beweis, daß eine dauernde Abhilfe nur geschaffen werben könne, wenn bte Regierungen jene Elemente zur Abwehr zusammenfassen, welche mit ihnen ein gemeinsames Interesse daran haben, die Gesellschaft vor der Anarchie zu bewahren. Als ein solches staats- erbaltendes Element bezeichnet die .Reue freie Presse" ein liberales Bücgerthum. — — Die .Deutsche Zeitung" äußert: Das Frankfurter Attentat zeichne der deutschen Gesetzgebung den Weg vor, Fürst Bismarck habe Recht, wenn er durch den Schutz der nationalen Arbeit, durch sociale Vorbeugungs-Maßregeln, durch die Entlastung der kleinen Steuerzahler und durch coloniale Unternehmungen die Wohlfahrt des Volkes zu heben suche; auf diesem Wege sollte ihm ber Reichstag mit größerem Eifer folgen.
Pari-, 15. Januar. Eine Explosion schlagender Wetter hat in den Kohlengruben von Lievin im Departement Pas de Calais flattgefunben; 28 Personen haben hierbei ihr Leben eingebüßl.
— Hassan Fehmi Pascha ist heute Vormittag eingetroffen und beabsichtigt morgen Abend nach London weiter zu reisen.
— Das angckündigte anarchistische Meeting sand nicht statt, die Ruhe ist nirgends gestört worden.
— Erneute Gerüchte von einer Demission Noaille's in Konstantinopel und von ber Ernennung Baron Michel's zu seinem Nachfolger werden aus Regie- rvngskretsen wiederholt dementirt.
— Dem Journal „Paris" zufolge hätte Courbet gemeldet, er habe die Kohlenwerke von Keelung besitzt.
— Das Gerücht in den letzten Abendblättern von der Absicht des Marine- mmisters, zu vemissioniren, wird ui Regierungskreisen als unrichtig bezeichnet.
Antwerpen, 15. Januar. Dem „Handelsblad" zufolge ist heute hier ein Mann verhaftet, den man für den Mörder des Polizeiraths Rumpff in Frankfurt oder wenigstens für an der Ermordung betheiligt hält.
Madrid, 15. Januar. Die Zahl der in der Provinz Granada durch Erdbeben zerstörten Häuser beträgt 3240.
Brüssel, 15. Januar. Die Deputaten von Nioelles brachten in ber Kammer einen Antrag aus Wiedereinführung der Eingangszölle für Getreide, Vieh unb andere Coniumptibilien.
Tunis, 15. Januar. Ein Erlaß des Bey's fordert die Flüchtlinge in Tripolis auf, zurückzukehren, und sichert den binnen 3 Monaten Rückkehrenden Amnestie zu, bte nicht Zurückkehrenden werden als Rebellen behandelt.
BermifchteS.
o. K. Frankfurt a. M, 15. Januar. (Zur Ermordung des Polizeirath Rumpff). Schon in der ersten Erregung über bte ruchlose That, bie an einem alten 62 jährigen Manne verübt würbe, brängte sich Iebem bie Frage auf: Wer ist ber Ibätet unb in welchen 3ireifen ist er zu suchen? Ein Act ber Rache ist biescr Mord jedenfalls unb aller Wahrscheinlichkeit nach stehen wir hier vor einem politisch en Dl erbe. Wohl wirb von manchen Seiten bie Verrnuthung ausgesprochen, daß ber Ermordete als ein Opfer seiner gerade in letzter Zeit entwickelten energischen Thätigkeit bei der Ausweisung unsittlicher Frauenzimmer gefallen sein könne, daß ein Louis den Mordstahl gerückt habe. Diese Verrnuthung entbehrt aber jeder inneren Wahrschein- lickkeit. Ein Louis greift nur in ber Erregung, wenn er gereizt wirb, zum Messer, aber er bat nicht ben Muth unb bie kalte Ruhe, bie dazu gehören, auf offener Straße einem Menschen auszulauern unb ihm bas Messer in bie Brust zu stoßen. Fast als Gewißheit steht es fest, daß Herr Polizeirath Rumpfs durch bie Hand eines Anarchisten gefallen ist. In dem Anarchisten-Prozeß, ber sich vor nicht ganz brei Jahren in Leipzig gegen Horsch und Genossen abspielte, spielte der Verstorbene als eine Art Kronzeuge bte hervorragendste Rolle unb allein auf seine Aussage hin mürben bte Angeklagten zu 2</i Jahren Zuchthaus verurtheilt. Diese Strafe haben sie jetzt Der büßt und der Verdacht liegt nahe, baß einer btefer eben erst aus bcm Zuchthause Entlassenen den Mord vollfuhrt hat, als Rache für eine Strafe, bie er, seiner Ansicht nach, unschuldig erdulden mußte.
Der Mord selbst muß mit Schrecken erfüllen. Er liefert ben Beweis, daß bie Bande, von ber er ausgebt, auch bie niederträchtigsten Mittel nicht scheut, um Rache an Denen zu üben, bie ihren Plänen entgegentreten. Es ist bie grundsätzliche Gesetzlosigkeit, bie rabifale Zuchtlosigkeit, bie hier in furchtbarer Gestalt ihr Haupt erhebt. Zwar mag man ja hoffen, baß bie Zahl ber Schurken, bie zu diesem anarchistischen Morderbundc geschworen, nicht allzu groß ift, aber boch will es immer noch nicht gelingen, bie Rotte bauernb unschädlich zu machen. — Hoffentlich hat diese Morbthat eines Einzelnen aber nickt die Bestrafung unserer ganzen Stabt in Gestalt ber Ver- bangung des Belagerungszustandes zur Folge. Man befürchtet das hier allgemein. — lUte man erzählt, beabsichtigen bie Führer der hiesigen Socialbemokraten eine große
öffentliche Versammlung einzuberusen, in der sie ihrem Absckeu gegen bie ruchlose That lauten Ausdruck geben wollen-
Inzwischen bat die Polizei ihre Nachforschungen nach dem Tbätcr nickt nur hier, sondern auch in Mannheim, Stuttgart und Berlin aufs Eisrigste fortgesetzt. Alle von hier abgehenden Zuge wurden schon am Abend der That aufs Strengste über wacht So meldet man aus Mannheim, daß ber bortige Bahnbof ununterbrochen polizeilich überwacht wird. Sämmtliche Züge laufen geschloffen ein unb werden von beiden Seiten aufs Genaueste rcoidirt. Alle nickt hinlänglich legitimirten Reisenden werden angebalten, bis sie sich über ihre Persönlichkeit in irgend einer Foim zuverlässig ausweisen können. Auck in Mannheim sind bereits mehrere Personen verhaftet- In Berlin ist die ganze Eriminalpolizei in Bewegung. Wie dem „Verl- Tagebl.- mitgctheilt wird, soll schon in ben letzten Tagen bie Nachricht nach Berlin gelangt fein, daß die Anarchisten sich mit dem Plane eines Attentates trügen; es scheint aber Näheres nickt bekannt geworben zu sein, an welchem Orte und gegen welche Persönlichkeit ber verbrecherische Anschlag geplant war-
Aus Stuttgart lassen sich bie Münchener „Reuest. Nackr." telegraphisch Folgendes melden: .Gerüchtweise verlautet, daß heute Morgen ein mit dem Schnellzuge ankommender Mann vom Zuge weg auf Grund des Verdachtes, der Mörder des Polizeirathcs Rumpff in Frankfurt zu fein, verhaftet worden ist " Wir hoffen, daß sich unter den so zahlreichen Verhafteten auch ber wirkliche Mörder befinden möge.
Nachschrift. Wie ich soeben einem frisch angeschlagenen Plakat entnehme, ist bie Belohnung für Gruirung des Mörders auf 10,000 Mark erhöht. — Wiener Blätter bringen folgende Mittheilung: Die hiesige (Wiener) Polizei-Direction erhielt heute in den ersten Morgenstunden vom Polizei-Präsidium in Frankfurt bai folgende Telegramm: „Der Polizeirath Dr. Rumpff wurde heute Abends erstochen. Tie That wurde unzweifelhaft von Anarchisten verübt- Möglicherweise ift der Thater oder Mit w iss er ein '.Wann von etwa 30 bis 40 Jahren, Untersetzt, hat volles Gesicht, blonde Haare, kurzen blonden Schnurrbart und ist 51/» Fuß groß.
Man mag daraus ersehen, daß die hiesige Polizeibehörde bereits eine b e - ft i m m t e Persönlichkeit im Auge hat.
— Aus München Dcnatn oic „Fr. Zig.": Der Staatsanwalt Zimmerer hat längeren Urlaub genommen und eine Rr.se nach Afrika angetriten. Mögen bte Redacteure in Kamerun re. vorsichtig s 'n! — Der b»er in weißem Wollavzuge k la Klosterbruder durch die Straßen wandelnde Apostel deS Vegetarianismus, Kunstmaler Dtrffenbach, bat Nachahmer gesunden, ind.m vorläufig zwei hiesige Herren zum großen Gaudium der großen unb kleinen Kinder solche Wollanzüge fpajleren führen.
— Der „Tägl Rundschau" wird au8 Lübeck geschrieben daß Karl Par.täniuS, welcher In Kamerun von den Negern ermordet worden ist, bereits fett Jahren daselbst In ben Woermavn'schrn Foc'oreien beschäftigt war; der 29jähr'ge sehr ruhige unb besonnene junge Mann verstand porzügfch mH ben Negern umzugehen, war ihrer Sprache mächtig und diente auch f tner Ze t Dr Nachtigal als Dolmetsch bei ben Verhandlungcn. Pantänius ftond einer Factorei vor, welche, entlegen von den Küsten« nkbirlaffungen, außer ihm manchmal nur von einem, manchmal keinem Weißen besetzt war, doch hatte er, wie er noch im vorigen Sommer in Lübeck erzählte, als er zum Besuch bort war eben weaen seines guten Einvernehmens mit btn Negern keinerlei Furcht. Paniäaius batte noch zu Weihnachten eke Kiste gesandt, welche auch viele für das Lübecker Mus um bestimmte Mcrkwü'dtgkeitcn entbleit.
— sVor Gericht ] GerfchtSarzt: „Ich fand beim Kläger eine schwere Eontufion des liclftfettiacn Sehnervs, eine btträchtl che Blutstauung unter der Epidermis und e ne kleine ßäbttung derselben" Richter: „Sie meinen einfach ein blaues Äuge?* Gerichtsarzt: „Ja" Richter: „So, bad hätten Sie ja gleich sagen können."
— [Der unglückliche Nesft j 2t: „Du stehst ja so verstört aus, was ift Dir denn passtrr?" B.: „Denk Dir doch, meine alte reiche Tante ist gestorben unb hat mir auch nicht einen Pfennig hinterlassen." A-: „Tröste Dich, alter Junge, batst nicht» zu machen, denn das ist ein Erbübel "
New- Uork, 8. Januar. Der Capitän ber Barke „Isabel St. John, ber hier ouS Cadix angekommen ist, berichtet, daß am 18. Dccember v. I., als man sich tm 38.51 Brettegrade unb 28 55 Längengrade befand, die an Bord befindlichen Personen ein schre^kttcheS Erdbeben, begleitet von fürchterlichem donnerähnlichen unterseeischem Gstöse, wabrnahmen.
— sWahnfinn'g.l Aus Amerika kommt die erschütternde Kunde, baß A. B. Wllson, Der Erfinder ber „Wheeler- und Wilson-Nähmaschine" wahnsinnig geworben und in das Irrenhaus zu Hartfort, Conn-, gebracht worden ist.
Kirchliche Anzeigen -er Dtndt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
2. Sonntag nach Epiphanias, 18. Januar.
Vormittags 9l/2 Uhr: Professor Dr. Gottschick.
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Beichte und Feier desheiligenAbendmahlsim NachmittagsgotteSdienst.
Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Montag, den 19. Januar, Abends 8 Uhr Bibelstunde in der stleinkinderschule, Apostelgesch. Kap. 26. Pfarrer Dr. Naumann.
Die am vorigen Sonntag erhobene Kirchenkollekte für die Heiden-Mission betrug 44 V*L 46 H.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 18. bis 24. Januar besorgt Pfarrer Dr. Naumann.
Katholische Gemeinde.
2. Sonntag nach Epiphanie.
Don 7 Uhr an Bcickte- 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. CommunioN.
VtlO Uhr: Hochamt und Predigt. 2 Uhr: Sakramentalische Andacht-
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 415 Uhr, Samstag Morgen 8^ Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend Uhr-
Allgemeiner Anzeiger.
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