redlicher Arbeit den Aufschwung dieser Länder, wie mir derselbe^ am Herzen liegt, eifrigsr zu förderir bestrebt sein wird, wovon ich mich sobald als möglich auch persönlich zu überzeugen hoffe. Sagen Sie dies allen Ihren Mitbürgern nebst der Versicherung meiner Kaiserlichen Huld und Gnade, welche auch Sie auf Ihrer Heimkehr mit meinen besten Wünschen begleitet." Nicht enden wollender Jubel erscholl, als der Kaiser seinen Besuch in Aussicht stellte. Der Kaiser sprach noch mit mehreren Mitgliedern der Deputation. Der Empfang währte bis 3Vr Uhr. Zum Hofdiner waren 43 Mitglieder der Deputation geladen. Abends war die Stadt und Umgebung glänzend illuminirt. Ein Fackelzug wurde von 400 Bürgern mit Musik gebracht. Der Kaiser unternahm um 8V2 Uhr einen Spaziergang durch die Stadt, von den Volksmengen stürmisch begrüßt. . .
Trieft, 13. September. Die siclUannchen Provenienzen sind im Einver- ständniß mit der Fiumer Seebehörde einer zehntägigen Obseroationsreserve unterworfen
Marseille, 13. September. Heute (Sonntag) sind 6 Cholera-Todesfälle gemeldet worden. ,
Petersburg, 13. September. Gegenüber anderweitigen Meldungen mehrerer Blätter über politische Transactionen, welche zwischen Rußland und Korea abgeschlossen sein sollen, kann das „Journal de St. Petersbourg" gegenwärtig versichern, daß dieselben absoüit unrichtig sind. Rußland habe mit Korea nichts anders als eine Handels- conoention abgeschlossen, welche in sämmtlichen Punkten analog denjenigen sei, wie |ie andere Mächte, z. B. England und Deutschland, erlangt hätten.
Limbirsk, 13. September. Das Kaluga'sche Regiment hatte bet Gelegenheit des vorgestern von ihm gefeierten Festes eine Huldigungsdepesche an seinen Chef, den Kaiser Wilhelm, abgesendet. Auf dieselbe ist alsbald eine telegraphische Antwort des Kaisers eingegangen, welche heroorhebt, daß ihm der Tag, an welchem er seine erste Kriegsauszeichnung empfangen und an welchem er gerade bei dem Kaluga'schen Regi- mente gestanden habe, in besonders angenehmer Erinnerung sei.
Paris, 13. September. Das „Petit Journal" erfährt, Marokko habe die an der Grenze ber Sahara gelegene unabhängige, aber Marokko tributpflichtige Oase Figuig, welche den Unzufriedenen und Aufständischen stets als Zufluchtsort diente, an Frankreich abgetreten. , , _ . ..
Newyork, 13. September. Gutem Vernehmen nach hat Kelley den Polten eines Gesandten der Vereinigten Staaten in Wien definitiv niedergelegt.
UniverfitätS - Chronik.
— Geh. Medicinalrath Professor und Director der Kinderklinik in der Charit^ zu Berlin, Dr. Hen och, hat zum 1. October seinen Abschied eingereicht. Da Professor Henoch, obgleich er bereits 27 Jahre lang eine außerordentliche Professur verwaltet, noch vollkommen rüstig ist, so erregt dieser Schritt Aufsehen. Das Scherden des Professors Henoch würde ein großer Verlult für die Berliner Hochschule sein.
— Professor v. Holtzendorff in München ist zum ordentlichen Mitglied und stellvertretenden Vorsitzenden und Professor v. Sicherer ebenda zum stellvertretenden Mitglied des literarischen Sachverständigenvereins für Bayern berufen worden. _____________
Lokale-.
Gießen, 14. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog hat unterm 12 dss. Vtts. dem Stabshautboisten im 2. Großh. Hessischen Infanterie-Regiment Nr 116, Earl Krausse, den Titel Militär - Musik-Dtrector verliehen. Es ist diese Auszeichnung von Allerhöchster Stelle eine höchst erfreuliche Anerkennung für die vorzüglichen Leistungen unserer Negimentsmusik und ihres Dirigenten.
@ t t m i f cb t H.
Alzey, 6. September. sVorweltliche Thiere.) Vor Kurzem fand der Sand- arubenbesiyer Münzer hier beim Sandgraben am 5-eimersheimer Berg in einer Tiefe von 6—7 Meter auf der Lagerung des Kiesels 2 Theile Unterkiefer von völlig aus- gestorbenen vorweltlichen Thieren, der eine von Mastodon, der andere üon Dinotherium giganteum in vollständig versteinertem Zustande. Die Länge des ersteren ist 45 Eenti- meter und befinden sich in demselben 3 sehr gut erhaltene Backzähne, wovon »jeder etwa 15 (Zentimeter mißt, dagegen ist der andere nur 18 (Zentimeter lang und sitzen 2 Backzähne in demselben. Beide Geschlechter stehen dem Elephanten sehr nahe und besaß der Mastodon ähnliche Stoßzähne am Oberkiefer und sehr wahrscheinlich einen Rüssel. Gewöhnlich befinden sich im Unterkiefer des Mastodon 8 Backzähne, im Ganzen 16 Stück, wogegen beim Elephant die Gesammtzahl 8 nicht übersteigt. In entgegengesetzter Richtung hat das Dinotherium nach unten gebogene Stoßzähne im Unterkiefer, sowie beiderseits 5 Backzähne, so daß demnach das Thier 20 Backzähne besaß. Dieser Fund ging im Laufe der Woche käuflich an hen Antiquar Klein dahier über.
Tübingen, 5. September. Ein fast unglaublichesVorkommniß, das mir unter allem Vorbehalte miedergeben, berichtet man dem „Stuttgarter Beobachter" von hier: „Ein hiesiger ordentlicher Professor ging um die Mitternacht herum mit einem hiesigen Arzt aus einer Gesellschaft nach Hause. Sie gingen gegen das Universitätsgebäude am Zaun des botanischen Gartens hin und unterhielten sich noch miteinander. Da schrie von drüben über der Straße, wo auf dem Trottoir vor der Wohnung des hiesigen Bataillonscommandeurs ein Schilderhaus steht, die Schildwache zu den Herren herüber, sie sollten auf der Stelle das Maul halten. Der Professor, entrüstet über diese unbefugte Zurechtweisung, wollte sich dagegen verwahren L der Soldat aber kündigte ihm alsbald die Verhaftung an und brachte ihn in das Schilderhaus, wo er bleiben sollte, bis die Ablösung komme. Der Arzt wollte dem Soldaten Vorstellung machen über sein Benehmen gegen einen Universitätsprofessor, bekam aber sogleich Streiche an den Kopf mit dem Schaft des Militärgewehrs, daß er zu Boden stürzte. Bei dem ganzen Akte schrie der Soldat bärenmäßig in Worten, welche man sich wohl denken kann. Durch dieses Geschrei aufmerksam gemacht, kam ein Universitätspedell herbei. Dieser läutete an der Wohnung des Majors, wodurch derselbe an das Fenster gebracht wurde, von wo aus er dann dem Soldaten befahl, den Professor freizugeben. Den Arzt, welcher bewußtlos auf den Steinplatten lag, trug man weg in das nahegelegene Universitätskrankenhaus, wo sich ergab, daß er durch den Kolbenschwung am Auge stark beschädigt war, so daß man einige Tage lang den Verlust des Auges befürchten mußte. Der Rector der Universität soll sich an den Höchstcommandirenden gewendet haben, um die Universität und ihre Lehrer vor derartigen Auftritten zu schützen. Wegen der Pacanz konnte der Senat der Universität nicht zusammengerufen werden, es ist aber nicht zu zweifeln, daß dieser nach der Vacanz sich der Sache annehmen wird."
— sDie DiphteritisF Wir lesen im Reichsanzeiger: Es giebt kaum eine Krankheit, welche in dem letzten Jahrzehnt so viel Kummer und Schmerz über zahlreiche mit Kindern gesegnete Familien gebracht hat, wie die Diphtheritis. Dieses Schreckgespenst verschont weder Arm noch Reich, weder Hütte noch Palast. Mit derselben Tücke, mit der sie sich in so viele Bürgerhäuser einschlich, hat sie seiner Zeit auch die Familie unseres Kaiserhauses heimgesucht und den Kronprinzlichen Eltern ein heißgeliebtes junges Leben in der hoffnungsvollsten Blüthe hinweggerafft. Die Aerzte haben es an Bemühungen nicht fehlen lassen, um dieses furchtbaren Feindes Herr zu werden, leider aber blieben dieselben der Krankheit im Allgemeinen gegenüber bisher ohne Erfolg. Auch alle die unzähligen Medikamente, welche dagegen in Vorschlag und Anwendung gebracht roiirben, haben leider in wenig genügender Weise zur Heilung geführt. Diese Mittel haben sich denn auch nach und nach in der Praxis gegenseitig verdrängt, um stets wiederum neuen, vermeintlich wirksameren Platz zu machen; in letzter Zeit stand das Terpentinöl in besonderer Gunst, das sich aber ebensowenig im Allgemeinen bewähren dürfte, wie die früher angewandten Mittel. Bei dieser Sachlage und in Anbetracht der Bedeutung, welche eine endliche Lösung der Frage für die unter dieser Geißel in steter Angst lebenden Familien haben würde, sei auf eine Behandlungsart der Krankheit hingewiesen, die sich nicht nur durch ihre Einfachheit empfiehlt, sondern welcher and) bcachtenswerthc Heilerfolge zur Seite stehen, da bei den so behandelten Patienten die Zahl der Todesfälle bisher nur 2bis3pEt. beträgt. Der Erfinder dieser Heilmethode, Dr. Wachsmuth-Berlin, hat darüber in der „Allg. Med.- Eentr.-Ztg." ausführlichere ^Rittheilungen gemacht. Im Wesentlichen besteht seine Methode in einer starken Schwitzkur, mittels Einwicklung der kleinen Patienten in nasse Decken und wollene Laken, sowie dann folgenden Bädern und Abwaschungen. Diese Behandlung setze die tödtliche Fiebertcmperatur herab und scheide den Krankheitsstoff so energisch und schnell aus dem Körper, daß die Heilung meist schon in 2 bis
4 Tagen erreicht werde. Besonders sei es die durch die fiarke Transpiration bewirkte Wassercntziehung, welche den Salzgehalt des Blutes concentrire und somit den parasitären Krankheit erregenden Organismen die Nahrung raube. Geringe Dosen von Kali chloricum sollen diese Wirkung noch befördern. Das Hauptgewicht aber legt der Erfinder dieser Behandlungsart auf die rationelle Ausführung der Entwicklungen, Applicirung von Compressen, Abwaschungen ?c., welche der jlrzt dem jedesmaligen Falle anzupassen hat und die unter seiner Leitung von geübten Heilgehilfen oder Krankenwärtern methodisch besorgt werden müssen.
— sSicheres Mittel gegen Vergiftung durch Pilzes Gegen die alljährlich vorkommenden Fälle von Vergiftung durch Pilze, die in der Mehrzahl tödtlich enden, geben Breslauer Blätter auf Grund der Mittheilung eines bewährten Sachverständigen ein sicheres Mittel an, das allgemein beachtet werden sollte. „Jeder giftige Pilz wird genießbar oder mindestens unschädlich, wenn die erste Brühe, in welcher er nach starkem Kochen schwimmt, weggegossen wird und er dann erst zubereitet wird. Also nicht Abwaschen ober Abbrühen schützt, sondern ein gutes Kochen und dann Weggießen des ersten Wassers. Diese Sicherheitsinaßregel sollte bei allen Pilzen angewandt werden, dann wird die Vorsorge der Köchin mehr nutzen als alle Belehrungen in den Schulen und alle Vorsorge der Gesundheitspolizei, die unmöglich den Haushalt des Einzelnen beaufsichtigen kann. Die eßbaren Pilze sind nicht nur ein wohlschmeckendes Essen, sondern durch ihren hohen Nährstoffwerth auch ein so werthvolles Nahrungsmittel, daß für ihren Genuß nicht genug gewirkt werden kann. Sie ersetzen thatsächlich fast die Fleischkost und sind bei uns in guten Zeiten so billig, daß sie in Jedermanns Küche kommen können. Wird dann die Vorsichtsmaßregel gebraucht und das erste Wasser nach starkem Kochen weggegossen, so schwindet jede Möglichkeit einer Vergiftung, der Wohlgeschmack der Pilze aber wird durch das Weggießen des ersten Wassers nicht nur nicht geschwächt, sondern eher noch gehoben. Das Kochen saugt das Pilzgift aus, ohne es zu zerstören, und daher ist der Uebergana des Giftes in den Organismus des Menschen durch die Pilzsauce ein so rascher, daß die Vergiftung erfolgt ist, ehe der Magen die Pilzstücke auch nur angefangen hat zu verdauen. Daher kommt auch regelmäßig die ärztliche Hilfe zu spät, denn bis der Arzt erscheinen kann, ist das Gift bereits aus dem Magen heraus und eine fast immer qualvoll töbtenbe Wirksamkeit langsam, aber sicher begonnen."
Die Einfachheit des angegebenen Verfahrens und die große Gefährlichkeit giftiger Pilze, die nicht selten mit den eßbaren Pilzen eine wenigstens oberflächliche Aehnlichkeit haben, sind zwei Gründe, welche das von sachverständiger Seite empfohlene Weggießen des ersten Wassers allgemein machen sollten.
— sJnvalidcn - Unterstützung.^ Durch einen vor etwas über Jahresfrist ergangenen kaiserlichen Erlaß soll den Mitkämpfern der Feldzüge von 1870 und 1871, welche eine innere Körperbeschädigung erlitten haben, also nicht verwundet oder äußerlich verletzt sind, erforderlichen Falles durch eine Bewilligung aus den kaiserlichen Verfügungsmittel zu Hilfe gekommen werden, obwohl sie die Frist zur Geltendmachung ihrer Ansprüche haben verstreichen lassen. Danach können, wie in Erinnerung zu bringen ist, auch alle die in Rede stehenden Mannschaften, welche nach dem 20. Mai 1875 Jnvalidenansprüche erhoben haben, mit diesen aber abgewiesen sind, nachträglich ein Unterstützungsgesuch einreichen. Dasselbe nimmt der Bezirksfeldwebel auch in einer Verhandlung auf und es sind zur Begründung die Militärpapiere, die früher er haltenen Bescheide und das Zeugniß über den Besitz der Kriegsdenkmünze für Kämpfer vorzulegen.
— Von allgemeinerem Interesse ist folgende Warnung, welche im „Lackauer Kreisblatt" der dortige Regierungspräsident veröffentlicht:. „In einem jetzt zu meiner Kenntniß gelangten Specialfalle aus dem Kreise Luckau ist eine ländliche Gemeinde zu einer Entschädigungssumme an die Hinterbliebenen eines im Brunnen jener Ge meinbe ertrunkenen Earousselbesitzers verurtheilt worden, weil die Umwehrung des Brunnens die vorgeschriebene Höhe von 2Vz Fuß nicht hatte. Die Gemeinde hat demnächst eine Regreßklage gegen ihren Gemeindevorsteher angestrengt und letzterer ist, nachdem das Landgericht angenommen, es sei seine amtliche Verpflichtung gelvesen, für eine vorschriftsmäßige Umwehrung des Brunnens Sorge zu tragen, dem Klageanträge gemäß verurtheilt worden und hat außer den Kosten eine Summe von etwa 5000 v*L zu zahlen.
— Im Marineministerium ist man bereits damit beschäftigt, die nothwentch werdenden Unterstützungen in Folge des Unterganges der „Augusta" sestziistellen und zur Auszahlung bereit zu stellen. Ueberaus schwer würde u. A. auch eine Wittwe heimgesucht werden, die mit der „Augusta" ihren dritten und letzten Sohn im Dienste des Vaterlandes verliert, zwei ältere Söhne haben in Frankreich ihren frühzeitigen Tod gefunden und der dritte, Unterlieutenant z. S. v. R., würde mit der „Augusta" den Brüdern gefolgt sein.
— Wir entnehmen den Jahrbüchern für Nationalöconomie und Statistik, Supplement 11, Zelle, Verlag von Gustav Fischer, 1885 folgendes auf die Lebensversicherung bezügliche:
Unser Jahresbericht für 1884 kann einen weiteren erfreulichen Fortschritt in der Entwicklung der deutschen Lebensversicherung conftatiren. Vor allem erfreulich ist es, daß unter den deutschen Lebensversichcrungsanstalten, welche sich ja gruppenweise und einzeln in ihren Verwaltungsgrundsätzen wie in der Auffassung ihrer Aufgabe, in der Auswahl ihrer Hülfskräfte wie in der Methode ihres Geschäftsbetriebes sehr wesentlich von einander unterscheiden mögen, kaum noch einige wenige sich befinden, welche in Betreff der Sicherheit ihrer Fundirung und in Betreff ihrer Zutrauenswürdigkeit Erhebliches zu wünschen ließen.
Es sind ihrer freilich im Ganzen nicht viele. Unsere 34 Anstalten bilden ber Zahl nach ein recht schwaches Heer, um eine Gesammtbeoölkerung von etwa 451/2 Millionen, oder doch die Erwachsenen und Gesunden in dieser Bevölkerung unter das sanfte und segensreiche Joch der Lebensversicherung zu zwingen. Großbritannien hatte schon vor fünfzig Jahren, da bei uns erst drei Lebensversicherungsanstalten eriftirten, ihrer 45 und hat ihrer jetzt bei einer Bevölkerung von etwa 36V3 Millionen über hundert, von denen weitaus die meisten doch im Mutterlande die Wurzeln ihrer Kraft finden, oder auf dieses sogar ihre Wirksamkeit beschränken.
Ob jene verhältnißmäßig geringe Zahl von Instituten in Deutschland die Ursache der verhältnißmäßig — z. B. an Großbritannien gemessen — so ungemein durstigen Betheiligung unserer Bevölkerung an der Lebensversicherung, ober ob diese große und bedauerliche Zurückhaltung die Ursache ist, daß jene Zahl in so engen Grenzen bleibt? Wenn man bedenkt, daß unsere 34 Anstalten doch sicher mit mindestens 40 000 Agenten und Hülssagenten arbeiten; wenn man beachtet, wie leicht und bequem, ja wie verführerisch sie allen, die es angeht, den Eintritt in ihre Kundschaft machen; wenn man wahrnimmt, wie feit nahezu 20 Jahren unter den neu entstandenen Anstalten viele bald an Atrophie zu Grunde gegangen sind, von den überlebenden aber die meisten mit immer wachsenden Schwierigkeiten und ohne nennenswerthe Resultate sich noth- dürftig am Leben erhalten haben, so kann man doch wohl nicht anstehen, die zweite der obigen Fragen zu bejahen, wenn auch dann die Thatsache, welche der Zahl unserer Anstalten so enge Schranken zieht, an und für sich wieder ein schwer zu lösendes Räthsel ist.
Angesichts dieser Thatsache ist es nur um so mehr befremdlich, daß auswärtige Lebensversicherungsanstalten, deren Solidität mindestens zweifelhaft ist, deren Vel- waltung hierorts schwer controllirt werden kann, deren Hauptthätigkeit — in ihrem Heimat'hlande — diesseits ungekannten Einflüssen unterließt, hierzulande nicht nur überhaupt ihren Geschäftsbetrieb eröffnen, sondern binnen Kurzem sehr namhafte Erfolge erzielen konnten. Neben der unzweifelhaft soliden und unlautere Mittel der Werbung verschmähenden „9iew-Aorker Germania" haben sich in den letzten Jahren zwei andere amerikanische Gesellschaften auf dem Eontinent eingebürgert, welche in der That durch ihre maßlose Reclame sich in allen den Kreisen, wo die Lotterie mehr gilt, als die Sparkasse, einen recht namhaften Anhang zu verschaffen gewußt haben. Die Prospecte dieser Anstalten, der ,/Rew-Vork" und der „Equitable", versprechen z. B. folgendes: Wenn ei» Vierzigjähriger jährlich 517,80 JL zahlt, so erhalten seine Erben, falls er vor Vollendung des zwanzigsten Versicherungsjahres stirbt, die Summe von 10 000„ß; vollendet er das zwanzigste Versicherungsjahr, so werden ihm selbst 10 000 JL und außerdem (bei der „New-Aork") 16 550 JL, oder doch (bei der „Equitable") 11 670 X ausgezahlt. Diese Gewinne soll die Tontine vermitteln. Die Ueberschüsse, welche aus den Prämienzahlungen der vorzeitig Versterbenden herrühren, sollen den überlebenden Versicherten zufallen; nicht minder die Reserveguthaben und Gewinnantheile der vorzeitig Ausschcidenden. Es ist unwiderleglich nachgewiesen, daß unter den denkoac
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