Telegraphische Depeschen.
Wolff'- telegr. Eorrespondenz-Bureau.
Berlin, 13. September. Der frühere Finanzminister Bitter ist gestern plötzlich im 73. Lebensjahre gestorben.
Pozega, 13. September. Der Kaiser ist Vormittags hier eingetroffen und festlich empfangen worden. Er empfing um 2 Uhr Nachmittags eine bosnisch-herzegowinische Deputation von 467 Mitgliedern, Vertreter aller Bezirke und Schichten der Bevölkerung umfassend, an ihrer Spitze die^obersten Würdenträger der verschiedenen Religionen, sowie den Gemeinderath von Serajewo, geführt von dem Gouverneur Appel, welcher eine huldigende Ansprache hielt, worauf der Reis ul Ulema Namens der Mohamedaner, der Oberrabbiner und die Bürgermeister von Serajewo und Mostar ihren Dank für die väterliche Fürsorge des Kaisers, die beiden Bürgermeister auch die Bitte ausdrückten, der Kaiser möge Bosnien und die Herzegowina mit seinem Besuche beglücken. Der Kaiser erwiderte: „Mit besonderem Wohlgefallen nehnic ich die Huldigung der Bevölkerung Bosniens und der Herzegowina entgegen und erkenne aus der Versicherung Ihrer Anhänglichkeit und Dankbarkeit mit Befriedigung die richtige Erkenntniß meiner väterlicher! Absicht und der Fürsorge meiner Regierung für das Wohl und Gedeihen dieser Länder. Insbesondere ist eQ mein Wille, daß jede Eon- fession ihren Glauben frei ausüben könne und in den ihr zustehenden Rechten von keiner Seite gehindert werde. Seien Sie überzeugt, daß ich alle Eonfessionen in der Ausübung ihrer Religion stets gleichmäßig schützen und unterstützen werde, gleichwie ich zuversichtlich erwarte, daß auch die Bevölkerung in friedlicher Eintracht und mit
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Nr. Dienstag den 15. September 188$
Meßmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
VrriO vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit »rin geriet Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Erscheint täglich mit «uSn«hme des
B*rt**t vchukstraße 7.
Deutschland.
Darmstadt, 10. Septbr. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 23) enthält:
1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, dm Holzpreis- hrif für die Großherzoglichen Domanialwaldungen pro Forstwirthschaftsjahr 1885/86, Etatsjahr 1886/87 betreffend.
2. Uebersicht der für das Etatsjahr 1885/86 zur Bestreitung von Com- munal'Bedürfniffm in den Gemeinden des Kreises Worms erforderlichen Umlagen.
3. Concurrenzeröffnungen:
Erledigt find: Eme mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Besiungen mit einem Ansangsgehalt von 1200 Jt jährlich. Eine Lehrerstelle an der Volksschule (Stadtknabenschule) zu Gießen mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden jährlichen Gehalt von 1200 bis 2400 JL
Berlin, 12. September. Laut „Reichs-Anz." befindet sich der Kamerun- Dampfer „Nachtigal" wohlbehalten in Falmouth, dort weitere Segelordre erwartend. Die „Kceuz-Ztg." schreibt: Obgleich die „Augusta" für untergegangen gehalten werde, so habe die Admiralität doch auch noch von den TschagoS-Jnseln sich etwaige Auskunst telegraphisch erbeten.
Berlin, 12. September. Der „Reichs Anz." meldet: „Der für den Gouverneur in Kamerun erbaute Dampfer „Nachtigal" hat am 26. August Wilhelmshaven verlassen und nach schneller, anstandsloser Fahrt am 30. August Falmouth erreicht. Hier beabsichtigte der Commandant, gutes Wetter abzuwarten, ehe er die für das kleine Fahrzeug bedeutende Fahrt über den Biscayi- schen Meerbusen nach Corunna vornahm. Inzwischen traten die bekannten Ver- HUtrusse in Spanien ein. Da nicht bloü Corunna, sondern bei Fortsetzung Der Reise später noch einmal spanischer Besitz berührt werden mußte, erhielt der Commandant Seitens des Chefs Der Admiralität am 3. September die telegraphische Weisung: „Befehl zur Weiterreise abwarten." Somit liegt das Fahrzeug noch wohlbehalten in Falmouth." Danach erweisen sich alle, vermuthlich Den Kiel aus in die Welt gesetzten Gerüchte über Untergang und Seeuntüchtig- lei! des Dampfers als Vermuthung oder gar Erfindung.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Meldung, daß am 5. September 300 aus Preußen Ausgewiesene in Warschau angekommen seien, ist zuverlässigen Erkundigungen zufolge unwahr. Weder auf der Eisenbahn noch bei Den Behörden in Warschau ist etwas davon bekannt, daß an gedachtem Tag ober früher Ausgewiesene durchpassirt seien ober sich gemeldet haben.
Berlin, 12. September. Em kaiserlicher Erlaß vom 27. August genehmigt Ergänzungen und Aenderungen des ersten Theils der Wehrordnung. Dörnach werden u. A. in den Jnfanterie-Brigade-Bezirken ein höherer Officier, in der Regel der Brigade-Commandeur, und ein höherer Verwaltungs-Beamter unter dem Namen Ober-Ersatzcommission zu der Behörde gesetzt, welcher die ständige Besorgung der Ersatz-Angelegenheiten obliegt. In den einzelnen Aus- hebungs-Bezirken sind ein Officier, in der Regel der Landwehr-Bezirkscomman- beur, und ein Verwaltungs-Beamter des Bezirks (in Preußen gewöhnlich Der öandrath oder Polizeidirector) oder, wo ein solcher Beamter fehlt, ein besonders zu bitfein Zwecke bestelltes bürgerliches Mitglied unter dem Namen „Ersatz- commlssion" des Aushebungs-Bezirks (Kreises) die Behörde, welcher die ständige Besorgung der Ersatzsachen obliegt.
BreSlau. 12. September. Die „BreSl. Morgen-Zeitung" meldet, der Reichstags-Abgeordnete für Hirschberg-Schönau, v. Bunsen, habe sein Mandat Bieber gi legt.
Karlsruhe, 12. September. Nach dem gestrigen Galadiner wohnten be. Kaiser!, und König!. Hoheit der Kronprinz mit den anderen preußischen Prinzen und Prinzen Arnulf von Bayern, der die Uniform des ihm verliehenen preußischen Regimentes trug, der Festvorstellung im Theater bei. Da das Vetter sich heute gebessert hat, findet das Manöver statt.
— In Folge der von Neuem eingetretenen ungünstigen Witterung ist dis heutige Manöver nunmehr doch abbestellt worden, die bereits auf dem barsch befindlichen Truppen kehren in die Quartiere zurück. Se. Majestät der Äaifer erfreut sich ungeachtet Der gestrigen Anstrengung des besten Wohlseins.
h rzustellen, eine Annexion desselben unausführbar gemacht habe und jetzt noch mache. Gleichwohl ergäbe sich in Folge der Ereignisse in Anam und namentlich in Huö die Nothwendigkeit, energischer vorzugehen; die Regierung habe daher Courcy die ausgedehntesten Vollmachten ertheilt, denselben sogar ermächtigt, in der Person des Souveräns einen Wechsel eintreten zu lassen, wenn er einen solchen für nolhweadig halte. Die Absetzung des jetzigen Souveräns fei daher wahrscheinlich. Die Regierung sei fest entschlossen, die Ordnung wieder herzu- stellen. Die Courcy ertheilten Instructionen seien energisch und die in Anam befindlichen Truppen reichten für jede Eventualität aus. Courcy habe auch keinerlei Verstärkung verlangt.
— Der Erzbischof von Aix ist an der Cholera gestorben, nachdem er die Cholerakranken in der Umgebung von Aix besucht hatte.
England.
London, 12. September. Die „Times" bespricht die Note des Fürsten Bismarck an Den Grafen Solms vom 31. August in völlig zustimmender Weise und sagt: Wenn Spanien behaupte, Deutschland habe unbestrittene spanische Rechte angetastet, so sei dies eine Anmaßung, oie Spanien fallen lassen müsse, bevor herzliche Beziehungen mit Deutschland wieder angeknüpft werden könnten. Spanien müsse seine hochtrabenden Prätensionen mäßigen, wenn der Zwischensall befriedigend abgeschlossen werden solle.
Spanien.
Madrid, 12. September. Graf Solms wurde bei dem gestrigen Empfange im königlichen Palais vom Könige in herzlicher Weise begrüßt.
— Die monarchistischen Journale schreiben, die Würde Spaniens erheische gebieterisch, Deutschland für die ihm angethane Beleidigung Genuglhuung zu geben, Die Spanier möchten sich hierbei in einer ihrer Vorfahren würdigen Weise benehmen, um nicht die Achtung anderer Nationen zu verlieren. Die Journale sprechen ferner den Wunsch aus, daß man überhaupt das endgültige Urtheil in der Angelegenheit suspendire, bis die Untersuchung über das Verhalten de. panischen Schiffe auf Dap gegenüber dem deutschen Kanonenboot abgeschlossen sein würbe.
— Die Annahme und Beförderung chiffrirter Telegramme ist untersagt worden.
Außland.
Petersburg, 12. September. Wie verschiedene Blätter melden, ist jüngst zwischen der Direction der unter Verwaltung der Krone stehenden Bahnen und der Direction der Moskau-Brester Bahn eine Uebereinfunft getroffen worden, nach welcher die der letztgenannten Bahn gehörende Bahnstrecke Minsk- Brest demnächst durch die Krone übernommen und mit Der Schabinka-Pinsk- Bahn, sowie der Wilna-Rowno-Bahn unter der gemeinsamen Bezeichnung „Pvleßjebahn" vereinigt werden soll. Als Aequivalent für die Strecke Minsk- Brest solle die Moskau - Brester Bahn die in Bau befindliche Bahnstrecke Rshew-Wjasma und die Nowotorshk Bahn erhalten. Das Abkommen wird dem Reichsrathe unterbreitet werden.
Rumänien.
Bukarest, 12. September. Der Finanzminister Lecca ist gestorben.
Men.
Bombay, 12. September. Die Regierung von Mysore trifft alle Vorbereitungen, um einer Hungersnoth vorzubeugen, welche man für unvermeidlich hält. Der Regenmangel verursacht im Dekan lebhafte Besorgniß.
Amerika.
Winnipeg, 12. September. Der Appellhof in Manitoba wies den Appell Louis Riel's zurück und bestätigte das TodeSurtheil, welches wahrscheinlich am 18. October vollstreckt wirb.
Oesterreich.
Pesth, 12. «September. Die Einfuhr und Durchfuhr von Hadern, alten kruen, Abfällen, gebrauchtem Bettzeug, gebrauchter Wäsche und Kleidern, als jrndelsartikel aus Gibraltar ist bis auf Weiteres untersagt. Die Verordnung iö tm Einverständniß mit der österreichischen Regierung erlassen worden und tritt sofort in Kraft.
Frankreich.
Paris, 12. September. In Betreff Anams und des Vorgehens der fcgierung und Courcy's gegenüber Anam, das vielfach falsch gedeutet werde, t|ntt die „Agence HavaS" mit, Courcy habe sofort nach seiner Ankunft Voll- echten zur einfachen Annexion des Landes verlangt, die Regierung habe aber ohne Zaudern solche Vollmachten abgelehnt, weil der Vertrag von Hue, der das 'länzösische Protektorat regele, damals gerade den Kammern vorgelegen habe, mb weil ferner damals noch der Friedensvertrag mit China verhandelt worden jti, endlich, weil die materielle Unmöglichkeit, die innere Verwaltung des Landes


