hat man auch eine von dem Spanier Ribero entworfene Weltkarte mit der vom Papst Alexander VI. gezogenen, den Besitz der Portugiesen Mdenden, DemarcationS'Linie vorgefunden.
Der Ausgang der Orientkrisis ist nach wie vor äußerst ungewiß, ja, es wiegen heute die kriegerischen Töne vor. Griechenland setzt seine militärischen Rüstungen fort und verfügt eine MobilisirungS-Ordre die Completirung des Effecttvdestandes der Armee. Die Soldaten, welche die Dienstzeit jetzt beendigen, müssen bei den Fahnen bleiben und sind außerdem drei andere Klassen der Reserven einberufen, so daß im Ganzen fünf Klaffen innerhalb acht Tagen zur Armee stoßen sollen. Die Türkei ihrerseits ist auch nicht müßig und hat ihre Rüstungen so weit beendigt, daß sie jeden Tag den Bestimmungen des Berliner Vertrags Geltung verschaffen kann, wie man wenigstens in Konstan- tinopel behauptet. — Das serbische Vorschußgeschäst mit der Länderbank und dem Comptoir d'Escompte ist am Montag Abend unterzeichnet worden und hiermit hat sich Serbien auch in finanzieller Beziehung aus einen Krieg gerüstet.
Nachrichten aus Albanien bestätigen, daß die aufständischen Albanesen mit dem Befehlshaber der türkischen Truppen einen Vergleich abge- schloffen haben. Die Pforte hat also nach dieser Richtung hin freie Hand bekommen und kann die in Albanien stehenden Truppen erforderlichen Falles mit gegen Serbien verwenden. _________________________________________________
Telegraphische Depeschen.
Woly'S telegr. Eorrefponderrz - Burearr.
Berlin, 14. October. Gegenüber der Nachricht über eine angebliche Erweiterung der Befugnisse des kaiserlichen Gesundheitsamts zu einer beaufsichtigenden und leitenden Behörde für das Medicinal- und Veterinärwesen in allen deutschen Staaten erfährt die „Rordd. Allgem. Ztg." von verläßlicher Seite, daß in genanntem Amte hiervon nichts bekannt sei. Ebenso seien Mittheilungen über eine angeblich bevorstehende Personaländerung in der veterinärärztlichen Mitgliedsstelle mit größter Vorsicht aufzmiehmen. t ,
— Der Minister v. Puttkamer ist von Baden-Baden hierher zuruckgekehrt.
Berlin, 14. October. Generalsynode. Das Kirchengesetz, betreffend das Dienstalter der Geistlichen, wird mit unwesentlichen Aenderungen in zweiter Lesung angenommen. Die Vorlage über den Ertrag der Landeskirchencollecte für die Berliner Stadtmission wird durch Kenntnißnahme erledigt. Der Antrag Stöcker, der Berliner Stadtmission für die nächsten sechs Jahre eine alle zwei Jahre stattfindende landeskirchliche Eollecte zu bewilligen, wird einstimmig angenommen. Bei Berathung des Antrages der Pommer'schen Provinzialsynode, daß evangelische Theologen der activen Militärdienstpflicht analog wie die Aerzte sechs Monate mit der Waffe und sechs Monate im Lazarethdienst und in der Militärscelsorge genügen dürfen, wird von einer Beschlußfassung abgesehen. t ,
München, 14. October. Ihre K. und K. Hoheiten der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin sind mit den Prinzessinnen Töchtern auf der Rückreise von Italien heuie hier eingetroffen und haben in dem Hotel zu den vier Jahreszeiten Absteigequartier genommen.
Hamburg, 14. October. Der vierstöckige Neubau Ecke der Eaffamacherreihe und Specksplatz ist heute Nachmittag 5 Uhr zusammengestürzt. Bis 7 Uhr Abends sind 2 Todte und 2 Schwerverletzte hervorgezogen, vermuthlich sind noch ungefähr 6 verschüttet. Die Feuerwehr ist mit den Rettungsarbeiten beschäftigt. Am Samstag hatte erst die Richtfeier des Hauses stattgefunden.
Straßburg i. E., 14. October. Wie die „Landeszeitung" meldet, wird der Statthalter Fürst Hohenlohe vom 15. d. M. ab die landesherrlichen Befugnisse wahr- nehmen. Bezüglich der übrigen Geschäfte wird derselbe für die Dauer seines bis Ende October reichenden Urlaubs durch den ^taatssecrctär v. Hofmann vertreten.
Paris, 14. October. Der Minister des Innern richtete an die Präfectcn der Departements, wo Stichwahlen stattfinden, ein Rundschreiben, worin er sie auffordert, falsche Nachrichten betreffs der Wahlen dementiren zu lassen, keine incorrecte Haltung der Beamten zu dulden und ihm alle lügenhaften, von reactionärer Seite ausgehenden Behauptungen zu melden. Gutem Vernehmen nach wird der Minister die Absetzung der Municipalbeamten verfügen, welche eine feindselige Haltung gegen die Regierung zeigten.
— Das „Journal Officicll" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Gesandten in Mexiko, Coutouly, zum Gesandten in Bukarest, Aim6e Millet's zum Gesandten in Belgrad und Reverseaux's, bisherigen Gesandten in Belgrad, zum Mitglied der Donaucommission, Lavertujou, bisheriges Mitglied der Donaucommission, wurde zum Gesandten in Mexiko ernannt.
Rom, 14. October. Aus der Provinz Palermo sind gestern 50 Cholera-Todesfälle gemeldet, davon in der Stadt Palermo 42.
Athen, 14. October. Die Abendzeitungen melden, daß die Kretenser die Union mit Griechenland proklamirt haben. Eine officielle Bestätigung liegt noch nicht vor.
— Dem Vernehmen nach demissionirte der Marineminister wegen einer Meinungsverschiedenheit mit den übrigen Ministern über die hinsichtlich der Marine zu treffenden Vorbereitungen.
Konstantinopel, 14. October. Die Botschafter einigten sich in einer gestern Abend stattgehabten Sitzung über eine anderweite Fassung der Mittheilung, welche der Pforte und Bulgarien übersendet werden soll.
Philippopel, 14. Octvber. Fürst Alexander ist abgereist, um das Innere des Landes, insbesondere Slivuo zu besuchen. Seine Abwesenheit ist auf drei Tage berechnet. Inzwischen kehrt Karawelow nach Sofia zurück, wo die Berathungen des Ministeriums unter seinem Vorsitze stattfinden sollen.
Port Said, 14. October. Der Dampfer „Prim" ist weggeräumt und die Passage des Canals frei.
Athen, 14. October. Wie verlautet, sind dem Kriegsministerium 11 Millionen zum Ankauf von Kriegsmaterial überwiesen worden.
Kalkutta, 14. October. sTelegramm des Reuter'schen Bureaus.j Der König von Birma gab eine anmaßende beleidigende Antwort auf ein neuerdings vom Ober- Commifsar von Britisch - Birma nach Mandalav gesandtes Schreiben bezüglich des Streites mit der „Burmah-Trading-Association". Der König verweigerte jede Con- cession und lehnte es ab, auf die Frage nochmals zurückzukommen oder diesen Gegenstand mit der britischen Negierung zu erörtern. Der Obercommissar bat vor Absendung des Ultimatums nach Mandalav um 9000 Mann Truppen.
Rangoon, 14. October. sTelegramm des Reuter'schen Bureaus.s Die Bir- mancr verstärken ihre Grenztruppen.
Newyork, 14. Octobcr. Zum Gouverneur von Ohio ist Foraker (Republikaner) gewählt.
Lokales.
Gießen, 15. October. Für die Hinterbliebenen der mit S. M. Corvettc „Augusta" untergegangenen Besatzung werden Gaben auch an den Schaltern des Hauptpostamts und der Stadtpoststelle, sowie von den Posthülfsstellen und den Landbriefträgern entgegengenommen.
Gießen, 15. October. Ein jugendlicher, nicht concessionirtcr Laternen-Aus- macher wurde heute Nacht bei der Arbeit abgefaßt und notirt.
— Zwei Pferde, der Firma Gebrüder Haustein gehörend, brannten heute Morgen aus dem Hofe des Geschäftshauses durch, stürmten durch die Bismarckstraße, Südanlage zum Neuenwegerthor, wo sie ein Schutzmann aufgriff und festhielt, bis der Knecht dieselben abholte.
Vermischte s.
Mainz, 12. October. lLandes-Gewerbc-Ausstellung.^ Betreffs der im Jahre 1887 hier in Mainz abzuhaltenoen Landes-Gewerbe-Ausstellung hat Herr Cornmerzien-
rath Reuleaur, der Vorsitzende des hiesigen Lokalgewerbeoereins in der Ausschußsitzung des Landesgewerbevereins in Darmstadt folgende Mittheilung gemacht: Es lei die Absicht des Vorstandes des Mainzer Localgewerbevereins, vom October d. I. an die weiteren Vorarbeiten eifrigst zu betreiben. Ein Hauptpunkt, welcher baldigst erledigt werden müsse, die Platzfrage, sei bereits in Verhandlung mit dem Stadtvorstand in Mainz und der Direction der Hessischen Ludwigsbahn. Die Stadt Mainz sei in Hinsicht auf die Platzfrage nicht so begünstigt wie andere Städte, welche mit Erfolg Ausstellungen abgehalten haben, indem es namentlich an bäum- und schattenreichen Anlagen fehle. Die schöne städtische Anlage könne nicht wohl für die ganze Sommerzeit einem Theile der Einwohnerschaft verschlossen werden, sie' sei auch zu hügelig und ohne die nöthigen großen freien Plätze. Die freien Bauquadrate des Boulevards würden nicht genügen. Die großen Wiesencomplexe im unteren Gartenfelde lägen zu tief und würden enorme Auffüllkosten erfordern. Alle Erwägungen der Frage führten zum Rheinufer zurück, umsomehr, als die Stadtballe daselbst hauptsächlich für Ausstellungszwecke erbaut sei, ein Theil des Geländes oberhalb der Stadthalle und unterhalb das Terrain bis zum ehemaligen kurfürstlichen Schlosse verwendet werden fönnc und ein sehr geeignetes, ansprechendes Ausstellungsgebiet abgeben werde. Es würden allerdings einige Straßenüberführungen nothwendig; aber es sei zu hoffen, daß einige Industrielle geeignete Brücken in eigenem Interesse als Ausstellungsgegenstände Herstellen und sich so dem Gesammtunternehmen förderlich erweisen würden.^ Es sei Aussicht vorhanden, daß bis zum Jahre 1886 die Rheinstraße ausgebaut, die Schulgebäude neben der Stadthalle entfernt und die projectirten Gartenanlagen am Schlöffe fertig gestellt sind. Die Stadthalle dürfte nur theilweise zur Aufnahme gewisser Ausstellungsgegenstände zu benutzen und vorzugsweise für Versammlungen, musikalische Aufführungen rc. freizuhalten sein. Am Schlüsse wurde noch bemerkt, daß der Lokalgewerbeverein von Mainz erwakte, ohne pecuniären Verlust seine Aufgabe hinsichtlich der Landes-Gewerbe-Aus- stellung zu lösen. Bei dem Zusammentreffen besonders günstiger Verhältnisse sei sogar Aussicht vorhanden, das Unternehmen mit einem Gewinne an Kapital abzuschließen; wäre solches der Fall, so würde dies der Stadt Mainz insofern zu Gute kommen, als ein Ueberschuß für Zwecke der Handwerkerschulen verwendet werden würde.
Aus dem Rheingau, 11. October. Das seit fast drei Wochen anhaltende kalte Rcgenwetter stimmt die Hoffnungen der Winzer immer mehr herab. Nicht nur die Edelreife der Trauben und damit die Qualität des Ertrages wird dadurch beeinträchtigt, auch Rohfäulniß und Sauerwurm thun das ihrige, um die ohnehin geringe .Quantität des Herbstes noch zu vermindern.
Kaiserslautern, 11. October. Hier wurde ein ziemlich bedeutender Post- diebstahl verübt. Eine am Donnerstag aufgegebene Werthsendung des hiesigen Nebenzollamtes an das Hauptzollamt in Landau im Betrage von gegen 7000 «AL verschwand und es ist bis heute über den Verbleib desselben, sowie über den etwaigen Dieb trotz der sofort eingeleiteten Untersuchung nichts ermittelt worden.
— sAuch ein Vergnügens Im Bremer Stadttheater hatte sich der über der Bühne befindliche Niesel-Apparat in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch von selbst in Thätigkeit gesetzt und bewährte sich so ausgezeichnet, daß die Bühne und der darunter liegende Keller bald vollständig unter Wasser standen. Die herbeigerufene Feuerwehr beendete das mit durchschlagendem Erfolg begleitete „erste Auftreten" des Apparates, von dem man mit Gewißheit voraussetzen kann, daß er auch in der Stunde der Gefahr seine Schuldigkeit thun werde.
— Eine Ovation eigener Art wurde Frau Anna Schramm am Abend ihres Hundertmaligen und letzten Gastspiels in Berlin als Anna in „Anna, zu Dir ist mein liebster Gang" von einem Verehrer ihrer Kunst dargebracht. Von den Höhen des Theaters regnete auf das Publikum ein Akrostichon herab, das wir hier im Wortlaut wiedergeben:
Anna, zu Dir ist mein liebster Gang, Nun sah ich Dich fast vier Monate lang — Nicht einen Tag hab' ich's versäumt — Ach, wie oft hab' ich von Dir geträumt! Schau ich mir alle Soubretten an, Reicht keine Einz'ge an Dich heran! Anna, so willst Du wirklich geh'n? Möchtest Du die Blicke Aller versteh'n Man kann sie nur deuten: Auf Wiederseh'n!
— Oswald Nier, Besitzer der Weinhandlung Aui Caves de France wurde in der Ausstellung zu Brieg durch Verleihung der broncenen Medaille und in der Ausstellung zu Neumark durch Verleihung eines Ehren-Diploms ausgezeichnet.
UniverfitätS - Chronik.
— In Berlin werden in den Räumen der Universität Vorlesungen über preußisches Eisenbahnrecht, die Nationalöconomie der Eisenbahnen, insbesondere das Tarifwesen, sowie über den Betrieb der Eisenbahnen gehalten werden. — In Breslau werden die sachwissenschaftlichen Vorträge sich auf die Nationalöconomie der Eisenbahnen mit besonderer Berücksichtigung des Tarifwesens, die Verwaltung der preußischen Staatsbahnen, das Eisenbahnrecht uno den Betrieb der Eisenbahnen erstrecken. — In Köln werden Vorlesungen über preußisches Eisenbahnrecht ftattsinden.
— Geh. Med.-Rath Prof. Du Bois-Reymond zu Berlin ist gegenwärtig mit der Herausgabe seiner gesammelten Vorträge beschäftigt, von denen ein Theil in der „Deutschen Rundschau" veröffentlicht worden ist. Außerdem arbeitet der Gelehrte an einer Geschichte der Naturforschung des 19. Jahrhunderts.
Th e a t e r.
*** Gießen, 14. October 1885.
Es ist eine schöne Sache, wenn man Theatervorstellungen besucht, um dieselben mit innerer Befriedigung verlassen zu können; eine solche Befriedigung war aber auf den enttäuschten Gesichtern des Publikums bei der Aufführung von Gensichen's Lustspiel: „Frau Aspasia" nicht zu erkennen.
Wir wundern uns keineswegs, wenn sich die Direction Rheinberger keine Freunde erwirbt! Warum bleibt sie nicht alten gediegenen Stoffen getreu und widmet ihre Kräfte diesen armseligen Producten moderner Lustspielmacherei ohne Handlung, ohne interessanten Dialog und ohne Geist und Witz.
Daß natürlich ein Stück mit derartigen Schwächen einer meisterhaften Aufführung bedarf, um über Wasser gehalten zu werben, scheint uns zweifellos; leider aber war am Mittwoch auch diese zu vermissen. Das Ensemble stolperte über die Klippen und so dehnte sich natürlich die Vorstellung lindwurmartig, ermüdend und geist- tödtend aus.
Es wird der Kritik wirklich schwer, nach solchen Erlebnissen auch nur ein lobendes Wort zu sprechen und wenn wir unserer Gewohnheit gemäß den kleinsten Maßstab anlegen, so können wir doch nicht umhin, zu sagen, daß der Aufschwung, den unser Theater mit der zweiten und dritten Aufführung gewonnen, durch die vierte wieder stark verwischt worden ist.
Cornelia Rheinberger (Helene) bot z. B. eine recht mäßige Leistung und Alfred Halm (Fernau) nicht minder; beide Rollen sind allerdings furchtbar undankbar.
Elsa v. Walden gestaltete ihre Clara, soweit es möglich war, ganz aner- kennenswerth und wurde von Max Willrodt-Schröder anständig unterstützt. Der Egon Alberti fand in dem Direetor Rheinberger aber unreinen geringen Vertreter; wir setzen dies auf Rechnung seines schlechten Memorirens.
Um jedoch dem Verdienste seine Krone zu gewähren, wollen wir schließlich Mathilde Schlüter (Frau Rödiger) und Hermann Flachsland (Professor Ehrenfels) hervorheben. Beide waren am tiefsten in den Charakter ihrer Rollen eüv gedrungen, menn überhaupt von einem Charakter die Rede sein darf. — a—
sandel und BerEed»
Limburg, 14. October. Rother Weizen JL 13 95, weißer Weizen JL 00.00, Korn .AL 11.00, Gerste «AL 9.40, Hafer JL 6.30, Kartoffeln ä 100 Pfund «AL 0.00, Erbsen ä 100 Pfund «AL 00.00.
Frankfurt, 14. October. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Herr «AL 3.30—3.50, Stroh «AL 2.20—2.49, Eier das Hundert «AL 5.50—6.00, Butter 1. Qualität AL 1.30, 2. Qualität .AL 1.10, Kartoffeln per Malter AL 4.50—5.00, Kohlrabi 3- 5 H pr. St-, Erbsen 0,50 Kg. 0.14—0.20 AL, Rothkraut pr. St. 15—25 Huhn «AL 1.00—2.50, 1 Ente AL 2.00-3.50, 1 Taube 40-5-M, Hahn 1.70-1.80, Gans AL 3—7.00, Welsche AL 5.00-10-00.
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