Ausgabe 
12.3.1885 Zweites Blatt
 
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Beilage zu Nr. 60 desGießener Anzeiger'

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Allgemeiner Anzeiger

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I. M. Tchrrlhsf, Gießen.

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Sorte stets auf ineitiei am Wer$ vorräthtz irten metien HneW en.

i wirb auf SBunff befolgt.

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Heilung

der

962 Ankauf von Lumpen, Knochen

Eisen, Messing, Werg, Akten, Geschäfts-

I bücher rc. zum Einstampfen. Neuenweg 22

landS ein unzerstörbares Bedürfmß der ganzen Welt sei, und stehe da, die Erkenntniß wird immer allgemeiner, dotz am Ende haS britannische Jnselreich aus die Damr denn doch nicht mächttg genug sein könnte, seine bisherige Wettstellung angelt übt und un­geschmälert zum Nachthetle der übrigen Cutturoölker und Staaten zu erhalten. Die zahllosen Mißerfolge Englands in Südafrika und EgyptHp während der letzten Jahre, hervorgerusen durch kleinlichen Trotz und Egoismus, erzeugt durch den fortgesetzten Aufwand unzureichender Mittel und halben Maßregeln, haben das Cabinet von St. James aus einer Verlegenheit in die andere geworfen und schließlich in die heutige Lage gebracht, welche dem Selbstgefühl der Engländer nichts weniger als schmetchet- haft erscheinen mutz.

Die Misfton deS Grafen Herbert BtSmarck, zofammengehalten mit den Seußer- ungen des Reichskanzlers am vorletzten Montag erscheint gleichfalls in einem Lichte, daS vielleicht für die Energie der retchSkanzlerischen Politik, nicht aber für einen bevor­stehenden Erfolg Gladstom's oder Lord Granvrlle'S spricht. Man wird in London auch unS gegenüber in der nächsten Zeit so thun, alS ob man stch hätte bernhtgeu lasten, aber tn Wahrheit wird aus all' den angeblichen Mißverständnissen doch nur eine weitere Niederlage der englischen Colomalpolit k zur Thatsache geworden feto. De? europäische (Kontinent kann wobl mit einer solchen diplomatischen Entwicklung zu­frieden sein, zumal eS schon jetzt klar ist, daß die seit einigen Tagen tu England herrschende Erregung und Bestürzung keine empfindlicheren und gefährlichen Verwick­lungen weder für Großbritannien noch für irgend einen anderen Staat nach stch ziehen werden.

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Englands politische Situation.

England rüstet, die Londoner Preffe wüthet, Graf Herbert Bismarck fonferirte vir Granville und Rußland fp-.elt den tobten Hasen da« ist so ziemlich die Signatur der Sttuatton, tu welcher stch Großbritannien soeben btfindet. Auf den Börsen und ill anderen polttifirenden Kreisen, wo die nervöse Aufregung der täglichen Beschäfttgung die Ruhe der politischen Beobachtung stört, spricht man schon von der Möglichkeit ernster Differenzen, ja sogar von einem Kriege zwischen England und Rußland. Die Dinge stehen aber nicht so ernst und schlimm, als man nach verschiedenen Zeitungs­nachrichten glauben könnte; es fehlt nicht nur der Kriegsfall, sondern auch die KctegS- lost auf beiden Seiten.

Die Sackgaffe, in welche die auswärtige Politik Englands durch die Dickköpfig­keit und Unfähigkeit Gladstone'S geratheu ist, kann allerdings enger und finsterer kaum gedacht werden. Frankreich ist schon seit Monaten kühl bis an'S Herz hman; Italien Wlt sich über die herablassende, um nicht zu sagen, gertngschStzende Haltung Englands ünläßlich der Expedttioa nach Maffaua einigermaßen gekränkt; die Pforte kommt auS dem egypttschen Kram nicht heraus und wie dir englischen Beziehungen zu uns und Rußland stehen, darüber haben wohl die Nachrichten der letzten Tage genügendes Licht verbreitet.

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Literarisches.

Die große illuftrirte Prachtausgabe von Goethe S Werke«, welche die Deutsche VerlagS-Anstalt tn Stuttgart ihremShak fptare* unoSchmer- angereiht, liegt jetzt mit dem Erscheinen der letzten Lieferungen 81-90 vollendet vor und drei der größten Dichterherom aller Zetten haben nunmehr ihre würdige Illustration durch die Hand hervorragender Künstler der Gegenwart, durch die ersten Werkstätten der Xylographie, durch Meister leisturigen der Typographie gefunden. Bei etaem so reichen @tntu8 wie Goethe, der in allen Zweigen der Dichtung sich bewegt, war es eine große Aufgabe, immer den richtigen Künstler für daS einzelne Werk zu finden; aber die reiche Er­fahrung, welche der Verlag durch seine illuftrtrten Zeitschriften und die vocangegangenen Dtchterheroen hatte, bot ihm daS VerstSadniß unddieMttt-l, eine nicht minder glänzende Ausgabe Go the's zu veranstalten, die, wie wir constattren zu können unS freuen, bereits eine überrafefoenb große Verbreitung gefunden ein Zmgn ß, daß Goethe heute immer mehr tn die Helzen der Natron dringt, populär wird rote Schiller. Und nicht zum wenigsten trägt dazu eine solche illustmtr Ausgabe bet, die dem Worte den Retz des Bildes verleiht, sts macht den Dichter auch Denen noch lieber, die ihn längst gekannt, macht ihn zu einem doppelten Schatz unserer Bibliotheken und verleiht ihm einen Reiz, der immer wi der zu ihm hinführt und ibn so recht zum Familienbuch fitmpdt. Und dieser Prachtausgabe ist ein Tcxt zu Grunde gelegt her, von der Hand eines der größten Goethekenner, des Dichttrbiogrophen Heinrich Düntz er, aufS Sorg­fältigste ausgewählt und reötbirt, dem monumentalen Werke eine ganz wesentlich erhöhte Bedeutung verleiht, die sich auch nach der kritischen Sette zu einer DichterauSgabe ersten Range« erhebt- So ist Alles geschehen, um ein des Dichters würdiges Prachtwerk her- zustellm, daS in seinem herrlichen E'Nbande eine Zierde jeder Familtcnbtbliothek bildet und sich wie wenig andere Werke alS Festgeschenk für das Lebe« eignet.

Zirm 22. März, dem nationalen Freudentage ganz Deutschlands, au welchem eS in biefem Jahre den neunundachtzigsten Geburtstag seines Kaisers feiert, hat die Deutsche DerlaaS-Anstalt (vormals Ed.Hallberger) in Stuttgart eine neue Ausgabe ihrer vor drei Jahren erschienenen Kaiserbiographie, welch? eine so große Verbreitung gefunden, veranstaltet- Dieselbe führt jetzt den Titel: »AchtirndachMg Jahre i« Glaube, Kampf und Sieg. Ein Menschen- und Heldenbild unseres deutschen Kaisers^. Dieses biographische VolkSpraÄtwerk ist nun fortgeführt bis auf die Gegenwart - zu dem Btlderfchmuck der ersten Ausgabe, die Aufsehen erregte durch die authentischen Illustrationen, sind jetzt noch weitere Copieen auS der Aquarell» fammlung Seiner Majestät htozugekommen, welche der Kaiser in der letzten Zeit sich hat unfertigen lassen und deren Benützung für daS Werk er ebenfalls wieder aller- gnädigst gestattet hat-

Diese Festschrift, wie sie nunmehr in ihrem handlichen Format und billigen Preis (geheftet 2 gebunden 3) uns vorliegt, darf mit Recht bezeichnet werden als eine Musterlebensbefchreibuna unseres HrldenkaiftrS in volkSihümlichem Genre, als Schmuck­stück für den Familientifch, die HauSbibliothek, für patriotische Vereine, im Salon so gut wie in der einfachen Stube deS Bauern. ES muß ihr ferner nachgerühwt werden, daß sie mit außerordentlicher Wärme und Begeisterung geschrieben ist, authentisch sicher in allen Angaben und von größter Vollständigkeit. ES ist sichtlich ein Werk der Liebe und Anhänglichkeit an die Heldengestalt Kaiser Wilhelm^, würdig und edel, gediegen, echt, wahr und schön nach Text, Btlderfchmuck und Ausstattung, und das wird ihr Eingang verschaffen tn allen Kreisen deS deutschen Volkes, der deutschen Familie. Patriotische Vereine können ihrer Begeisterung und Verehrung für ihren Kaiser keinen beredteren Ausdruck geben, alS durch die Verbreitung dieser Festgabe unter ihren säinmt- ttchen Mitgliedern. Ebenso scheint unS dies schöne Werk vorzüglich geeignet zu Ver­wendung als Schulprämie, die sicherlich von Schülern und Eltern gleich willkommen geheißen wird.

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_____ v. . .----------- - ---------- Diese Perspective

Gesucht nicht erst von heute, aber weil sie heute klarer denn je steht bei der Unfähig-

. 77is>mmtan vacantcs M»--Ader englischen Polit k, Rußlands Vordringen aufzubalten eben darum ist der 3Mfe für einige T^viemmenftoß der englischen und russischen Macht in jenen G-bieten nur eine Frage Treffen unter E. V &n 3ett und eine welthistorische Nothwendigkett.

f Gladstone gebührt daS traurige Verdienst, den Rückgang Großbritanniens in

--r-TTZ^ Richtung wie mit Rücksicht auf feine anderweitige coloniale Machtstellung be-

/.liinPnStriCHClC' Mtunigt zu haben. Er und Granville waren nicht vorurthetlSloS genug, die Colonial- unsererseits zu würdigen. Sie glaubten, daß die coloniale Suprematie Eng- von , _

-A BRANDT CiviWngenieur

Wenn man an dis stolzen Tage Beaconfield'S denkt, da Königin Victoria zur Saiskrtu von Indien geworden, da England Cypern erwaro und das russische Heer mhtnderte, in Korstanttnop-l einzurücken, so kann man eS kaum verstehen, daß Groß- htitannien die heutigen Niederlagen eines Gladstone und Granville tn der auswärtigen Wtttk zu ertragen vermag. Wir wissen sehr wobl, daß englische Ministerien in der Regel nur wegen inneren Fragen fallen, daß die Conservaliven tu England immer ttae sehr mittelmäßige innere Politik gemacht haben; aber mutz denn nicht dis auS Luter schon etngetretenen oder doch bevorstehenden Katastrophen combintrte Jsolirung der Mjrlischm Weltmacht innere Krisen der verschiedensten Art noch stch ziehen? Und daS Schlimmste an dieser Lage ist, daß im Augenblicke der Bestürzung heute tn England eigentlich Niemand weiß, wie auS der Sackgaffe herauSzukommen wäre.

Man spricht zur Stande in London nur von Truppensendungen und redet sich tiv, daß England ein weiteres Vorrücken Rußlands gegen Herat nicht dulden werde. Wenn man nun auch in Petersburg so furchtsam wäre, auf solche Drohungen mehr zu eiben, alS dieselben werth find. In der That scheint an der Newa Niemand an wen Krieg mit England zu denken, so günstig auch dir BuSfichten für Rußland in Wem Augenblicke fein mögen. Wozu auch eine kriegerische Verwicklung, die gefährlich Änd kostspielig und mit Rücksicht auf die wahrscheinliche fernere Entwicklung an der Wichen Grenze Persiens üderflüsfig wäre?

Verfolgt man den Gang der centralafiattfchen Politik Rußlands seit fünfzehn Zähren, berücksichtigt man die Stimmung der Petersburger und Moskauer Blätter feit Balgen Monaden, die mit brsonderer Zurückhaltung von dcr europäischen Orient-Politik, M vm so mehr Nachdruck aber von derasiatischen Eutturmission Rußlands^ sprachen, 1o funn über den stetigen und unaufhattsamen Fortschritt der russtschen Macht gegen Münistan und Indien nicht der mindeste Zweifel obwalten. Ztebt man noch die Möztebigerkn materiellen Machtmittel Rußlands und die wettans größere Geschicklich- M der Ruffen, mit den centralasiattschen Völkern fertig zu werden, in Berücksichtigung, Lrdrvkt man endlich, daß dirweiße Cza? so nab", England so fern ist, und daß chmiltch nur einige hunderttausend Engländer Indien und Afghanistan im Zaune Suiten, dann ist die Zukunft der Länder und Reiche zwischen dem KaSpifchen und brm Nab'fchen Meere allerdings so klar vorgezeichnet, daß Rußland heute gar keine Ursache M Me kommende Entwicklung der Dinge zu überstürzen.

In diesem Stone wäre auch eine allzu rasche Beschleunigung der russischen Ge- SiclSenverbung in der Richtung auf Herat nur vom Nebel. Die rusflschm Expeditionen nach Thiwa, Bochara unb den Tmkmenen-Sttppen haben ja gezeigt, daß jene Bölker- ichastm denn doch einen gewiffen Proceß der Asstmilimng durchmachen müssen und ßur eine zweckmäßige nachhaltige Behandlung derselben in oerhältnißmäßig kurzer Zkit die Entsendung von Huldigungsdeputationen zur Folge hat, die dann iu PtterS- ------hm oerfichern, daß dieser oder jener Stamm nichts sehnlicher herbeiwünsche als den SaaertM»st» »ichtigen Schutz und die ODerherrschfft des Ezaren. Wozu sollte man also jcht an

Rewa die diplomattsche Ruhe ob deS LärmS, den John Bull gerade schlägt, oer» ir-irb gesucht. OMm nvp itttm? Km Ende wird ja eine oder die andere beruhigende Erklärung deS Ministers dcr Srved. d. A. KierS in der Richtung, daß Rußland eher an alles andere, als an eine Bedrohung

--- -Lastens oder Afghanistans denkt, hinreichen, um die Gemüiher in London für einige

3M beruhigen. Vielleicht wird bann wieder einmal von einerneutralen Zone" Lpiftöen Bochara und Indien die Rede fein, aber diese wird gewiß ebensowenig Werth - ^«sitzen, alS zur Zett, da sie Fürst Gortschakow das erste Mal theoretisch zugestand.

AesoraungitVerwerthung * bet alledem wird Rußland seine äußersten Post-n in Esntralasien in aller Ruhe nn*tmm riuii-.iflnpnieur M Stille immer weiter vorschieben, bis endlich nach einem oder zwei Decennien

7 Müch jene Constellation an der Nordwestgrenze Indiens eingetreten sein wird, vor