Donnerstag den 15. Oetobcr
188-r
•* Pt. SeV"18 mit
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Bureau: Schul st raße 7.
Betreffend: Den Herbstfasselmarkt des landwirthschaftlichen Bezirksvereins zu Friedberg pro 1885.
Die Anträge werden mit Ausnahme non Punkt 6 ange-
und Ständekammern ihre Zustimmung geben
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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 P».
Hand zu leihen, nommen.
Paris, 13. October, welche Maßregeln gegen die
Krarrkrerch.
Der Ministerrath beschäftigte sich mit der Frage, von conservatioer Seite für die Stichwahlen ver-
Lokales.
G. Gießen, J4. October. ^Sterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle belief sich während der Woche vöm 4. bis 10. October auf 8 im Ganzen, die sich gleichmäßig auf Kinder und Erwachsene vertheilten. Bon den erwachsenen Personen
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suchten Wahlmanöver zu ergreifen seien. Die Regierung beschloß, von sämmt- lichen Beamten eine correcte Haltung zu verlangen.
— Die Nachricht, betr. die Entsendung von Verstärkungen nach Tong- king, wird auj's Neue für unbegründet erklärt; die gemieteten Schiffe sollen einzig und allein dazu dienen, btejenige Truppenzahl nach Tongking zu trans* Domren, welche nothwendig ist, um die Lücken auszufüllen, die durch die nach der Heimath entlassenen Mannschaften entstehen.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correfpondenz-Burea».
Baden-Baden, 13. Octobcr. Se. Draj. der Kaiser besuchte gestern Abend die Soiree bei der Herzogin von Hamilton. Derselben wohnten auch die Großherzoglichen Herrschaften und sämmtliche hier anwesenden Fürstlichkeiten bei. Auch Fürst Hohen- ckohe, der sich heute Abend nach Straßburg begibt, war anwesend.
PeuLschland.
Darmstadt, 13. October. Die Landtags-Abgeordneten Küchler und Möhn haben früher einen Antrag in der zweiten Ständekammer eingebracht, dahin gehend, daß bei den Volksschullehrern des Großherzogthums Heffen die Dienstzeit behufs Berechnung des PenstonsgehalteS mit dem Tage der ersten dienstlichen Verwendung beginnen möge. Offenbar wollen die Antragsteller dadurch gewisse Härten und Unbilligkeiten beseltigen, welche für viele ältere Lehrer dadurch entstehen, daß dieselben die Schlußprüfung wesentlich später bestanden haben, als dies nach den bestehenden Vorschriften hätte geschehen können. Durch die Bestimmungen des § 5 unseres PenstonsgesetzeS von 1870 trifft nun, da die Dienstzeit für alle Volksschullehrer erst nach bestandener Schlußprüfung beginnt, diejenigen Lehrer, welche in den Jahren vor 1872 ihre Schlußprüfung um einige Jahre verschoben haben, der Nachtheil, daß sie weniger Pensionsgehalt bei längerer Dienstzeit beanspruchen können, als viele ihrer jüngeren Collegen. Wenn wir uns auch wohl der Ansicht anschließen müssen, daß die eigentliche Dienstzeit erst nach bestandener Schlußprüfung ansangen kann und aus diesem Grunde wohl der oben angeführte Antrag als zu weitgehend wenig Aussicht aus Annahme verspricht, fo müssen wir es doch beklagen, daß die in § 5 ausgesprochenen Pensions-Bestimmungen sich auch auf die Lehrer ausdehnten, welche vor Feststellung des BesoldungS* und Pensionsgesetzes ihre Schlußprüfung bestanden hatten. Denn einmal gab es vor dieser Zeit keinerlei Gehaltsscalen, sondern jeder Lehrer bezog das Gehalt, das mit seiner Stelle verbunden war, ohne jegliche Rücksicht auf sein Alter; und dann hing die Höhe des Pensionsgehaltes keineswegs von dem Dienstalter der betr. Lehrer ab, sondern von dem guten Willen der Behörden, der Gemeinden, oft gar von anderen günstigen oder ungünstigen Verhältnissen. Außerdem mußten nicht wenige Lehrer ihre erste Verwendung bei der damaligen großen Zahl von Schulamts- Aspiranten als Hauslehrer oder an Privat'Jnstituten suchen und konnten schon deshalb nicht rechtzeitig zur Prüfung erscheinen.
Für die jüngere Lehrer-Generation liegt das Verhältniß wesentlich anders. Diese weiß, welche Nachtheile ihr aus einer verspäteten Schlußprüfung erwachsen und richtet sich hiernach. Wir begrüßen nun mit Freuden einen Vermittelungs-Antrag des Herrn Landtags-Abgeordneten Schröder, dahin lautend: „Die Kammer wolle beschließen, dem Absatz 1 des Art. 5 des erwähnten Gesetzes folgende Fassung zu geben: „Die Dienstzeit wird bei Bestimmung der dem Schullehrer gebührenden Pension für die Schullehrer, welche vor dem Jahre 1874 ihre Schlußprüfung bestanden haben, von dem Ablauf von 3 Jahren nach ihrer ordnungsmäßig erfolgten Entlassung aus dem Seminar an gerechnet." Wir glauben getrost die Hoffnung aussprechen zu dürfen, daß diesem nach jeder Richtung hin billigen und finanziell auch weniger belastenden
2MO Erstes Blatt
Antrag die Staatsregierung werden. (Fr. Journ.)
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— Der Minister von Puttkamer wurde gestern und heute von ©einer Majestät dem Kaiser zum Vortrage empfangen und reift heute Abend nach Berlin zurück.
Berlin, 13. October. sGencralsynode.j Berathung der Anträge der Pro- vinzialsynoden von Ost- und Westpreußen und Schlesien wegen Bekämpfung der Trunksucht. Referent Engelbert (Duisburg) beantragt, den Oberkirchenrath zu ersuchen, bei der Staatsregierung auf Erlaß gesetzlicher Bestimmungen hinzuwirken, daß 1) Personen, welche im Zustande offenbarer Trunkenheit auf Straßen und in Wirthshäusern gefunden werden, für straffällig erklärt werden; 2) daß Wirthe, welche offenbar trunkene Personen in ihren Localen dulden und ihnen geistige Getränke verabreichen, strafbar sein sollen; 3) daß gewohnheitsmäßige Trinker auf Antrag der zuständigen Behörden in besonderen Asylen unterzubringen sind; 4) daß durch Verschärfung der Derlei)üb' ”en Gesetze dem Laster der Trunksucht ein fruchtbarer Damm entgegengesetzt wird; daß durch höhere Steuern der Verkauf des Branntweins eingeschränkt; 6) daß Trunkenheit nicht ferner als Milderuugsgrund bei Gesetzesübertretungen anenariv^verde; 7) die Synode wolle die von ihr vertretenen evangelischen Kirchen in nilttt H)rdn Gliedern ermahnen, den Bestrebungen gegen die Trunksucht hilfreiche
-- Die Generalstmode nahm den Antrag auf Einführung eines geordneten Vicariatsdienstes und auf Unterbreitung einer diesbezüglichen Vorlage an die nächste Generalsynode an.
— Die „Colonialpolitische Correspondenz" bestätigt, daß der Sultan von Zanzibar den völlig ungestörten, unbeschränkten Besitz des Hafens von Dar-es-Salam unter seiner politischen Oberhoheit der deutsch - ostafrikanischen Gesellschaft abgetreten hat.
Wien, 13. October. Das „Fremdenblatt" wendet fick gegen die „Times" und die „Nowoje Wremja", welche die Haltung Oesterreich-Ungarns gegenüber der Balkan- verwickelung im gehässigen Lichte darstellten. Es erblickt in der Sprache dieser Blätter' den Ausfluß der Bestrebungen des Panslavismus, wie gewisser britischer Kreise, welche im Hinblick eines möglichen Zusammenstoßes Englands mit Rußland ein enges österreichisch-russisches Freundschaftsband nicht als vorlheilhaft betrachten. Die Anklagen der genannten Blätter, Oesterreich habe das Vorgehen Serbiens ermutbigt, ja geradezu hervorgerufeu, widerlegt das „Fremdenblatt" unter Hinweis auf Griechenland, wo Europas Vorstellungen ebenforoenig fruchteten, und auf die dominirende Stellung Rußlands in Bulgarien, welche die Gcltenduulchung des nationalen Wittens nicht zu hindern vermochte. Das Blatt betont schließlich, die Einwirkungen Oesterreich-Ungarns- auf Serbien bewegten sich ganz auf dem Boden der Wünsche Europas; sie müssen aber in dem freien Entschließungsrechte eines selbstständigen Staates und seines Monarchen ihre Grenze finden.
Pesth, 13. October. Prinz und Prinzessin Wilhelm von Preußen sind heute früh über Breslau nach Berlin abgereist.
Paris, 13. October. Dem „Temps" wird aus Madrid gemeldet: Der spanische Eommandant von Fernando Po unternahm eine Expedition an den Küsten Guineas, fuhr die Flüsse Urini und Ra hinauf und schloß mit den Häuptlingen der Eingeborenen Verträge ab.
London, 13. October. Gestern Abend lies das englische Kanonenboot „Warf" auf der Klippe bei Holyhead auf. Das Schiff, welches jetzt ganz trocken liegt, wird für ernstlich beschädigt gehalten. Die Mannschaft ist außer Gefahr.
Rom, 13. October. Depretis hat heute in Mailand mit dem König conferiri.
Robilant hat den Eid geleistet, er kommt wahrscheinlich morgen nach Rom. Derselbe
hatte eine lange Unterredung mit dem König und Depretis.
Rom, 13. October. Cholerabnlletin. Gestern gab es in der Provinz Palermo
132 Erkrankungs- und 58 Todesfälle, wovon in der Stadt 115 resp. 45 Fälle. In
den Provinzen Ferrara, Mafia, Modena, Parma und Rovigo 6 Erkrankungsfülle und 1 Todesfall.
Petersburg, 13. October. Das „Journal de St. Petersburg"- erklärt, Europa hätte sich mit der bulgarischen Union abfinden können, aber Angesichts der Prätentionen der Kleinstaaten biete eine conservative, mit den Verträgen übereinstimmende Politik mehr Chancen, einem großen Brande vorzubeugen.
Cork, 13. October. Die nationalistische Convention der Grafschaft Cork wählte unter dem Vorsitze Parncll's diejenigen sieben Personen, welche Parncll vorschlug, als Candidaten für das Unterhaus. Parncll dankte für diese Einmüthigkeit und Disciplin.
Belgrad, 13. October. Die Regierung beschlagnahmte aus serbischen Orlen datirte, jedoch aus Bulgarien importirfe Proclamationen hochverrätherischen Inhalts.
Port Said, 13. October. Der Dampfer „Perim" ist gestern auf den Grund gestoßen. Die Passage im Canal ist unterbrochen. Der Dampfer wird jetzt gelichtet.
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Der diesjährige Herbstfasselmarkt des landw. Bezirksvereins Friedberg soll Mittwoch, den 28. L Mts zu Friedberg abgehalten werden.
Die aufgetriebenen Fasset werden durch eine hierzu bestellte Commission gemustert und wird den Eigenthümern der als preiswürdig erkannten Thiere eine Geldprämie bewilligt, wozu der landwirthschastliche Bezirksverein und die Kreisstadt Friedberg entsprechende Beträge zur Disposition gestellt haben. Die eigene Züchtung der Thiere durch deren Eigenthümer erscheint nicht als eine Bedingung der Prämiirung.
Von der Preisbewerbung sind Gemeindefaffel ausgeschloffen, desgleichen Faffel, die um 9 Uhr Vormittags noch nicht am Platze sind-
Für Faffel, welche als tauglich befunden, aber nicht prämiirt werden, wird auf Verlangen eine Wegvergütung ausgezahlt.
Nicht genügend gefesselte Thiere werden von dem Platze weggewiesen werden.
Die zum Abschlüsse kommenden Verkäufe wollen dem Großherzoglichen Bürgermeister, Herrn Steinhäußer, zur Anzeige gebracht werden.
Zu recht zahlreichem Besuche des Marktes wird hiermit eingeladen.
Friedberg, den 1. October 1885.
Der Director des landw. Bezirksvereins Friedberg.
Dr. Braden.
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