Ausgabe 
15.3.1885 Zweites Blatt
 
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WormS, 10. März. Der zu Bett liegende etwa 10jährigeKnabe einer hiesigen Familie hatte gestern von ungefähr erneu tm Bereiche feiner Häove desindUcheu Ne- »olver ergriffe». Mit der berede geladenen Waffe spielend, entlud sich bufdüe plötzlich »nd drang der Schuß dem auf dem Bette sitzenden älteren disja 18jährigen Bruder welcher in den nächsten Tagen nach Amerika übersiedeln wollte und zu diesem Zwecke de» Revolver selbst angekauft hatte, m's Auge, so datz dasselbe sofort v-rloreu wur. Der zur Hülfeletstung Berufene Arzt konnte nur den Verlust bcstättgen. Um nach dem Verbleib der Kugel zu forschen, mutzte der in Folge des starken Blutverlustes und des Schmerzes wegen wiederholt in Ohnmacht gesunkene junge Mann noch am gleichen.Tage in die Klinik nach Heidelberg verbracht werben. Heute früh kurz vor 8 Uhr hat sich httr an der Bahn etn bcklagenswerthcr Unfall ereignet. Der Wagenschreiber Mora Christoph glitt beim Herabstetgen von einem Wagen deS bereits im Gange be­findlichen Güterzuaö auS und fiel unter die Wagenräder, wodurch dem Bedauernswerthen baS linke Bein abgefahren wurde. Der Schwerverletzte wurde sofort durch Bahn­bedienstete auf einer Tragbahre in das Hospital verbracht.

Berlin 8- Mälz Der Ball, den gesteh Abend der Staatssekretär Dr. Stephan ta de« prachtvoll geschmückten Räumen des ReichspostamtS gab, hatte wie in früheren Jahren wieder einen eigenartigen Verlauf. Diesmal half au Stelle der^Llektnettät die deutsche Colomalpolitik zur Verschönerung des Festes mit- L>chou fiüh hatte sich unter den Gästen daS Gerücht v.'rbrertet, daß eine besondere Uebecraschung beoorstehe, Ob während bet sonstigen Festen nach dem Abendbrot) ein allgemeiner Ausbruch der älteren Herrschaften stattfindet, hielt gestern die ganze Gesellschaft,, dte Minister mit ihren Frauen, daS zahlreich erschienene diplomatische Corps, dte Hofgffellschast, der Gelehrten- und BcamtenkceiS Stand und sammelt« sich bet Beginn des Cortllons in dem mit Jagdtrophäen reich ausgestarteten großen Tanzsaale, m den dann der erste kaiserlich deutsche Postdampfer Baldur, etn funkelnagelneues aufs großartigste aus­gerüstetes Rteseuschiff, htnetnrauschte. Er überbrachte dte schönsten colonialen Cottllon- überraschungen, vor Allem aber zahlreiche Exemplare deS neuesten Kameruner Jntelltgenz- blatteS. (Bezugspreis für datz ganze Jahr 10 Liter Palmöl, für 6 Monate 5 Liter; Preis der einzelnen Nummer eine Thonpfetfe. Etmückungsgebühr die ganze Sette em Bieriel Elephanienzahn; mit Tamtam das Doppelte.) Das Blatt, das mit einer künstlerisch auSgesühtten Vtgn tte geziert ist, biettt mit seiner reichen Ausstattung auf bestem Büttenpapier und seinem wchrgen Inhalt allen Z-itungSoerlcgern und Zeitungs­lesern reichen Inhalt zu Neid und Sehnsucht. Sehr interessant war insbesondere die Nachricht deS trefflich unterrichteten Blattes, daß tn dem vom Kameruner Thierschutz- Szretn etnaerichttteu Thier-Asyl von 17 leidenden Elephantm 15 nach Plombtrung der Zähne und einer nach Entfernung des vom erkrankten Dickhäuter aus Versehen ver­schluckten gußeisernen RttLspostbriefkastenS als geheilt entlasten werden tonnten. Der Zeitung war als Gratisbeilage eine sehr saubere und übersichtliche drs deutschen Kamerungebietes betgegeben, dte den Colontalpolittkern unter den Festkosten besonders willkommen war und ihnen das Andenken an daS tnsfltch gelungene Fest jederzttt

Kreuznach, 8. März. Dte Kreuznacher Dienstboten gcben den Berlinern nicht viel nach. Kommt da vor einigen Tagen zu einer hstsigen Herrschaft, welche etn Dienst­mädchen sucht, etn 17jährtges Mädchen und richtet, nachdem es sich alS B werberin um die Stelle vorgestMt, wörtlich folgende Fragen an Herrin:Wie vill sein Se Mensche? Wie viel honn Se Kinner? Wie viel gewe Se Lohn? Wie alt sem Ihre «inner? Krteht mer als emol ebbeS geschenkt? Stau-,, mer och alle Sunndags tn dte Kerch? J8 der Herr immer derheem?" Natürlich wuibe der Stellesuchendea alsbald bedeutet, daß man auf ihre Dienste verzichte. (Krzn. Tgbl.)

Köln, 10, März. En zwischen Ehrenfttd und Braunsseld allein gelegenes Laboratorium deS hiesigen Kunstfeuerwerk-rs Dax flog gestern Nachmittag tn die Luft. Dabet kam etn dort arbeitender Verwandter des Dox schwer zu Schaden, b-tde Beine würben ihm zerbrochen, etn Armknochen zersplittert. Man brachte dm Vrrunglückten ins Hospital. auf den P latusj Schweizer Blättern zufolge scheint sich daS Borhaben, auch ben PtlatuS durch Anlegung einer Eisenbahn dem größeren Torirtsten,

Publikum zugänglich zu machen, seiner BerwirNichung zu nähern. Dem »Luzerner Tageblatt" wird geschrieben, daß am 22, d. M. die Bürgergemetnde Alpnacht den mit einer Vereinigung von Unternehmern geschlossenen Vertrag über die Anlegung einer solchen Bahn genehmigt habe. Als Bewerberin wird dte Firma Moser u, Comp., die ehemalige Baugesellschaft bcr Gotthardbahnstrecke Fluelen-Göschenen, genannt. Dte Bahn, deren Kosten auf nur 2 Millionen Franken veranschlagt werdm, soll von Alpnacht aufsteigend bis zum Gasthof Bellevue führen, von wo aus dte Spitze deS Berges, der Esel", tu etwa 3/d Stunden zu erreichen ist.

Ein grauenhafter Zwischenfall ereignete sich bkfer Tage bei einem Begräbnth in Mühlhausen. Im Augenblicke, alS der Sarg in die Gruft hinabgrlasten »erden sollte, glitt etn'r der Leichenträger aus und fitt kopfüber tn daS offene Grab. Der Sarg stürzte nach und hierbei sprang der Deckel auf, sodaß die Leiche wieder zum Vorschein kam. Der tns Grab Gefallene Leichenträger wurde glücklicherweise vom herabstürzenden Sarge nicht getroffen.

sSchutz den Vögeln.) Wahrend In den früheren Jahre« die muntere Vögel- schaor und Herz und Sinn erfreute, müssen wir jetzt hier und da die traurige SB* nehmung wachen, daß die gefiederte Welt mehr und mehr im Autzsterbeu begriffen ist. Es macht einen überaus betrübenden Eindruck, wenn man tn ben Hausgärten, die früher allgemein bdebt waren, nichts mehr von lieblichen Gefängm und fröhlichem Gezwitscher vernimmt, wenn nicht einmal, ober doch höchst selten nur, etn Sperling dir einförmige St lle unterbricht. Vielfach wird hierüber geklagt und wir müsse» diese Klage als wohl berechtigt anerCennm. Können wir uns ober darüber wundern? Wird nicht jede Gelegenheit benutzt, um die niedlichen Thierchen auszurotten? Wer nur im Gewehr zu handhaben versteht, versucht seine Treffsicherheit an einem ihm bequem sitzenden Vogel und glaubt zur H-cdstzeit sich sogar etn Verdienst erworben z« haben. Wenn ein Jeder, der sich einen so traurigen Zeitvertreib verschafft, doch recht bedenken wollte, rote unendlich viel Nutzen die Vögel, fast ausnahmslos, durch dir Vertilgung der Insekten und Raupen stiften! Den Vögeln, dte unermüdlich und tii ungeheuren Massen baS Ungeziefer vertilgen, ist es zuzuschreiben, wenn die Obstblüthen nicht verdorren und die Früchte genießbar bleiben. Geht der Vernichtungskrieg so fort, so wird eine Zett kommen, wo ba6 Deutsche Reich noch Gdder aufbteten mutz, um Insektenfresser zu importircn. Möchte die dringende Bitte, unseren lieben Vögeln olle nur mögliche Schonung zu Theil werden zu lassen, nicht auf unfruchtbares Boven fallen.

- sE n neuer Heiliger.) DerDtsch. HeereSztg * entnehmen wir das nach­stehende Vorkommmß: »Bekanntlich haben manche Nationen, insbesondere die Franzose», dte Manier, fremde Eigennamen und Titel auch bann in ihre Sprache zu Übersche«, wenn ein solcher Vorgang keinen Sinn hat. So z.B. werden Zeftunastttel hartnäckig in der Uebersetzung gebraucht. Da wird z. B. von decGazette de la Croix® gesprochen und dem einfachen französischen Leser zugemnthet, zu errathen, daß damit eine dcnM Zeitung gemeint fei, welche den TitelKreuz-Zeitung" führt. Welche Folgen solche Lächerltchkeiten manchmal haben, zeigt nachstehender Fall: Während unserer Anwesew beit tn Portugal lasen wir in einem dortigen Blatte über die deutsche CorverteSao Pedro. Da es eine solche niemals gegeben hat, waren wir N'Ugterig, zu erfahre«, welcher deutsche Sch'ffsname in solcher Weise verstümmelt worden. Da stellte fich mnt Folgendes heraus: Etn französisches Blatt batte nach berGazette delarmde »Hernande1 (vulgoDeutsche Heereszeitung") Ober die CorvetteStein" eine Notiz wiedergrgebm und nach französischer Unsitte den Namen übersetzt. Der Uebersetzer ahnte nicht, daß die Corvette nach einem preußischen Minister, NamenSFreiherr v. Stein" benannt sei und übersetzte daherStein* kurzweg mitPierre. In dieser Form wanderte die Notiz in ein spanisches Blatt, welches seinerseitsPierre mitPedro übersetzte. Das portugiesische Blatt nahm die Nachricht aus dem spanffchm über und fügte eigenmächtig das8Lo hinzu, verwuthlich an eine Auslassung glaubend. Um gleichzeitig feint deutschen Sprachkmntnisse zu zeigen, gab der Redakteur in der Klammer den deutschki, OltginalnomenHeiliger Peters Auf di.se Weise wurde also derFreiherr von Stein' tn einenheiligen Peter* verwandelt-

vi<Ttipr, kommt in dem Clee- berger Gemeindewald, District Mohrs- wald, nachstehendes Holz zur öffentlichen Versteigerung:

184 Eichenstämme mit 168,62 Festm., 89 Rm. Eichen-Scheit- und Knüppelholz, 300 Stück Ausbuschreisig.

Cleeberg, den 7. Mürz 1885.

Der Bürgermeister.

808____________________Keil.________

Versteigerung.

Donnerstag den 19. März, von Vormittags 10 Uhr an, werden in der Wohnung des verstor­benen Jacob Haus III. zu Bieber bei Rodheim wegen Erbvertheilung folgende Gegenstände:

3 Pferde,

2 Kühe,

1 Rind,

1 zweispänniger Wagen,

2 einspännige Wagen,

Heu, Stroh und sonstige Haus­und WirthschaftSgeräthe gegen Baarzahlung versteigert.

Bieber, den 12. März 1885.

Der Vormund.

1812 L. Peusch.

Aeikgeöotenes.

Neinerlsudkn-, Mirabellen- Hochstsmme,

Weißdornen zu Heckenpflanzung empfiehlt 1740

Carl Deines, Asterweg 50.

^reue Salzheringe,

^ang, in schönster Waare, versende das Postfaß von ca. 10 Pfd- mit Inhalt £?V°r50t; Slllck garantirt zu 3 frei Poftnachnahme

9 V* Protzen, CroeSlin a. d. Ostsee, 236 Reg.-Bez. Stralsund-

Allgemeiner Anzeiger.

«2ucB.tvieh- u, Schweine - Markt am 19. Wär? 1885,

verbunden mit

Prämiirung

von Faffeln durch den landwirthschaftlichen Bezirksverein und von Rindern durch die Verloosungs-Commisston.

Verloosung

»p« Faffeln, Rindern, Schweinen und landwirthschaftlichen Geräthen.

Butzbach, den 27. Februar 1885.

Großherzogliche Bürgermeisterei Butzbach. Küchel.

Dec Vertrieb der Loose ist Herrn H. Forbach in Butzbach übertragen. $en,erf£ ">ird, daß der obige Markt wegen der jüdische« Feiertage nicht, wie tn dem Kalender angegeben, auf den Ostermarkt den 31. März, sondern Donnerstag den 19. März abgehalten wird. 1372

Porzellan-Malerei.

Hierdurch die ergebene Anzeige, daß ich

Bahnhofstrafte 9h?» 2«

im Hanse des Herrn G- Möhl ein

Atelier für Porzellan-Malerei errichtet habe.

Unter Zusicherung billiger und pünktlicher Bedienung aller mir über­tragenen Arbeiten in Malerei und Schriften bitte ich um geneigten Zuspruch und zeichne 9 y

Hochachtungsvoll

Anleitung im Porzellan-Malen neuesten Lehr-Methode.

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